Durch den Tiergarten

 

Gestern führte mich mein Weg wieder durch den Tiergarten. Tilda habe ich an der gleichen Stelle gesehen wie vor ein paar Tagen. Ich habe mich ein wenig an den Uferrand gehockt, während sie weiter ihren Panzer in die Sonne gehalten hat. Wer Ruhe sucht, kann sie hier finden – sofern man den Autolärm der umgebenden Straßen filtern kann. Mir fällt das schwer.

Wie und was hört eigentlich so eine Schildkröte?

 

20170601_Tilda4BG

Tilda, ausgesetzte Schildkröte im Berliner Tiergarten, 01.06.2017

 

Ich hatte eigentlich vorgehabt, mich in den Rosengarten zu setzen und ein paar Blumenskizzen zu machen – schließlich ist die Straße des 17. Juni, an die der Rosengarten grenzt, derzeit noch gesperrt und daher ist es dort jetzt vergleichsweise ruhig.

Aber letztendlich fand ich es interessanter, auf die kleinen Wildblumen am Wegesrand zu achten und mein Fahrrad durch die langsam abblühenden Rhododendrenbüsche zu schieben.

 

Der Farn steht links und rechts des Pfades stellenweise menschenhoch, die dichten Bäume und Sträucher sind saftgrün, das Wasser des angelegten Flusslaufes glitzert in der Sonne. Abgefallene Rhododendrenblüten gleiten flussabwärts wie kleine Boote. Vögel singen aus voller Kehle und auf Höhe der Rhododendrenbüsche sind alle Umgebungsstraßen weit genug entfernt, dass der Autolärm nur gedämpft zu mir durchdringt. Für einen Moment vergesse ich, dass ich mitten in einer Großstadt stehe.

 

Keine Schönheit ohne Makel. Die gefräßigen Raupen der Gespinstmotte haben den Tiergarten gut im Griff. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man zwischen dem grün viele kahle Bäume, die mit kleinen weißen Netzen überzogen sind. Neugierig, wie ich bin, habe ich mir die hungrigen Raupen, die traubenförmig an den Ästen hängen, näher angesehen. Empfindliche Gemüter sollten die folgende Bildergalerie lieber nicht vergrößern.

 

Die gute Nachricht: die Raupen verpuppen sich im Juni und schlüpfen später als kleine Schmetterlinge. Sind die Bäume und Sträucher gesund, überstehen sie den Raupenfraß und treiben im Sommer wieder aus.

Die schlechte Nachricht: durch den menschenverursachten Klimawandel mit seinen trockeneren und heißeren Sommern könnte das massenhafte Auftreten dieser Tiere künftig weiter zunehmen. Wenigstens sind sie ein nahrhaftes Vogelfutter.

 

Quellen u.a.:

https://de.wikipedia.org/wiki/Traubenkirschen-Gespinstmotte

https://nrw.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insekten/gespinstmotten/index.html

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5 Kommentare zu “Durch den Tiergarten

  1. Die Bilder von den treibenden Rhododendronblüten gefallen mir sehr, sehr, sehr! Und was Schildkröten hören weiß ich auch nicht, will ich aber rauskriegen, das Bild von Tilda gefällt mir auch sehr- auch die von den gefräßigen Raupen und den Gespinsten: es ist, was es ist: fressen und gefressen werden und das in ausgewogener Anmut, wenn die Menschen nicht immer und immer wieder eingreifen würden, seufz…
    herzliche Abendgrüße
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    • Dankeschön, ich freue mich, dass Dir die Bilder gefallen. Tilda werde ich im Auge behalten – ich muss zweimal wöchentlich mindestens durch den Tiergarten. Wahrscheinlich belese ich mich auch noch etwas zu diesen Tieren, die so weise und trotzdem auch anmutig wirken.
      Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

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