Der vierte Dienstag

Eine erneute Woche ist vorbei. War dies schon mein vierter Dienstag hier auf dieser Station? Allmählich habe ich das Zeitgefühl verloren.

Natürlich geht es mir besser als am Anfang. Dennoch habe ich das Gefühl, noch tief tief drin im Sumpf zu stecken. Momentan fehlt es mir auch an Optimismus, um an Besserung zu glauben, fühle mich kraftlos und leer. Gerade mache ich alles aus einer Art Pflichtgefühl oder Routine heraus, die Therapien, aber auch das Malen, Zeichnen und Bloggen. Ich mache etwas, um meine Zeit nicht zu vertrödeln und etwas halbwegs Sinnvolles zu tun – nicht weil es mir Spaß machen würde. Ich will diesen Zustand nicht näher beschreiben, um den negativen Gedanken wenig Raum zu geben. Im Skillstraining habe ich gelernt, dass man durchaus auch Dinge verdrängen darf, also versuche ich zu vergessen, dass ich mich ziemlich bescheiden fühle.

Um etwas Positives zu präsentieren, stelle ich Euch daher jetzt Julius vor.

julius
Julius

 

Julius ist keine Schönheit, weit gefehlt. Er ist mir dennoch ans Herz gewachsen, denn er ist mein erstes „Werk“ aus Speckstein. Julius entstand in der Ergotherapie. Ursprünglich hatte er nur ein runder flacher Handschmeichler werden sollen; dann hatte ich aber Lust bekommen, Dellen für die einzelnen Finger auszufeilen. Schließlich sah ich ein Phantasietier vor mir und Julius entstand – gewissermaßen zufällig, aus einem Impuls heraus und vollkommen planlos. Nun steht Julius bereits zu Hause auf dem Schreibtisch und wartet auf meine Heimkehr.

Auf der Oberarztvisite (heute zu meiner Freude nur mit der Oberärztin und einer Kollegin) haben wir als vorläufigen Entlassungstermin den 8. Dezember besprochen. Ich bin einerseits erleichtert, noch viel Zeit zu haben, um stabil werden zu können. Andererseits habe ich natürlich auch die Klinik und den Klinikalltag satt. Aber ich weiß, dass ich die Zeit brauche und bin dankbar, dass ich hier die Chance zur Genesung bekomme.

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6 Kommentare zu „Der vierte Dienstag

  1. der julius ist süß, gut gelungen frau künstlerin.
    ich wage mal vorzupreschen und dir einen rat geben.
    hast du schon einmal an eine traumatherapie gedacht?
    deine erkrankung scheint sehr tiefgehend zu sein.
    weißt, die traumatherapie, die ich mache, hilft ungemein, obwohl ich nur von meiner mutter traumatisiert wurde also prügel und seelisches fertigmachen.
    doch habe ich durch die therapie einen weg gefunden, mit mir gut umzugehen.
    wenn du hier nicht antworten magst, dann schreib mir ne email: ultima-ratio@online.de
    ich könnte dir behilflich sein.
    aber das ist kein muß, versteht sich ja von selbst, doch du bist mir irgendwie mit deinem blog doch sehr an herz gewachsen und wir kranken ladies sollten zusammenhalten.

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  2. Liebe Agnes, ein schöner Julius! Warum eigentlich Julius?
    Mir gings auch ab und zu wie Dir. Aber auch diesen Zustand der Lustlosigkeit, der Routine, des Funktionierens wahrzunehmen, anzunehmen und dann für sivh entscheiden, WILL ich das auch weiterhin fühlen?, ist extrem wichtig. Die bewusste Entscheidung, andere Gefühle zu wecken ist daher keine Verdrängung, solange Du vorher genau wahrgenommen hast, was Du fühlst! Diese sinnvolle Steuerung ist später, wenn Du Zuhause bist und den geschützten Raum der Klinik verlässt, ein bedeutendes Instrument gegen negative Gefühle! Wieder ein wichtiger Schritt von Dir! 🙂

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