abc.etüden 47.48.18_1. Planerfüllung

 

Meine erste abc-Etüde für die Textwochen 47 und 48 setzt die Geschichte der letzten Woche fort.

Die aktuellen Wörter Yvonne von umgeBUCHt. Ich danke Dir und auch Dir, liebe Christiane, für die liebevolle Betreuung der Etüden und die tolle Illustration.

 

 

Die Wochenwörter lauten:
Raureif
sündig
verrücken.

 

Bisher:

 Margarete hatte sich auf den Weg zu ihrer Großmutter gemacht. Dafür musste sie den gefahrvollen Wald durchqueren. Durch den Wald irrt auch Wolfgang . Dieser hatte sich geweigert, im Krieg für den König zu schießen. Zur Strafe soll er laut dem neuen Königlichen Kriegserlass 003 in ein Arbeitslager gebracht werden, um dem König als Arbeitssklave beim Bau seinen neuen Prunkpalastes zu dienen.

 

Und weiter geht es:

 

Planerfüllung

 

Der Hochverräter Wolfgang verursachte seinem Kommandanten arge Kopfschmerzen. Bis er ihn an die Königliche Reichspolizei übergeben konnte, bliebe er für Leib und Leben des Gefangenen verantwortlich. Als ob er nichts Besseres zu tun hätte!

Dieser vermaledeite Königliche Kriegserlass 003 war das Werk eines Idioten. Er, ein altgedienter Soldat, musste dafür sämtliche Prinzipien ins Absurde verrücken. Statt einem Kopfschuss bekam der Deserteur ausreichend Essen, ein eigenes Zelt und außerdem vier Soldaten zur Bewachung.

„Geht’s noch?!? Nur, weil dieser aufgeputzte Lackaffe von König einen neuen Palast braucht? Dieser verwöhnte Weichling!“ Der Kommandant spuckte aus. Im selben Augenblick erbleichte er. Hochverrat! Hatte er seine sündigen Gedanken gerade laut ausgesprochen?

Schon am folgenden Tag geschah die Katastrophe. Der Novembermorgen war klirrend kalt. Jeder Atemzug dampfte und auf den Feldern glitzerte unschuldig der Raureif. Der Kommandant jedoch schwitzte rauschende Bäche. Sein Hemd war nass, die Hose klebte am Arsch und gefror im selben Augenblick. Kameradin Panik hielt Parade ab. Der Gefangene des Kommandanten war tot!

Bevor er sich fassen konnte, trompetete sein Erster Offizier:

„Angetreten!“

Da erst sah er auf und entdeckte den schwarz gewandeten Trupp Reiter. Die Königliche Staatspolizei! Warum jetzt!?!

„Wo ist der Gefangene?“, schnarrte ihr Anführer.

„D..d..da, ddda liegt er. “ Der Kommandant deutete auf Wolfgang.

„Tot?!?! Verräter! Willst den Palastbau uns’res Großen Königs sabotieren, Du Hurenbock? Hast den Gefangenen selber umgebrach, was?“.

Noch nie war der altgediente Kommandant vor seinen Untergebenen derart beleidigt worden. Doch seiner Kehle entfuhr nur ein hilfloses Krächzen.

Ehe er es sich versah, ward er gepackt, gefesselt und auf ein Pferd gebunden. War das nur ein Albtraum?

Die schwarzen Männer aber pfiffen vergnügt und fügten ihrer Liste einen weiteren Strich hinzu. Feierabend für heute! Sie hatten ihren Plan erfüllt.

 

 




10 Kommentare zu „abc.etüden 47.48.18_1. Planerfüllung

  1. Nee,also, leid tut mir der Kommandant nicht, es reicht, dass er sich selbst bemitleidet. Auch die Sollerfüller regen mein Mitgefühl nicht an. Nur das Schicksal des Gefangenen, der nun wie tot im Raureif liegt, interessiert mich ausreichend, um ihm mein Mitgefühl zu schenken. Aber ich weiß ja: du bist ein guter Mensch und wirst ihn da nicht liegen lassen. Wird er zum Wolf?
    Gut gemacht, wirklich toll auch wieder die Bilder!

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Gerda,
      Nun, die Auflösung, wie genau es mit Wolfgang weitergeht, verrate ich natürlich noch nicht. Aber so viel sei schon einmal gesagt: hier handelt es sich um ein Märchen, die meist ein gutes Ende nehmen; und da Wolfgang zu den tragenden Figuren gehört, lasse ich ihn nicht einfach auf dem kalten Erdboden liegen.
      Herzliche Sonntagsgrüße zu Dir
      Agnes

      Gefällt 1 Person

  2. Moment mal, das ist doch der gleiche Wolf(gang), der in Teil 2 im Wald hungert, der hier jetzt (scheintot) herumliegt? Dann bin ich mal auf die Fortsetzung gespannt. Und, oh ja, ein bisschen tut mir der Kommandant leid.
    Ich mag deine Zeichnungen dazu sehr.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

  3. Liebe Agnes,
    „Kameradin Panik hielt Parade ab“, das ist EINE deiner Formulierungen, die ich sehr mag und die dein Märchen modern und lebendig machen.
    Nun sag ich noch: armer Wolfgang – und der Kommandant, ach irgendwie tut er mir auch ein bisschen leid.
    Wieder hast du tolle Illustrationen dazu kreiert.
    Herzliche Sonntagmorgengrüße, Ulli

    Gefällt 3 Personen

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