S-Bahn-Skizzen (38) – Aus den Leben hören

Öl

Am liebsten zeichne ich im Fahrradabteil, wo sich die Passagiere in zwei langen Reihen gegenüber sitzen, alleine in der Ecke am Rand. Das klappt nicht immer und manchmal quetsche ich mich zwischen die anderen Reisenden und versuche, mit meinen Zeichnungen möglichst wenig Raum einzunehmen. Normalerweise interessieren sie die Berliner*innen nicht für ihre Mitmioenschen und wenn ich zeichne werde ich ebenso wenig wahrgenommen, als würde ich lesen, Handy surfen oder wie die Verkäufer*innen der Straßenzeitungen in der Hoffnung auf ein wenig Kleingeld durch die Bahnen laufen.

Manche nur fühlen sich aufgefordert, mehr oder weniger auffällig in mein Skizzenbuch zu schielen, und nur ganz wenige, vorwiegend ältere Herrschaften, sehen sich zum Plaudern animiert oder erzählen gar aus ihrem Leben. Zu meinem Glück erwarten sie keine ausführlichen Antworten und selbst mit meiner Sprech-Angststörung bekomme ich momentan ein adäquates aha und hmmm ganz gut genuschelt, das Zuhören aber mag ich meist gern – noch zumal ich jederzeit flüchten und aussteigen kann.

 

 

 

 

6 Kommentare zu „S-Bahn-Skizzen (38) – Aus den Leben hören

  1. Irre ich mich oder habe ich recht: Die Zeichnungen werden immer besser, obwohl ich natürlich die gezeichneten Personen zum Vergleich immer noch nicht sehen kann. :-)
    Ich beobachte es viel, dass sich gerade junge Leute auf die mit einem Kreuz gekennzeichneten Plätze setzen. Die meisten stehen gleich auf, wenn ich um den Platz bitte – da muss ich keinen Ausweis erst zücken, aber mir sind auch schon welche sehr blöd gekommen. Dabei sage ich immer: „Wenn Sie auch einen Behindertenausweis haben, können Sie natürlich sitzen bleiben, aber ….“
    Oft geht es in Berlin ziemlich unfreundlich zu.
    Gute Nacht!

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    1. Ja, es ist bedauerlich, dass wir so wenig Rücksicht aufeinander nehmen können. Das ist ja in vielen Lebensbereichen so. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Leute derart angespannt und voller Groll sind, dass ein Funkenflug genügt, und Wut und Aggression nimmt ihren Lauf – die sich dann gegen jene Person richtet, die einem (vermeintlich) Schaden tut. Für manche scheint es eine richtige Befreiung zu sein, dann endlich mal von Herzen schimpfen zu können, was ihnen offensichtlich an anderer Stelle nicht gelingt.
      Sei herzlich gegrüßt
      Agnes

      Gefällt 1 Person

  2. Seit ich Deinen Blog verfolge, stelle ich mir immer öfter auf meinen werktäglichen Fahrten vor, ein Buch und Stift herauszuholen und loszuzeichnen. Ich trau‘ s mich nicht. Umso besser, dass Du es einfach machst und mich daran teilhaben lässt. Ich habe oft das Gefühl, den skizzierten Personen schon mal begegnet zu sein…😊 schöne Grüße, Birgit

    Gefällt 2 Personen

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