Spielerei und Prüfung

 

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Blick aufs Brandenburger Tor, Pastellkreiden auf braunem A4-Skizzenpapier, 01.06.2017, (c) Agnes Podczeck

 

Eine kleine flinke Kritzelspielerei unterwegs, für mich vor allem eine bestandene Prüfung im Sichtbarsein und Zeichnen im Öffentlichen Raum.

Die Straße des 17. Juni, die von der Siegessäule zum Brandenburger Tor führt, ist schon seit Tagen gesperrt. Mich stört das nicht – ich bin meist mit dem Fahrrad unterwegs und nicht auf das Auto angewiesen.

Wegen der Aufbauarbeiten für das internationale Turnfest am Wochenende ist ab einer bestimmten Strecke die Straße auch für den Radverkehr und Fußgänger gesperrt. Ich nutze die Gelegenheit – freier Blick aufs Brandenburger Tor, beeinträchtigt weder von Straßenlärm noch Autogestank, stelle mich ans Absperrband, krame meine Pastellkreiden aus der Fahrradtasche und beginne zu kritzeln.

Ein wenig mulmig ist mir schon. Viel zu viele Menschen laufen hier entlang, die mich sehen könnten. Und – was ich nicht bedacht habe – im Schatten eines der vielen Bierwägen auf der Sportmeile (die ich auf der Skizze geflissentlich unterschlagen habe) sitzen ein paar Ordner, die hin und wieder aufspringen, um die Absperrung für Lieferfahrzeuge zu öffnen. Früher oder später lugen sie über meine Schulter, während ich Tote Frau spiele und so tue als merke ich das nicht. Ein Wortgeplänkel will ich unbedingt vermeiden. Ich beeile mich, aber flüchten will ich auch nicht.

„Hey, mal doch mal meinen Kollegen, der sieht doch gut aus“, ruft jetzt der eine mit dem Schmerbauch und grinst freundlich. Ich entschließe mich zu einem unverbindlichen Lachen und bin froh, dass ich den letzten Strich getan habe. Schell eine dicke Ladung Haarspray über das Bild, damit die Kreide nicht verwischt, dann trolle ich mich meines Weges. Wahrscheinlich hätten die Herren tatsächlich für ein paar Skizzen stillgehalten, langweilig genug war ihnen und sie schienen harmlos gutmütig, denke ich später. Aber dafür hätte meine Traute längst noch nicht gereicht. Schön, wenn viele Ziele noch für später bleiben.

 

 

 

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13 Kommentare zu “Spielerei und Prüfung

  1. oh, das ist sehr mutig, ich hab es erst einmal gewagt. ich mag nämlich auch keine kommentare hören. warum eigentlich ist das so? es könnt mir ja egal sein… ich arbeite dran 🙂 das bild ist echt gelungen, tolle stimmung und perspektive. mit kreiden hab ich selber noch nocht viel probiert.

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