abc.etüde 01/2020. SOKO Königstiger

Nach längerer Pause hier wieder eine abc.etüde von mir. Mein Dank gilt wie immer Christiane und Donka mit ihrem Blog OnlyBatsCanHang, die die Wörter für die aktuelle Etüdenrunde gespendet hat:

Papiertiger
belanglos
plätschern.

Maximale Wortanzahl: 300 Wörter


 

Potsdam, 28.01.2020

Verschwundene Königstiger lösen breite Proteste gegen Wildtierhaltung in Zirkussen aus

 

In der vergangenen Nacht verschwanden aus dem Zirkus Emil, der gerade in der Brandenburger Gemeinde Posemuckel gastiert, mehrere Tiere. „Unsere sieben Königstiger waren heute früh einfach nicht mehr in ihren Käfigen, die waren unsere wichtigste Attraktion! Jetzt müssen wir vielleicht unser Familienunternehmen schließen. Ach, so viele Arbeitsplätze!“, so der noch fassungslose Zirkusdirektor Emil Schulte gegenüber dieser Zeitung.

Die Polizei ermittelt mit Hochdruck und hat eine SOKO Königstiger eingerichtet. Doch auch acht Stunden nach der schockierenden Entdeckung gibt es noch keine Erklärung – weder dafür, auf welche Weise die kostbaren Tiger verschwanden, noch wo die Tiere jetzt seien. Natürlich sei in Posemuckel und allen umliegenden Gemeinden, Feldern und Wäldern nach ihnen gesucht worden. Doch sämtliche Spuren erwiesen sich als belanglos, so Polizeisprecherin Anja Schmiedehammer auf einer für den Nachmittag einberufenen Pressekonferenz.

Unterdessen formiert sich breiter Protest gegen die Wildtierhaltung in Zirkussen über alle Bevölkerungsschichten hinweg. „Ich wusste gar nicht, dass heutzutage in Zirkussen noch immer Tiere gehalten werden dürfen. Das ist doch Tierquälerei. Wie konnte die Politik hier so lange tatenlos vor sich hinplätschern, statt endlich das Tierschutzgesetz zu reformieren!“ Beate Hinrichs, Rentnerin aus Posemuckel, zeigt sich kämpferisch: „Wir machen jetzt Druck, bis sich was ändert!“

Tierschutzorganisationen freuen sich über den entflammten Aktivismus der Bevölkerung und unterstützen die Proteste. Aber: „Die Leute regen sich immer schnell über einen Skandal auf, doch dann vergessen sie ihn wieder. Das gilt ja nicht nur für das Thema Zirkusse“, so versucht ein Aktivist der Tierrechtsorganisation PETA, der namentlich nicht genannt werden will, allzu euphorische Erwartungen an einen schnellen Erfolg zu bedenken. Natürlich wünsche ich mir, dass diese Proteste nicht als zahme Papiertiger enden werden, sondern die Bevölkerung endlich aufwacht und wir uns gemeinsam für Veränderung einsetzen. Es ist ja auch höchste Zeit!“

Wörter: 300


Bildquelle für das obige Etüdenbild: Pixabay (hier und hier), bearbeitet von Christiane.


 

Und für jene, die Lust haben, jetzt noch ein kleines Liedchen von Funny von Dannen:

 

Liedtext, zitiert nach:

https://www.songtexte.com/songtext/funny-van-dannen/fleischfresser-13db4991.html

Das ist ein ganz normaler Tag in Afrika:
Die Sonne brennt vom Himmel, die Raubkatzen schleichen sich an.
Die Antilopen grinsen.
Sie lassen sie ganz nah ran, denn heute sind die Löwen selber dran.

Fleischfresserantilopen, Fleischfresserantilopen.
Sie greifen erbarmungslos an.
Sie machen die Löwen fertig.
Noch ist es ein Traum, aber er wird wahr, irgendwann…

Wieder ein ganz normaler Tag in Afrika:
Die Sonne brennt vom Himmel, am Wasserloch lauern die Gnus.
Sie benehmen sich wie Vegetarier,
doch als die Krokodile auftauchen schlagen sie zu.

Fleischfressergnus, Fleischfressergnus.
Sie greifen erbarmungslos an.
Sie machen die Krokodile fertig.
Noch ist es ein Traum, aber er wird wahr, irgendwann…
Noch ein ganz normaler Tag in Afrika:
Die Sonne brennt vom Himmel, die Elfenbeinjäger sind da.
Die Elefanten locken sie in einen Hinterhalt:
Der erste Wilderer schreit: Aaaah!

Fleischfresserelefanten, Fleischfresserelefanten.
Sie greifen erbarmungslos an.
Sie machen die Wilderer fertig.
Noch ist es ein Traum, aber er wird wahr, irgendwann…

Zum Schluss ein ganz normaler Tag am Meer:
Ein Japaner und seine norwegische Freundin baden schön.
Sie sind so verliebt.
Sie küssen sich während wir schon die Rücken flossen sehn…

Menschenfresserwale, Menschenfresserwale.
Sie greifen erbarmungslos an.
Sie fressen die Verliebten.
Noch ist es ein Traum, aber er wird wahr, irgendwann…

Und jetzt noch ein normaler Tag bei uns:
Die Sonne ist in Afrika, die Schweine liegen faul rum.
Der Bauer will sie füttern,
da stehn sie auf und werfen ihn um.
Fleischfresserschweine, Fleischfresserschweine.
Sie greifen erbarmungslos an.
Sie fressen auch das Rückenmark.
Noch ist es ein Traum, aber er wird wahr, irgendwann…

Fleischfresserschweine,
Fleischfresserantilopen,
Fleischfresserschweine,
Fleischfresserschweine…

13 Kommentare zu „abc.etüde 01/2020. SOKO Königstiger

  1. Ich finde es wunderbar, wenn sich Menschen für eingesperrte Tiere engagieren. – Irgend jemand hat mal gesagt, in Deutschland wird eher für einen Hund das Wort ergriffen als für eingesperrte Menschen, wie es ja zu Tausenden in den Flüchtlingslagern passiert.
    Manchmal wird mir das Elend auf der Welt zu viel und ich möchte einfach abschalten – geht aber nicht so einfach.
    Gute Nacht!

    Gefällt 1 Person

    1. Oh, liebe Clara, ich verstehe, dass Du gern „abschalten“ möchtest, manchmal muss ich mich auch abkapseln und momentan schaffe ich es auch nur selten, Nachrichten zu hören, geschweige denn zu sehen. Was die Aussage zu den Hilfen für Hund oder Mensch im Flüchtlingslager, die Du erwähnst, sind eigentlich ein paar mehr Worte als in einem kurzen Kommentar nötig, denn ich finde, dass man das eine nicht gegen das andere aufrechnen kann und darf und dass Unterstützung für beide Anliegen gleichermaßen nötig und – gemessen am Reichtum auf der Welt, auch wenn er sich in wenigen Händen konzentriert – möglich ist.
      Zudem wage ich die These, dass viele von denen, die sich z.B. für Königstiger oder Hunde engagieren, dies gleichermaßen auch für Flüchtende und notleidende Menschen tun. Aber das ist ein weites Feld …
      Ich hoffe, Du hattest eine angenehme Nacht und heute einen wundervollen Mittwoch!
      Liebe Grüße
      Ines

      Liken

  2. Gefällt mir sehr und wirft auch für mich wieder mal die Frage nach Sinn und Unsinn von Zoo und Zirkus auf.

    Ich wohne zwar nicht in Posemuckel, aber in Brandenburg und hab den Mops schon angewiesen, seine Suchaugen nach Königstigern aufzusperren …
    Liebe Grüße aus dem Speckgürtel in die Hauptstadt!

    Gefällt 2 Personen

    1. Ganz lieben Dank für Deinen Kommentar.
      Und: ich weiß aus sicherer Quelle, dass die Königstiger in guten Händen sind und die Brandenburger keine Angst vor Tigerüberfällen haben müssen, jetzt müssen wir „nur“ noch die Sache mit dem Tierschutz hinbekommen 😉

      Gefällt 2 Personen

  3. Hey, Ines, schön, du auch mal wieder! Und so berechtigt, dein Appell! Ich habe ja schon mit Zoos und Tierparks öfter meine Probleme, aber Wildtiere in Zirkussen sollten langsam wirklich out of date sein …
    Kann doch nicht so schwer sein, da eine Lösung zu finden, die das Tierwohl und das Menschenwohl berücksichtigt – wenn man wollen würde.
    Liebe Grüße
    Christiane, nachdenklich 🤔🐱🍷🌧️

    Gefällt 3 Personen

    1. Oh ja, liebe Christiane, ich denke, bei manchen Themen, wie Tierhaltung in Zoos, Essverhalten und ähnliches kann man diskutieren über das ob und wie und in welchem Maße, obwohl ich für mich persönlich entschieden haben, möglichst keine Produkte tierischen Ursprungs zu nutzen. Aber Argumente, die Tierqual in Zirkussen rechtfertigen können, wollen mir nun wirklich nicht einleuchten; ich war ziemlich entsetzt als ich davon hörte, dass derartiges auch heutzutage noch vollkommen üblich ist.
      Liebe Grüße
      Ines

      Gefällt 3 Personen

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