Aus meinem Skizzenbuch 10

 

Am Montag bin ich das erste Mal seit meiner Klinikzeit wieder mit dem Fahrrad zur Therapie gefahren. Ziemlichen Bammel hatte ich davor, da mich die Strecke auch an meinen letzten, höllenmäßigen Weg zu meiner Therapeutin erinnerte, woraufhin ich das Fahrrad in ihrem Hof deponierte und in die Klinik ging. Der Weg hat aber nicht getriggert, ich habe links und rechts auf die Pflanzen am Straßenrand gesehen.

Der Weg war auch aus einem anderen Grund eine Herausforderung, schließlich sind es je Strecke vom Kranzlauer Berg nach Schöneberg zehn Kilometer. Da es in der Klinik kaum therapeutisches Sportangebot gab, bin ich nach den Monaten dort also auch zusätzlich zur Depressionsmüdigkeit etwas schlapper geworden. Aber mit der tollen Gangschaltung meines neuen Rades war die Strecke kein unüberwindbares Problem.

 

Zur Belohnung habe ich Rast im Tiergarten gemacht und geguckt, wie sich die Vegetation dort so verändert hat. Der Boden – ein riesiger Teppich voller Scharbockskraut, das ich ja jetzt kenne (siehe hier), Farne ringeln sich aus dem Boden, Narzissen stehen in voller Blüte. Der Rhodedendron ist in den Startlöchern; einige Pflanzen haben sogar schon geöffnete Knospen. Zwei wundervolle große Magnolienbäume lassen die Besucher staunen.

Der Tiergarten wird ja ob seiner zentralen und touristisch bedeutsamen Lage gut gepflegt. Bis in den Herbst werden Wiesen und Beete gewässert, die Blumenbeete erneuert. Ein bisschen mehr Gießkannenprinzip wüde ich mir manchmal wünschen, auf dass auch anderen städtischen Parks ein wenig mehr Pflege zuteil wird.

 

Mit Absicht habe ich den Fotoapparat in der Tasche gelassen und mich auf ein paar Blumenskizzen beschränkt (nur bei der Magnolie musste ich einfach auch ein paar Fotografien machen). Ich habe diesmal mit meinem alten Schulfüller gezeichnet, hatte keine Lust auf meine Bleistifte, die ja auch ein bisschen zu Ungenauigkeiten und Schludrigkeit einladen, weil jeder Strich jederzeit wieder entfernt werden kann. Der Nachteil ist, dass jeder Fehler stehen bleibt und in das Bild integriert werden muss.

 

 

 

Vom Sonntag noch zwei Zeichenversuche mit dem Kugelschreiber im Park. Zeichnen unter erschwerten Bedingungen, da sich die skizzierten Menschen ja ständig bewegen und ihre Haltung ändern. Mir fehlt es jedoch an Routine, eine Haltung aus dem Kopf zu beenden. Genau dafür aber sind diese Parkübungen großartig.

 

 

 

 

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8 Kommentare zu „Aus meinem Skizzenbuch 10

    1. Dankeschön 🙂
      Die Blumenzeichnungen sind mit meinem alten Schulfüller entstanden, unterwegs, direkt rein ins A5-Skizzenbuch.
      Die Kritzeleien im Park sind auf altem Skizzenpapier mit einem ganz durchschnittlichen Kugelschreiber gemacht. Ich übe mich gerade im Zeichnen mit einem Medium, dass sich nicht radieren lässt.
      Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

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