Betreuer

Ein eventueller Betreuer, Rechtsanwalt, empfohlen vom Amt für Betreuung, hat mich heute Nachmittag besucht und sich mir vorgestellt. Ein älterer Herr, nett, kompetent, durchsetzungsfähig. Vertrauenswürdig.

Ich fand den Gedanken lange Zeit absurd, mir bei Dingen helfen zu lesen, zu denen ich intellektuell theoretisch eigentlich in der Lage wäre – ich war zu Unizeiten in der Studierendenverwaltung für Soziales zuständig, habe an einer Informationsbroschüre mitgeschrieben, früher habe ich behördliche Korrespondenz und Steuererklärungen problemlos erledigt. Nun bin ich selbst so weit gesunken, dass mir diese Sachen aus der Hand geglitten sind. Ich weine, wenn ich Formulare sehe, sehe nur noch den Berg, die verknoteten Wollknäule. Meine innere Mauer baut sich auf, wenn Behördenbriefe mir Fristen setzen. Schmerzen sind die unmittelbare Reaktion.

Der potientelle Betreuer kann, falls vom Gericht bestellt, für mich und mit mir Formulare ausfüllen und unterschreiben. Es geht ausdrücklich nicht um eine Entmündigung. Daher wird die Betreuung, sofern sie vom Gericht bewilligt wird, auch nicht darauf hinaus laufen, dass mir das Sorgerecht für die Kinder entzogen werden kann, was natürlich eines der Worst case Szenarien vor meinem inneren Auge ist.

Vor dem Termin hatte ich wahnsinnige Angst. Habe Schmerzmittel geschluckt, Tavor genommen, gemalt zur Ablenkung und gestrickt.

Jetzt fühle ich mich leer. Entspannter, aber leer. Überhaupt habe ich die letzten Tage wieder das irrationale Gefühl, dass mich eine Katastrophe umschwebt und ein schwerer Stein liegt auf meinem Herzen.

Ich weiß aber, dass das nichts konkretes bedeutet, kenne diese Gemütslage aus anderen depressiven Phasen nur zu gut. Der Katastrophengefühl geht vorbei, irgendwann.

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11 Kommentare zu „Betreuer

  1. hm, ich dachte, man müsste erst einen antrag auf betreuung stellen in dem angekreuzt wird für was man die betreuung braucht.
    es gibt verschiedene sachen zum ankreuzen als da wären finanzen, gesundheit, aufenthaltsbestimmungsrecht, schreibkram mit ämtern und behörden. mehr habe ich nicht mehr im kopf.
    ich freue mich, dass du dir hilfe holst, das macht dich stark.

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe mir für meine Mutter damals auch eine Betreuerin gesucht. weil mir das einfach zu viel wurde. Und diese Zusammenarbeit war unglaublich gut. Weil die Betreuerin eben Bescheid wusste und Probleme von ganz anderen Seiten beleuchten konnte. Ich würde mir sofort auch für mich eine Betreuerin suchen, wenn das drin wäre. Ich leiste mir eine Steuerberaterin, obwohl ich wenig verdiene und ich gehe seit Wochen regelmäßig zum Anwalt, um einen Vertrag vernünftig aufzusetzen. Nein, das ist mir nicht die Bohne peinlich. Und wenn ich was vom Amt geschickt bekomme, was ich nicht kapiere, rufe ich an und nerve so lange rum, bis ich weiß, wie es geht. Die Formulare sind ja meistens bekloppt. Und wenn jemand eins ausgefüllt haben will, muss er oder sie es mir halt erklären.

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  3. Heute bin ich sooo dankbar dafür, wie viele – meist fremde Menschen -mir damals in einer sehr schweren Zeit geholfen haben. Irgendwann wirst du es sicher genauso fühlen. Nicht klein und schwach, sondern einfach nur dankbar. Es ist schön, dass Dir geholfen wird und es ist überhaupt nicht schlimm, dass Du derzeit einiges nicht kannst. Du wirst es wieder können, glaub mir! So eine Reha mit so vielen Eindrücken, Leuten, Gedanken und Gefühlen ist mega anstrengend. Und das erst recht, wenn man dünn besaitet ist. Du kannst sehr, sehr stolz auf Dich sein!

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über einen - auch kritischen - kommentar werde ich mich sehr freuen

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