Mit Therapiehund im Park

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Dieser Tag ist, so bin ich sicher, für meine Töchter abwechslungsreich und glücklich verlaufen. Wir machen kein Tabu aus meiner Krankheit. Schimpfen gemeinsam mit dem Monster in mir. Lustig ist die Situation sicherlich nicht für die Kinder, aber sie sehen, dass ich kämpfe, dass ich für sie da sein will, dass Tiefs und Rückschläge aber normal sind, es aber dennoch Tag für Tag besser wird. Sie sind auch beruhigt, weil sie sehen, dass mein Freund mich liebt und für mich da ist, so dass sie nicht die ganze Verantwortung für meine Gesundheit auf ihren zarten Schultern spüren müssen.

Das Monster hat mich immer noch im Griff, auch wenn es gegen Abend hin schwächer wurde. Ich habe noch einmal meine Medikamentendosis erhöht – das hatte mir meine Psychiaterin für den Notfall erlaubt. Jetzt bin ich bei über 260 mg Venlafaxin. Allzuviel Spielraum nach oben gibt es nicht mehr.

img_1578Mein Freund hat mich morgens aus dem Bett getriezt und uns zu sich eingeladen, für uns gekocht. Besonderer Bonus für dieses Wochenende: er hat gerade einen Hund zur Pflege, der wirklich wunderbar als begleitender Therapiehund arbeiten könnte. Er ist geduldig mit Kindern und wenn er jemanden sieht, dem es schlecht geht, dann kümmert er sich. Gestern schon war er mir auf den Schoß gesprungen und lange bei mir sitzen geblieben. Heute legte er sich wieder zu mir.

Warum ich in der Stadt dennoch keinen Hund haben möchte: man muss mit ihm raus, unter Menschen, die dann stehen bleiben und gucken, nach Augenkontakt und Gesprächen heischen. Auch andere Hundebesitzer wollen kommunizieren; man muss ständig auf der Hut sein. Für mich ist das Folter.

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Nachmittags waren wir alle wieder im Park, in der Hängematte. Auch der Hund war mit und spielte mit den Kindern.

img_1625Für mich Ärgernis des Tages: ein Straßenmusikant mit Trompete lief durch den Park und blies sehr laut ein fröhliches Lied. Das Monster in mir aber hasst diese Art von Fröhlichkeit, ich musste mir sogar die Ohren zuhalten, weil ich diese Musik nicht ertragen konnte. Der Musiker aber ging mit seiner Mütze über die Wiese und forderte seinen Lohn, kam auch auf uns zu. Ich versuchte, ihn nicht anzusehen, war sowieso noch voller Groll wegen der nicht einmal wirklich virtuosen  Frohmusik. Ich spende manchmal gern, aber doch nur, wenn mir der Mensch sympathisch ist und die Musik gefallen hat. Dafür, dass wir nichts gegeben haben, wurden wir von diesem Mann aber noch beschimpft, so schien es uns jedenfalls.

Da die Kinder immer bei mir waren, habe ich mich zurückgehalten, aber ansonsten ist gerade so ein Groll in mir, dass ich den ganzen Tag nur vor mich hinschimpfen könnte. Aber jetzt, am Abend, hat sich der Nebel in meinem Kopf und um mein Herz etwas gelichtet, ich bin sicher, dass ich morgen schwungvollerer erwache.

 

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7 Kommentare zu „Mit Therapiehund im Park

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