Rückblickend hinein in die Zukunft

Im der letzten Woche ist in mir und mit mir so unendlich viel vorgegangen, dass ich fast das Gefühl habe, ich sei heute ein anderer Mensch. Der Vorhang, der so lange um mich herum hing, ist gefallen und es gelingt mir immer besser, mit anderen Menschen zu sprechen – zumindest mit meinen Mitpatienten hier, die ich die letzten Wochen ja kennengelernt und vor denen ich die Angst verloren habe. Das ist nicht nur für mich, sondern auch für andere spürbar, die mir das die letzen Tage auch so gesagt haben. Manchmal bin ich geradezu leutselig …

Es ist nicht so, dass es mir nun leicht fällt, mit anderen zu sprechen – es bleibt eine Hürde und es gibt auch darüber hinaus noch viel zu tun. Schmerzen erinnern mich täglich daran, dass ich noch immer krank bin. Auch weiß ich, dass Rückschläge kommen können, ja dass sie kommen werden und sogar vollkommen normal sind. Wichtig ist, dass ich mir mein momentanes positives Gefühl „einpacke“ und die Erinnerung daran für schlechte Zeiten aufbewahre.

Ich wieder mit einem gewissen Optimismus in die Zukunft. Es ist schon allein eine riesige Erleichterung, dass ich weiß, dass ich immer noch „kommunikationsfähig“ bin. Das ist ja auch wichtig für eine Reintegration ins Arbeitsleben.

Rückblickend kann ich sagen, dass mir die Zeit hier in der Klinik sehr geholfen hat. Zwar war der Anfang sehr schwierig, da ich ja auf der falschen Station gelandet war, die mir eher sogar geschadet hat. Ich hatte ja damals – es kommt mir so viele Jahre her vor – darüber geschrieben. Aber davon abgesehen bereue ich meinen Entschluss, in die Klinik zu gehen, nicht und würde auch niemandem sonst davon abraten, sich in stationäre Therapie zu begeben, wenn eine ambulante Behandlung nicht anschlägt.

Für mich beginnt morgen der nächste Schritt in ein „neues Leben“. Ich werde mein Klinikbett verlassen und die Nächte zu Hause verbringen. Aber tagsüber werde ich weiterhin an den Therapien teilnehmen können und müssen. Das macht für mich den Übergang vom stationären Aufenthalt zum selbstständigen Leben leichter, da sich tagsüber für mich zunächst wenig ändert und auch die gewohnten Pflegekräfte und die vertrauten Mitpatienten bleiben. Außerdem behalte ich ein Sicherheitsnetz – falls es mir wieder schlechter gehen sollte, könnte ich jederzeit wieder für ein paar Tage ganz hier aufgenommen werden. Ich kann nach vorn sehen, weil ich weiß, dass ich abgesichert bin.

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11 Kommentare zu „Rückblickend hinein in die Zukunft

  1. Alle Gute zu Hause Agnes! Mein Aufenthalt ist schön länger her, aber niemals habe ich die Gefühle und Gedanken, die ich damit verbunden habe, vergessen. Selbst die traurigen habe ich verinnerlicht. Und immer, wenn es mir heute mal nicht so gut geht, dann fühle ich in mich hinein und visualisiere Momente, die mir damals so gut getan haben oder vergleiche, dass es mir damals viel, viel schlechter gegangen ist als jetzt… Ich kann Deinen Gedanken nur beipflichten! LG Simone

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  2. liebe agnes, du kannst dir nicht vorstellen wie sehr ich mich für dich freue, ehrlich!
    habe ja selber genug erfahrung mit psychiatrieaufenthalten sammeln können.

    auch oder falls dir ein rückschlag die positve energie verhageln sollte, denke daran wie schön das positive gefühl jetzt für dich ist.
    ich bin fest überzeugt, dass du auch weiterhin fortschritte machen wirst, vielleicht langsam, aber fortschritte.
    ich wünsche dir eine gute zeit.

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  3. Ich habe mir mal selbst einen Brief geschrieben, der mich in schlimmen Zeiten an das positive Gefühl erinnert. Vielleicht passt bei dir aber ein Bild besser? So eine kleine Erinnerungshilfe ist manchmal echt gut. Meine Psychologin sagt mir auch immer wieder, dass Entwicklung leider nun mal nicht linear läuft und Rückschläge einfach passieren.
    Ansonsten wünsche ich dir viel Kraft für die nächsten Schritte! 🙂

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