dein letzter triumph

lieber schmerz, gehasster schmerz, verfluchter schmerz!

da bist du also wieder. richtig weg warst du sowieso nicht, aber ich habe dich immer mal wieder ignorieren können. du aber brauchst meine aufmerksamkeit. letzte nacht lässt du mich wieder mal nicht schlafen und zerrst an mir herum, stiftest heute auch noch meinen kreislauf an, bei deinen ränkespielen mitzumachen, sorgt dafür, dass ich den ganzen tag nur herumliege und jammere und mich auf nichts konzentrieren kann. neidisch auf all jene bin, denen es gut geht.

gut – ich höre dir zu. wieder einmal.

aber was willst du noch von mir? ich habe doch längst verstanden, was du mir sagen willst: dass ich mehr auf mich hören soll. weil ich es ohne dich nicht schaffe, auf mich zu achten, mich zu bremsen, weil ich sonst im aktivitätsrausch versinken und mir nie ruhe gönnen würde. weil ich zu ehrgeizig bin und immer alles will – – – du bist meine bremse. wahrscheinlich bist du auch ausdruck meiner mangelnden selbstliebe: weil ich es mir selbst nicht gönne, dass ich mich wohl in meiner haut fühle und denke, dass ich nur leiden darf, kommst du zu mir und hilfst mir dabei, mich so mies zu fühlen, dass ich mit mir und meinem leben einigermaßen klarkommen kann.

du weißt: ich habe nun doch schon etliche therapiestunden hinter mich gebracht. oft warst du dabei. vieles habe ich schon über mich gelernt und bin auch gewillt zu wollen, dass es mir gut geht. das ist schwer, aber ich arbeite doch an mir. das musst du doch sehen. das musst du doch anerkennen!

findest du nicht, dass du meine genesung torpedierst? da habe ich wirklich viele schritte getan in letzter zeit und wollte heute, dem erstem termin- und pflichtenfreien tag seit einer gefühlten ewigkeit, in aller einsamkeit und stille nur mit malen verbringen. etliche ideen tummeln sich schon in meinem kopf. ich wollte den tag heute auskosten und kreativ sein, etwas schaffen. ich hatte viel vor, hörst du?

das sei zu viel? das kannst du doch nicht ernst meinen! du kannst doch nicht von mir erwarten, dass ich den rest meiner tage auf sparflamme lebe, weil du mich sonst heimsuchst. das ist nicht das leben, das ich mir vorstelle. das will ich nicht, verstehst du?

warum lässt du mich heute wieder zweifeln, dass ich gesund werden kann, dass ich es schaffe, mein leben wieder in die hand zu nehmen, wenn du als ständiges damoklesschwert über mir hängst?

ich bin wütend auf dich, zornig, schleudere dir all meinen hass entgegen. ich kenne das spiel, das hast du schon ein paarmal mit mir durchgezogen – mir geht es besser, ich entwickle ideen, schmiede pläne, dann kommst du und zwingst mich aufs sofa, damit ich mit mir hadere und wehrlos daliege für kollegin depression.

aber jetzt reicht es mir. mir langt es. diesmal bekommst du mich nicht klein! wirklich, ist es dir nicht auch endlich langweilig? immer dasselbe spiel? ich bin gerade dabei, wieder nach vorn zu denken, meine familiäre situation zu klären, mich sozialen kontakten auszusetzen. du machst mir das nicht kaputt!!! das lasse ich nicht mehr zu!

wirklich, ich bin wütend, wütend und zornig, ich brodele und schäume über vor zorn, dass du es heute wieder mal geschafft hast, über meinen tag zu bestimmen. freu du dich nur, und lache hämisch, denn das lachen wird dir bald vergehen, wenn ich dich nämlich bald zum teufel jage. du feierst deinen letzten triumpf.

 

ach, fast glaube ich selbst daran …

 

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9 Kommentare zu „dein letzter triumph

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