Großmütterchen erzählt : die Legende vom veganen Pfeffersack, der den Regenwald schändete

 

Manche Diskussionen sind aufreibend mühsam und dennoch fruchtlos. Argumente werden zusammengetragen und ausgetauscht. Wir denken, wenigstens irgend ein Same der Erkenntnis hätte nun endlich in den Köpfen der beharrenden “Das War Schon Immer So”-Erklärenden festgesetzt. Aber manche falschen Glaubenssätze sind zäh und rollen wie der Stein des Sisyphos immer wieder zurück in die Hirne der Glaubenden. Ärgerlicher finde ich es noch, wenn die Beharrenden den Schuldspieß umdrehen und zeternd auf jene zeigen, die es anders als sie machen und wiederholt die gleichen unsachlichen Behauptungen aufstellen – aus welchen Gründen auch immer.

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Hat Sisyphos resigniert den Stein in die Ecke gekickt, der Welt den Stinkefinger gezeigt und die Sintflut um schnelle Erlösung angefleht?

Wohl nicht;

daher heute:

 

Aus der Mottenkiste:  drei vorsintflutliche “Argumente” gegen den Verzicht auf Fleisch und Milch – nur beispielhaft aus dem dem unendlichen Reigen an Vorurteilen gegen Veganerinnen und Veganer – aus aktuellem Anlass, weil gestern mal wieder Sgehört:

Veganer sind Regenwaldschänder

Nein, die Regenwälder werden nicht für uns Veganerinnen und Veganer abgeholzt, weil wir angeblich so viel Tofu in uns hineinstopfen. Vielmehr wird das Gros des angebauten Soja an Nutztiere verfüttert. Ohne Soja keine Massentierhaltung, denn ohne sojabasiertes Kraftfutter könnte unser Vieh gar nicht so billig und effektiv gemästet werden. Das Gegenteil dieser fest in den Köpfen sitzenden Behauptung ist also wahr.

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Bananen sind sowieso nie Bio

Bananen aus Übersee werden zwar nicht eingeflogen, kommen aber mit dem Frachtschiff, was natürlich trotzdem fraglos eine enorme Belastung für die Umwelt ist. Regionales Obst zu kaufen ist hier definitiv von Vorteil. Also sind Bananen sowieso nicht Bio, oder!? Dann kann man doch gleich die billigen konventionellen Früchte kaufen? Besser nicht, denn es geht hier auch und vor allem um die Chemikalien und die teils katastrophalen Bedingungen, denen die Arbeitskräfte auf den Großplantagen ausgesetzt werden. Warum wohl werden die weitgereisten Bananen teil für nur ein Drittel des Preises eines vor Ort gepflückten Apfels verkauft?

Ähnliches gilt übrigens auch für Schokolade, Kaffee usw.

Veganismus – ein Hype für Wohlstandsbürger

Ja, Bioprodukte kosten mehr als konventionell angebautes Gemüse und die können sich manche tatsächlich nicht leisten. Diese Menschen gibt es durchaus in unserer Gesellschaft und ich spreche hier nicht von der KlischeeHartzVI-Mutter, die sich ihr Haushaltsgeld nicht einteilen kann. Obwohl ich lange darüber sinnieren könnte, dass viele Arme in unserem Wohlstandsland nur deswegen nicht hungern und frieren müssen, weil anderswo Menschen noch viel schlechter behandelt werden (Arbeitsbedingungen – billige Klamotten, Billiggemüse aus Spanien – guten Appetit!)) bzw. auf Kosten der nachfolgenden Generationen Raubbau an Natur und Umwelt betrieben wird.

Auch ich kann derzeit meinen Lebensmittelbedarf nicht aus dem Bioladen decken (was mich weniger um meinetwillen stört, sondern vor allem weil ich regionalen biologischen Anbau gern mehr unterstützen würde (Schlagworte Glyphosat, Bienensterben, Arbeitsbedingungen der Landarbeiterinnen und Bauern, nachhaltige Bodennutzung, Vermeidung von Verpackungsmüll und und und). Viel diskutiert auch die Frage, wie viel uns unsere Ernährung wert ist und wert sein sollte.

Was ist das übrigens für ein fadenscheiniges Argument, dass man den ChinesInnen und InderInnen nicht vorschreiben kann, dass sie nicht unsere fatalen Ernährungsgewohnheiten übernehmen sollen, wenn doch es darum geht, sein eigenes Handeln zu hinterfragen. Warum wird mir vorgehalten, dass so viele Menschen auf der Erde hungern müssen und ich mir den Luxus erlaube, nicht alles essen zu wollen. Kurz gefragt: Soll ich mich aus Solidarität mit den Millionen Hungernden der Welt mit Billigfleisch vollstopfen, wo doch ein Teil des weltweiten Ernährungsproblems gerade auf einem zu hohen Fleischkonsum der relativ gesehen Wohlhabenden besteht?!?

Schlussendlich noch der Hinweis: nein, nein und nochmals nein – eine vegane Ernährung ist mitnichten teurer als eine Fleisch- und Milchbasierte (im Gegenteil – so behaupte ich!) – es sei denn man oder frau kauft diese ganzen Fleischersatzprodukte, die für eine gesunde und sättigende Ernährung absolut unnötig sind. Dass Veganer massenhaft Sojaschnitzel und Tofuburger konsumieren gehört wohl in die Kategorie der Mythen und Märchen.

6 Kommentare zu „Großmütterchen erzählt : die Legende vom veganen Pfeffersack, der den Regenwald schändete

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