Seelenlebenreden

zyklopin

Ein jeder Mensch kann von Depressionen betroffen werden: junge Menschen und alte, Frauen und Männer, Ärztinnen und Lehrer, Hilfsarbeiter ohne Schulabschluss oder Hochschulprofessorinnen. Bereits Kindergartenkinder können an Depressionen erkranken. Bei Jugendlichen werden Depressionen oft als harmlose Pubertätsschwierigkeiten verharmlost, was fatale Folgen haben kann.

 

Je früher eine Depression erkannt wird, umso besser kann sie behandelt werden.

 

Darum müssen wir mehr über diese Krankheit sprechen. Wir müssen wissen, was Depressionen sind und wie wir sie erkennen können. Dazu in späteren Beiträgen mehr.

 

Die Behandlung einer Depression ist keine Gehirnwäsche, die die Betroffenen wieder als funktionierendes Rädchen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Getriebe zurechtsägt. Betroffene leiden unter ihrer Erkrankung. Eine Depression ist eine lebensgefährliche Erkrankung! Ohne Therapie droht oft der Suizid.

 

Ein depressiver Mensch ist nicht „verrückt“, „geisteskrank“ oder gar für seine Umwelt gefährlich. Ich ärgere mich immer wieder über Medienberichte, in denen erwähnt wird, ein Attentäter oder Massenmörder hätte Depressionen gehabt, woraus nicht informierte Leser schließen können, Depressive seien gefährlich. Eine Depression ist niemals alleinige Ursache für aggressives Verhalten.

 

Depressive Menschen haben nicht versagt.

 

Depressive Menschen sind nicht faul oder einfach zu schwach, um sich zusammenzureißen. Sie können es in dem Moment einfach nicht, denn sie sind krank.

 

Oft machen sie sich selbst die meisten Vorwürfe, brauchen nicht noch die misstrauischen Blicke der anderen.

 

Niemand muss sich dafür schämen, sich behandeln zu lassen.

 

Wer sein Bein oder seinen Arm gebrochen hat, geht zum Orthopäden.

 

Warum fürchten sich Menschen mit einer schmerzenden Seele noch immer, eine Psychiaterin oder einen Psychotherapeuten aufzusuchen?

 

Ich habe Depressionen, ja. Na und?

Ich möchte kein Mitleid. Ich brauche kein Mitleid.

Ich möchte die Krankheit nur einfach nicht verstecken müssen.

Ich möchte darüber reden dürfen, wie andere über einen Beinbruch.

Ich möchte sagen dürfen, was ich fühle.

 

Das wünsche ich mir für alle Menschen.

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17 Kommentare zu „Seelenlebenreden

  1. Mir ist auch aufgefallen, dass bei psychisch kranken Amokläufern oft Depression erwähnt wird. Es herrschen demgegenüber viel zu viele Vorurteile.

    Wir bräuchten alle mehr Verständnis, Mitgefühl und gegenseitige Unterstützung.

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  2. Vor einiger Zeit hatte ein Spieler des Eishockey-Vereins Eisbären Berlin auch mit Depressionen zu kämpfen. Er ist damit sehr offen umgegangen. Mein erster Gedanke war damals, da wird er doch kein Verständnis bekommen. Nicht in dieser Umgebung. Aber ich hatte mich getäuscht. Die ganze Szene stand hinter ihm und seiner Entscheidung sich zurückzuziehen. Er hat es geschafft, er kam zurück und wurde (mannschaftsübergreifend) von den Spielern und den Fans wieder aufgenommen.
    Es ist wirklich wichtig, dass mit Depressionen in der Öffentlichkeit genau so umgegangen werden kann, wie mit jeglichen anderen Krankheiten.
    Ich erlebe es auch in meinem Umfeld. Man darf diese Krankheit nicht unterschätzen und vor allem, sich nicht der Illusion hingeben, dass das einfach wieder weggeht. Das ist kein Mimimi, das ist ein Leidensweg, den man niemandem wünschen kann.
    Halt die Ohren steif. Ich möchte hier noch weiter Zeichnungen von dir sehen.

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    1. Ich danke Dir ganz herzlich. Zeichenpapier habe ich mir in die Klinik bringen lassen. Zeichnen tut mir gut, wie auch das Schreiben. Ihr werdet also auch die nächsten Tage von mir zu lesen bekommen.
      Mir tut es gut, Stimmen von außen zu lesen. Sie geben das Gefühl, dass doch nicht alles verloren ist. Agnes

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  3. Täler wollen durchschritten werden.

    Tavor – erste wirksame Hilfe, aber extremes Abhängigkeits-Potential.
    Geb`acht auf dich … ich bin selbst ein Mensch mit hohen Sucht-Potential und überdies vor vielen Jahren mal mit den Auswirkungen dieses Medikamentes auf einen mir damals nahe stehenden Menschen vertraut gewesen.

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  4. Liebe Agnes, dein Beitrag bewegt mich sehr und umfasst so Vieles, was ich mir um das Thema Depressionen (allgemein und aus eigener Betroffenheit) auch denke, mich sorge (weil man eben nicht wie über den Beinbruch spricht) und mich aufrege (Medienberichterstattung bei Attentaten, Katastrophen). Ich finde es toll, dass du so offen über die Depression schreibst und aufklärst – das hat unsere Welt ziemlich nötig!

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      1. Danke dir!
        Ich finde es groß und mutig von dir, dich in die Klinik einweisen zu lassen – du übernimmst damit Verantwortung für dich und dein Leben und auch für deine Kinder. Das hat nichts mit Versagen zu tun, sondern mit Stärke. 👍
        Erhole dich gut und nimm dir die Zeit, die du brauchst. Alles liebe und ganz herzliche Grüße Judi

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  5. liebe agnes, ich kann verstehen warum du darüber schreibst.
    selber habe ich auch eine depressive stimmung, deswegen werde ich, wenns klappt, erneut eine tagesstätte für psychisch kranke menschen besuchen.
    bin jetzt 6 jahre gut allein zurecht gekommen, aber im moment reichts, ich habe auch antriebsschwierigkeiten. es fällt mir sogar schwer unter die dusche zu gehen, da brauchts immer viel selbstüberredung.
    das ist so unangenehm, das kannst du glauben.
    so ende 2009 war ich vollstationär in einer klinik wegen despression. damals sprach der stationspsychiater im aufnahme gespräch auch über meine schizophrenie.
    er sagte, dass sei doch eigentlich eine geisteskrankheit.
    da war ich platt. denn ich fühle mich nicht geisteskrank.
    eine dumme erfahrung.

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