abc.etüden. Das Mädchen mit der roten Mütze

 

Heute habe ich es mir mal wieder gegönnt, fast den ganzen Tag im Märchenland zu verbringen.

 

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Herausgekommen sind zwei Zeichnungen zum Begriff des #inktober2018  Tag 18 – bottle (Flasche) – und eine kleine passende abc.etüde. Ich danke Dir, liebe Christiane, für die etüden-Organisation. Die Wörter der Schreibwochen 45.46.18 – Knirps, grotekt, notieren – spendete dieses Mal Wortgerinnsel. Lieben Dank dafür an Dich.

Genug der Vorrede. Auf zur Werkschau:

 

 

Das Mädchen mit der roten Mütze

 

 

Lachend und singend war Margarete, ihr rotes Mützchen keck aufs Ohr gesetzt, mit dem ersten Hahnenschrei davongezogen. Sorgenvoll schaute die Mutter ihrem Kinde nach, bis es im Wald verschwunden war.

 

Die Schmiedin hatte im Traume gesehen, wie Margaretes Großmutter krank und hilflos im Bett läge. Da musste sie doch das Mädchen mit einem großen Korb voll Speis‘ und Trank zu ihr schicken, um nach dem Rechten zu sehen. Oder etwa nicht?

 

Die Mutter hatte Margarete am Vorabend genau notieren lassen, wie sie zu laufen hätte. Um nichts in der Welt durfte sie vom Wege abkommen! Die Gerüchte, in letzter Zeit würden im  Wald sorglose Wanderer verschwinden, waren schauerlich. Ein großes schwarzes Monster fresse alle jene, die vom vorgeschriebenen Pfade abwichen. Die grauslichen Geschichten über das Untier wurden von Monat zu Monat fürchterlicher. Am Ende wagte sich nicht einmal mehr der alte Förster tiefer als fünfzig Fuß ins Dickicht und sein Dackel Knirps betrat den Wald nur mit eingezogenem Schwanz. Es war grotesk!

 

Gewinner der Situation war der Bürgermeister, der die Angst der Menschen nutzte, um seine eigene kleine Diktatur zu installieren. Sein Wort war nun Gesetz und die mühseligen Debatten während der Dorfversammlungen gehörten der Vergangenheit an. Schließlich gelte es, gegen das bedrohliche Fremde zusammen zu halten.

 

* * *

 

Margarete glaubte nicht an das Waldmonster, aber einen unnötigen Schritt in den Wald hinein wollte sie dennoch nicht tun. Der große Korb wurde immer schwerer und nun schmerzten auch ihre Füße. Dabei war es erst Mittag. Sie hatte noch nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft. So beschloss sie, eine Weile zu rasten, ließ sich ins Gras fallen und schloss die Augen.

 

Ein tiefes lautes Knurren ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.

 

 

Fortsetzung folgt (aber morgen noch nicht)

 

 

 

12 Kommentare zu „abc.etüden. Das Mädchen mit der roten Mütze

  1. Liebe AGnes, was du hier: „Gewinner der Situation war der Bürgermeister, der die Angst der Menschen nutzte, um seine eigene kleine Diktatur zu installieren. Sein Wort war nun Gesetz und die mühseligen Debatten während der Dorfversammlungen gehörten der Vergangenheit an. Schließlich gelte es, gegen das bedrohliche Fremde zusammen zu halten.“ geschrieben hast, ist genau das, was heute geschürt wird nach dem Motto: keine Frau, kein Kind, kein Niemand traut sich mehr nach Einbruch der Dunkelheit hinaus, weil ja überall die bösen Fremden lauern.
    Das erste Mädchen mit der roten Mütze sieht schon ganz schön jugendlich-erwachsen aus, finde ich jedenfalls.
    Und tschüss!

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Clara, ja, leider habe ich für meine Etüde nicht viel Phantasie bemühen, sondern einfach nur die Realität beschreiben brauchen, zumindest was dieses Abschnitt betrifft.
      Und ja auch hier: Du hast Recht, das Mädchen ist eher eine junge Frau; jedenfalls ist sie kein Kind mehr. Aber das hätte den Titel etwas sperrig gemacht …
      Liebe Grüße

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