Landung eines Graureihers

 

Es war Anfang Juli, da sah ich bei Linsenfutter, Jürgens außerordentlich empfehlenswertem Blog, die Fotografie des eleganten Landeanflugs eines Graureihers.

Zu Jürgens Beitrag >>hier<< entlang. Danke nochmal an Dich, Jürgen, für Bild und Inspiration.

Diese Erhabenheit, Eleganz und Schönheit, das wollte ich malerisch Bild umsetzen, und zwar in Kontrast zu einer trockenen dürren Landschaft. Und da ich in der Ergotherapie im Offenen Atelier gerade eine frische Leinwand zur Bearbeitung bekommen hatte (70*100 cm, gerahmt wird selbst vor Ort), machte ich mich sofort ans Werk.

 

20180905_Reiher_BG
Landung am Teich, Gouache auf Leinwand, 70*100 cm

 

Dass ich zunächst erst ein paar Skizzen des Vogels hätte anfertigen sollen, fällt den Vogelkundlern unter Euch gewiss auf – so anatomisch perfekt habe ich ihn nicht getroffen. Das wäre eventuell noch korrigierbar, gäbe es da nicht ein weiteres, viel tiefer gehendes Problem: die Farbe des Bildes reißt auf. Und das gleich an mehreren Stellen. Nun – zum Sujet passt es ja: Dürre – aufgerissener Boden / trockene gerissene Leinwand. Trotzdem ärgere ich mich.

20180905_Leinwand2_BG
Leinwand mit Rissen

 

Die Frage nach der Ursache des Malheurs war schnell geklärt: Ich hatte bei der Grundierung nicht sorgfältig gearbeitet, hatte mich darauf verlassen, dass es schon richtig sei, wie die anderen es auch alle machen: Klatsch, Wandfarbe auf die bespannte Leinwand und dann – husch husch – schnell noch eine zweite Schicht hinterher, bevor die Atelierstunde vorbei ist, damit ich in der folgenden Woche endlich mit dem Malen beginnen kann.

Wie ich jetzt weiß, habe ich damit meine Leinwand ertränkt und die Farbe viel zu dick aufgetragen. Von Elastizität der Leinwand kann nicht mehr die Rede sein (das habe ich auch beim Malen gemerkt, war mir der Konsequenzen aber nicht bewusst). Guckt mal, wie die Rückseite des Bildes aussieht:

 

DSC_1574_BG
Leinwand, Rückseite

 

Passenderweise schrieb Gerda gestern Abend u.a. über Entschleunigung (>>HIER<<) und genau das ist es, was ich beim Grundieren der nächsten Leinwand (80*100 cm) beherzigen will. Jede Schicht der Grundierung muss getrocknet sein, bevor die nächste aufgetragen werden kann. Das heißt warten zu lernen und Geduld zu haben. … Und in diesem speziellen Fall gilt das auch für Euch, denn was ich über das Grundieren gelernt habe und ob ich das umzusetzen schaffe, darüber berichte ich erst in der kommenden Woche, nachdem ich das nächste Mal im Offenen Atelier war.

 

Hier ein paar Momentaufnahmen aus dem Entstehungsprozess:

 

 

13 Kommentare zu „Landung eines Graureihers

  1. Das Bild gefällt mir sehr gut und ich finde den Reiher sehr lebendig. Der muß gar nicht „perfekt“ sein. Das mit der Ungeduld kann ich bestens verstehen: endlich das Malen anfangen. So gehts mir auch manchmal. Es geht mir nicht schnell genug mit dem Loslegen und dann schludere ich auch so vor mich hin, nur um schnell weiterzukommen. Manchmal rächt es sich, manchmal paßts ;-) Ungeduldig bin ich oft, wenn ich schon innerlich unruhig bin. Dann muß erst die richtige Muße kommen, für so ordentliche Feinarbeiten :-) Viel Spaß beim nächsten Mal!!

    Gefällt 1 Person

  2. Warten und Geduld haben. Das hast Du wunderbar formuliert. Das gilt für die Tierfotografie auch. Da ist Warten und Geduld haben auch eine wichtige Voraussetzung. Der Graureiher ist aber wunderbar geworden. Mir gefällt er sehr gut. Klasse. Das Problem mit der Farbe bekommst Du auch in den Griff.

    Gefällt 2 Personen

    1. Lieben Dank!
      Und ja, auch die Tierfotografie ist nichts für jene, die immer sofort „Ergebnisse“ brauchen. Das sehe ich ja auch, wenn ich versuche, Hummeln und andere Insekten „einzufangen“ – da geht nichts eben mal husch und schnell.
      Herzliche Grüße
      Agnes

      Gefällt 1 Person

      1. ich habe das Thema natürlich angesprochen, liebe agnes, weil ich ein großes Problem damit habe: warten, Geduld – das ist für mich etwas schwer Erträgliches. Drum danke ich dir, dass du noch mal darauf zurückgekommen bist. Stete Mahnung hilft vielleicht.
        der Reiher ist aber wirklich sehr schön geworden! Und ich finde nicht, dass er „ungeduldig“ gemalt wurde, sondern mit viel Einfühlung und Blick für Einzelheiten.

        Gefällt 3 Personen

      2. Liebe Gerda, vielen Dank! Und ja, es ist ein stetes beharrlicheres Üben – Entschleunigung ist nichts, was mal eben schnell zu lernen ist. Meine Therapeutin erinnerte mich diese Woche daran: weniger ist mehr.
        Beim Malen hatte ich übrigens mehr Geduld als sonst – ich habe ja immer nur in den Ergotherapiestunden Zeit dafür und muss das Bild dann wieder allein lassen.
        Die Ungeduld lag hauptsächlich bei der Vorbereitung – ich wollte endlich zu Malen beginnen und keine Zeit für Vorskizzen und Grundieren „vergeuden“.
        Herzliche Grüße an Dich und ein wundervolles Wochenende
        Agnes

        Gefällt 2 Personen

  3. Pannen gehören zu Handwerk und Kunst… ich kenn mich da ja gut aus, wie Du weißt.
    Man ist selbst oft kritischer als die anderen. Dein Ergebnis sieht fabelhaft aus, für mich bemerkenswert, dass Du zuerst das Motiv, dann den Hintergrund gemalt hast. Ich hätte vermutet, dass bei Pinselarbeiten (ausser Aquarell) immer anders herum gemalt wird. Mir gefällt Dein Reiher sehr – für mich durchaus auch anatomisch als solcher erkennbar. 👍
    Ich freu mich schon auf Dein nächstes Bild und übe mich gern… in Geduld. 😉 gute Nacht, Birgit

    Gefällt 3 Personen

    1. Dankesehr für Deinen Kommentar, liebe Birgit!
      Ich sehe es ja auch eher als Lehrgeld – jetzt verstehe ich erst richtig, warum und worauf es bei der Grundierung ankommt und kann es so künftig besser machen. Aber ja, Du kennst das selbst, Fehler sind manchmal sogar wichtiger als Gelingen.
      Liebe Grüsse
      Agnes

      Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.