Armut in einem reichen Land oder darüber, was ich lieber nicht hätte erleben wollen. Aber nun ist der Drops gelutscht

 

Zu jener Zeit als Herr Herr Sp. als künftiger Gesundheitsminister Märchen über die Auskömmlichkeit des Lebens des durchschnittlichen Hartz-IV-Empfängers (natürlich gendert Herr Sp. nicht), bekam ich hohes Fieber und die Grippe. Vielleicht auch, weil ich mich so sehr ärgerte und aufregte und wutschnaubte.

Ich habe Euch ja noch nicht meine Geschichte erzählt, die leider wahre Geschichte, wie sich anderthalb Jahre (Hört!) die Behörden meine Akte untereinander mit spitzen Fingern zuschoben und ihre Nichtzuständigkeit proklamierten. Daran konnten auch zwei rechtliche Betreuer, Rechtsanwälte von Beruf, nichts ändern und vermutlich habe ich es erst Jean d’Arc, der kürzlich hinzugezogenen endlich kompetenten und einsatzbereiten Sozialanwältin zu verdanken, dass ich nun endlich zu den offiziell anerkannten Armen zählen darf.

Ich will hier noch nicht sehr ins Detail gehen, ich rege mich einfach zu sehr auf, noch immer. Aber jeder und jedem sei wohl klar, dass sich von Luft nicht leben lässt.

Stell es Dir einfach selber mal vor. Das kannst Du bestimmt. Du weißt selbst, dass nicht nur Essen und die Miete gezahlt werden muss. Makaber wird es, weil Deine monatlichen Kosten jetzt, wo Dein Einkommen Null beträgt, plötzlich noch um einen dreistelligen Betrag steigen. Ja, Du hast richtig gehört. Die Krankenkasse muss bei nachgewiesenem Null-Einkommen den monatlichen Mindestbeitrag verlangen. Plus Pflegeversicherungsbeitrag. Gesetz ist Gesetz, da lässt sich halt nichts machen. Sonst wird sich die Kasse eben weigern, Deine Krankenhausbehandlungskosten zu bezahlen. Aber keine Sorge, dort rücken Dir deswegen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter so sehr und nachdrücklich auf die Pelle, bis sich Deine auch nicht gerade wohlsituierte Mutter verpflichtet, die Beiträge für Dich zu bezahlen.

Als Du aus dem Krankenhaus kommst, denkst Du, nun regelt sich alles, denn man hat Dir einen Betreuer zugewiesen. Der ist Rechtsanwalt und kennt sich aus. Du bist krank und sollst Dich Bitteschön nur um Deine Heilung kümmern, Kräfte zusammenhalten!, sagen alle Pflegekräfte, Ärztinnen und Therapeutinnen unisono.

Hahahahatschi.

Nun, inwieweit der Herr Betreuer 1 einfach schlampig war oder unfähig oder faul oder ob er wirklich keine Handhabe hatte, die Behörden endlich zum Einsehen zu bewegen, Dir ein monatliches Existenzminimum zu gewähren, wird wohl nie zu klären ein. Jean d’Arc meint, es hätte Mittel und Wege gegeben, Dir auch damals schon zu Deinem Recht zu verhelfen. Aber kann und willst Du das jetzt noch klären? Hast Du die Kraft dazu? Nachdem Herr Betreuer das Sozialgericht für zwei Monate im Sommer des vergangenen Jahres dazu gebracht hatte, Dich zu unterstützen, verschwindet er in der Versenkung und ist über Wochen nicht zu erreichen. Durch Dich nicht und durch niemanden sonst. Wie Du Deine Miete bezahlen sollst? Was Du essen sollst? Geh zur Armenspeisung und ansonsten kann er doch nichts dafür, wenn die Behörden sind wie sie sind, sagt die treue Sekretärin.

Deine Schulden häufen sich indes. Der Freund pumpt Dir Geld fürs Essen. Fühlt sich gelinde gesagt beschissen an, wenn Du ständig um Geld betteln musst. Kannst Du ihm garantieren, dass Du eine Nachzahlung bekommst und ihm die Schulden rückerstatten? Du versprichst es, er gibt vor Dir zu glauben. Du glaubst nicht, dass er es glaubt.

Die Mutter kann es unterdessen nicht mehr stemmen, zwei Mieten monatlich zu wuppen. Zu Deinen angehäuften Schulden bei ihr und bei dem Freund gesellt sich ein dritter Schuldner hinzu, Dein Vermieter. Jetzt wird es brenzlig. Na? Schlottern Dir die Knie?

Du bittest das Amtsgericht im Eilverfahren um Ersetzung von Betreuer 1. Sofort genehmigt. Betreuer 2 wird verpflichtet, Du atmest auf. Jetzt wird doch wohl alles gut. Betreuer 2 kommt, sichtet die Akten, zuckt die Achseln. Es sei alles getan, nun heiße es warten. Immerhin, er meldet sich zurück, wenn Du eine Frage hast.

Du wartest und wartest, wie Dir Betreuer 2 geraten hat. Halt doch einfach mal die Füße still! Der Schuldenberg wächst. Ab zwei Monatsmieten Rückstand kannst Du fristlos gekündigt werden. Oups. Ist Dein Arsch endlich auf Grundeis? Du müsstest dann ja noch nicht sofort raus, sagen alle und meinen, es könne Dich beruhigen. Erst muss die Räumungsklage durch. Ist Dein Puls gesunken? Wie? Eher nicht? Ach so, Du hörst ständig Meldungen über explodierende Mieten und wachsende Wohnungslosigkeit auch von Familien. Zur Therapeutin geht es mit der U7 nach Schöneberg. Da siehst Du ständig Leute, die ihre Räumungsklage schon lange hinter sich haben. Du fühlst Dich ihnen zugehörig, denen, die schon alles verloren haben, aber sie erkennen Dich nicht. Du gehörst zu ihnen. Und doch auch wieder nicht.

Das Katastrophengefühl steigt. Deinen Briefkasten öffnest Du nur mit Herzklopfen. Wie? Noch immer keine Kündigung drin? Was hast Du für ein unverdientes Schwein. Wie lange noch? Die sparen die Kündigung bestimmt für die Tage vor Weihnachten auf.

Gute Ratschläge kannst Du billig haben. Die Behörde müsste doch … Das darf doch gar nicht sein … Die müssen Dir einen Vorschuss geben. Geh hierhin, geh dahin.

Du wirst panisch, überwindest Deine Angst, läufst persönlich bei den Behörden auf. Was machen Sie denn hier?, wird Dir gesagt. Sie haben doch einen Betreuer, fragen sie den, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. Der ist dafür da, sich um sie zu kümmern. Betreuer 2 erklärt mit schwacher Stimme, er wisse auch nicht, was zu tun sei. Es sei doch alles in die Wege geleitet. Hm.

Im Monat vor dem Weihnachtsfest, wenn alle anderen in Kauf- und Feierrausch verfallen, wird Dir endlich ein erster Betrag zugesprochen, der die Höhe Deiner Miete deckt. Ein erstes Aufseufzen. Doch schon – statt Dir endlich den aufstockenden Betrag zu gewähren – reckt der Amtsschimmel begehrlich seine Krallen aus (seine Hufe?), die Lefzen tropfen vor Gier, denn Siehe doch, auf Deinem Bescheid steht etwas von einer Nachzahlung. Die bekommst Du aber noch nicht sofort, das ist Dir klar, dem Amt aber nicht. Es hält Dich mit Deinem ganzen Schuldenhaufen plötzlich für vermögend.  Witzig! Dass Du die Nachzahlung benötigen wirst, um Deine Schulden zu bezahlen, ist Dein Bier, sagt die Dame Sachbearbeiterin. Privatschulden zählen nicht für das Amt, behauptet sie voller Überzeugung. Und im übrigen wenden Sie sich an ihren Betreuer. Kann ich doch nichts dafür, denn der sich nicht richtig um Sie kümmert, spricht die Sozialamtsdame ihr Gewissen rein.

Das ist nicht witzig? Wie? Du kannst nicht lachen? Come on!

Nun, im Frühjahr engagierst Du endlich Jean d’Arc. Die scheint etwas zu tun. Das Amt schreibt Dir, dass es seinen ablehnenden Bescheid zurück nimmt. Und? Jetzt? Nochmal vier Wochen lang Schweigen, dann endlich … der Bescheid. Die Nachzahlung ist auch schon da. Du holst Dir endlich das Sozialticket (auf das Du eigentlich schon anderthalb Jahre lang ein Anrecht gehabt hättest) und fährst genüsslich S-Bahn. Warum? WEIL DU ES KANNST. JETZT endlich. Fröhlich startest Du in den Wonnemonat Mai. Wenn da nicht so ein Geschmäckle wäre…

Und die Moral von der Geschichte? Es gibt keine. Genau das ist hier der Punkt.

Nun, ich wusste schon immer, dass Menschen unverschuldet in die Obdachlosigkeit geraten können. Den ersten Obdachlosen lernte ich persönlich noch als Teenagerin Anfang der neunziger Jahre in der Kantine der Volksbühne kennen. Auch an der Uni schloss ich mit einem älteren Herrn Bekanntschaft, der dort öfter seinen warmen Kaffee bekam und auf den so gar nicht das offizielle Obdachlosenklischee passte. Aber trotzdem war ich der Hoffnung, dass das eine Gefahr sei, die mir nie drohen würde. Geldknappheit, ja. Not und Sorge, ok. Aber trotzdem würde sich immer ein Weg finden, hoffte ich.

Was aber ist, wenn Du – aus welchem Grunde auch immer – Deine Geschicke nicht mehr selbst in die Hand nehmen kannst und Du – schwupps – mal eben durch das Raster rutschst. Weil Dein Fall ein bisschen anders ist als im Paragraphen vorgesehen. Pech gehabt und raus.

Nein, ich will es nicht auf das Versagen des Sozialstaates schieben, dass ich noch nicht geheilt bin und wieder tätig bin und hüpfe. Aber hilfreich ist es nicht, bei all den anderen Problemen, die eine schwere Depression und Angsterkrankung mit sich bringt, auch noch diese finanziellen Überlebensängste. Die Sorge die Wohnung zu verlieren. Auf der Straße hätte ich wohl nicht schlafen müssen, aber ohne Rückzug, allein, in meinen vier Wänden? Lebensnotwendig gerade für introvertierte Menschen mit sozialer Phobie.

Hinzu kommt die Wut, die entstanden ist, die immer noch brennt und zwickt und beißt über die Scheinheiligkeit der Diskussion um Armut und Wohnungslosigkeit. Hinzu kommt vor allem aber tiefe Bitternis nicht darüber, was ich erleiden musste (ich kann aus mir heraustreten, auf mich blicken und denken: gut, da hast Du ja eine ganze Menge Lebenserfahrung gewonnen), sondern darüber, was meinem Umfeld angetan wurde:

1. Meine Mutter, die mit mir gelitten und gebangt hat und Akten gesammelt und telefoniert und Brief geschrieben. Das, obwohl ihr auch nicht gerade die Schlagsahne des Lebens zugeteilt wurde. Das macht mich wirklich wütend.

2. Der Lebenspartner hat ja wohl auch gelitten. Das muss hier wohl nicht diskutieren.

3. Eine Extraportion riesige Wutblase, denn hätte, wenn nicht um meinetwillen, dann im Sinne meiner Kinder nicht alles getan werden müssen, um mir bei der Heilung zu helfen anstatt mich mit Existenzsorgen kämpfen zu lassen? Ich werde da vielleicht am Ende stärker hervorgehen. Aber werden es auch alle anderen?

4. Was für eine immense Geldverschwendung.

a) Zwei Betreuer und eine Rechtsanwältin haben in meinem Falle ihre Rechnungen an die Staatskasse geschickt. Drei Personen, die ich nicht gebraucht hätte, wenn mir nicht im August 2016 Amt 1 meine Antragsunterlagen mit dem Vermerk der Nichtzuständigkeit zurückgeschickt hätte. Dann hätte ich alle meine Angelegenheiten selbst regeln können.

b) Therapiestunden, in denen ich nicht über meine sozialen Ängste, sondern über meine Furcht vor dem Versagen des Sozialstaates sprach. Puff und weg.

c) Begleitung durch einen psychiatrischen Pflegedienst, um mir durch die Krise zu helfen. War auch teuer, bestimmt.

d) Der Amtsschimmel, der sich in meinem Falle gegenseitig Briefe schrieb – in drei Behörden. Was mag hier eine so eine Arbeitsstunde kosten?

e) Das ohnehin überlastete Sozialgericht ist ja wohl auch ein Kostenfaktor. Zwei oder drei Kammern haben meine Akte bisher gesehen. Jippijej!

Ach, und die ganzen Nerven.

 

Warum ich das alles auch schreibe: wenn mein Fall doch nur wenigstens ein Einzelfall wäre. Ein bedauerlicher zwar, aber ein Einzelfall. Aber ich höre immer wieder von Geschichten, die ich früher einfach für unfassbar gehalten hätte. Behördenwillkür und Fehlentscheidungen, die gerade, wenn sie chronisch Kranke und / oder psychisch Kranke betreffen, noch zu einer Verschlimmerung der Krankheit führen können und damit doch die Kosten, die der Sozialstaat und damit wir alle letzten Endes zu wuppen haben, nur noch vergrößern. Dieser immense Verwaltungsapparat, der geschaffen wurde, um den ganzen Irrsinn zu … verwalten eben.

Es müsste und könnte hier noch ein langes Kapitel über Lösungen, Korrekturen und Ansätze zu Verbesserung folgen, ein Aufruf zu Protest und überhaupt ein langes Pamphlet. Allein, jetzt bin ich leer und vielleicht habt Ihr hierzu auch etwas zu sagen? Dann schreibt mir in den Kommentaren (Achtung Datenschutz: Eure IP-Adressen werden gespeichert) oder schreibt selbst einen Beitrag und verlinkt ihn.

Wie ich auf das Thema gekommen bin? Weil ich vorhin im Radio einen Beitrag zu diesem Thema hörte und irgendwie endlich die Kraft bekam, diesen Text zu schreiben. Den Beitrag auf Monitor kenne ich noch nicht. Möglicherweise werdet Ihr ihn schon gelesen haben, wenn Ihr diesen Beitrag lest.

 

https://www.radioeins.de/programm/sendungen/modo1619/_/milliarden-einsparungen-durch-zu-niedrige-hartz-iv-saetze.html

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/extras/pressemeldung-hartz-vier-100.html

 

 

32 Kommentare zu „Armut in einem reichen Land oder darüber, was ich lieber nicht hätte erleben wollen. Aber nun ist der Drops gelutscht

  1. Wie kann ich dich verstehen. Das schlimmst daran, man ich dem Amt so ausgeliefert und muss alles machen was die wollen. Ist irgendwelches Dokument nicht dabei oder ist die Akte irgendwie verloren gegangen – was ja deren Fehler ist – bist du dran. Du kannst nichts dagegen machen als nochmals Dokumente nachzureichen.
    Hartz IV ist auch so ein System. Es ist absolut unfair.
    Ich kann deine Aussagen nur unterstreichen.

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  2. Liebe Agnes,
    es gibt Momente, da schäme ich mich für dieses Land! Da können die sich ihr ganzes Heimat-Gedöns sonst wo hinstecken.
    Es ist ein riesig aufgeblähter und zynischer Verwaltungsapparat installiert worden, der mit Aberkennungserfahrungen agiert. Und leider gibt es sehr viele Menschen, die wirklich glauben, man hätte daran eine Schuld, wäre Verursacher seiner misslichen Lage („Man muss nur wollen“ oder „man muss sich nur an Regeln halten“ oder „die wollen ja nicht arbeiten, denen geht es noch zu gut“ undundund). Diesen Menschen fehlt das Bewusstsein und deshalb ist es ungemein wichtig, dass Betroffene darüber reden, das Schweigen brechen, damit an die Öffentlichkeit gehen und sich mitteilen.
    Anscheinend ist es heutzutage völlig normal zu spalten und sich zu beschämen. Rette-deinen-Arsch-Mentalität. Die Einteilung in „die Politiker“ und „Wir“ oder „die Bevölkerung“ ist allerdings auch eine Spaltung und man wähnt sich auf der „sicheren Seite“. Wir sitzen aber alle in einem Boot und das muss wahrscheinlich erst einmal in die Köpfe. Und ich bin Mitverursacher dieser Misere. Wie viel Verantwortung daran will ich tragen?
    Ich wünsche dir sehr viel Kraft für deinen weiteren Weg, liebe Agnes. Denk dran, du bist nicht allein. Herzliche Grüße, Heike

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    1. Liebe Heike,
      ja, das hast Du gut gesagt, wir sitzen in einem Boot, auch wenn uns von Kindheit an (bzw. uns Ostdeutschen seit der Wende) ein schäbiges Konkurrenzdenken eingebläut wird. Du musst besser sein als der andere, mehr haben, schlauer sein …
      Das „System Hartz IV“ macht ja schon seinen Sinn, denn so lassen sich auf der einen Seite weiter die Löhne niedrig verhandeln – guckt mal, den geht es noch schlimmer, auf die kannst Du herabsehen und auf der anderen Seite sind die niedrigen Löhne ein feines Argument, um den Regelsatz kleinzuhalten – sonst lohnt sich das Arbeiten doch nicht.
      Damit das aber funktionieren kann, brauchen wir dann auch noch die ungleiche Verteilung der Güter auf der Welt, denn unsere Armen brauchen billige T-Shirts, die die konsumieren können, um schön still zu bleiben und billige Lebensmittel. Fleisch und Bier zum Beispiel für das Pfingstgrillen oder die Fußball-WM.

      Auch ich trage meinen Teil Schuld an /Verantwortung für die Misere, denn billige Klamotten habe ich auch schon gekauft und auf die billigen Gurken, die in Spanien unter sklavischen Bedingungen hergestellt werden, bin ich angewiesen, wenn mir einen Salat leisten will. Ich kaufe Lebensmittel Discounter, und damit ich mir das weiter leisten kann, müssen die Löhne dort niedrig bleiben. Und so weiter und so weiter …
      Sei auch Du ganz herzlich gegrüßt
      Agnes

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    2. Ja, alle in einem Boot, nur ist es eine Galeere. Einige genießen die Bootsfahrt, einige Steuern, einige geben den Takt vor, zudem das Gros rudert und gerudert wird, sonst gibts die Peitsche. Um ein gutes, würdevolles Leben zu führen braucht es meiner Meinung nach recht wenig, nein, sogar noch weniger. Weniger die finanziell den Hals nicht voll kriegen, weniger machtgierige, weniger Staatsbedienstete die sich Statistiken zurecht basteln mit denen sie dann argumentieren, es gäbe keine Armut im Land. Vielleicht kommt mal ein Gesetz, das alle Lebensmittel ein Verfallsdatum von maximal 2 Wochen haben, dann wären zumindest mehr für die Tafeln vorhanden und niemand müsste sich um etwas zum Essen streiten oder vordrängeln aus Angst, nicht satt zu werden.

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  3. Das bewegt mich tief … dem Ganzen zugrunde liegt wohl die Ignoranz von seelisch-geistigen Erkrankungen, die nicht so fein sichtbar sind wie ein gebrochener Arm. Dazu kommt die Angst der damit Beschäftigten in den Behörden, vielleicht eines Tages selbst einmal „betroffen“ zu sein, verbunden mit der Angst, gegen interne Quoten-Vorgaben zu verstoßen.

    Die Unauffälligen haben es schwer, ihnen glaubt man nicht sofort, ich weiß. Man muss es erst mal richtig krachen lassen, schön auffällig werden, was allerdings eine gefährliche Gratwanderung zwischen der ersehnten Anerkennung einerseits und andererseits dem wegsperren auf unbestimmte Zeit wegen Eigen- und/oder Fremdgefährdung sein kann.

    So wie das klingt, bist Du endlich da durch – finde Frieden.
    Liebe Grüße !

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    1. Ja, es scheint wirklich so, dass ich das Gröbste überstanden habe. Das Gefühl der Entspannung muss sich erst nach und nach noch einstellen. Es bleibt ein tiefes Misstrauen, dass so etwas noch einmal passieren kann und damit verbunden die Furcht vor der ungewissen Zukunft. Aber erst einmal will ich im Jetzt ankommen.
      Liebe Grüße
      Agnes

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  4. Liebe Agnes, es ist einfach unfassbar, was du so im Laufe der letzten Zeit durchleben und durchkämpfen musstest. Ich kann dir wirklich nur von Herzen wünschen, dass du durch die Talsohle durch bist.
    Früher dachte ich auch immer, dass mich Arbeitslosigkeit nicht treffen wird – aber falsch gedacht. Ich weiß noch, dass ich mal eine Bearbeiterin in dieser Institution angefaucht habe und ihr gesagt habe, dass sie nur durch solche Leute wie mich ihr Leben finanzieren kann – so ählich, wie es Gerda schreibt.
    Zum Glück bin ich jetzt wohnungsmäßig unantastbar versorgt und meine Rente ist nicht hoch, aber ich komme durch. – Ich habe früher immer gesagt, dass es viel leichter ist, in einem „armen“ Land wie der DDR ziemlich mittellos zu sein als in diesem Staat mit dem Überfluss an allen Ecken und Kanten.
    Liebe Grüße zu dir von Clara

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  5. Was du beschreibst, kann jeden treffen. Traurig aber wahr. Und es wird immer schlimmer. Leider interessiert es Leute wie Herr Sp. nicht mal ansatzweise. Leider sind diese Leute in der Machtposition und nicht die Bevölkerung. Tatsächlich sind diese Leute nur ihrem Gewissen verpflichtet und nicht der Bevölkerung, die sie gewählt hat. Wem sie sich tatsächlich verpflichtet fühlen, angesichts erkennbarer Gewissenlosigkeit, kann man nur vermuten. Womöglich dem Geld und denen, die es im Überfluss haben. Sei stark. LG

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    1. Bleibe auch Du stark.
      Ich mag die Unterscheidung „die Politiker“ und „die Bevölkerung“ als Gegenpole eigentlich nicht so gern, weil die Welt nicht ganz so einfach ist und die Kategorien nicht so eindeutig. Wohl aber weiß ich um den Einfluss von Lobbyisten, Seilschaften, Verbindungen und der Macht des Geldes. Dazu dann noch ein bestimmtes Weltbild, Hunger nach Aufmerksamkeit und vielleicht späterer Kanzlerschaft – jetzt wissen wir ALLE, wer Herr Sp. ist…

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      1. Vielleicht ist „die Politiker“ die falsche Wortwahl. Es sind eher die Politik machenden. Früher gab es auch den einen oder anderen, der die Bezeichnung Obrigkeit verwendet. Und die behauptet doch so gerne, in der Mitte angekommen zu sein. Meint doch derjenige der noch halbwegs gut versorgt ist (wofür er auch hart arbeitet) die Politik machenden meinen ihn damit. Doch Die meinen damit eher den Mittelpunkt um den sich alles dreht und drehen muss. Und der sind Sie nun mal selbst.

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  6. Was du über die durch Amtsschimmel verursachten Kosten sagst: Vergiss nicht, dass es sich um Gehälter handelt. Wäre die Bürokratie so, wie du es dir wünschst – beim ersten Antrag klappt alles – , würden all die Herren und Damen arbeitslos. Was sollte mit ihnen geschehen? Woher sollen sie dann ihr Miete nehmen? Sie würden depressiv … geradeso wie du. Und die Kosten für ihre Behandlung kämen zu deinen dazu.
    Fazit: die Behörden sich Beschäftigungsprogramme, um die Arbeitslosigkeit der mittleren Schichten (Dienstleistenden) einzuschränken.

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    1. Ja, ganz genau, das ist auch meine These, dass hier eigentlich ein gigantischer Beschäftigungsapparat am Laufen gehalten wird, mit dem Ziel sich selbst zu erhalten. Aber die Frage ist, ob wir so viel eigentlich unnötige Beschäftigung brauchen. Auch die Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie sind ja eigentlich eher zerstörerisch als schaffend. Wer weiß wie viele Depressionen bei diesen Arbeitenden schon angesichts ihrer fruchtlosen Arbeit entstanden sind und wie viel kreatives Potential gebunden wird.
      Mag sein, dass die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens noch nicht zu Ende gedacht ist. Aber doch halte ich die Idee für bedenkenswert. Aber das ist Thema für einen weiteren Beitrag, der gewiss eines Tages folgen wird.
      Sei herzlich gegrüßt
      Agnes

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      1. Den Abbau der Büroratie mit dem Gedanken des bedingungslosen Grundeinkommens zu koppeln, halte ich für eine gute Idee. Dann könnten sich die Talente der Menschen, die in bürokratischen Hierarchien oft verkrüppelt und ins Böse gewendet werden, vielleicht menschenfreundlicher entwickeln. …

        Gefällt 1 Person

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