Stadt und Natur – Wald in der Stadt

 

Ich schiebe mein Rad und versuche, den Autolärm der umliegenden Straßen zu ignorieren. Ist es heute besonders schlimm oder bin ich noch empfindlicher geworden? Es ist mir geradezu, als würden sich die Motoren mit kleinen spitzen Messern in meinen Rücken bohren. Es fehlen noch die Blätter an den Bäumen, um die störenden Geräusche ein wenig zu dämmen.

An der Stelle mit den Winterlingen hocke ich mich hin, um ein wenig zu zeichnen, aber es will mir diesmal gar nicht leicht aus der Hand gehen. Wieder und wieder korrigiere ich. Der Autolärm macht mich ganz fuchsig, das Hocken ist unbequem, der Boden zum Sitzen zu kalt. Also nehme ich meine Sachen und gehe zur nahen Bank, um aus dem Gedächtnis zu zeichnen. Ach, hätte ich bloß nicht angefangen, mit Farbe in die Zeichnung zu gehen, aber jetzt muss, nein, will ich aus den gezogenen Linien das Beste machen. Den Winterling mit der Knolle habe ich natürlich nicht extra für die Zeichnung ausgebuddelt. Vermutlich passierte dieses Malheur einem tobenden Verbeiner.

Weiter gehe ich. Die Blausterne und Anemonen zu zeichnen habe ich keine Geduld mehr, aber zum Fotografieren nehme ich mir die Zeit und vergesse ein wenig, wo ich bin.

Am künstlichen Bachlauf bewundere ich die Rhododendrensträucher, die sich zum Glück mit dem Erblühen noch ein wenig Zeit lassen. Zwischen den Sträuchern versteckt ein voller Einkaufswagen. Ich sehe genauer hin, doch da raschelt es hektisch und ich entdecke einen Obdachlosen, der hier seinen Unterschlupf hat. Wie ein scheues Reh geht er in Deckung. Vermutlich hat er einen größeren Schreck bekommen als ich, die ich trotz aller Widrigkeiten meine Wohnung behalten konnte und weder Hunger noch Durst leide. Und schon bin ich zurück in der Realität des Alltags.

 

 

 

 

 

 

 

 

11 Kommentare zu „Stadt und Natur – Wald in der Stadt

    1. Liebe Marina, auf Friedhöfen halte ich mich auch sehr gern auf – sofern sie nicht direkt an der Straße liegen. Das tut mir dann vor allem immer für die Freunde und Verwandten weh, die die Gräber der Verstorbenen in aller Stille besuchen wollen.
      Sei herzlich gegrüßt
      Agnes

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