der kampf gegen die depression …

… erscheint mir manchmal

 wie ein anrennen gegen windmühlen.

 wie die arbeit einer sisiphosurahnin, die die steine brav immer wieder den berg hinaufschiebt und nicht sieht, dass diese auf der anderen seite umso schneller wieder hinabrollen.

wie der fußmarsch einer erschöpften bergwandererin, die sich verirrt hat und mit ihrem schweren rucksack einen pass nach dem anderern erklimmt, einer höher als der vorherige.

 

halt_dich_fest_klein

oft stellt man sich die frage: wozu das alles? nichts hat einen sinn.

all die „fortschritte“, die der depressive mensch auf dem langen weg der „genesung“ angeblich gemacht hat, erscheinen nichts wert.

denn, der nächste absturz kommt garantiert. der depressive hat ja sich und seine krankheit nun schon ganz gut kennengelernt. nicht dass sie freunde wären, mitnichten! aber vielleicht doch irgendwie vertraute? näher vielleicht als die freunde und verwandten, die nicht fühlen können, was das überhaupt ist, diese allgegenwärtige und doch ominöse „volkskrankheit“.

wird sich nach dem nächsten fall das aufstehen wieder lohnen?

soll man dann wieder anfangen mit dem windmühlenfechten, steinerollen, bergpasserklimmen. nur um dann, wenn man sich endlich am ziel wähnte, erneut zu fallen?

ich will aber jetzt glauben!!! Hoffnung haben!!!

psychonalyse plus neue pillen mit zusätzlichen wirkstoffen. die sind mein anker, mein rettungsboot. rede mir die hoffnung niemand aus, sie ist sehr scheu.

 

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6 Kommentare zu “der kampf gegen die depression …

  1. Hallo agnes, ich kenne das Gefühl des Hinfallens. In meinem Fall sogar wörtlich. Und auch ich stelle mir oft genug die frage: lohnt es sich überhaupt wieder auf zu stehen. Oft denke ich , lass doch, das wird eh nie wieder was. Und trotzdem bin ich hier und bin wieder aufgestanden. Wieder und wieder. Auch du schaffst das und wirst sehen, es lohnt sich. Und noch etwas. Du bist nicht allein. Oft wirst du dich so fühlen, aber du bist es nicht. Denke immer dran. Ich wünsche dir alles Gute

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    • Hallo Christoph, danke für die Ermunterung. Ja, in guten Momenten weiß ich, dass sich das Aufstehen lohnt. Aber Du wirst es selbst kennen. In den dunklem Momenten hat die – wie soll ich sagen – Krankheit, Dunkelheit, Finsternis? – eine solche Macht. Überdeckt alles Gute, alle positiven Gedanken, die plötzlich nichts mehr wert sind.
      Anfang des Jahres hatte ich einen wunderschönen Moment mit meinem Freund. Es gibt Beweisbilder, auf denen ich auch wirklich glücklich aussehe. Ich habe ihm gesagt, er soll mich in den miesen Augenblicken genau daran erinnern. Das hat in den bösen Zeiten aber nichts genutzt. Wenn einem alles sinnlos erscheint, ist die Erinnerung an vergangenes und mögliches künftiges Glück verdunkelt.
      Mir hilft dann einzig der Gedanke, dass ich als Mutter Verantwortung trage, dass ich es meinen Kindern einfach nicht antun darf, mich aus dem Leben zu stehlen. Dass sie mich brauchen, dass sie ein positives Muttervorbild brauchen, das trotz allem immer wieder aufsteht. Dass ich sie nicht allein lassen darf.
      Ich habe vor vielen Jahren die Autobiographie von Amos Oz gelesen. Dem ganzen dicken Buch hindurch hat man den tiefen Schmerz, den Verlust und die lang verdrängte Leere gefühlt, den der Selbstmord seiner Mutter bei ihm ausgelöst hat.
      Ich habe von anderen Personen gehört und gelesen, die als Kinder ihre Mütter durch Freitod verloren haben. Mir selbst schmerzt das Herz, wenn ich mir nur annähernd deren Leid und Verlust vorstellen will, der nie ganz wird geheilt werden können.
      Dann denke ich an meine Kinder und weiß: ich muss und werde leben!
      Also – aufstehen, fallen, aufstehen und weitermachen.
      An alle die sich auch gerade ganz unten in der Gedankenhölle befinden einen besonders herzlichen Gruß!
      Agnes P.

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  2. Ja, klingt gut: Analyse + Medizin, da dürfte was gehen, und zwar langfristig. Ich wundere mich immer noch über Leute, die finden Psychopharmaka seien Teufelszeug, nur weil sie nicht drauf angewiesen sind. Was für Pillen gegen alles Mögliche genommen werden. Und Depressionen sind schon ein ziemlicher Klopper. – Zum Trost, auch das Leben von Nicht- oder Selten-Depressiven ist mühsam. Auch „Normalos und Normalinen“ haben nicht unbedingt einen Sinn vor Augen, wenn alle möglichen Anstrengungen umsonst waren oder ein neuer Berganstieg ansteht. Selbstmitleid zählt nicht. Für niemanden. Weil es nix nützt. Besser Augen auf für Dinge, die aufleuchten. Die vielleicht anders sind als sonst. Da geht es lang. Ich drücke ganz fest die Daumen!

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    • Liebe Stephanie,

      ich danke Dir für Deinen Kommentar. Nochzumal Du die Erste bist; ich habe je gerade erst angefangen, mich an die Öffentlichkeit zu wagen.

      Ja, Psychopharmaka, das sei Teufelszeug, so dachte ich früher auch. Nur aus Angst mir selbst doch etwas anzutun, habe ich mit den Pillen angefangen. Siehe da, noch lebe ich! Ohne die Tabletten, fürchte ich, wäre das anders!

      Die möglichen Nebenwirkungen machen Antidepressiva nicht gerade attraktiv: Dick werden, Müde sein, Kopfschmerzen, Aggression und sogar Selbstmord, der ja eigentlich verhindert werden sollte. Endlos weiter geht die Liste. Leber und Niere sind auch nicht gerade erfreut über die zusätzliche Arbeit.
      Dann die Reden über die profitsüchtigen Pharmakonzerne (wie aber soll es anders sein in einer Welt, in der Wachstum und Gewinnmaximierung nicht nur hohle Phrasen sind).

      Aber Antidepressiva haben zum Glück nicht diese gruseligen Auswirkungen wie beispielsweise Präparate gegen Schizophrenie. Da sieht man einigen ja leider ihre Krankheit schon allein deswegen an, weil sie durch ihre Pillen nicht nur im Gesicht so aufgequollen und aufgedunsen sind.

      Dein Trost, „auch das Leben von Nicht- oder Selten-Depressiven“ sei „mühsam“, hilft mir leider nur in Maßen. Ich weiß sehr genau, wie recht Du hast, doch gerade dieses Wissen macht es mir so schwer, mir meine Krankheit, meine Schwäche und meine Ängste nicht so schrecklich übel zu nehmen. Ich sehe und höre jeden Tag, wie schwer es andere haben, die ihr Leben aber meistern und die – wie mühsam auch immer – über die Runden kommen. Ich aber krepele am Boden herum; liege, noch immer bzw. schon wieder arbeitsunfähig der Gesellschaft auf der Tasche, schaffe es nicht, mich zusammenzureißen.

      Wohl weiß ich, das Zusammenreißen mit einer Depression eben nicht möglich ist – in der Theorie; und ich gestehe es auch allen anderen Betroffenen tausendmal zu.
      Nur eben mir selbst nicht!

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      • Ja, guter Schritt, die Tabletten zu nehmen. Guter Rat (o.k. ich weiß, dass Du nicht danach gefragt hast, gebe ich trotzdem): NIE den Beipackzettel lesen (nur die Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten, bzw. wann eine Tablette, etc. nicht genommen werden soll). Und akzeptieren, dass es auf der Welt nix umsonst gibt. – So. und wenn Du der Gesellschaft auf der Tasche liegst, dann ist das so. Wir leben in einem reichen Land und können uns das leisten. Das nennt sich auch Humanität. Schließlich sind Menschen keine Maschinen. Zusammenreißen ist tatsächlich die völlig falsche Strategie. Ich kenne das von der Arbeit. Ich muss viel und regelmäßig Kreativität ausschütten, versuch das mal mit Zusammenreißen: hahaha. Öffne Dein Herz. Das wäre noch so ein ungebetener Rat von mir. Ich würde wetten, dass dann was geht.

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