Mut zur Veränderung

 

Gerda Kazakou (https://gerdakazakou.com) gab mir heute in ihrem Kommentar den letzten Stups, Layout und Headerbild meines Blogs anzupassen.

Ich hatte bereits länger schon darüber nachgedacht, dass das düstere Schwarz im Hintergrund und das traurige Gesicht im Headerbild, nicht mehr ganz zu mir passen und auch mit Clara (https://chh150845.wordpress.com) hatte ich vor Wochen schon einmal eine kurze Unterhaltung zu diesem Thema.

Ich schrieb Gerda heute als Antwort, dass ich auf meinen inneren Impuls warten würde, die Seite anzupassen. „Entscheidungen zu fällen, Loszulaufen oder auch Dinge loszulassen“ fiele mir eben noch immer schwer.

Sodann wollte ich mich wieder auf mein Sofa zurückziehen, denn heute habe ich das Gefühl, meinen Kopf nach so vielen Impulsen während der letzten Tage und Wochen dringend in den Sand stecken zu müssen.

Dann aber ratterten die Gedanken. Mein Homepagelayout hat mich schon mehrere Wochen lang gestört und doch hatte ich es bisher einfach nicht geschafft, dem Veränderungsdrang nachzugeben. Warum?

  1. Perfektionismus: Wenn schon Änderung, dann würde ich natürlich alles perfekt machen wollen. Die Seitenstruktur überprüfen, Korrektur lesen, ein neues Gravatar-Bild und und und. Keine halben Sachen ist mein Motto, was aber eben auch sehr hemmend sein kann. Denn was nicht perfekt zu werden verspricht, wird eben auch schwer angefasst.
  2. Entscheidungen fällen: welches neues Layout, Hintergrundfarbe, Schriftfarbe, Headerbild ja/nein und wenn, dann welches? Für mich eine meterhohe Hürde.
  3. Loslassen – Immerhin habe ich mich an das alte Layout gewöhnt. Es ist nun weg, vorbei, im Mülleimer der www. Aber das bedeutet ja – Trennung!, Verlust!, in gewissem Sinne ja auch Sterben! Irgendwie war der Blog eine gewisse Konstante, ein Pflock, ein Fels während der letzten Monate. Geht das nicht verloren mit dem neuen Äußeren? Natürlich weiß ich – der „verständige“ Teil in mir -, dass es hier nur um Äußerlichkeiten geht, Kinkerlitzchen. Absolut nicht der Rede wert. Dennoch – das Kindlein in mir jammert, klammert, ist betrübt.
  4. Der wichtigste Hinderungsgrund aber: Ich hatte / habe Furcht vor dem Versagen. Was ist, wenn ich auf meinem weiteren Weg scheitere? „Verdiene“ ich überhaupt ein fröhliches Layout oder bin ich eine Lügnerin, eine gemeine Betrügerin, die Euch nur einen angeblichen Fortschritt vorspielt? Jede Besserung, jeder kleine Schritt nach vorne, den ich tue, macht mir Angst, denn die Fallhöhe nimmt zu. Je besser es mir geht, desto tiefer kann der Absturz sein. Und wenn ich stürze, so behauptet mein depressives, kleines, krankes, angstdurchdrungenes Ich, dann bin ich selbst schuld, war ich nicht fleißig genug, nicht achtsam genug, habe nicht genug Sport gemacht, habe meine depressiven Gedanken nicht unter Kontrolle. Denn schließlich habe ich eine läppische Volkskrankheit, mit der Abertausende auch ihr Leben auf die Reihe kriegen, arbeiten gehen und sich um ihre Familie kümmern. (ja, „verrückt“, oder? Je öffentlicher das Thema Depression diskutiert wird, je mehr bekannt wird, dass so viele Menschen diese Krankheit haben und eben halbwegs damit zurechtkommen und nicht ewig unten auf dem Boden bleiben, um so größer wird der Druck, den ich verspüre. Denn ich muss auch so erfolgreich wie all die anderen DepressionsüberwinderInnen sein.)             …….Und was hat das jetzt mit dem Layout zu tun? Nun, ich habe einen ganz schrecklichen Hang zu Symbolik, symbolischen Akten. Ein hoffnungsvolleres Blogdesign steht symbolisch für meine Fortschritte im Kampf gegen die / mit der Krankheit. Eine Anpassung des Designs der Seite erhöht also auch den selbstgeschaffenen Leistungsdruck: „Dieses Niveau musst Du halten. Schaffst Du das nicht, bist Du eine Versagerin.“

Gedanke reihte sich an Gedanke, während ich auf dem Sofa lag – nur an Ruhe war nicht mehr zu denken. Also stand ich auf, setzte mich an den PC und — nahm Gerdas Impuls auf (Danke hier nochmal an Dich) und installierte ein neues Theme. Siehe da, da ist es nun.

Das reicht an Worten. Finde ich. Jetzt will ich mit meinem Kopf ganz schnell wieder tief zurück in den Sand stecken!

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18 Kommentare zu “Mut zur Veränderung

  1. Ich kenne das gut von mir… Oft hadere ich lange bevor ich etwas in Angriff nehme. Aber dann, schwupp kommt alles ganz schnell und ich bin über mich selber überrascht 😉
    Ich mag das warme, hoffnungsvolle gelb.
    Leben ist Veränderung. Wenn ein Schmetterling geboren wurde, ist die Raupenzeit vorbei. Statt Grünzeug gibt’s dann leckeren gelben Nektar! Und der Schmetterling braucht auch keine Angst vorm Fallen zu haben, denn er hat fliegen gelernt. Alles ist genau richtig, so wie du es gerade im Moment fühlst. Alles baut aufeinander auf, deshalb ist auch nichts sinnlos oder verloren. Und dein kleines Kind braucht deshalb auch keine Angst davor zu haben. V.a. spürt es dich auch immer mehr wie Du seine kleine Hand hältst! Egal ob es lacht oder weint, mutig voranschreitest oder ängstlich zögerlich ist. Du bist auf seiner Seite und mit Deiner Liebe wirst Du auch immer stärker den Perfektionismus in seine Grenzen weisen. Er ist eine tolle Sache, weil er zu Höchstleistungen antreibt, aber er ist nur dann fördernd, wenn er mit Liebe, Rücksichtnahme und einer hohen Portion Selbsterkenntnis gepaart ist, um Grenzen zu wahren.
    Mach Dir ein schönes Wochenende!

    Gefällt 2 Personen

  2. Das neue, sonnige Design gefällt mir sehr gut, liebe Agnes! (Was aber nicht wichtig ist, wichtig ist, dass es dir und nicht uns Bloglesern gefällt).
    Ich kann mich sehr wiederfinden in deinen Überlegungen, vor allem zum Perfektionismus. Darum finde ich es vielleicht noch schöner un mutiger als ohnehin schon, dass du den Schritt zur Veränderung geagt hast.

    Gefällt 1 Person

  3. Ach, liebe Agnes, du hast mich ganz glücklich gemacht mit deinem wunderschönen Goldocker, eine richtige Heilfarbe. Deine Ängste kann ich gut nachvollziehen: Du hast mein gestriges Bild „zeichnen gegen Angst“ gelobt. Als ich es zeichnete, merkte ich, wie sehr ich im Symbolischen arbeite, was zur Folge hat, dass es mich erschreckt, wenn ich Symbole falsch einsetze. so als könnte ich damit Schaden anrichten. Vielleicht hast du gesehen, dass es auf dem Bild die Andeutung eines rennenden Hundes gab, und der bekam Flügel, weil ich ihm wünschte, bald wieder über die Felder zu rennen. Aber dann erschrak ich, weil Flügel auch mit Engeln, also mit Sterben assoziiert sind, und so machte ich sie unkenntlich. Und die schweren Gewitterwolken im Himmel verwischte ich, und brachte Leitern an, die ich irgendwie als Hilfe empfinde. Nun nimmst du, aus Angst, dich zu sehr dem Glück anzuvertrauen, eine halb verblühte Blume in der Vase als dein Symbol. Ich finde, das ist eine sehr kluge Wahl. Du hast eine positive Farbe genommen, aber auch deine Gefährdung nicht verleugnet. Sei herzlich gegrüßt von Gerda

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    • Liebe Gerda,
      ich danke Dir sehr für Deinen herzlichen und lieben Kommentar. Die Gedanken, die Du schilderst, wie Du sie bei „Zeichnen gegen die Angst“ hattest, kann ich sehr gut nachvollziehen; auch Deine Angst, mit falschen Symbolen Schaden anzurichten. Aber vielleicht ist gerade diese Angst bzw. die ihr (in meiner Wahrnehmung) innewohnende bzw. aus ihr erwachende Kraft und Stärke das, was mich in dem Bild besonders berührt hat.
      Ich grüße Dich herzlich
      Agnes

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    • Ich freue mich, dass Dir der neue Hintergrund gefällt.
      Perfektion – ja, sie kann Leblosigkeit und Leere hervorrufen. Und Frustration ist fast unabwendbar, denn es ist doch nur natürlich, dass wir Perfektion, Vollkommenheit doch nie erreichen können.
      Liebe Grüße
      Agnes

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  4. Agnes, ich freu mich, ich freue mich sehr, ich freue mich wirklich. Ich kann deine Bedenken zum Teil nachvollziehen, aber ich bin ja mehr von der manischen Seite, doch ich kann deine Überlegungen dennoch verstehen.Nur, wenn du den Kopf in den Sand steckst, dann bekommst du Sand zwischen die Zähne – und das knirscht so.
    Herzliche Grüße von Clara

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