Kältehilfe und die Mitte der Gesellschaft

Der März geht zu Ende und damit endet auch die Berliner Kältehilfe, ein gemeinsames Projekt von Senat, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen, um in den kalten Wintermonaten wohnungslosen Menschen zusätzliche Notübernachtungsplätze und Hilfsangebote zur Verfügung zu stellen.

 

Leider verschwinden mit dem Winter  die Probleme der Menschen nicht. Einem Bericht des rbb zufolge richten sich Obdachlose vor dem Auslaufen der Kältehilfe wieder zahlreiche Lager in der Stadt ein. Es gäbe regelrecht einen „Kampf um die Plätze“, so wird ein Mitarbeiter der Stadtmission zitiert.

 

Auch der Schlafplatz unter der Schivelbeiner Brücke zwischen Mauerpark und Bornholmer Straße, der zwischenzeitlich – sei es freiwillig, sei es aus Zwang – geräumt worden war, ist heute wieder belegt,

 

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Schivelbeiner Brücke, Prenzlauer Berg Berlin, 31.03.2017

 

Ein Ausbau ganzjähriger Übernachtungs- und Hilfsangebote tut dringend Not, nochzumal die Zahl psychisch und physisch kranker Betroffener spürbar zugenommen hat. Wobei eine wirksame Hilfe bereits viel früher einsetzen muss – bevor Menschen ihre Wohnung verlieren.

Dass das soziale Netz in Deutschland erhebliche Lücken aufweist, mag den meisten Menschen auf den oberflächlichen Blick nicht bewusst sein, wird doch gern das Sozialsystem als angebliche Hängematte denunziert. Doch in diesem Winter habe ich leider auch selbst erleben müssen, dass Jobcenter, Sozialämter und andere Behörden mit Anträgen Hilfsbedürftiger Pingpong spielen. Solange es keine allen Menschen gleichermaßen zustehende wenigstens minimale Grundsicherung gibt, dürfte sich an diesem Zuständigkeitspoker wohl nur schwer etwas ändern lassen. Wer keine Freunde oder Verwandte hat, die über einen längeren Zeitraum die Mietzahlungen übernehmen können oder wer durch psychische Krankheit oder Sucht nicht in der Lage ist, gegen ablehnende Bescheide vorzugehen, dem ist wohl wenig so gewiss wie der Verlust der eigenen vier Wände.

 

Die nicht gerade für linke Propaganda bekannte Berliner Morgenpost macht auf eine ungemütliche neue Entwicklung aufmerksam und zitiert Caritas-Direktorin Ulrike Kostka: „Obdachlosigkeit sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es seien auch Menschen betroffen, die sich ihre Wohnung wegen steigender Mieten nicht mehr leisten können.“

Eine bedenkliche Entwicklung, die auch und gerade Bauprojekte wie das der Groth-Gruppe am Berliner Mauerpark mitnichten bremsen werden.

 

 

https://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2017/03/kaeltehilfe-berlin-bilanz.html

http://www.taz.de/!5393582/

http://www.morgenpost.de/berlin/article210108423/Berliner-Kaeltehilfe-bot-so-viele-Schlafplaetze-wie-nie-zuvor.html

https://www.caritas-berlin.de/presse/pressemitteilungen/berliner-kaeltehilfe-zieht-bilanz-1b741b6d-9c8e-4d05-96b6-8ca1aa30ea0b

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/obdachlose–ausreichend-schlafplaetze–medizinische-defizite-26281298

https://www.berlin.de/sen/soziales/themen/wohnungslose/

 

 

 

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Gelbe Blütenvielfalt

Seit ich vor einiger Zeit die Blüte der Kornellkirsche entdeckt habe (mein damaliger Beitrag hier), springen mir gelb blühende Frühjahrsbüsche besonders ins Auge. Wo immer ich kann, trete ich näher um die Blütenform genau zu betrachten. So manche Forsythie hat sich dabei als Kornellkirsche entpuppt, wobei beide Arten hier in der Stadt gern als Heckenpflanzen gesetzt wurden. Dann gibt es auch noch den gelb blühenden Winterjasmin, dem ich früher ebenfalls den Stempel „Forsythie“ aufgedrückt hatte. Vom Winterjasmin habe ich kein selbstgemachte Foto, aber für alle von Euch, die es interessiert, hier Kornellkirsch- und Forsythienblüten im Vergleich. Die Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.

Weiße Blüten und Genusstraining

 

Bereits vor einer Woche hat mich ein kleiner Strauch mit seinen fliederähnlich duftenden Blüten in den Bann gezogen. Ich habe noch nicht herausgefunden, wie er heißt; vielleicht ist das aber auch egal. Als wir in der Klinik beim Genusstraining immer sofort herausfinden wollten, was wir denn da rochen, sahen, hörten, als wir analysierten, werteten und kategorisierten, versuchte unsere Therapeutin immer wieder uns in unserem Eifer zu bremsen: Nehmen Sie doch „einfach nur wahr“, ohne gleich zu werten und zu hinterfragen. Einach im Moment leben.

Der rätselhafte Strauch steht im Humboldthain, neben dem erst kürzlich errichteten Gedenkstein für dessen Namensvater, der wohl in Vorbereitung auf die IGA Berlin, die diesjährige Internationale Gartenausstellung, errichtet wurde.

Falls Ihr übrigens Ideen habt, um welchen Strauch es sich handelt: über eine Lösung des Rätsels wäre ich nicht erbost 😉

 

 

 

 

Aus meinem Skizzenbuch 8

 

Die Sonne wärmt meine Seele! Geht es Euch genauso oder gehört Ihr zu denen, deren Stimmung vollkommen wetterunabhängig ist? Ich komme mir vor wie ein Fähnchen im Wind, hin- und hergeworfen von meteorologischen Hochs und Tiefs.

Am Sonnabend ging es mir so gut, dass ich, als ich auf der Straße einen guten Bekannten traf, eine ganze Weile vergnügt mit ihm sprechen konnte – ohne Verlegenheit, ohne Angst, ohne Stottern.

Am Sonntagmorgen hatte ich ja in der frühmorgendlichen Stille für Zeilenendes Fotoprojekt eine Runde um die Groth-Baustelle gedreht und die wärmenden Sonnenstrahlen hatten mich so sehr aufgeladen, dass ich mich ein paar Stunden später noch einmal mitten ins Mauerparkgetümmel wagte.

Nicht ohne Grund heißt es, man könne „in einer Menschenmenge untertauchen“, denn genau dieses schrecklich laute Gewusel, in dem ich mich unsichtbar wähnen konnte, half mir dabei, es eine Weile in der Masse auszuhalten, mich mit Bleistift und Skizzenbuch zwischen die Leute zu setzen und wild draufloszukritzeln und ein Strichmännchen (oder hieße es Strichfrauchen?) neben das andere zu setzen. Unglaublich, wie viele Menschen am Sonntag unterwegs waren!

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Skizzenbuch A5, Unter der Birke, Bleistift, 27.03.2017
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Skizzenbuch A5, Märzsonntag im Mauerpark, Bleistift, Kohlestift, 26.03.2017

Dagegen wirkte es am Montagnachmittag im benachbarten Park mehr als beschaulich und so zeigt die gestrige zartere Skizze nur zwei Studenten unter einer austreibenden Birke.

 

Rhabarber und Hyazinthe 8

 

Zwei Monate, nachdem ich diese wöchentliche Beitragsreihe begonnen habe, ist der Rhabarberkübel nicht mehr wiederzuerkennen. Rhabarberstängel und Blätter leuchten saftig, die Hyazinthe betört mit ihrer Schönheit und himmlischem Duft. Zitronenmelisse lugt zart aus dem Boden und die Narzissenblüten stehen in den Startlöchern. Werden sie sich bis zu Ostern Zeit lassen?

 

 

Vorherige Beiträge:

Rhabarber und Hyazinthe 1

Rhabarber und Hyazinthe 2

Rhabarber und Hyazinthe 3

Rhabarber und Hyazinthe 4

Rhabarber und Hyazinthe 5

Rhabarber und Hyazinthe 6

Rhabarber und Hyazinthe 7

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Das Zeilenende hatte ja vor einem Monat zu einem neuen gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang sollte jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden. Ich hatte mich ganz spontan zur Dokumentation der Veränderungen auf der Groth-Baustelle am Berliner Mauerpark entschlossen und in meinem letzten Beitrag dazu ein einzelnes Foto, aufgenommen von der Fußgängerbrücke Schwester Steg aus, gezeigt.

Aber wie soll ich dieser riesigen Baustelle mit einem einzelnen Bild gereicht werden? Heute morgen also, bei strahlendem Sonnenschein, entschied ich mich, die gesamte Baustelle zu umrunden und von verschiedenen Stellen aus abzulichten. Rauchenden Kopfes saß ich nun lange über den vielen Bildern und habe acht Aufnahmen ausgewählt, die ich heute zeigen möchte. Auf meinem skizzierten Plan seht Ihr, von welchem Standort aus welches Bild gemacht wurde.

Wenn nicht irgendeine Katastrophe über mich hereinbricht, werde ich auch die kommenden Blogparadensonntage mit einem sportlichen Spaziergang beginnen.

Außerdem wird demnächst ein ausführlicherer Textbeitrag zum Thema folgen, denn das Groth-Bauprojekt ist ja mehr als umstritten. Aber ich kann Fake-News und plakativen Behauptungen allzuwenig abgewinnen, so dass ich mich zu diesem Thema noch mehr belesen und umhören will.

Für heute also Ende des Textes und hier die Bilder:

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Bitte zum Vergrößern auf eines der Bilder klicken.

Zum vorigen Beitrag:

https://agnesblogsite.wordpress.com/2017/02/28/groth-statt-gruen-zeilenendes-fotoprojekt/

Wer macht sonst so mit:

Amerdale zeigt das Wohnzimmer

Arno von Rosen zeigt die Eiche in Nachbars Garten

Chris zeigt den Baum vor seinem Fenster

frauholle52 blickt auf ihre Terrasse

Frau Rebis begleitet ihren Baum

Gerda Kazakou nimmt uns mit in ihr Atelier

Impressions of Life blickt auf Balkon und Garten

Lovely Rita Flowermaid zeigt die Discotasche

lunarterminiert beobachtet ihren Schreibtisch

Meermond zeigt ihre Füße her

Mein Name sei MAMA nimmt uns mit unter den alten Kirschbaum

Mitzi Irsaj erinnert sich an den Ort, an dem 24 Olivenkerne im Münchner Rosengarten ruhen

Multicolorina rastet an einer Feldweg-Bank

Neues vom Schreibtisch zeigt den Park rund um die Reste des Garnisons-/Katharinenfriedhofs in Braunschweig

Petra Elsner zeigt die Bleiche am Döllnfließ

Random Randomsen hat einen geheimnisvollen Baum gewählt

rina.p macht einen Hofgang

Rubinkatze blickt über die Dächer Münchens

solera1847 nimmt uns mit auf die Gartenbaustelle

tallyshome zeigt ihr Wohnzimmer-Sofa

trienchen2607 richtet ihre Wohnung neu ein

Ulli blickt in die Weite

Wili lässt uns auf und in ihren schmucken neuen Topf gucken

wortgeflumselkritzelkram ist im Vorgarten

Wer viele Fotos macht …

 

… hat die Qual der Wahl. Welches hebe ich auf, welches lösche ich, welches zeige ich. Und — wenn ich Bilder von Pflanzen, Blüten und Blättern veröffentliche, so möchte ich doch wenigstens eine kleine Ahnung davon haben, was ich auf meinem Blog zeige.

Da sitze ich also, durchforste das Internet und den dicken Wälzer, den ich von meinem Opa vermacht bekommen habe und suche, vergleiche, verwerfe oder aber entdecke.

Bei diesem Bild bin ich mir ziemlich sicher, dass ich Euch Weidenkätzchen zeige. Es müsste sich um Kätzchen der Ohr-Weide handeln, da diese vor dem Laubaustrieb erscheinen und genauso verwuschelt aussehen, wie die in meines Opas Buch. Pflanzenliebhaber*innen dürfen mich natürlich gern korrigieren.

Ohr-, Grau-, Sal- oder welche Weide auch immer: die Kätzchen sehen hübsch und sehr possierlich aus, besonders wenn der Himmel so leuchtend blau wie hier strahlt.

 

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