Genuss der kleinen Dinge

Ich gebe zu, mir fällt es schwer, diese Tage wie heute zu lieben, an denen es nicht einmal richtig hell wird. Der Schnee kommt nur auf Stippvisite, um sich auf dem städtischen Betonboden umgehend in Matsch zu verwandeln. Nasse Kälte kriecht unter den Mantel, Hosenbeine und Schuhe werden nass, auch wenn man sich Mühe gibt, die Schneepfützen zu umspringen. Ich möchte beim Anblick des Nassschnees murrend einen Flunsch ziehen und verwünschen, dass ich in der für mich unpassenden Klimazone lebe.

Aber ich lerne, das Unveränderliche zu akzeptieren und auch in diesem Grau wunderschöne Augenblicke zu erleben. Ich lebe jetzt und nicht erst dann, wenn die Frühlingssonne wieder wärmt.

Wer ganz genau hinsieht, kann auch an grauen Matschewettertagen unvergleichlich schöne Dinge entdecken:

Die Tautropfen an den Sträuchern glitzern und funkeln. Der jungfräuliche Schneematsch auf der Wiese knirscht behaglich unter den Schuhsohlen und das satte Grün der Nadelsträucher hebt sich saftig vom weißglitzernden Schnee ab.

 

Eiskugel

 

Was bringt uns die Zukunft?

Sonntagssonne

Für den heutigen Sonntagsspaziergang habe ich mir einen „richtigen“ Fotoapparat ausgeliehen und die Bilder nicht mit dem Handy gemacht. Gerade da ich ja die kleinen Veränderungen der Natur und oft unbeachtete Details fotografisch festhalten möchte, ist so ein guter Apparat mit entsprechender Auflösung natürlich etwas wundervolles. Ich muss mich da allerdings noch etwas weiter einfuchsen.

Trotz der eisigen Nachttemperaturen treiben einige Sträucher und Bäume in der Spätjanuarsonne weiter aus. In den Schrebergärten an der Bornholmer Straße hat der Mohn bereits recht große Blätter und ich vermute, dass es Phlox ist, der vorwitzig einige Millimeter aus der Erde lugt. Warum will er nicht noch ein paar Wochen ruhen? Die eigentlichen Frühblüher – Schneeglöckchen, Krokusse, Hyazinthen – sind jedenfalls noch tief unter der Erde verborgen.

Am Weißensee

Vierundzwanzig Stunden

Es erscheint mir Jahr für Jahr wie ein Wunder, wie schnell die Natur sich verändern kann.

Innerhalb eines einzigen Tages haben sich etliche Blattknospen geöffnet. Ich sehe immer mehr grüne Tupferchen an den Sträuchern. Ist das nicht noch viel zu früh? Werden die zarten Blätter den Februarfrösten standhalten können?

Grünes Treiben über Eis

Bauklötzer habe ich gestaunt, als ich heute an mehreren Sträuchern bereits fette Blattknospen und zarte grünsaftige Blattspitzen entdeckt habe, während die Berliner Seen immer noch vereist sind. Beginnt das grüne Treiben wirklich schon Ende Januar?

Es tut mir gut, auf meinen manchmal umwegreichen Wegen von der Klinik nach Hause genau hinzusehen und die Veränderungen in der Natur zu beobachten. Ich habe heute mit einer Mitpatientin darüber gesprochen. Auch ihr helfen achtsame Gänge durch die Natur, das Betrachten einzelner Blätter oder Zweige, die sich im Wind bewegen, treibender Wolkentiere oder der Spiegelungen des Wassers, Negativgedanken und Grübelspiralen zu unterbrechen, im Hier und Jetzt zu sein.

 

Funny Thursday

Schon in den Neunzigern hatte ich einiges von Funny van Dannen gehört, mir aber nie ein Album von ihm zugelegt. Diese Woche habe ich ihn wieder für mich neu entdeckt und sein sarkastisch-traurig-beißender und kluger Humor bessert meine Stimmung merklich. Somit kann ich mein neues Funny van Dannen Album feierlich in meine Skillsliste mit aufnehmen.

Bei dem unten verlinkten Song habe ich beim ersten Hören Tränen gelacht – der Trauer, Wut, Selbstironie, aber voller Optimismus und Lebenswillen.

Startet gut in den neuen Tag!