Augenblicke: Lebensgier

Gestern.

Radelnd.

Von Schöneberg aus heimwärts.

Gedanken fahren Kettenkarussell.

Ich verzichte auf meinen gewohnten Halt im Tiergarten: Der Himmel hat sich zugezogen. Es dunkelt – hell am Tage. Die Wolken türmen sich.

Im Wedding dann gewinnt die Finsternis und Blitze zacken über Kränen. Ich fahre schneller, doch im nächsten Park packt mich die Panik: Der Wind nimmt Anlauf, färbt die Luft zu dickem gelben Nebel. Pollen färben die noch trock’ne Luft. Dann, ganz plötzlich, stürmt – orkant – es los und rüttelt an den Bäumen. Was morsch ist, hält nicht stand. Zweige fliegen durch die Luft, ein dicker Ast kracht gewaltig auf den Weg. Vor dem hätte mich auch mein Fahrradhelm nicht wirklich schützen können. Doch umkehren kann ich nicht, denn es knackt und knirscht auch hinter mir verdächtig. Vorwärts also, schnell, weiter durch den Park und bis zur sichren Straße.

Sekunden nur die Todesangst, doch die löst augenblicklich auch ein hohes Glücksgefühl aus:

LebensLUST,

ja, LebensGIER!

Ja, LEBEN möchte ich!

Nicht nur für die anderen, wie ich in dunklen Zeiten meine, mich durch Dasein quäle, nur um ihnen den Verlust, die Trauer und die immer off’ne Wunde zu ersparen.

Nein, mein Leben leben will ich auch für mich.

 

 

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20 Kommentare zu „Augenblicke: Lebensgier

    1. Ja, schön wäre es, das Gefühl zu erhalten und ich arbeite daran. Nur ist das ja ein Weg über Höhen und auch durch Täler. Heute ist dann wieder eher so ein „Knick nach unten-Tag“.
      Das Titelbild und überhaupt das Schwarz der Seite finde ich zunehmend auch nicht mehr ganz passend. Ich warte auf den Impuls, es zu ändern – Entscheidungen zu fällen, Loszulaufen oder auch Dinge loszulassen sind nun eben leider auch (noch) übenswert.
      Liebe Grüße
      Agnes

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      1. Dein so herzrfrischender Bericht vom Sturm hat mich ermutigt, dir auch einen kleinen Schups in die Richtung zu geben, die du selbst schon gerne gehen möchtest. Das Tempo ist in dir. Alles Liebe! Gerda

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  1. Das ist die allerbeste Einstellung zum Leben, die du haben kannst.
    Ich war so, so froh, dass ich die mehreren Gewitter zu Haus erlebt habe – da habe ich mich absolut sicher gefühlt und ohne Gerüst vor dem Fenster hat es sich im 8. Stock richtig gut angefühlt.
    Und tschüss sagt Clara

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    1. Ja, so aus dem achten Stock muss das richtig gut ausgesehen haben. Ich habe früher, als wir noch in einer Wohnung mit Blick aus dem Fenster mal gesehen, wie bei einem heftigen Sturm Bäume umgeknickt sind und ganze Gegenstände durch die Luft flogen. Das war irrsinnig imposant!

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      1. Ich habe erst ein einziges Mal erlebt, wie Tische, große Sonnenschirme von Draußen-Cafés und ähnliches durch die Luft geflogen sind. Ich fand das gruselig hoch drei.
        Am Gendarmenmarkt war ein Freiluftkonzert angedacht. Wir saßen alle auf unseren Plätzen, als eine Durchsage kam, dass sich alle Leute so schnell wie möglich geschützt unterstellen sollen. Wir haben zum Glück im U-Bahn-Zugang Platz gefunden, als es los ging.
        Gestern und vorgestern war der Sturm noch gemäßigt – außer dass die gerade nach draußen gebrachten Pflanzen auf dem Balkon gerauft wurden. Aber Gewitter war toll. Ich kann in drei Himmelsrichtungen gucken und überall krachte es.

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