Steinerne Schönheit

Steinerne Schönheit, Kugelschreiber auf A4 Papier, 26.10.2016


Endlich bin ich zu meiner ersten Skizze der steinernen Schönheit am See gekommen. 

Oft bin ich zu zaghaft, radiere hin und her und verhunze dann das Bild. Das Zeichnen mit dem Kugelschreiber erfordert etwas mehr zeichnerisches Selbstbewusstsein. Klar – man kann sich mit dem „suchenden Strich“ langsam an die Form herantasten. Aber ein einmal gesetzter Strich bleibt. Fehler können nicht rückgängig gemacht werden, können nur integriert und das Motiv entsprechend angepasst werden.

Wer möchte, kann dies gleich noch in großem Schwung auf das ganze Leben beziehen. Vergangenes ist geschehen. Unser Handeln hat Konsequenzen, die bleiben. Nichts kann ausradiert werden. Wir können aber versuchen, trotz der misslungenen Striche (Entscheidungen, die sich als falsch erwiesen haben, Fehlschläge, schlimmen Erfahrungen), das möglichst Beste daraus machen. Wir müssen sogar, wenn wir das Blatt (unser Leben) nicht wegwerfen wollen.

Ach – das sagt sich so leicht.     

Gestern und heute habe ich mir erlaubt, mal mit allem zu hadern. Einmal nach Herzenslust zu schimpfen, meine Wut in Worte zu fassen (die sich leider auch gegen mich, aber eben nicht nur gegen mich richtet). Ich habe heute meine 25 Minuten Einzeltherapie schmerzhaft genussvoll verprasst, indem ich dem Psychologen meine Sicht der Dinge dargelegt habe, warum alles gekommen ist, wie es kam. Habe meiner Zimmernachbarin von den Dingen erzählt, die ich hier im Blog nicht schreiben will, weil sie zu privat sind. Von meiner Sichtweise! Ich habe mich sonst immer verurteilt für die Wut, die unterschwellig in mir brodelte, wollte sie nicht zulassen – denn was bringt sie mich voran? Für mein Leben und was ich daraus mache, bin in der Hauptsache doch ich verantwortlich. Aber wenn ich auf mein „Gefühl“ höre, meine „innere Stimme“, dann darf sie auch mal raus, die Wut, dann darf ich jetzt mal mit dem Finger auf andere zeigen und die Arme verschränken. Ich will mich jetzt auch einfach mal bedauern, mich selbst! Ich verachte Selbstmitleid. Aber vielleicht brauche ich das jetzt erst einmal, um dann abschließen, loslassen und nach vorn blicken zu können? Die innere Stimme in mir ruft: ja! Ja! Ja! Meine gute Erziehung drischt schon wieder auf mich ein – Selbstmitleid gehört sich einfach nicht …

Advertisements

9 Kommentare zu “Steinerne Schönheit

  1. Pingback: Aus meinem Skizzenbuch 2 – Agnes Podczeck

über einen - auch kritischen - kommentar werde ich mich sehr freuen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s