Mit Kinderaugen

 

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Mehrfach habe ich bereits berichtet, dass ich inzwischen ganz entspannt im Berliner Straßenraum zeichnen kann, ohne dass ich durch aufdringliche Passantinnen und Passanten belästigt werde. Was die einen als Kaltherzigkeit und Anonymität der Großstadt, in der sich die Menschen nicht (mehr) füreinander interessieren, beklagen, ist genau das, was mir das Leben in dieser Stadt erträglich macht.

Eine Ausnahme allerdings gibt es; und das sind die Kinder. Kinder sind die einzigen, die mir immer wieder über die Schultern schauen. Inzwischen komme ich damit ganz gut zurecht, nochzumal die meisten Kinder von zeichnenden Erwachsenen hellauf begeistert sind und auch Zeichnungen bewundern, die ich selbst als eher misslungen ansehe. Liegt es daran, dass es Kinder zu schätzen wissen, wenn sich Erwachsene dieser spielerischen Tätigkeit hingeben, die in der durchschnittlichen Alltagswelt nur angebliche Kleinkindsache ist? Liegt es daran, dass ich mich, indem ich die Dinge zeichnend betrachte, auf ihre Ebene begebe, ihre Sprache spreche? Oder ist es die Faszination dabei zusehen zu können, wie auf dem Papier nach und nach ganze Welten entstehen?

Die hier gezeigte Zeichnung entstand während einer Bahnfahrt. Grundlage war eine Pferdeskizze, die ich im Wildpark Schorfheide begonnen hatte und dann abgebrochen habe, weil die Pferdeherde weitergetrabt war. Ich kritzelte ein wenig um das Pferd herum und plötzlich war ein Einhorn entstanden und die Begeisterung der neben mir sitzenden Mädchen entfacht. Ich gesellte dem Einhorn ebenfalls ein Mädchen zu und stellte beide in eine Berg- und Wiesenlandschaft.

„Oh! Sind das Sternenschweif und Laura?*“, fragte die links neben mir sitzende Kleine?

„Keine Ahnung! Ich glaube nicht,“ meinte ich unentschlossen.

Und dann entschieden wir, dass die beiden Zeichenfiguren die Namen der beiden Mädchen neben mir bekommen sollten.

Stolz und mit leuchtenden Augen beobachteten sie, wie ich die Zeichnung mit ihren Namen betitelte. Dann musste ich leider schon aussteigen.

 

Mein aktuelles Skizzenbuch ist fest gebunden und hat keine heraus trennbaren Seiten. Für die nächsten Ausflüge werde ich unbedingt auch loses Papier einpacken, damit ich den Kindern ihre Krokodile, Prinzessinnen und Einhörner mitgeben kann.

 

 

*Sternenschweif – Buch- und Hörspielreihe über das magische Einhorn Sternenschein und seine menschliche Freundin Laura

Zweite Blüte

 

 

Als ich heute durch den Tiergarten fuhr, leuchteten mir vereinzelte weiße Rhododendrenblüten entgegen. Merkwürdig, dachte ich und fürchtete sofort, die Pflanzen seien durch den nassen Sommer durcheinander gekommen und würden nun ihre Blüten für den nächsten Mai bereits jetzt verpulvern.

Bei verschiedenen Online-Gartenratgebern fand ich Beruhigung. Eine Nachblüte komme bei manchen Arten gelegentlich vor und habe keinerlei Auswirkung auf die Blütenfülle im folgenden Jahr. Da kann ich also beruhigt die Schönheit der Blüten genießen.

***

Gab es auch vergangenes Jahr eine solche zweite Rhododendrenblüte? Ich kann mich nicht daran erinnern, würde mich aber nicht wundern, wenn ich die Blüten vor lauter früher Furcht vor dem baldigen Herbst gar nicht wahrgenommen hätte. Vor einem Jahr war ich voller Panik und fühlte mich unfähig, das Jetzt wahrzunehmen. Das Morgen schien riesig drohend vor mir zu lauern, alle Freude verursachte vielfachen Schmerz.

Diesem damaligen Weltuntergangsgefühl ist es aber auch zu verdanken, dass ich nun mein einjähriges Blogjubiläum feiern kann, denn in einer spontanen Sofortaktion legte ich eines Abends diesen WordPressaccount an und veröffentlichte das Gedicht, das mir am Nachmittag zuvor auf einer Bank im Tiergarten aus der Feder gesprungen war. Ich bin es noch immer, und doch bin ich eine andere, als die, die diese Zeilen schrieb.

https://agnesblogsite.wordpress.com/2016/08/09/first-blog-post/

Mein Dank gilt Euch, die Ihr hier lest und kommentiert und die Ihr selbst so spannende Beiträge schreibt, dass ich oft das Gefühl habe, dass sich mein Gedankenhorizont dank dieses Austausches Stück für Stück weitet.

 

 

 

 

Ruhepause

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Fernweh hin oder her – mit dem Verreisen wird das für mich vorerst nichts. Aber so etwas ähnliches wie Urlaub brauche ich doch. Bei allen Therapieerfolgen die letzten Wochen, die ich selbst sehe und die auch andere mir bestätigen und die mich innerlich jubeln lassen, merke ich doch, dass mir die Puste knapp wird und ich eine Auszeit brauche. Dies nicht nur zu spüren, sondern dem auch wenn möglich nachzugeben, gehört ja auch zur vier beschworenen Achtsamkeit. Auch die SportlerInnen unter Euch werden wissen: kein Trainingserfolg ohne Ruhetage.

Nun denn! Die folgende Woche habe ich mir von allen Therapien frei genommen. Raus aus dem Trott, hinein in den Sommer. Ein paar Tagestouren stehen auf dem Plan: mit der Regionalbahn raus aus der Stadt in die Natur. Mit dem Rad durch die Schorfheide fahren, wandern und baden, Bücher lesen und natürlich zeichnen. Es sei denn, es hagelt wieder eine Unwetterwarnung nach der nächsten. Doch auch dann ist der Schreibtisch für mich verbotene Zone; Blogbeiträge wird es keine geben und damit ich nicht lesend in der virtuellen Welt versinke – – – was mir ab und an passiert und Ihr seid schuld, weil Ihr so interessante Blogartikel schreibt ***kokettes Lächeln, Kopf schief stellen, Augenzwinkern*** – – -, will ich neun Tage lang das Internet nur als Nachschlagemedium für Adressen, Öffnungszeiten und Fahrpläne nutzen. Das habe ich mir jedenfalls in einer freiwilligen Selbstverpflichtung vorgenommen. Mal sehen, wie sich das so angeht. Am 14. August gehen meine Therapien weiter und mit dem zurückkehrenden Alltag werde ich dann hier an dieser Stelle wieder von mir hören lassen.

Doch jetzt ist erst einmal Urlaub!!!

Zur Einstimmung fünf Wasserbilder, die sich bei Anklicken vergrößert betrachten lassen.

 

 

Ich wünsche Euch eine schöne Zeit!

EiLosKuchen für den traurigen Teddy

Panda, Naturkundemuseum

Bao Bao im Naturkundemuseums, Bleistiftskizze,Skizzenbuch A5, 01.08.2017

 

„Ooooh, guck mal Mama! Der sieht aber traurig aus,“ stellte ein kleines Mädchen fest, als es an der Vitrine mit dem ausgestopften Pandabären Bao Bao vorbeilief.

In der Tat war mir die große Traurigkeit des ausgestellten Pandabären im Vergleich zum  scheinbar fröhlichen Knut auch aufgefallen. Will er uns Menschen mahnen, die wir gedankenlos unsere Umwelt und damit nicht nur unsere eigene, sondern auch seine Lebensgrundlage und die aller Wesen der Erde zerstören? Kritisiert er den Selfiewahn um Knut, der ihm nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit beschert? Mahnt er, die Haltung und die Haltungsbedingungen von Zootieren zu überdenken? Ist ihm unwohl bei dem Gedanken an den millionenschweren Pakt um seine zwei Artgenossen, die nun staatstragend im Berliner Zoo hofiert werden? Könnte er all dies tatsächlich denken, wäre er sicherlich auch erfreut über die Diskussion über Tierethik, angeregt von Gerda Kazakou und Nadia Baumgart, zu deren aktuellsten Artikeln diesbezüglich Ihr gern den Links folgen könnt:

https://gerdakazakou.com/2017/08/02/die-ziege-myrte-mittwochs-beitrag-zur-tier-ethik/

https://tierethiksite.wordpress.com/2017/08/02/mein-kommentar-zu-gerdas-beitrag/

 

Wie entsetzt wäre Bao Bau, wüsste er, dass wir gestern ein peinliches, trauriges, schauriges Gedenkdatum hatten, den „Earth Overshoot Day“. Falls das Euch nichts sagt, dann lest z.B. in diesem gestrigen taz-Artikel und im WordPressbeitrag von Ellie zum „Traurigen Welterschöpfungstag“.

 

Dazu passt vortrefflich, dass im Rahmen der bunten Ara-Ausstellung des Naturkundemuseums die Installation eines aufgehängten Mastschweins gezeigt wird, auf dessen Bauch die (wenigen) interessierten Besucher gezeigt bekommen, dass massenhafter Fleischkonsum ein wesentlicher Faktor bei der Vernichtung des Regenwaldes ist, denn den großen Teil des dort angebauten Soja essen nicht die VeganerInnen und VegetarierInnen, sondern dienen als Futtermittel zum Beispiel für unsere Mastschweine.

 

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Doch genug des erhobenen Zeigefingers, denn hilfreicher ist es doch, wenn wir uns die Umstellung der Ernährungs- und Lebensweise gegenseitig schmackhaft machen. Mein Minibeitrag dazu heute:

 

Gestern gab es bei uns EiLosKuchen, die wir geradezu verschlungen haben. Das will etwas heißen, denn ich war soweit ich mich erinnern kann noch nie ein richtig großer Fan von Eierkuchen (oder Pfannkuchen — der Streit um die korrekte Bezeichnung ist emotional, ideologisch und wird wohl nie final entschieden). Darüber hinaus: früher sind mir die Dinger in der Pfanne immer angebrannt oder kaputt gegangen oder schmeckten viel zu fettig. Diese Superkuchen aber sind mir – ich habe selbst Bauklötzer gestaunt – auf Anhieb gelungen.

Das Rezept ist simpler als jede Backmischung:

Mehl und Wasser verrührt Ihr im Verhältnis 1:2 (ich habe verschiedenen Mehlsorten gemischt, simples Auszugsweizenmehl funktioniert aber wohl ebenso). Eine oder zwei pürierte Bananen ersetzen die Eier. Als Ei-Ersatz funktioniert auch Apfelmus, das ich ebenfalls dazugegeben habe. Menge frei nach Lust und Laune. Dazu eine Prise Salz sowie bei Bedarf noch etwas Zucker. Dann die Masse nach und nach in die Pfanne geben. Und die fertigen EiLosKuchen stellt Ihr sicher, damit sie nicht aufgenascht sind, bevor Ihr fertig mit dem Braten seid.

Zum Beweis die EiLoskuchenbilder sowie das Versprechen, dass mein Blog hiermit nicht und niemals zum Rezepteblog mutiert. Kochen und Backen sind für mich reine Notwendigkeit des Alltags und nichts, worüber ich in meiner freien Zeit mehr als nötig zu Lamentieren gewillt bin.

 

 

Der saftige, süße und suchterzeugende Geburtstags-Schokokuchen war selbstredend auch Ei- und Milchfrei.

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Knut, der Superstar

Eisbär, Knut, Naturkundemuseum Berlin

Eisbär Knut – auch heute noch ein Publikumsmagnet, Zeichnung, Fineliner, Skizzenbuch A5, 01.08.2017

Viele werden sich noch an den riesigen Hype um das Eisbärbaby Knut erinnern, dem sich damals niemand entziehen konnte.

Der einstige Superstar und Liebling des Berliner Zoos (West) lebte nicht nur im permanenten Rampenlicht, sondern starb makabererweise auch unter den Augen der Zoobesucher; gerade einmal vier Jahre alt.

Sodann wurde er ausgestopft und ging als Eisbärpräparat auf Reisen. Derzeit gehört er zu den Attraktionen des Berliner Naturkundemuseums.

Als ich am Dienstag dort war, erwies ich ihm selbstredend meine Ehre – mit meinem Zeichenstift. Über Knuts Schädelform war ich höchst erstaunt – besonders über die Profilansicht. Dass ein Eisbärenschädel geradezu stromlinienförmig spitz zuläuft – ganz im Gegensatz zur Kopfform einer anderer Bärenarten und auch des beliebten Plüschteddies – war mir bis Dienstag nicht bewusst.

Solche Details interessierten das Gros der Besucher, die Knut passierten während ich dort zeichnete, arg wenig. Selfie mit Knut war Spitzenreiter unter den Attraktionen. Gruppenbild mit Knut war ebenfalls sehr hoch im Kurs: Bitte lächeln. Knut jedenfalls scheint uns Betrachtern tatsächlich zuzulächeln. Zufall oder touristisches Mitdenken der Kollegen Präparatoren (und Präparatorinnen, um ganz genau zu sein)?

Knut, Eisbär, Naturkundemuseum

Knut – kein Bär von Traurigkeit? Zeichnung, Fineliner, Skizzenbuch A5, 01.08.2017

Im Park

 

In ziemlichen Einklang mit mir selbst war ich am Montag. Wenn das kein gelungener Start in mein neues Leben als Frau von Vierzig ist?!

Buchstäblich auf Händen getragen fühlte ich mich. Nachmittags im Park – mein Thron in der Hängematte. Auf keinem Sofa liege ich bequemer! Später ein paar Kritzeleien, die zu einem runden Tag dazugehören.

Vierzig werden ist gar nicht so doof, wie ich befürchtet hatte.