Demütige Freude

Nachrichten zu sehen, zu hören oder zu lesen, versuche ich immer noch auf ein Minimum zu reduzieren; ich schaffe es nicht, mich genügend davon abzugrenzen. Wie geht es Euch damit?

Trotz Krankheit, Leid, aller schlechter Erfahrungen, die ich hinter mir habe und trotz Stress und Ärger, der mir noch bevorsteht, will ich für ein paar Augenblicke innehalten, um in Dankbarkeit und Demut einmal auf die positiven Dinge zu blicken, die mir  zuteil werden:

darauf, dass ich in einer eigenen Wohnung in Wärme sitze,

dass ich ein einem Land lebe, in dem – trotz aller kritikwürdigen Löcher – , ein soziales Netz besteht und ein Gesundheitssystem, in dem ich Hilfe bekommen habe und weiter erhalte,

dass mein Magen gefüllt ist und

dass ich in einem Land ohne Krieg und Verfolgungen leben darf.

 

Ich bin auch dafür dankbar, dass ich mich jetzt auf ein kreatives Wochenende freuen kann.

 

Nachdem ich in der Ergotherapie in der Klinik Frieden mit Nähmaschinen schließen konnte, habe ich gestern meine eigene alte Nähmaschine wieder hervorgekramt. Ich hatte mir vor vielen Jahren mal ein richtig gutes Gerät gekauft, dann aber ziemlich arg mit ihm zerstritten.

Wie kann man mit einer Nähmaschine in Streit geraten? Nun, wenn der Mensch, der mit der Maschine arbeitet, ungeduldig ist, immer alles sofort anfangen und im gleichen Atemzug fertigstellen will, flink und rasch, dabei aber gern auch spontan und flexibel sein will, die Maschine aber eine Diva ist, die Geduld erwartet beim Faden einfädeln, Spulen einlegen und Fäden spannen, dann sind gewisse Dissonanzen vorprogrammiert. Mehrere Jahre hatte ich die Maschine dann meiner lieben Freundin A. geborgt, die sie mir aber zurückgab, als sie aus Berlin wegzog.

Nun also bin ich älter geworden, geduldiger, übe mich in langsamem Arbeiten ohne Hektik und Eile. Meine gute alte Nähmaschine und ich starten einen neuen Versuch der Zusammenarbeit. Ich habe Stoff gekauft und einige Ideen für Basteleien. Neben mir eine Kanne mit gutem schwarzen Tee, den ich mit Garam Masala gewürzt, Zitronensaft einem Hauch Apfelsüße abgeschmeckt habe. Das duftet, wärmt und schmeckt ganz wunderbar.

 

 

 

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Ein Kommentar zu „Demütige Freude

  1. Liebe Agnes, ich schaffe es zum Teil auch nicht, mir die Nachrichten anzusehen. Wenn ich an die Menschen in Aleppo oder so denke, dann bekomme ich mehr als Bauchschmerzen. Politik ist so schrecklich, denn nur aus diesen Gründen ist dort so lange Krieg.
    Ich bin auch dankbar, dass ich in Deutschland lebe, auch wenn bei uns manches besser gemacht werden könnte.
    Lieben Gruß

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