Rückzug vom Alltag. Mandala

 

Die letzten Tage habe ich zu Hause verbracht. Rückzug vom Alltag war angebracht, Ruhe, viel Schlaf. Zu Hause bleiben und mich keinesfalls äußeren Reizen und der Welt „da draußen“ aussetzen.

Es gibt so einige, die das nicht nachvollziehen können und andere, die fürchten, ich würde so unweigerlich in eine tiefe depressive Periode herabrutschen. Aber ich habe mich inzwischen so weit einzuschätzen gelernt, dass ich spüre: ich brauche immer wieder und in hohem Maße genau diese Abschottung, um Kraft zu schöpfen und dann wieder meinen Alltag über die Bühne zu bekommen. Ich halte inzwischen phasenweise bei Bedarf auch ein wenig mehr Input „von Außen“ und Aktivität aus (undenkbar noch vor einem oder zwei Jahren, das ist doch wahrhaft eine gute Nachricht), aber dann heißt es, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Tür zu, Fenster zu, Ruhe. Alleinsein. Je länger ich zuvor im Alltag „durchgehalten“ habe, umso länger danach auch mein Durst nach Ruhe. Zähnezusammenbeißen hilft nicht. Wenn ich nicht rechtzeitig selbst wieder leise trete, drückt mein Körper den Notknopf und zwingt mich auf seine Art ins Bett und schickt mir die Grippe. Das Spiel kenne ich nun also zur Genüge und spätestens seit ich weiß, dass es nicht „die“ Depression oder „die“ soziale Angststörung gibt, sondern viele Akzentuierungen der Krankheit in Kombination mit keineswegs krankhaften Ausprägungen von Introvertiertheit, lausche ich offeneren Ohres in mich hinein und erlaube ich mir,  im Zweifel auf meine innere Stimme zu hören, was mir gerade gut tut.

Zur Entspannung auch die letzten Tage etwas, das sonst auch zu meinem Alltag gehört: ein paar kleine Zeichnungen am Schreibtisch. Kritzeleien, Postkarten, Krikelkrakel nur aus Spaß an der Freude. Und – ich habe seit längem mal wieder ein Mandala gezeichnet, das zwar nicht ganz so wurde, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber ich will der Perfektionistin in mir trotzdem nicht das letzte Wort lassen.

 

 

20190910_MandalaBG

23 Kommentare zu „Rückzug vom Alltag. Mandala

  1. Pingback: Alltag 12 2019 |
  2. Ich brauche wie Du auch ab und zu den Rückzug und kann mir das jetzt, nachdem ich Deinen Text gelesen habe, viel besser erklären. Einige inneren Stimmen sind beunruhigt und wollen mich antreiben, doch das Leben nicht zu verpassen und mehr zu erleben. Sie sehen noch nicht ein, dass die Ruhe und was in ihr gefühlt und getan wird, ebenso ein intensives Leben ist.

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    1. Lieben Dank für Deinen Kommentar, liebe Regine. Ich wünsche Dir, dass Du ein bisschen Ausgleich zwischen Deinen inneren Stimmen stiften kannst. Alles hat ja bekanntlich seine Zeit und jeder von uns hat da verschiedene Bedürfnisse. Die dürfen – ja müssen – wir uns auch zugestehen (solange wir anderen nicht schaden), auch wenn die Mehrheit der Menschen vielleicht anders tickt und uns nicht versteht.
      Herzliche Grüße
      Ines

      Liken

    1. Liebe Marina,
      oh ja, genau! Das war auch einer der Impulse, darüber so offen zu schreiben. Wir sind eben alle verschieden mit verschiednenen Bedürfnissen, haben aber selten gelernt, wirklich in uns hineinzuhören und dann auch zuzuhören; besonders weil oft die 08/15-Ratschläge ganz gegenteilige sind: „geh raus“, höre ich oft, „geh spazieren“, „Du brauchst soziale Kontakte“, „das ist nicht gut, so viel allein zu sein“. Das mache ich natürlich auch, aber alles hat seine Zeit…
      Herzliche Grüße
      Ines

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  3. Liebe Agnes, ich finde sehr vieles in deinem Beitrag wieder, wie es mir auch immer wieder geht. Wenn ich mir nicht diese Auszeiten nehme, werde ich entweder krank oder die Panikattacken kommen zurück – was kann gesünder sein als sich selbst zu kennen und für sich zu sorgen?
    Dein Mandala mag ich, gerade weil es ncht ganz perfekt ist!
    Hab Herzensdank für deinen Beitrag,
    liebe Grüsse
    Ulli

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      1. Liebe Ulli,
        das verstehe ich sehr gut und ich schaffe es auch nicht immer, überall und alles zu lesen, geschweige denn einen Kommentar zu hinterlassen.
        Ich habe mich übrigens im Sommer entschieden, nun nicht mehr unter dem Mädchennamen meiner Oma zu bloggen, sondern unter meinem „richtigen“ Namen. Deshalb wundere Dich nicht, wenn ich neuerdings mit Ines unterzeichne.
        Sei herzlich gegrüßt
        Ines

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    1. Liebe Ulli,

      ganz lieben Dank für Deinen Kommentar!

      Ich glaube auch, dass es einigen ähnlich geht. Doch oft messen wir uns mit jenen, die ihre Kraft auf andere Weise schöpfen und wollen es uns nur schwer zugestehen.

      Ich habe lange gebracht um zu verstehen, dass mein Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein auch wirklich „erlaubt“ ist und es mir dann auch selbst gestatte. … Und es verteidige gegen gutgemeinte Ratschläge, ich solle doch lieber vor die Tür gehen oder mich mit Freunden treffen oder etwas anderes unternehmen, damit es mir besser ginge. Alles hat seine Zeit.

      Sei herzlich gegrüßt
      Ines/Agnes

      Gefällt 1 Person

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