S-Bahn-Skizzen (26) Urgesteine

 

Letzte Woche stiegen zwei muntere ältere Herren in die Ringbahn ein, von denen ich zwar beide hörte, aber nur einen sah, der sich für mich gut sichtbar hinsetzte. Sie kamen wohl frisch aus einem der diversen riesigen Gartencenter der Stadt und betrachteten glücklich die riesige orangeleuchtende Astschere, die einer der mutmaßlichen Kleingärtner erstanden hatte. Dem Gespräch der beiden folgte ich nicht weiter, sondern lauschte genüsslich der Melodie des Ostberliner Dialektes (ich kann es nicht beweisen, aber ich wage die These aufzustellen, dass knapp vierzig Jahre staatliche Trennung und achtundzwanzig Jahre Berliner Mauer auch Einfluss auf die Berliner Mundart hatten). Im Prenzlauer Berg ist das Berlinerische – ob Ost oder West – fast ausgestorben.

Der Berliner Gärtner musste einfach ins Bildzentrum. Er sprach nicht nur so, sondern er sah auch aus wie aus dem Katalog der Berliner Urgesteine: hager, kurzes lichtes Haar, hohe Stirn, markante Nase, groß gewachsen, selbstbewusste Haltung – ach fragt mich nicht, was genau diesen Mann für mich zum typischen Berliner machte (den gibt det doch ja’nich!). Vielleicht hat irgendeine Kindheitserinnerung auf den richtigen Knopf gedrückt und auf ging meine Vorurteilsschublade – und sofort wieder zu.

 

20180125_S-Bahn-7BG
Zwei Berliner, Ringbahn S42, 25.01.2018, Skizzenbuch, Bleistift, Tusche, Aquarell

7 Kommentare zu „S-Bahn-Skizzen (26) Urgesteine

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