dummes kreisen

heute: zahnarzt.

früher war das für mich kein problem. heutzutage aber ist alles eine riesige herausforderung für mich. ich musste sogar meinen zahnarzt wechseln, da ich mich vor dem alten, mir vertrauten, für mein derzeitiges auftreten schäme.

dumme, strunzdoofe, irrwitzige gedanken während des praxisbesuches, die mir in der rückschau ziemlich einfältig vorkommen. sogar wenn mir die gedanken durchs hirn spuken weiß ich, dass ich sie nicht haben sollte, nicht zu haben brauche, dass ich den gedankenstrom unterbrechen muss. aber ich bin  machtlos, bin den hirngespinsten unkontrolliert ausgeliefert.

an der anmeldung geht es noch. ich kann schweigend meine krankenkassenkarte über den tresen schieben. natürlich denke ich: was denken die? aber es ist eine praxis, die auch angstpatienten behandelt und so hoffe ich, dass die schwestern merkwürdiges verhalten gewohnt sind. aber sie gucken so komisch!

im wartezimmer ist es schwieriger. ich bekomme den mund nicht auf, um ein älteres ehepaar am fenster zu grüßen. schäme mich dafür. denken die jetzt, ich sei schlecht erzogen? ich wüsste nicht, was höflichkeit ist? bestimmt werden sie nachher über meine schlechten manieren herziehen, dann einen weiten bogen schlagen und sich einig sein, dass früher alles besser war.

dabei: wenn jemand zu höflichkeit erzogen ist, dann bin ich das! ich weiß, wie man sich benimmt. gelernt ist gelernt. nur kann ich es eben jetzt nicht. wenn meine großmutter wüsste, dass ihre enkeltochter nicht mal mehr die kleinsten benimmregeln einhalten kann – verständnis hätte sie sicher keines. krankheit hin oder her – da muss man sich eben zusammenreißen, den schein wahren: „was sollen denn die leute denken!“

neben mir – ein wasserspender. ich habe durst, bekomme kein wasser aus der flasche, die noch zur hälfte gefüllt ist. die gucken mich jetzt sicher an. halten mich für ungeschickt. wie peinlich! warum habe ich nur nicht daran gedacht, meine eigene flasche mitzubringen! natürlich frage ich die schwestern nicht, wie der automat funktioniert. ich werde nachher auf der toilette ein paar schlucke direkt aus dem hahn trinken.

verdammt, wie ich schwitze! seit ich diese neuen tabletten nehme, ist das noch schlimmer geworden. mir laufen die schweißtropfen in rinnsaalen über den körper. hoffentlich hält mein deodorant das aus. wenn ich jetzt auch noch zu stinken anfange…

ein tuch zum schweiß abtupfen wage ich nicht aus der tasche zu holen. ich muss eine hand vor mein gesicht halten, um mich vor dem ganz bestimmt gleich lästernden ehepaar abzuwenden. sie sollen mich nicht ansehen dürfen! wenn ich mich jetzt bewege, ziehe ich doch noch mehr aufmerksamkeit auf mich!

ich tropfe!

endlich im behandlungszimmer. fast schon ist das schlimmste hinter mir. die zahnarztassistentin will nur prüfen, ob meine neue schiene richtig sitzt. nichts tut weh. das herz rast dennoch.

ich kann nicken, „aham“ sagen, kopf schütteln. die frau spricht mit mir wie mit einem kleinkind, laut, deutlich, langsam. hält sie mich für blöd? vielleicht bilde ich mir das nur ein und es ist ihr normaler tonfall, wenn sie mit patienten spricht?

jetzt ist es vorbei! in einem halben jahr muss ich wieder zur kontrolle. vielleicht bin ich dann eine andere, habe meine fiesen gedanken unter kontrolle, kann ihnen entgegenrufen: halt! stopp! nicht mit mir.

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luciano

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luciano, 27.08.2016

am sonnabend: töchter, freund und ich machten einen ausflug zum wannsee. ich war lange nicht mehr dort gewesen, hatte die gegend auch unbebauter und natürlicher in erinnerung.

am s-bahnhof waren massen an menschen unterwegs, kein stückchen freier unbebauter natur in sicht. für ausflügler mit wander- und badelust nicht das perfekte ziel.

dennoch kam keine schlechte stimmung auf.

wir machten halt an einem spielplatz, es gab fettige pommes, kartoffelsalat und würstchen für die fleischesser.

und – es gab es luciano.

luciano saß mit seiner gitarre, mikrofon und verstärker an einer treppe, spielte viele der lieder, die ich damals als teenager sehr mochte. ich hatte mich damals innerlich von der gegenwart abgekehrt, ließ also auch die musik der neunziger jahre nicht an mich heran (einzige ausnahme blieben nirvana).

ich verehrte die musik der alten hippies, die zu ihren zeiten noch geglaubt hatten, sie könnten die welt verändern. wie ich sie beneidete um ihre naive zuversicht.

luciano spielte und sang gut, sehr gut, berührend schön. der sound war großartig. der klang der musik weckte alte vergrabene gefühle in mir.

zu nah traute ich mich nicht an ihn heran, lauschte aus der ferne. meine emotionen fuhren achterbahn. ich zog bleistift und papier aus dem rucksack, musste zeichnen, ich sah nur sein weißes langes haar leuchten. die gesichtszüge blieben verschwommen.

mein freund überredete mich, uns näher zu setzen. es erscheint mir jetzt noch als ein wunder, dass ich mich das wirklich traute: versteckt zeichnen, unbeobachtet, allein – das ist  die eine sache. aber ich lasse mich nicht gern beim zeichnen (und auch schreiben!) beobachten. ich halte mich auch einfach nicht für gut genug. fürchte, dass meine striche als dilettantisches gekritzel verspottet werden. mit fremden zu sprechen, von ihnen wahrgenommen und beachtet zu werden, ist für mich zudem der blanke horror.

doch um luciano zu zeichnen musste ich nah genug an ihn heran, dass auch er mich sehen und mich sogar ansprechen konnte. vorbeigehende konnten mir aufs papier und auf den bleistift sehen. grauenvoll!

die entstandene zeichnung halte ich nicht für meine beste – dazu hatte ich während des zeichnens zu viel angst, war angespannt, die hand nicht locker. dennoch möchte ich sie euch zeigen, weil ich stolz darauf bin, dass ich mich überwunden habe, weil es für mich ein riesiger schritt und eine große tat war.

das bild habe ich luciano geschenkt. wiederum hatte ich große zweifel, angst, dass er das lächerlich finden würde, dass ihm die zeichnung nicht gefallen und sie im nächsten mülleimer landen würde. es war mir einfach schrecklich peinlich, ich schämte mich – und bekomme schon allein bei der erinnerung daran wieder herzrasen.

freund und töchter behaupten, er wird sich gefreut haben. wie oft wird man als straßenmusiker gezeichnet?

ich interessiere mich für meine mitmenschen, auch wenn ich nicht mit ihnen reden kann. portraits – ob als fotagrafie, gemälde oder zeichnung – betrachte ich gern. gesichter finde ich spannend, den ausdruck der augen, falten und linien im gesicht. ich träume davon, eines tages interessante menschen angstfrei ansprechen zu können, um sie zu zeichnen, das besondere in ihrem gesicht, ihrem ausdruck, ihrem wesen zu erfassen.

das scheint mir ein lohnendes ziel.

den anfang habe ich immerhin gemacht.

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luciano, 27.08.2016

mein liebster blog award

ich danke meine kleine chaoswelt  – https://meinekleinechaosweltblogspotde.wordpress.com – recht herzlich für deine nominierung zu mein liebster blog award.

im ersten augenblick war ich vollkommen erschrocken. ich bin doch erst so kurz dabei und was soll ich antworten, wen soll ich selbst nominieren, welche fragen soll ich stellen…

aber es hat spaß gemacht, auf deine fragen zu antworten. bei mir ist immer die gefahr, dass ich schreibenderweise ins plaudern komme und ich hätte zu fast allen fragen noch viel mehr schreiben können.

gestern abend war ich dann soweit, dass ich diesen beitrag posten wollte, doch ein stromausfall wollte das scheinbar verhindern, fuhr den PC herunter und löschte einen großen teil des textes.

nun habe ich also munter alles noch einmal getippt und hier ist mein beitrag:

elf Fragen

1. Wie kam es dazu, dass du angefangen hast zu Bloggen?

ich hatte schon lange darüber nachgedacht, einen blog anzufangen, aber aufgrund meiner depressionen waren das bisher immer nur leere sich kreisende gedanken, die oft darin endeten, dass ich zu mir selbst sagte: ach, das sind nur wieder solche ideen von dir, das wirst du doch niemals wirklich machen.

vor knapp drei wochen saß ich abends am computer und ich habe mir – spontan, ohne groß darüber nachzudenken – diese seite angelegt und angefangen, den ersten text zu posten.

nie hätte ich gedacht, dass das jemand lesen würde …

 

2. Welcher Blog ist aktuell dein Lieblingsblog?

natürlich suche ich besonders nach anderen blogs über depression und angst, aber auch über kunst, literatur und so weiter. außerdem interessiere ich mich sehr für das leben und vor allem die gedanken anderer menschen. schon als teenager habe ich gern lebensberichte, tagebücher und briefe nicht nur von berühmten menschen und gerne auch von frauen gelesen. ich habe lange „Guten Morgen Du Schöne“ von Maxi Wander bei mir getragen und darin gelesen, das buch aber irgendwann auf dem schulhof verloren. jetzt habe ich mir ein neues exemplar besorgt.

für einen einzigen lieblingsblog entscheiden . das kann ich nicht.

zum ersten:

ich bin ja erst seit kurzem dabei, bin auch gerade dabei, die anderen blogs zu entdecken. ich brauche auch immer eine weile, bevor ich mir wirklich eine meinung bilden kann und will, muss immer erst abwägen, für- und wider gegeneinanderstellen.

zum zweiten:

es gehört scheinbar auch zum wesen einer depression, dass sich viele der betroffenen oft schwertun, entscheidungen zu treffen. das fängt bei ganz simplen alltagsdingen an wie: gehe ich in den park oder will ich malen (und dann vor lauter zwiespalt oft gar nichts machen können, weil die entscheidung zu treffen unmöglich). wie soll ich mich da für einen lieblingsblog entscheiden?

zum dritten:

wenn ich sagte, mir gefiele ein blog besser als der andere hätte ich angst jemanden zu verletzen, der oder die nicht genannt wird. das geht bestimmt auch vielen nichtdepressiven so und soll keine ausrede sein. aber manche „eigenheiten“ verstärken sich  unter der depression immens.

3. Was geht dir durch den Kopf, wenn du deine Texte schreibst?

ich setze mich hin zum schreiben und meine gedanken, die zuvor wirr in meinem kopf kreisten, ordnen sich. manche waren mir zuvor auch noch gar nicht bewusst, zwingen mich sie aufzuschreiben und sie wahrzunehmen.

sicher, wenn ich nicht am schreibtisch sitze, fallen mir sehr viele dinge ein, die ich in meinem blog schreiben könnte oder sogar sollte. aber der text, den ich dann später schreibe, sieht oft anders aus und entspricht der momentanen stimmung, in der ich in diesen sekunden bin.

4. In wie vielen Ländern bist du schon gewesen?

die sogenannten westlichen länder kenne ich viel zu wenig. weder war ich in frankreich (eigentlich nur ein paar zugstunden entfernt), noch großbritannien, irland, geschweige denn den usa.

dafür habe ich ein paar monate in moskau studiert und in bibliotheken und archiven gesessen, in kasachstan ein praktikum gemacht, bin in kirgisien durch die berge gewandert.

gerne würde ich viel mehr länder kennenlernen, aber nicht als touristin, denn ich suche nicht sightseeing, sondern tatsächlich das leben an anderen orten zu erfahren. dazu muss man eine weile dort leben, unter und mit den dortigen bewohnern.

vor zehn jahren nahm ich mir vor, zu meinem vierzigsten geburtstag mit zelt und rucksack durch den kausasus zu wandern. habe sogar ein wenig angefangen, georgisch zu lernen.

das kann ich leider gerade nicht, werde es mir aber gönnen, wenn ich meine krankheit besser im griff habe.

5. Wenn du essen könntest, was immer du willst, ohne dass es irgendwelche Nebenwirkungen hätte (Übelkeit, voller Magen; Gewichtszunahme,…) was würdest du essen?

diese frage ist ganz einfach zu beantworten:

schokolade! aber zartbitter, vegan, aus fairem anbau.

wer sich nur einmal mit lebens- und arbeiten auf den meisten kakaoplantagen beschäftigt hat, muss scheuklappen tragen um wirklich unbeherzt benießen zu können.

 

6. Ist es dir wichtig, dass viele deinen Blog lesen?

anfangs war es das gar nicht. aber inzwischen freue ich mich, dass ich schon über zwanzig follower habe und würde mich über neue leserInnen nicht beschweren.

das bedeutet natürlich auch leistungsdruck. werde ich den erwartungen gerecht? schreibe ich interessant genug? nachvollziebar? werden „kunstverständige“ kommen und in meinen bildern all die „falsche“ Strickführung sehen, die schlecht gesetzten schatten, die unstimmige perspektive…

aber wenn meine beiträge

  • anderen menschen helfen mehr über depressionen und ängste zu verstehen und sie dann für ihre mitmenschen (alle mitmenschen, die „anders“ sind) ein wenig offenheit mitbringen
  • wenigstens einige menschen ermutigen, ebenfalls über ihre krankheiten und ängste zu reden
  • und dann auch einige menschen einfach unterhalten, berühren, erfreuen oder zum nachdenken anregen,

dann wäre ich – soweit man das in meinem zustand auch mal sein kann (ja, das geht sogar an guten tagen!)- glücklich.

 

7. Welche Pflanze ist deine Liebste?

meiner oma, die morgen geburtstag hätte, habe ich jedes jahr eine sonnenblume mitgebracht. sie liebte auch den leuchtenden mohn im garten.

gerade erfreut mein herz das kleine unscheinbare jonanniskraut, das viele gärtner als sogenanntes unkraut aus den beeten rupfen. eine bereits verstorbene freundin liebte diese pflanze auch und es ist eine schöne erinnerung an sie, wenn ich das gelb leuchtende kraut an einem wiesenrand entdecke.

 

8. Einmal angenommen, dein Leben wäre ein Film. Welchen Film ähnelt es am Meisten?

dazu fällt mir gerade überhaupt nichts ein.

 

9. Jeans oder Jogginghose?

zu hause unbedingt jogginghose. ist einfach bequemer.

wenn ich nach draußen gehe, dann trage ich derzeit eher röcke und kleider, weil ich dank der medikamente etwas aus dem leim gegangen bin und manche hosen zu eng sind, kneifen, behindern.

 

10. Was ist dein absoluter Traumjob?

da bleibe ich träumerisch:

 

bergsteigerin

auf hohe einsame gipfel

weitsicht

der mensch erscheint klein

strapazen

herausforderung

fallen

tränen

ödnis

steine

felsen

schönheit

es schaffen

grenzen überwinden

allein

 

11. Wenn du einem Menschen deiner Wahl bei dir haben könntest, wer wäre das und was würdest du sagen?

als mensch mit sozialer phobie möchte ich wenn, dann nur meinen freund und meine kinder um mich haben.

ich sage ihnen, wie sehr ich sie vorbehaltlos bedingungslos liebe, schätze und stütze.

 

drei nominierte

mich dazu zu entscheiden, wen ich nominieren soll, ist mir besonders schwer gefallen (siehe frage 2 nach dem lieblingsblog).

hatte darüber nachgedacht, mich zu drücken, aber feige wollte ich auch nicht sein:

also tataaaaa und trommelwirbel: hier meine drei nominierten:

 

elf neue fragen

nun, wie es sich gehört, hier meine elf fragen:

  1. was war dein erster Gedanke, als du von deiner nominierung erfahren hast?
  2. wissen deine freunde, verwandten und bekannten von deinem blog?
  3. welches buch hat dich in letzter zeit besonders fasziniert und warum?
  4. wie hältst du es mit gendergerechter sprache?
  5. würdest du gern einmal in die vergangenheit reisen? in welches jahrhundert und auf welchen kontinent/in welche stadt, land,…
  6. bist du naturmensch oder stadtmensch?
  7. könntest du dir vorstellen, ein jahr lang allein auf einer einsamen insel zu leben?
  8. gibt es ein land, in dem du gerne leben würdest? was hält dich auf?
  9. katze oder hund?
  10. welches war das bisher schönste oder aufregendste erlebnis in deinem bisherigen leben?
  11. würdest du smartphone, ipad, pc und sonstigen kram gegen eine tarnkappe oder gegen flügel eintauschen?

 

Der Liebster Blog Award-Leitfaden

zum schluss Der Liebster Blog Award-Leitfaden wie ihr nun weitermachen solltet:

dankt mir für meine nominierung – oder dankt mir nicht, falls ihr aus irgendeinem grund von diesem award nichts haltet oder euch mental gerade nicht dazu in der lage fühlt. verlinkt dabei meinen blog in eurem beitrag.

beantwortet meine elf fragen.

nominiert bis zu elf andere blogger für den award, die weniger als 200 follower haben.

denkt euch elf fragen aus, die die neuen nominierten beantworten sollten.

vergesst nicht, eure nominierten zu informieren 🙂

 

euch hoffentlich viel freude

herzliche grüße von agnes

 

 

zum trotz!

ein langer text für heute war eben vor der fertigstellung. dummerweise war wohl gerade in halb berlin für eine millisekunde stromausfall. pc aus, dreiviertel text weg –  ich dummerle hatte die einstellungen im textprogramm noch nicht auf automatisches speichern eingestellt.

früher hatte ich – sicherheitsmensch – die speicherung alle zwei minuten aktiviert, damit mir so etwas missliches eben nicht passieren kann. ich gebe mir mühe, mich nicht zu ärgern, nicht sie zeit zurückdrehen und die programmeinstellungen entsprechend verändern zu wollen.

nun habe ich keine lust mehr, alles nochmal zu schreiben. setze ich mich lieber morgen noch einmal daran. außerdem kam gerade eine ärgerliche sms, die ich ja eigentlich erwartet hatte, die aber dennoch wie der gewitterblitz draußen in mein herz eingeschlagen und mir gezeigt hat: ich habe innerlich, mit mir, sehr viel zu kämpfen. aber leider hat sich auch ein teil meines sozial- bzw. familienlebens in einem labyrinth verirrt, aus dem es eigentlich keinen wirklichen ausweg gibt.

eben war ich noch zufrieden in meinem schreiben versunken, gerade hat die realität wieder angehämmert.

passend dazu gewitter über der stadt. war das nun der letzte sommertag und ab morgen werde ich frieren?

aus purem trotz jetzt nochmal zwei bunte drachenbilder, die ich für meine tochter zur einschulung vorbereitet hatte und die auch hier, im kinderzimmer (https://agnesblogsite.wordpress.com/kinderzimmer-5/),  zu sehen sind.

 

drachenflug

 

unter der platane

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unter der platane, grafitstift auf a4-papier, 26.08.2016

 

heute war ein großartiger tag!

ich weiß auch nicht genau, wie das passiert ist. ich versuche es auch nicht zu sehr zu hinterfragen, sondern zu genießen, solange das hochgefühl anhält. vielleicht habe ich ja diesmal glück und der zustand hält länger.

heute morgen: dank der schrägen terminvergabepolitik der berliner bezirksämter mit meiner älteren tochter einen ausflug nach reinickendorf gemacht. meine tochter war guter dinge, die sonne schien und vielleicht hat mich auch die anwesenheit meines kindes vom angsthaben abgelenkt. jedenfalls konnte ich ohne zu stottern für meine tochter einen neuen kinderreisepass beantragen.

juhu!

mein kind war auch gelöst und froh, fand den behördenausflug interessant und fühlte sich ebenfalls nicht schüchtern:

zweites juchej für heute!

später kam durch zufall ein freund meines freundes vorbei, vor dem ich mich vorgestern noch gefürchtet hatte. heute – vielleicht aufgrund des freudenadrenalins vom vormittag? – konnte ich mit ihm sogar einen kaffee zusammen trinken. habe lob für meine bilder bekommen, die bei mir an den wänden hängen. sowas ist mir immer etwas peinlich, aber natürlich schmeichelt es auch uns ist bestätigung. zugegeben- das gespräch mit ihm fiel mir nicht wirklich leicht, ich war in hab-acht-stellung und habe mir ständig auf die finger bzw. den mund geschaut, ob ich auch keinen blödsinn rede, ob ich mich nicht durch eine dumme bemerkung blamiere. aber dennoch – hochgefühl.

nachmittags im park dann – noch ein kurzes gespräch mit einem anderen bekannten. klar – ich habe innerlich gehofft, er möge bald weitergehen, damit ich nicht in gefahr gerate, für ein peinliches stocken des gespräches verantwortlich zu sein. aber immernin – rein äußerlich hat er mir nichts angemerkt.

meine stimmung stieg also weiter.

dann mit meiner jüngeren tochter gemeinsam in der hängematte. sie malte und ich war so fasziniert von der platane, unter der wir hingen, dass ich nicht lange nach einem motiv zum zeichnen suchen musste. die blätter zu zeichnen hatte ich keine lust und der baum sieht eher winterlich aus. mag da jeder das hineininterpretieren, was er oder sie will.

ich jedenfalls versuche bald einzuschlafen – morgen gibt es einen familienausflug zum wannsee. und … ich freue mich darauf.

wohltat KONSUM und angst vor jungem mädchen

der heutige tag hatte eigentlich sehr gut angefangen.

nach einer lorazepam gestern abend hatte ich sogar ganz gut schlafen können. ich gönne mir diese art tabletten so selten es geht, aber ich wollte kraft für den heutigen tag schöpfen: meine töchter kommen vom campingurlaub mit dem opa zurück und ich will sie halbwegs fröhlich und aktiv begrüßen.

heute morgen konnte ich mich sogar zu einem kleinen einkauf durchringen, um den mädchen heute abend etwas zu essen anbieten zu können.

ich leiste mir selten, im kleinen tante emma laden zu kaufen; muss die pfennige zusammenhalten. aber jemand muss ab und zu dort ja einkaufen, damit die letzten dieser geschäfte überleben können.

gerade diesen laden mag ich auf irgendeine weise besonders. vielleicht, weil er mich an meine kindheit erinnert, an den alten KONSUM um die ecke? ein kleines bisschen riecht er sogar so! die betreiber – ein ehepaar wohl ende der fünfziger, kauzig und knorrig, oft mies gelaunt. hier wird man nicht freudig schwanzwedelnd begrüßt, wenn man den laden betritt; man bekommt kein lächeln und schon gar kein gespräch aufgezwungen. die betreiber verstellen sich nicht – sind bullig und grummlig und zeigen sich so, wie sie gerade sind.

manche verklären das als berliner charme. ich möchte behaupten, das gibt es auch anderswo. andere hassen es, schimpfen, meiden den laden, weil man ihnen nicht „kundenfreundlich“ genug ist. wer will nicht gerne könig sind?

aber ich, wenn ich mich in meiner dunklen wolke bewege, mir selbst und auch der frohgelaunten welt zürne, weiß, dass ich diesen laden jederzeit entspannt betreten kann. ich muss mich nicht schämen, weil ich an der kasse nicht lächele, nicht spreche, nicht trällernden singsangs einen schönen tag noch oder gar ein schönes wochenende wünsche. wie entspannend, wie erleichternd, so schön, dass es fast schon gute Laune macht.

später am vormittag kam leider eine ernüchterung:

ich hatte kurz bei meinen freund auf einen kaffee vorbeisehen wollen, wusste nicht, dass er spontan besuch bekommen hatte. fast wäre ich wieder gegangen, als ich die stimmen in der küche vernehmen musste. aber man hatte mich schon gehört, rief nach mir und beim flüchten wollte ich auch nicht erwischt werden. das wäre mir noch peinlicher gewesen. also gut: tief einatmen, hinein. gesehen werden…

ich weiß auch nicht genau, was in diesen momenten mit mir geschieht. es gab keinen anlass zur angst, zur sorge, zur scham, den besuch mag ich sogar, ein junges mädchen – nicht einmal halb so alt wie ich – das am wochenende meine katzen versorgt hatte. dennoch verdoppelte sich mein herzschlag, die stimmung sank tiefer als in den keller, mein sprachvermögen drohte ganz auszusetzen. die magenschmerzen sind bis jetzt geblieben. ich fühlte mich wie ein tier, das in die falle getappt ist. und nun dort sitzt und auf den geeigneten moment zur flucht wartet.

die flucht ist gelungen, aber dieser zwischenfall hatte viel von meiner kraft gefressen.  inzwischen sitze ich dennoch wieder hier an meinem schreibtisch, schaffe es sogar, einigen behörden- und sonstigen bürokram zu erledigen. vielleicht, wegen des adrenalinschubs, den das warten auf meine kinder in mir auslöst. ich werde froh sein, wenn sie lebendig die autobahn verlassen haben und wieder bei mir sitzen.

warum die welt trotz alledem nicht rosa ist, teil I

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das wohnhaus meiner Freundin hat einen idyllischen riesigen hof mit großem garten, obstbäumen, baumhaus für die kinder. unter anderem steht hier auch eine ruine mit altem ofen. ich muss unbedingt nochmal zum zeichnen herkommen.

im gestrigen blogeintrag habe ich mich bemüht, nur die guten dinge über meinen ausflug mit den kindern zu schreiben. ich weiß ja, dass positives denken für die genesung wichtig ist. ich bemühe mich auch, mich immer wieder für das zu loben, was ich geschafft habe: eine reise mit meinen kindern und meinem freund, im vollgestopften zug zwischen fremden menschen, zu einer freundin, die ich ein halbes jahr nicht gesehen hatte, bevorstehende gespräche, gemeinsame unternehmungen – das war eine riesige, gewaltige, überwältigende herausforderung. ja, ich habe es geschafft, ja, ich hatte glückliche momente, ja, ich habe vor allen dingen meinen kindern eine freude bereitet.

an meiner niedergeschlagenheit, erschöpfung und der angst hat das aber kaum etwas geändert.

ja, richtig, ich gebe es zu: von tag zu tag der kurzen reise hatte ich es geschafft, mich ein bisschen aus diesem gefühl der depression zu lösen, stand am montag sogar mit einem lächeln im gesicht auf. ich muss aber auch gestehen, dass ich am freitag noch einmal meine dosis tabletten, die ja aktivierend wirken, erhöht hatte.

die kommunikation mit anderen, gespräche und zuhören, die ausflüge und spaziergänge haben mich derart ermattet und erschöpft, dass ich – nachdem die kinder mit dem opa weiter zum zelturlaub gefahren sind und ich wieder zu hause war, auf mein sofa gesunken bin und nicht mehr aufstehen wollte.

es war überaus schwierig für mich – zu reden, zuzuhören. in unseren gesprächen hatte ich – obwohl ich mit meiner besten freundin sprach und obwohl mein freund als unterstützung dabei war – dennoch das gefühl, jeden moment zu versagen, nicht das richtige zu sagen, nur über meine depression reden zu können, sonst aber nichts zu haben. meine freundin zu enttäuschen, zu langweilen mit meiner depressiven laune. das sind ganz sicher nur hirngespinste und ich bin doof und gemein, wenn ich auch nur eine sekunde lang meiner freundin solches unterstellen kann. bitte verzeih, falls du das lesen solltest.

es war schwierig hilfe anzunehmen: die hilfe meines freundes, der sich mit mir um meine töchter kümmerte, sie beschäftigte, zum lachen brachte, mir damit einen teil der verantwortung von den schultern nahm, der ihnen erklärte, warum ihre mutter mit so starrem blick vor sich hinstiert und nicht lachen kann. da kann er noch so oft betonen, dass die reise für ihn ein vergnügen war, dass er freude hatte und gern geholfen hat und jederzeit wieder helfen wird.

es war auch schwierig, die hilfe meiner freundin anzunehmen, die für uns alle kochte und für mich sogar veganes essen vorbereitet hatte. die uns mit aller nur denkbaren offenheit und gastlichkeit empfing. ich hätte ihr gern so viel mehr geholfen, sie nicht so oft allein in der küche stehen lassen, weil ich einfach keine kraft mehr hatte und mich hinlegen musste. oder weil ich mich zum zeichnen zurückziehen musste, um wieder zu mir zu kommen beziehungsweise bei mir zu bleiben. oder weil ich wie ein kleinkind über ihre katzen herfiel und sie streicheln und knuddeln musste. weil ich mich nicht in dem maße mit ihr unterhalten konnte, wie es angebracht wäre, wo wir uns nur alle halbe jahre treffen können.

dabei weiß meine freundin von meiner krankheit und weiß auch, dass ich ruhe brauche und sie fand es sicher richtig, dass ich mich zurückgezogen habe. dennoch – das schlechte gewissen ist ein hartnäckiges gespenst und hinterlässt – nicht immer sofort sichtbar – graue schlieren.

 

trotz allem, ich habe es geschafft, bin wieder da und habe heute sogar das gefühl, wieder etwas freier atmen zu können.

 

über agnes p.

… und weil ich auch ziemlich neugierig bin und ohnehin nicht wirklich anonym bleibe, will ich noch ein paar dinge über mich ins weltweite netz schicken:

agnes p. geht auf das vierte lebensjahrzehnt zu, ist gebürtige hallenserin, lebt aber seit 1988 in berlin. für gesellschaftliche, politische und historische zusammenhänge hat sie sich seit ihrer zeit als teenager sehr interessiert.

folgerichtig hat sie geschichte studiert, ärgerlicherweise aber nicht die eine formel gefunden, die die welt und die geschehnisse der vergangenheit, gegenwart und zukunft erklären könnte. im gegenteil – im laufe der jahre musste sie erkennen, dass es die wahrheit und die eine objektive, richtige sichtweise auf viele dinge nicht gibt. und noch viel schlimmer: ihre ohnehin kaum ausgeprägten illusionen, dass eine bessere, solidarischere, gerechtere welt geschaffen werden kann – ohne mord, ohne zwang, gewalt und gegengewalt – mit uns menschen, egoistisch wie wir nun einmal alle zu sein scheinen – sind gänzlich zerbrochen. heute muss sie oft bei den nachrichten weghören, die ihr ohnehin katastrophales welt- und menschenbild bestätigen, sie in zukunftsangst und panik versetzen.

seit ihrer jugend kennt sie extreme schüchternheit und ein ausgeprägtes minderwertigkeitsgefühl, depressive verstimmungen und psychosomatische beschwerden, die jedoch niemals so heftig waren, wie die aktuelle erkrankung, die sie seit dem winter 2013/2014 vorerst arbeitsunfähig erkrankt hält. noch hat sie hoffnung, durch eine berufliche reha wieder ins arbeitsleben zurückkehren zu können.

mit dem malen und zeichnen hat sie im frühjahr 2014 zunächst recht unbeholfen als eine art selbsttherapie angefangen und recht bald bemerkt, wie gut es ihr tut. zeichnen ist etwas, was sie oft auch dann kann, wenn es ihr schlecht geht und sie sich auf sonst kaum etwas konzentrieren kann.

warum?

heute habe ich meine unter anderem noch einmal zusammengetragen, warum ich diesen blog schreibe:

ich schreibe nicht unter meinem richtigen namen, aber unter dem pseudonym, unter dem ich auch viele meiner bilder anfertige. manchen meiner freunde und bekannten, mit denen ich aufgrund angst und krankheit lange keinen kontakt mehr hatte, habe ich von diesem blog geschrieben: zur erklärung, warum ich mich lange nicht bei ihnen gemeldet habe, warum ich auf der straße gesenkten kopfes an ihnen vorbeihuschen würde, falls ich sie treffen würde, warum ich mich nicht mit ihnen verabreden, mit ihnen telefonieren kann.

insofern halte ich mich nicht wirklich anonym.

mehr und mehr menschen gehen mit ihrer depression an die öffentlichkeit, „outen“ sich. das will ich hier auch tun:

ich habe depressionen, ich habe soziale ängste, ich habe schmerzen, für die es keine organische ursache gibt, fühle mich oft schwach, obwohl mit meinem herzen und meinem kreislauf alles in bester ordnung ist.

ich schreibe dies nicht, um mitleid einzuheimsen, sondern

  • weil es mir hilft, hier für diesen blog, für vermeintliche und tatsächliche leserInnen, meine gedanken und gefühle zu formulieren, eventuell auch zu überdenken, zu verändern, zu überwinden. negative gefühle ins internet und damit auch in die verbannung zu schicken.
  • weil es mir hilft, meinem tag einen gewisse art der berechtigung zu geben. wenn ich für mich und meine schreibtischschublade schreibe, habe ich nicht das gefühl, wirklich etwas „gemacht“, „geschafft“ zu haben. in meinem inneren halte ich – ohne dies bewusst zu wollen – immer noch an dem irrglauben fest, mein leben hätte nur einen sinn, wenn ich etwas „leisten“, „schaffen“, „vollbringen“ würde. wenn ich mit diesem blog wenigstens ein paar menschen erreiche, mit meinen texten oder bildern berühre, zum nachdenken anrege, sogar wenn ich sie verärgere, kann ich meiner existenz vielleicht eine gewisse art der berechtigung verleihen.
  • weil es für mich eine art ersatz zur gruppenpsychotherapie ist. ich habe probleme zu reden, kann mündlich meine gedanken schlecht in worte fassen. habe angst, vor anderen zu sprechen. mein letzter versuch, an einer gruppenterapie teilzunehmen, ist leider an meiner angst und redehemmung gescheitert.
  • weil ich dennoch den austausch mit anderen schätze, mich für das interessiere, was andere sagen, denken, fühlen, meinen. in der „realen welt“ stecke ich in einer art schneckenhaus fest, aus dem herauszukriechen ich derzeit nicht die kraft habe. diesen blog zu betreiben ist für mich eine art „aus dem haus gehen“, mit leuten „ins gespräch kommen“.
  • weil ich mit dem schreiben mein selbstbewusstsein stärken will. eigentlich halte ich meine meinung für unwesentlich und den beitrag, den ich zu diskussionen beitragen kann, für klein. wahrscheinlich ist es nicht so und ich will es hier üben, lernen, erfahren. zudem will ich üben, überhaupt meine meinung auszusprechen, meine haltung zu erklären, dazu zu stehen, was ich denke, ich ich fühle, wer ich bin.
  • weil in der öffentlichkeit – trotz tragischer selbstmordfälle und outings durch einige prominente – immer noch zu wenig über psychische krankheiten bekannt ist. auch ich hatte „in meinem früheren leben“ nur eine verschwommene vorstellung von psychischen erkrankungen, hatte psychiatrie immer unbewusst mit „verrückt“ assoziiert. zum ersten mal im wartezimmer meiner psychiaterin war ich erstaunt, wie „normal“ wir psychisch kranken eigentlich sind.
  • weil noch weniger als über depression über angsterkrankungen gesprochen wird. auch mir ist meine angst immer noch peinlich. sie ist irrational. sie macht mich schwach. meine eltern wissen von der offiziellen diagnose „depression“. das lies sich nicht verheimlichen, das lässt sich irgendwie noch wissenschaftlich rational mit biochemie und gehirnstoffwechsel erklären. aber diese angst?! ich schäme mich immer noch dafür, obwohl ich weiß, dass ich nicht sollte, nicht müsste, nicht bräuchte.
  • weil ich mir sicher bin, dass es noch viel mehr menschen mit diesen ängsten gibt, die sich aber nur nicht trauen, darüber zu sprechen. manchmal frage ich mich, wie viele von den menschen, die ich früher als arrogant, unnahbar und überheblich empfunden habe, eigentlich an einer sozialen angststörung leiden. nicht jeder nachbar, der niemals grüßt, ist ein unhöflicher grobian. die frau, die an alten bekannten vorbeirennt und so tut als sehe sie sie nicht, ist möglicherweise doch keine oberflächliche zimzicke, sondern hat angst vor dem gespräch. die mutter, die ihr kind immer mürrischen blickes aus der kita abholt und sich nie auf einen schwatz mit erzieherInnen und anderen eltern einlässt, auf dem spielplatz und in der eisdiele immer weit von den anderen entfernt sitzt, ist unter umständen gar nicht überheblich, sondern psychisch krank und ängstlich.
  • weil ich hoffe, dass auch andere sich trauen werden, ihre ängste zuzugeben. mich hat das ungemein erleichtert.
  • nicht zuletzt aber: weil ich das schreiben liebe, das malen, das zeichnen.das sind dinge, die ich wirklich gern tue und so könnte das schreiben dieses blogs das reine vergnügen sein, wenn da nicht …

geteiltes glück

20160819_GLADIOLEN

heute soll es nur um das positive gehen:

ja, ich habe es geschafft, die reise ist überstanden. ich hatte genug kraft, um durchzuhalten, bis wir wieder zu hause waren.

ja, es gab wundervolle momente. meine töchter haben die reise genossen. ich habe sie glücklich gesehen, habe sie unbeschwert und leichten herzens erlebt. fröhlich, lachend, frei von sorgen.

auch ich hatte momente, in denen ich die fessel der depression abwerfen und ganz einfach nur SEIN konnte.

die schönsten augenblicke versuche ich festzuhalten:

morgens, die jüngere tochter schlüpft zu uns ins bett, kichert, macht faxen, ist frech. mein freund ist dabei, ich kann das glück dieser minuten also mit jemandem teilen. ob geteiltes leid immer halbes leid sein wird, wage ich zu bezweifeln, aber geteiltes glück kann sich vervielfachen. ich kann in diesem moment tatsächlich mal nicht an all die zweifel denken, die ängste, das was mir und meinen kindern noch bevorsteht, an all die entscheidungen, die zu treffen, die dinge, die zu regeln sind.

sonntag nachmittag. meine ältere tochter hat ihre angst vor dem kanufahren überwunden. zunächst skeptisch, dann aber mit immer größerer freude sitzt sie im boot. dann fragt sie nach dem paddel, versucht es im rhythmus einzutauchen, gibt nicht auf, macht weiter, ist stolz und glücklich über den erfolg. später paddeln mutter und tochter einträchtig und gleichmäßig den fluss entlang. platsch, platsch, platsch machen die paddel. tochter und mutter harmonieren. ein perfektes paar.

auf dem wasser legt sich bei mir ein schalter um. es ist wie früher – als kind, als jugendliche. ich kann lachen, mich frei fühlen. denke nicht über sorgen nach.

zeichnend im hof hinter dem haus meiner freundin. ich habe zeit für mich, kann kritzeln. muss niemandem zuhören, mit niemandem reden. das zeichnen beruhigt mich. katzen laufen federleicht über das gras – leichtfüßig, frei, elegant und schön.

meine freundin schenkte mir einen Kasten mit vielen bunten pastellkreiden, die ich gleich ausprobieren musste. also habe ich mich an ihrer vase mit gladiolen ausprobiert.