Öffentliche Anonymität

Hier die versprochene Antwort auf die erste Frage von toe und cao zum Liebster Blog Award (Siehe mein Beitrag von gestern).

1. Schreibst du in deinem Blog anonym oder nicht und wieso?

Diese Frage war diese Woche hier im Blog schon Thema; sie treibt mich immer noch um.

Ich schreibe nicht unter meinem richtigen Namen, sondern unter meinem Pseudonym, das einigen Leuten schon bekannt ist und das ich auch zu anderen Gelegenheiten bereits benutzt habe. Wer mich aber nicht kennt und nach meinem Familiennamen googelt, wird diesen Blog nicht finden.

Auch habe ich einige Freunde und mir wichtige Bekannte von „früher“, als ich noch unter Leute gehen konnte,  über meinen Blog informiert. Ich will mich für das Thema Depression und Angst nicht mehr schämen müssen. Da ich Probleme habe, mich mündlich zu erklären, ist dieser Blog vielleicht auch eine Möglichkeit, anderen zu beschreiben, was in mir vorgeht, wenn die Angst mich lähmt und welche Gedanken mich umkreisen, sobald die Depression mich wieder gepackt hat. Solche Fragen wurden mir schon gestellt, ich konnte sie aber nicht gut beantworten. Also versuche ich nun, hier darüber zu schreiben.

Seit ich offener mit dem Thema psychische Erkrankung umgehe, fühle ich mich wesentlich besser; geradezu erleichtert. Ich habe nicht mehr so große Angst, auf der Straße alten Bekannten über den Weg zu laufen und sie zu verärgern, weil ich grußlos an ihnen vorbeischleiche, sie angeblich nicht sehe.

Meine Angst ist zwar nicht verschwunden, aber mir fällt es leichter, damit umzugehen.

Gerade die Ereignisse der letzten Tage haben mich aber wieder darüber nachdenken lassen, ob ich nicht künftig auch unter meinem richtigen Namen schreiben sollte. Den ersten Anstoß dazu hat schattentaucherin gegeben, die in einem Kommentar schrieb: „Ich hätt’s komisch gefunden, Menschen dazu zu ermutigen, zu ihrer psychischen Erkrankung zu stehen und selber anonym zu bleiben.“

Dennoch, den eigenen Namen in so einem Blog wie dem meinen preiszugeben, will gut überlegt sein. Schon allein, weil ich überhaupt dem Thema Datenpreisgabe im Internet skeptisch gegenüberstehe. Überhaupt – uns allen ist sicherlich klar, dass es wirkliche Anonymität im Internet nicht gibt.

Falls ich hier eines Tages unter meinem offiziellen Namen schreiben sollte, würde sich der Blog sicherlich etwas verändern müssen, weniger persönlich werden und familiäre Belange ganz ausklammern. Schließlich geht es darum, meine Kinder sowie auch alle anderen Familienmitglieder vor der Neugier Dritter zu schützen.

Advertisements

6 Kommentare zu „Öffentliche Anonymität

  1. liebe agnes, auch ich schreibe unter einem pseudonym.
    aus reinem selbstschutz und möchte dich ermuntern auch weiterhin mit deinem pseudonym zu schreiben.
    deine getroffenen aussagen werden dadurch nicht weniger relevant.

    Gefällt 1 Person

  2. Ich denke, wer bloggt, sollte sich immer über den schmalen Grat zwischen persönlich und privat im Klaren sein. Außerdem steht ein Name auch für die getroffene Aussage. Wenn ich eine Meinung vertrete, sollte da kein Pseudonym drunter stehen. Denn was bedeutet es dann? – Wer die ganz privaten Dinge aus dem Blog raushält, schont auf eine Art auch die Leser/innen. Denn nicht jede persönliche Katastrophe ist für andere lesenswert. Erst die Essenz einer solchen Katastrophe kann ja auch bei fremden Menschen Aha-Erlebnisse auslösen. Insofern würde ich Dich ermuntern, das Pseudonym irgendwann einmal zu verlassen.

    Gefällt 1 Person

über einen - auch kritischen - kommentar werde ich mich sehr freuen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s