Weil ich schon immer mal richtig pathetisch sein wollte

Ich hätte den gestrigen Beitrag nicht geschrieben, wenn ich mich nicht tatsächlich auch bedroht gefühlt hätte :

„“Ich habe Deinen Blog gefunden; pass auf, wie Du agierst, Agnes P.; unsere Vereinbarung über die Betreuung unserer Kinder ist „vorläufig“ und Dein Blog ist sehr „aufschlussreich“  (in Bezug darauf, dass ich hier offen über meine Ängste, Schmerzen und Depressionen schreibe). „“

Ich habe diesen Beitrag aufgeputscht mit Adrenalin und voller Emotion geschrieben. Ich bereue den Artikel nicht, hätte ihn jetzt aber anders oder gar nicht geschrieben. Ich halte die betroffene Person auch nicht einmal für einen schlechten Menschen und schon gar nicht für einen schlechten Vater; und ich gestehe ihr zu, dass sie sich Gedanken darüber macht, ob unsere Kinder von ihrer angstgestörten depressiven Mutter wirklich gut betreut werden werden.

Das ist gewiss eine Frage, die viele (auch getrennte) nichtdepressive Erziehungspartner umtreibt. Das verstehe ich sehr gut, ich würde mir wahrscheinlich ebenso große Gedanken machen.

Information und Aufklärung über psychische Krankheiten sind weiterhin notwendig. Auch das Reden über Ängste ist wichtig. Jeder Mensch hat Angst, Angst ist überlebensnotwendig. Warum schämen wir uns so für sie?

 

Wozu ich fest – unter Pseudonym, vielleicht aber auch bald mit meinem richtigen Namen – stehe:

Ich berichte im Blog weiter über meine Schwächen, Fehler und Unzulänglichkeiten, über meine Krankheit. Mir hat es auch früher schon geholfen, von den Erfahrungen und Befindlichkeiten anderer Betroffener zu lesen. Gerne trage ich jetzt dazu bei, weitere Menschen zu unterstützen.

Niemand soll sich für eine psychische Krankheit schämen müssen. Niemand soll sich dafür verstecken müssen, anders zu sein als es die Mehrheitsgesellschaft erwartet.

 

 Weil ich schon immer mal richtig pathetisch sein wollte:

Leisten wir Widerstand gegen den Wahn der Leistung- und Konsumgesellschaft.

Halten wir inne!

Wir müssen nicht immer besser, schneller, größer und stärker als die anderen sein. Wir müssen nicht immer die besten Leistungen bringen. Wir dürfen auch zugeben, dass wir schwach sind, dass wir krank sind, dass wir einfach mal nicht weiter wissen.

Mir fällt das nicht leicht. Es wird lange dauern, bis ich soweit bin. Aber ich will und werde es lernen. Ich freue mich, wenn Ihr Euch mir anschließt.

Eure Agnes P.

 

 

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22 Kommentare zu “Weil ich schon immer mal richtig pathetisch sein wollte

  1. unerträglich so eine drohung loszulassen.
    das zeugt von einem schlechten charakter, jedenfalls ist das meine meinung.
    scheinbar hat der „gute“ die trennung von dir nicht verarbeitet und muß sich so luft machen.
    ich empfehle dir daher dringend davon eine kopie zu erstellen, zu deinem schutz falls der „gute“ dich wegen des sorgerechts erneut vor gericht zerren sollte.

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  2. Liebe Stephanie,
    da bin ich tatsächlich auch recht altmodisch. So ein klassisches Tagebuch habe ich noch und ich gehöre auch zu den weniger werdenden Personen, die Briefe ab und an noch per Hand schreiben.
    Ich danke Dir noch einmal für den Rat zur Vorsicht. Der Gefahren des Internets bin ich bewusst und ich mache mir leider (aber vielleicht auch zum Glück) über viele Dinge viel zu viele Gedanken; so auch darüber.
    Dir einen schönen Tag
    Agnes

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  3. Widerstand vor allem gegen die Konsumgesellschaft: Da bin ich immer dabei. – Was das Schreiben angeht: Manches kann man ja auch „für sich“ schreiben. Es spricht nach wie vor nichts gegen ein altmodisches Tagebuch. Auch hier: Jede/r gibt in ihrem/seinem Blog das preis, was sie oder er will. Aber es könnte später Bauchweh geben. Deshalb vielleicht Vorsicht mit zu privaten Dingen.

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  4. Als Kind eines psychisch erkrankten Elternteils ist meine Meinung: Am Wichtigsten ist, dass sich betroffene Vater/Mutter Hilfe holen und nicht z.B. aus Scham davor zögern, egal ob es jetzt um Angst, Zwänge, Depression etc. geht. Das tust du und wie offen du hier auf deinem Blog zu allem stehst, das finde ich sehr stark! 🙂

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    • Liebe Nelia, ich danke Dir für Deine Unterstützung und Ermunterung. Auch weil Du aus der Erfahrung eines betroffenen Kindes sprechen kannst. Vielleicht können wir bei Gelegenheit mal darüber „sprechen“. Oder hast Du einen Deiner Blogartikel mal zu diesem Thema veröffentlicht? Liebe Grüße von Agnes

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      • Liebe Nelia, sehr gern.
        Gerade bin ich etwas im Stress, aber ich melde mich einfach über Dein Kontaktformular bei Dir (Du hast sicherlich eines?) Wem nicht, dann schicke mir doch einfach über Dein Kontaktformular Deine E-Mail-Adresse. Ich werde mich freuen.
        Liebe Grüße
        Agnes

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  5. Hut ab! Ich hätte wahrscheinlich so viel Angst, dass ich meinen Blog gleich löschen würde. Ich find es toll, dass du jetzt gerade erst recht dazu stehst, Widerstand leistest und dir sogar überlegst mit deinem echten Namen zu schreiben. Ich schließe mich dir gern an…wenn auch mit Pseudonym, mehr geht bei mir gerade nicht… Es ist eine große Stärke, sich mit seiner Schwäche zu zeigen 👍

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    • Liebe Judi,
      ich danke Dir herzlich für Deine Sicht. Ganz so „stark“ fühle ich mich noch nicht, aber ich habe das Gefühl, dass sich gerade in den letztem Tagen in meinem Hirn oder meiner Seele irgendetwas gelöst hat; es ist etwas, was ich noch nicht benennen kann, in die richtige Richtung gegangen. Positives Feedback und Eure Unterstützung hilft da natürlich auch sehr. Vielen lieben Dank!

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    • Liebe Michaela,
      ja, in der Tat war es ein riesiger Schritt, hier überhaupt zu schreiben. Und dann auch noch so offen. Noch zumal ich auch grundsätzlich Skrupel habe, im Internet überhaupt so viel von mir zu erzählen. Ich habe auch nicht, wie manche andere, eine Facebookseite oder ähnliches, wo ich Privates einstelle.
      Auch Dir noch einmal vielen Dank für Deine Unterstützung. Das hilft mir sehr.
      Herzliche Grüße
      Agnes

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    • Das Pseudonym benutze ich für meine Bilder, habe darunter auch schon mal Lesungen gemacht und ein Märchen geschrieben. Allerdings hatte ich das noch nicht, als wir noch zusammen lebten. Trotzdem war es sicher nicht sooo schwer, es zu erraten.

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      • Ich finde es sehr gut von dir, trotz der Anfeindungen weiter hier zu schreiben. Mein erster Beweggrund hier zu sein war zwar ein anderer, aber mittlerweile ist es mir ein Anliegen, auch über meine Gemütslage zu berichten. Ich weiß nicht, wieviele Leser ich habe und ich schreiben auch nicht für sie ( na vielleicht schon ein bißchen) sondern hauptsächlich, weil es mir gut tut. Auch wenn es oft nicht grade nette Dinge sind. Ich denke, da sind wir uns ähnlich. Weiter so.

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      • Hallo Christoph, danke für Deinen Kommentar und Deine Unterstützung. Ich habe hier ja auch nicht mit irgendwelchen hehren Zielen angefangen, sondern habe auch einfach erst einmal „für mich“ geschrieben. Dann aber mit der Zeit wieder und wieder gesehen, wie ich auch an den Berichten der anderen „wachse“, die ich hier lese; wie sich mein Horizont erweitert. Wie ich Dinge an mir und in mir entdecke. Da gehe ich dann mal – für mich ganz ungewohnt kühn und selbstbewusst – davon aus, dass einigen anderen vielleicht etwas, was ich schreibe, irgendwie weiterbringt.
        Liebe Grüße
        Agnes

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