Stadt und Natur – Oh Xavier!

 

Es war Montag, also jener Tag, an dem auch wir Berliner – so wir uns nicht am Morgen bei dem allstädtischen Glatteis die Knochen gebrochen hatten – eine winzige Vorahnung von Frühling bekommen durften.

Ich fühlte mich durch die Sonnenstrahlen und die Frühlingsluft geradezu euphorisiert und sogar so überschwänglich gut, dass ich seit längerer Pause den Weg nach Schöneberg wieder mit dem Fahrrad fuhr.

 

Ach …, in meinem früheren Leben war ich ja eine knochenharte Radlerin – von Regen oder Schnee, Hitze oder Minusgraden ließ ich mich prinzipiell nicht vom Fahrradfahren abhalten. Mich dem Wetter zu beugen hätte mich geradezu erniedrigt und ich bildete mir etwas darauf ein, nicht zu den schwächlichen Sonntagsradlern (bitte verzeiht!) zu gehören, die vermeintlich nur bei Sonnenschein fahren können und dann den Fahrradweg blockieren. Immer flott unterwegs; überholt zu werden schmerzte – und das auch auf meinem früheren Klepper ohne Gangschaltung. Den Berg hinauf niemals langsamer werden, wie sähe das denn aus. Nein, ich wollte zäh sein und auch so wirken!

 

Psyche und Körper, Konzentrationsmangel oder zwischenzeitlich gar dumme lebensfeindliche Gedanken, mit denen niemand am Straßenverkehr teilnehmen sollte und nicht zuletzt die neuen Pillen, die mir bei der kleinsten Anstrengung den Schweiß aus den Poren fließen lassen haben mich inzwischen tiefe Demut gelehrt und durch meine S-Bahn-Skizzen habe ich das Bahnfahrten geradezu lieben und schätzen gelernt.

 

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Im Großen Tiergarten, Berlin, Montag, 5. März 2018

 

Und trotzdem genoss ich es, so durch die Stadt zu rollen, ja es hatte geradezu etwas befreiendes. Wenn ich darüber nachdenke, in welcher katastrophalen Lage ich war, ich ich diesen Weg zuletzt mit dem Rad zurücklegte.

Im Tiergarten verlangsamte ich das Tempo und atmete die reine Frühlingsluft. Die zugefrorenen Bäche und Teiche glitzerten wunderschön im Sonnenlicht und ich nahm mir vor, gegenüber „meiner Pappel“ eine kleine Pause einzulegen.

Tja. Da kam ich zu spät. Ob es Xavier war, der die Pappel so beschädigt hatte, dass sie komplett gefällt wurde?

 

Überhaupt mussten den Winter über viele schöne Bäume an Straßen und Wegen weichen. Früher wäre mir das wohl gar nicht aufgefallen, aber durch Achtsamkeit und Fotografie sind meine Antennen für solche Veränderungen empfänglich.

 

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17 Kommentare zu „Stadt und Natur – Oh Xavier!

  1. oh wie schade um die wunderschöne pappel. aber wer weiß, was passiert ist und manchmal müssen bäume leider gefällt werden. schön auch, dass du das radfahren genießen konntest! ich musste ja praktisch meine kindheit mit meinen eltern am rad verbringen, während meine freunde sich getroffen hatten und miteinander spaß hatten, daher bin ich keine besonders begeisterte radfahrerin, aber das grundsätzliche gefühl kann ich gut nachvollziehen :)

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    1. Das kann ich natürlich verstehen, dass Du da anderes vorbelastet bist. Es wird ja auch oft behauptet, dass sich manche Hippie-Kinder besonders nach Spießertum sehnen – und umgekehrt.
      Für mich bedeutet das Radfahren vor allen Dingen Freiheit, Selbstbestimmtheit, Leichtigkeit. Demgegenüber mag ich Autofahren überhaupt nicht, schon allein, weil mir als Kind über Jahre hinweg in Autos immer schlecht wurde…
      Sei herzlich gegrüßt
      Agnes

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