warum die welt trotz alledem nicht rosa ist, teil I

2016_hexenhof
das wohnhaus meiner Freundin hat einen idyllischen riesigen hof mit großem garten, obstbäumen, baumhaus für die kinder. unter anderem steht hier auch eine ruine mit altem ofen. ich muss unbedingt nochmal zum zeichnen herkommen.

im gestrigen blogeintrag habe ich mich bemüht, nur die guten dinge über meinen ausflug mit den kindern zu schreiben. ich weiß ja, dass positives denken für die genesung wichtig ist. ich bemühe mich auch, mich immer wieder für das zu loben, was ich geschafft habe: eine reise mit meinen kindern und meinem freund, im vollgestopften zug zwischen fremden menschen, zu einer freundin, die ich ein halbes jahr nicht gesehen hatte, bevorstehende gespräche, gemeinsame unternehmungen – das war eine riesige, gewaltige, überwältigende herausforderung. ja, ich habe es geschafft, ja, ich hatte glückliche momente, ja, ich habe vor allen dingen meinen kindern eine freude bereitet.

an meiner niedergeschlagenheit, erschöpfung und der angst hat das aber kaum etwas geändert.

ja, richtig, ich gebe es zu: von tag zu tag der kurzen reise hatte ich es geschafft, mich ein bisschen aus diesem gefühl der depression zu lösen, stand am montag sogar mit einem lächeln im gesicht auf. ich muss aber auch gestehen, dass ich am freitag noch einmal meine dosis tabletten, die ja aktivierend wirken, erhöht hatte.

die kommunikation mit anderen, gespräche und zuhören, die ausflüge und spaziergänge haben mich derart ermattet und erschöpft, dass ich – nachdem die kinder mit dem opa weiter zum zelturlaub gefahren sind und ich wieder zu hause war, auf mein sofa gesunken bin und nicht mehr aufstehen wollte.

es war überaus schwierig für mich – zu reden, zuzuhören. in unseren gesprächen hatte ich – obwohl ich mit meiner besten freundin sprach und obwohl mein freund als unterstützung dabei war – dennoch das gefühl, jeden moment zu versagen, nicht das richtige zu sagen, nur über meine depression reden zu können, sonst aber nichts zu haben. meine freundin zu enttäuschen, zu langweilen mit meiner depressiven laune. das sind ganz sicher nur hirngespinste und ich bin doof und gemein, wenn ich auch nur eine sekunde lang meiner freundin solches unterstellen kann. bitte verzeih, falls du das lesen solltest.

es war schwierig hilfe anzunehmen: die hilfe meines freundes, der sich mit mir um meine töchter kümmerte, sie beschäftigte, zum lachen brachte, mir damit einen teil der verantwortung von den schultern nahm, der ihnen erklärte, warum ihre mutter mit so starrem blick vor sich hinstiert und nicht lachen kann. da kann er noch so oft betonen, dass die reise für ihn ein vergnügen war, dass er freude hatte und gern geholfen hat und jederzeit wieder helfen wird.

es war auch schwierig, die hilfe meiner freundin anzunehmen, die für uns alle kochte und für mich sogar veganes essen vorbereitet hatte. die uns mit aller nur denkbaren offenheit und gastlichkeit empfing. ich hätte ihr gern so viel mehr geholfen, sie nicht so oft allein in der küche stehen lassen, weil ich einfach keine kraft mehr hatte und mich hinlegen musste. oder weil ich mich zum zeichnen zurückziehen musste, um wieder zu mir zu kommen beziehungsweise bei mir zu bleiben. oder weil ich wie ein kleinkind über ihre katzen herfiel und sie streicheln und knuddeln musste. weil ich mich nicht in dem maße mit ihr unterhalten konnte, wie es angebracht wäre, wo wir uns nur alle halbe jahre treffen können.

dabei weiß meine freundin von meiner krankheit und weiß auch, dass ich ruhe brauche und sie fand es sicher richtig, dass ich mich zurückgezogen habe. dennoch – das schlechte gewissen ist ein hartnäckiges gespenst und hinterlässt – nicht immer sofort sichtbar – graue schlieren.

 

trotz allem, ich habe es geschafft, bin wieder da und habe heute sogar das gefühl, wieder etwas freier atmen zu können.

 

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8 Kommentare zu „warum die welt trotz alledem nicht rosa ist, teil I

  1. Das scheint genau der Punkt. Beschäftige Dich mit dem was Du tust und nicht was Du vielleicht hättest tun sollen. Stärke Dich mit dem Positiven und schwäche Dich nicht – nur für Dich so scheinenden – Negativen. Weiterhin viel Kraft und Glaube an Dich.

    Gefällt 1 Person

  2. Wenn es dir gut tut, schreibe deiner Freundin doch eine E-mail? Einfach so was du empfunden hast und wie der Besuch für dich war.
    Ich mache das manchmal, wenn ich mal wieder das Gefühl hatte bei einem Treffen ‚versagt‘ zu haben. Das ist sehr befreiend.

    Gefällt 2 Personen

über einen - auch kritischen - kommentar werde ich mich sehr freuen

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