Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 9

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28.10.2017, Blick von Brücke Schwedter Steg/Schivelbeiner Straße aus nach Süden, zur Baustelle. 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

So!!! Nun endlich kann ich Euch hier wieder Bilder zeigen, die den Gefühlen der zahlreichen Menschen entspricht, die jahrelang engagiert gegen eine Bebauung dieses Areals am ehemaligen Mauerstreifen gekämpft haben. Es ist trüb, dunkel, die Wolken hängen schwarz und tief. Die Fotos stammen zwar von gestern, aber da war die Wolkenstimmung nicht heiterer als heute war.

Das schlagende Argument, mit dem die Bebauungsgenehmigung damals gegen jegliche Einwände durchgeprügelt wurde, war ja: wir brauchen dringend mehr Wohnungen in Berlin. In der Tat mehren sich die Berichte über Wohnungsmangel, rasend steigende Mieten und auch Obdachlosigkeit in der Hauptstadt. Ohne Neubau, und zwar in erheblichem Umfang, wird es nicht gehen, denn Berlin wächst weiter stetig. Aber ob Bauprojekte, wie das hier gezeigte, die Situation entspannen werden, wage ich weiter zu bezweifeln.

Mangel herrscht hauptsächlich an bezahlbarem Wohnraum. Je kaufkräftiger der oder die Suchende, umso größer ist das Angebot, vor allem in den beliebten Innenstadtbezirken. Wer hier allerdings heutzutage noch eine bezahlbare Wohnung sucht, braucht das Glück einer Lottogewinnerin. Am Mauerpark entstehen vor allen Dingen Wohnungen, die nicht mietpreisgebunden sind und somit für die Mehrzahl der Suchenden nicht infrage kommen. Die neu vermieteten teuren Wohnungen werden jedoch den Mietspiegel für die ganze Gegend weiter in die Höhe treiben und somit VermieterInnen der Umgebung ideale Handhabe zu weiteren Mieterhöhungen geben. Es sei denn es geschieht ein Wunder und die Wohnungspolitik wird eine soziale Wende nehmen. Aber angesichts der wahrscheinlichen Jamaikanisierung der künftigen Bundesregierung sollte man lieber auf einen Lottogewinn vertrauen.

Zur Erinnerung (ich schrieb es bereits in einem früheren Beitrag):

Die Groth-Gruppe baut am Mauerpark 227 Mietwohnungen, 42 „senjorengeeignete“ Mietwohnungen, 111 Eigentumswohnungen, 197 Studentenappartments sowie 122 öffentlich geförderte Wohnungen mit entsprechender Mietpreisbegrenzung

227 Mietwohnungen
42 „senjorengeeignete“ Mietwohnungen
111 Eigentumswohnungen
197 Studentenappartments
122 öffentlich geförderte Wohnungen
699 gesamt

 

Von gesamt 699 Wohneinheiten werden also nur insgesamt 122 Wohnungen halbwegs für mittlere bis untere Einkommen erschwinglich sein. Die Preise für die sogenannten Studentenapartments sind aus meiner Sicht eine Frechheit, denn die werden ab 569 Euro warm für 20,5 Quadratmeter vergeben. Für zehn Quadratmeter mehr sind dann schon an die eintausend Euro fällig. Derzeit übrigens beträgt der BAFöG-Höchstsatz (den nur die wenigsten Studierenden bekommen) 735 Euro. Die dürfen dann aber bloß nicht krank werden, weder während des Studiums, noch danach, wenn sie ihre Studienkredite abzahlen müssen. Entgegen vieler Vorurteile steigt zwar mit dem Studium die Wahrscheinlichkeit für ein höheres Einkommen nach Abschluss, ist aber längst kein Garant für ein überlebenssicherndes Einkommen. Trotzdem – bei der Zahl an Studierenden, die in diesem noch immer eine Unterkunft suchen, werden die Eigentümer wohl keine Probleme haben, ihre möblierten Luxusapartments zu vermieten.

 

Bevor ich immer weiter doziere (Sagenswertes gäbe es viel) zeige ich Euch nun endlich die Bilder. Ich bin dieses Mal wieder einmal im die Baustelle herumgegangen, und zwar in Richtung Norden, Westen, Süden, in wieder nach Osten. Zur Orientierung nochmals der Plan, den ich zu Projektbeginn gezeichnet hatte.

 

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Und jetzt geht es los. Die bebilderte Galerie öffnet sich beim Anklicken eines der Bilder.

 

 

 

 

Unter dem Beitrag vom Zeilenende findet Ihr die vielen interessanten Links zu den Beiträgen der anderen.

 

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 8

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 7

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 6

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

19 Kommentare zu „Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 9

  1. „Alle Kräne zeigen nach Osten“ Hihi … Aber leider hängt das, soweit ich weiß, mit dem für Städte typischen Wind von West nach Ost zusammen. Aber architektonisch finde ich die Blöcke immer noch reizvoll. Sofern drumherum ein wenig anständig begrünt wird. Das muss sich ja zeigen.
    Was die Mieten angeht … Hier ist es noch teurer … Und ich bin mittlerweile so weit, es zu feiern, dass überhaupt Wohnungen gebaut werden, denn irgendwo werden dadurch Wohnungen frei. Ich weiß, dass das ein Akt der Verzweiflung ist und bloß zu noch krasserer Gentrifizierung führt (die Erhöhung des Mietspiegels ist ein Problem, das wir hier nur zu gut kennen), aber es nimmt zumindest monetär ein wenig den druck aus dem Kessel.

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    1. In der Tat sagen die Zyniker, dass dann wenigstens die Reichen nicht mehr auf dem mittlerem Wohnsegment Konkurrenz bilden. Aber die Rechnung geht, so fürchte ich, nicht ganz auf, kann es aber zahlenmäßig nicht belegen. Zu Zeiten als ich im Nebenfach Soziologie (mit Schwerpunkt Armut und Stadt/Wohnungspolitik) studierte, waren das sowieso noch ganz andere Zeiten, wobei der Begriff Gentrifizierung damals, vor 20 Jahren, damals schon aktuell war, ging es doch eher um das Problem der Schrumpfenden Städte als um Wachstumsprobleme. Leider habe ich nach dem letzten Umzug dann doch alle Kopien, Reader und Mitschriften jener Zeit aussortieren müssen, da hätte ich gerade im Zuge dieses 12-Monatsprojektes schon so oft gern noch einmal nachgelesen.
      Liebe Grüße und alles gute für die nächste OP, falls wir uns bis dann nicht mehr lesen. Für die Zeit nach Deiner Rekonvaleszenz lade ich Dich dann schon mal auf eine Laufchallenge ein ;-)
      Agnes

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    1. Liebe Ulli, vielen Dank für Deine Kommentare. Ich stecke ja nun doch mehr Zeit als ursprünglich gedacht in diese Dokumentationsserie, da freue ich mich natürlich besonders, wenn meine Texte und Bilder auch gesehen und kommentiert werden.
      Herzliche Grüße
      Agnes

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      1. Ja, liebe Agnes, das habe ich auch schon oft gedacht, dass du ja jedes Mal einen großen Spaziergang machst, dazu alle deine Informationen, ich weiß das sehr zu schätzen!
        Liebe Grüße
        Ulli

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      1. Schlimm nur für jene, die trotzdem durch den Rost fallen oder durch Behinderung, Krankheit oder was auch immer nicht schaffen, diese Nischen zu suchen. Die landen dann z.B. im Großen Tiergarten in Berlin :-(

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  2. Ja, das ist ein immer größeres Problem, welches da um sich greift. Da, wo ich herkomme, ist das teilweise der Fall, aber natürlich nicht wirklich zu vergleichen. Liebe Grüsse Jochen.

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  3. Ich habe 15 Jahre bis 2015 in einer Sozialwohnung gewohnt, wo in den letzten Jahren die Förderung ausgelaufen war. So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie die die Preise erhöht haben. Einies jabe ich abgeschmettert, da sie nicht die Zeitabstände eingehalten haben.

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