Aus dem Offenen Atelier

 

Ich bin weiter regelmäßig in der Ergotherapeutischen Praxis. Für mich ist es ja herausragende Aufgabe, überhaupt in eine Gruppe von Menschen zu sein. Da ist das Zeichnen eher nebensächlich – das mache ich auch unterwegs und zu Hause. Bei allen Symptomen, mit denen ich zu kämpfen habe, bin ich doch froh, dass das Zeichnen etwas ist, was ich relativ angstfrei tun kann. Ich höre und lese ja bei anderen Menschen immer wieder von enormem zeichnerischem Leistungsdruck, bei dem überkritische Gedanken zwanghaft jeden Strich kontrollieren, kritisieren, verwerfen und den nächsten Zeichenstrich sodann schlimmstenfalls ganz verhindern. Sicher, je länger und je technisch besser ich zeichne, um so größer wird auch der eigene Anspruch an mich selbst. Mit Leistungsdruck bin auch ich gut vertraut. Aber beim Zeichnen schaffe ich es immer wieder, allzu kontrollierende Gedanken abzuschütteln. Möge ich mir dieses Glück bewahren können.

Derzeit zeichne ich während der Therapiestunden, was mir spontan an jenem Tag so in den Sinn kommt. So etwa die Studie meiner Hand und eines Globus (das war am sogenannten Erdüberlastungstag) oder aber die Zeichnung „Im Dickicht“, wo ich meine Anspannung in den Schwung des dicken Kohlestiftes legen konnte, inspiriert von einer Kleeblüte, die ich auf dem Weg ins Atelier pflückte.

 

Ab kommender Woche gibt es dann noch eine weitere Herausforderung für mich. Wir, ein paar Zeichenbegeisterte der Ergotherapiegruppe, haben durch großes Glück einen Raum gefunden, in dem wir uns zusätzlich auch außerhalb des therapeutischen Settings zusammen treffen und z.B. Portraits zeichnen können. Auf das gemeinsame Zeichnen freue ich mich. Wie ich die Gruppensituation bewältige, werde ich noch sehen, aber die Mitzeichnenden haben ebenfalls mit Ängsten zu kämpfen und ich komme mir nicht wie eine Außenseiterin vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Kommentare zu „Aus dem Offenen Atelier

  1. Das zu lesen macht mir Mut, mich weiterhin immer wieder unter die Leute zu mischen! Schön, dass Du Dich mit dem Zeichnen und Malen nicht zurückziehst! Weiter so! Ich weiß, wieviel Kraft das manchmal kostet, aber es lohnt sich, oder? Liebe Grüße! Regine

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    1. An sich ist ja jeden Tag erneut ein Kämpfen und ja, das zehrt. In schlechten Momenten frage ich mich, wie lange meine Kraft noch reicht. Aber aufzugeben kommt ja nicht in Frage, wenn wir ein selbstbestimmtes selbstständiges Leben führen wollen. Ich freue mich, dass auch Du weiterkämpfst und wenn ich Dir sogar ein bisschen Mut machen konnte, ist das doch toll. Machen wir uns gegenseitig Mut, das hilft bestimmt 😀
      Sei herzlich gegrüßt
      Agnes

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      1. Ja, mir macht Dein Blog Mut. Ich finde Deine Kunst und Deine Fotos so schön. Ich spüre eine große Lebendigkeit. Manchmal brauchst Du sicher eine Ausszeit, aber dann geht´s weiter mit dem Leben. So mache ich das auch.
        Und heute ist es viel zu heiß für alles! Ich hänge auf dem Sofa, esse Eis und lese. Mehr schaffe ich nicht. Vielleicht noch Blumen gießen am Abend…….

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