Freitag, endlich! Behördentrauerspiele

Eine Kliniktherapiewoche ist herum, die für mich aus verschiedenen Gründen für mich besonders schwer war.

Ich kann nicht so ganz in Detail gehen, nur kurz zusammengefasst: neben der Depression und der Angst begleiten mich auch schon seit langem Schmerzen. Ich habe den Verdacht, dass die Stimme der Depression für mein Gespür oft zu leise ist und so brauche ich deren Schwester Schmerz, die mich bremst. Dabei ist meinem rationalen Ich diese Bremsung gar nicht lieb, weil dieser Teil von mir wahnsinnig gern aktiv ist. Leider werde ich auch bei jenen Tätigkeiten gestört, die ich ausgesprochen gerne mache. Mit moderaten Schmerzen lässt sich das Zeichnen und Malen eventuell noch verbinden. Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht, ab der alles zur Qual wird. Die war spätestens heute erreicht, nachdem sich mein Zustand von Tag zu Tag „gesteigert“ hat. Heute habe ich mir endlich wieder Tavor aufschrieben lassen, habe den Nachmittag gedöst und ein kleines bisschen Entspannung gefunden.

Gefüttert wurden Schmerz und Schwermut von äußeren Einflüssen, vor denen mich die Klinik auch nicht ganz bewahren kann. Die haben in dieser Woche einen erneuten Höhepunkt gefunden. Somit ist es sogar mir einleuchtend, dass es mir jetzt schlecht geht und schlecht gehen darf.

 So war bis Dienstag mein Krankenversicherungsstatus ungeklärt, weil sich die verschiedenen Sozialleistungsträger dieses Landes seit August (!) meinen Leistungsantrag mit spitzen Fingern gegenseitig zuschieben. Mein Krankengeld ist ausgeschöpft, Alg1 ausgelaufen, bin laut Gutachten zu krank für Alg2, für das man arbeitsfähig sein muss, das Grundsicherungsamt verweist auf die Rentenversicherung und möchte, dass ich Erwerbsunfähigkeitsrente beantrage und dann wieder Alg1 und Alg2. Für einen psychisch stabilen Menschen lästig, ärgerlich, aber doch irgendwie machbar. Ich drehe gerade durch und breche in Tränen aus, wenn ich nur eines dieser Formulare sehe. Natürlich hat jede Behörde ihre eigenen Formulare, die der andren gelten nicht (obwohl auch dort eigentlich die gleichen Fragen beantwortet werden. Aber Formulare sind heilig. Mir verursachen sie Schmerzen – nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz real.

Die beschriebenen Behörden spielen immer noch Antragspingpong.  Immerhin hat mir die Krankenkasse mir jetzt eine Rechnung zugestellt, die mich als freiwillig versichert ausweist, anstatt zu behaupten, ich sei nicht versichert (sie durfte mich auch gar nicht rausschmeißen und war sogar verpflichtet gewesen, mich freiwillig weiterzuversichern.) Damit wird die Krankenkasse hoffentlich endlich die Rechnung für meinen Klinikaufenthalt bezahlen. Bisher wollte sie die Rechnung nämlich nicht annehmen, was die Klinikverwaltung extrem nervös gemacht hat. Die Klinikverwaltung hat ihren Ärger darüber wiederum an ihren Sozialarbeitern ausgelassen, die Sache zu klären und die Sozialarbeiter haben den Druck regelmäßig an mich weitergegeben, dass ich schon immer Herzklopfen hatte, jemanden von denen über den Weg laufen zu müssen. Der olle Herr W. von Station 1 war bereits fleißig und mit Inbrunst am Druckmachen beteiligt gewesen und hatte sich damals auch nicht gescheut, mit mir über meinen Krankenversicherungsstatus öffentlich vor anderen Patienten diskutieren zu wollen. Dass solcher Druck auf die Genesung eines Kranken nicht unbedingt förderlich wirkt, ist sicher nachvollziehbar. Jetzt brauche ich mich wenigstens nicht mehr vor der Sozialarbeiterin auf dieser Station zu schämen – sie hat meinetwegen nun keinen Stress mehr mit der Klinikverwaltung.
Nun müssen „nur“ noch die anderen Sozialbehörden überredet werden, meine Akte als Schwarzen Peter aufzunehmen. Vielleicht bekomme ich zur behördlichen Unterstützung eine gesonderte Hilfe, die mir dabei hilft, das verworrene Geflecht des Antragswirrwars nicht nur gegenüber den Sozialbehörden zu lichten, wo sich die eine Katze am Schwanz der anderen festgebissen hat, und einen Weg zu bahnen, auf dem ich in Zukunft eine Weile ohne zu stolpern werde gehen kann. 

Hat jemand von Euch bereits gute Erfahrung mit amtlicher Betreuung gemacht? Bitte bitte schreibt mir nur von den guten Erfahrungen. Die schlechten, bitte, behaltet für Euch, bis ich genug Stabilität habe, auch damit umzugehen.

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11 Kommentare zu „Freitag, endlich! Behördentrauerspiele

  1. liebe agnes, als mein vater dement wurde, habe ich eine betreuerin besorgt.
    da geht man zum amtsgericht und lässt sich einen antrag für betreuung aushändigen.
    in deinem fall kannst du noch eilantrag draufschreiben.
    auf dem antrag kann man ankreuzen wofür die betrteuung sein soll.
    in deinem fall wäre das für behörden und ämter, ich denke damit ist dir schon geholfen.
    ausserdem kannst du den wunsch nach einer betreuerin äussern.
    ich wünsche dir alles liebe und ggute fürs wochenende.
    und ja, ich habe mit der gesetzlichen betreuung gute erfahrungen sammeln können.

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  2. Persönlich habe ich keine Erfahrung damit gemacht. Doch glaube ich, dass dort fähige und emphatische Menschen sitzen. Such Dir da unbedingt Hilfe und nimm Deinen Partner mit. DU brauchst jetzt alle Kraft, im gesund zu werden. Dieser SV-Krempel ist wirklich kompliziert. Die K K muss aber solange der Status bei Dir ungeklärt ist, die Kosten übernehmen. Sollte sich ergeben, dass ein anderer Träger zuständig ist, holt sich die KK intern über dem Behordenweg das Geld zurück. Ich habe das ganze damals nur deshalb so gut hinbekommen, weil ich mal SOFA gelernt habe und ich ein gutes Rechtsverständnis habe. Hol Dir also unbedingt Hilfe! Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Zuversicht! Du hast die Sicherheit, dass Du versichert bist!!

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  3. Ich habe leider – zum Glück – mit sowas überhaupt keine Erfahrung. Aber ich drück Dir die Daumen, dass sich wenigstens das bald löst und Du Dich wieder auf Deine Gesundheit konzentrieren kannst.

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      1. Das klingt wirklich gut. Heute hat sich schon ein potentieller Betreuer bei mir gemeldet, der ziemlich kompetent und vertrauenswürdig scheint. Aber auf der Vereinsseite schaue ich mich so oder so um, schon allein um später, wenn es mir besser geht, wieder „etwas gut machen“ zu können.

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