Der abc.etüden dritter Teil: Am Hof der Speichellecker

 

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Weiter geht es mit den abc.etüden. Mein Dank gilt wieder Christiane und Wortgerinnsel. Die Wörter der Schreibwochen 45.46.18:

Knirps, grotesk, notieren.

 

Zur Erinnerung an die ersten beiden Etüden:

Margarete hat sich auf den Weg zu ihrer Großmutter gemacht. Zwar muss sie dafür den Gerüchten zufolge sehr gefährlichen Wald durchqueren, doch sie hat ihrer Mutter versprochen, die festen nicht zu verlassen.

Vom Geruch des frischen Brotes in ihrem Körbchen angelockt, schleicht sich Wolfgang an, der seit Tagen hungrig durch den Wald irrt. Standhaft hatte er sich geweigert, für den König in den Krieg zu ziehen. Sein Kommandant hätte ihn für diesen Frevel am liebsten erschossen, doch der Königliche Kriegserlass 003 sah eine andere Strafe vor.

 

Am Hof der Speichellecker

 

Der kriegstreiberische König wollte sich nämlich nicht nur alle Nachbarreiche einverleiben. Ihm stünde auch der Kaisertitel zu. Sobald er den Krieg gewonnen hätte, wäre die Krönung. Als Kaiser aber bräuchte er einen neuen Palast, der seiner Würde und Genialität entsprach.

Doch wer sollte den Palast bauen, wagte der zuständige Minister untertänigst einzuwenden? Alle jungen Männer seien im Krieg und die Frauen müssten die Felder bestellen.

So viel Unverstand eines ranghohen Adeligen erzürnte den Herrscher und er ließ den Staatssekretär notieren:

Königlicher Kriegserlass 001: Wer an Ideen, Plänen und Wünschen seiner Majestät zweifelt, ist ein Hochverräter. Der Große König hat immer Recht!

Königlicher Kriegserlass 002: Der Bauminister ist entlassen, und wird an die Front versetzt. Seinen bisherigen Aufgabenbereich übernimmt der Kriegsminister. (Kann ja nicht so schwer sein, ein Bauprojekt zu leiten!)

Niemand wagte zu wiedersprechen. Und keiner traute sich zu lachen, obwohl die Vorstellung, der feiste Gerade-Eben-Noch-Bauminister würde den Feind mit dem Säbel in die Flucht schlagen, grotesk war! Der Kriegsminister aber machte sich vor Angst fast in die Hosen, denn bis zum nächsten Morgen sollte er dem König die Lösung der Baufrage präsentieren.

Mit wem sollte er sich beraten? Den anderen Höflingen traute der Minister nicht. Die waren selbst scharf auf seinen Posten. Also besprach er sich zu Hause mit seiner Gattin (auch wenn er Frauen eigentlich für Hirnknirpse hielt). Doch wer hätte das gedacht? Die Ministersgattin erwies sich als teuflisch schlaue Ratgeberin.

Gut gelaunt marschierte der Kriegs- und Bauminister am nächsten Tag zum König. Dieser war begeistert und steckte ihm einen weiteren Orden an.

Der Sekretär aber schrieb:

Königlicher Kriegserlass 003: Kriegsgefangenen, Verrätern und sonstigen Verbrechern wird die Ehre zuteil, sich durch härteste und schwerste Arbeit von ihrer Schande zu reinzuwaschen. Zum Ruhm des Königreiches errichten sie den neuen Prunkpalast. Gelobt sei der Große König!

 

 

 

296 Wörter

Fortsetzung folgt (aber morgen noch nicht)

 

Ich bin gespannt an die nWortspende der kommenden Woche. Zwar habe ich eine Vorstellung vom Verlauf der Geschichte, aber mal gucken, ob sie mich zu einem kleinen Abzweig oder Schlenker inspirieren.

Euch wünsche ich einen wundervollen Sonntag!

 

 

 

 

 

 

 

13 Kommentare zu „Der abc.etüden dritter Teil: Am Hof der Speichellecker

  1. Agnes, das ist jetzt aber nicht ein türkisches Märchen mit dem Kaiser Erdo….. an der Spitze? Dieser Vergleich fiel mir als erstes ein. – Aber so ähnlich schrieben ja auch schon einige vor mir. Leben wir nun also wie im Märchen oder haben die Märchen keinerlei märhenhafte Züge mehr???

    Gefällt 2 Personen

    1. Tja … ich denke ja, dass auch, als die frühesten Märchen erfunden und immer wieder weitererzählt wurden, Gelebtes und Erlebtes; gekannte, gemochte oder verhasste Personen; Ängste und Wünsche hineingewebt wurden. Insofern hat sich nicht so viel verändert, nur dass wir eben heute (wenn wir wollen) viel informierter sind (oder auch desinformierter) als es die Menschen anno damals vor der Erfindung der Glühlampe waren, als man sich gemeinsam Märchen und Geschichten erzählte. Liebe Grüße zu Dir!

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  2. Klingt allzu wahr und allzu vertraut, das alles, was du beschreibst. Eigentlich ziemlich furchtbar. Nun, ich bin gespannt, was du von den neuen Wörtern hältst und wie sie dich zu etwaigen Schlenkern animieren – oder vielleicht passen sie ja auch ganz straight in die Story?
    Ich freue mich darauf, es zu erfahren.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

  3. Ha… Hirnknirps! Schönes neues Wort. Wenn ich gerade genau drüber nachdenke: ich kenn da jemanden. Aber das tut ja nichts zur Sache. Sehr schöne Fortsetzung, liebe Agnes. Bin jetzt schon auf den Schlenker gespannt…. Liebe Grüße. Birgit

    Gefällt 2 Personen

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