Fernweh

ArchivBaum

karger Baum in weiter Steppe, bei Karaganda in Kasachstan

 

Ich habe mich in Erinnerungen verloren, als ich zufällig auf dieses alte Foto stieß, das ich vor genau zwölf Jahren machte. Es war mir nie besonders ans Herz gewachsen und andere Fotos, die damals in der kasachischen Steppe entstanden, hielt ich für schöner, besser, aussagekräftiger. Aber heute habe ich es als Bildschirmhintergrund installiert und kann mich nicht sattsehen. Wenn Du magst, Myriade, kannst Du das gern als meinen Beitrag zum Thema Weite für Dein Fotoprojekt nehmen.

Interpretiert die Motivwahl wie ihr wollt – kahler Baum, weites verdorrtes Land, gleißende Sonne – in mir hat dieses Bild ein hoch loderndes Fernweh entzündet, das schmerzt. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich die Steppe so lange nicht wiedersehen würde. Weite Fläche, Kilometer weit und breit kein Mensch. Ein aufregendes, befriedigendes und auch beängstigendes Gefühl der Wahrhaftigkeit des Daseins, das ich zuvor und auch danach nie wieder so nie gespürt habe.

Das Leben spüren! Der Kitzel der Gefahr. Die falsche Richtung eingeschlagen und der Weg zurück bleibt dem Fremden für immer verborgen.

 

Das unten verlinkte Lied besingt eigentlich eine Region, die noch einmal eintausend Kilometer westlich liegt. Aber die Melodie, die Klänge bewegen mein Herz und die Landschaft ist so wundervoll, dass ich tatsächlich in Tränen ausbrach, als ich es heute seit langem mal wieder hörte.

 

 

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15 Kommentare zu “Fernweh

    • Beeindruckend, ja, das ist das richtige Wort dafür. Denn gerade wenn Dein Vater dort gelebt hat, wird er nicht nur die Schönheit gelobt haben, sondern auch die Unwirtlichkeit des Landes, die Hitze im Sommer und die klirrende Kälte im Winter erwähnt haben.
      Aber ich habe Menschen getroffen, die ohne die kasachische Weite nicht leben können, die als „Russlanddeutsche“ in den Neunzigern nach Deutschland „zurück“gezogen waren, es hier aber nicht aushielten und wieder in ihr weites Land zurückzogen.
      Wann war Dein Vater in Kasachstan und wo und wie lange und so viele Fragen. Bei diesem Thema spitzen sich meine Ohren und ich will alles wissen 😉
      Liebe Grüße

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      • Wenn mein Vater von seinen Auslandsaufenthalten erzählt, dann meist von Kasachstan. 🙂 Wann er da war – ehrlich gesagt keine genaue Ahnung. Das muss bestimmt schon ca. 15 Jahre her sein. Er war in Alma Ata, von der Firma aus. Und gelebt hat er dort ca. 4 oder 5 Jahre. Klar hat er auch über die Unwirtlichkeit gesprochen und die Kälte, aber auch viel von den wundervollen Menschen, die er dort getroffen hat und die Landschaft, di er sehen konnte…..

        Gefällt 2 Personen

      • Alma Ata bzw. heute Almaty ist wirklich eine ganz wundervolle und bezaubernde Stadt. Grün, ganz und gar offen und multikulturell im allerbesten Wortsinne, der Tien Shan in Blick- und Wanderweite.
        Der Rest des Landes ist allerdings ganz anders. Ich war längere Zeit in Karaganda und muss sagen, dass mich am Ende ob der Tristheit und Düsternis jener Gegend (Zielort massenhafter Zwangsumsiedelungen, Zwangsarbeitslager, verwaiste Kohleschächte) gegen Ende meiner Zeit dort auch der weite Blick nicht mehr aufmuntern konnte.

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  1. Ich kann Dein Gefühl total nachvollziehen. Deshalb liebe ich auch die Weite von Landschaften. Da wo nichts das Auge stört, wo einen die Freiheit auf Schwingen davonträgt! Die Klänge der Musik sind fremd, aber voller Sehnsucht. Ich mag es, weil es auch mein Herz berührt!

    Gefällt 2 Personen

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