Bestandsaufnahme

 

 

Nun also verwahre ich das Familienarchiv bei mir.

Zwei Nachmittage hebe ich gepackt. Nun sind es vier große Umzugskartons und viele kleinere Kisten. Unmengen an Briefen und Fotografien, Dokumenten und Aufzeichnungen.

Mein Historikerinnenherz hüpft vor Freude. Entdeckerinnenlust und Neugierde treiben den Puls an.

Gleichzeitig spüre ich Gewicht, Last, Verantwortung. Der Rucksack des Lebens auf meinen Schultern, er ist schwerer geworden.

Drei Generationen vor mir haben fast jeden Brief aufbewahrt. Rechne ich mich dazu, so sind wir vier. Briefe in Ordnern, in Kartons. Postkarten. Es gibt dicke Fotoalben, sorgfältig beschriftet, und Kisten mit ungezählten losen Fotografien. Geburtsurkunden, Sterbeurkunden. Persönliche Aufzeichnungen, Babyalben, ganze Familienchroniken und Erinnerungen. Lose Zettel, Notizen.

Auch hier werde ich lernen müssen loszulassen. Ich kann nicht alles behalten, werde sortieren müssen und entscheiden, was für die kommenden Generationen noch Bedeutung hat. Nein, nicht heute und nicht morgen. Auch nicht in diesem Frühjahr. Aber das Leben ist endlich und macht uns manchmal dicke Striche durch den Lebensplan. Ich will hoffen, mir bleibt genug Zeit.

 

 

 

14 Kommentare zu „Bestandsaufnahme

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