Trauer

Es wehrt sich einiges in mir, zum Alltag zurückzukehren – wozu auch das tägliche Befüllen dieses Blogs und das Lesen bei meinen Blogfreundinnen und -freunden gehört.

Ich hatte ein enges, ein inniges Verhältnis zu meiner Mutter; da war ein gewisses gegenseitiges Verstehen der Gedanken und Gefühle der anderen, was selten ist; die letzten knapp zwei Jahre, in der ihr Krebs mit Wucht und vollem Tamtam zurückgekehrt war, konnten wir uns zwar weniger sehen als ich es mir gewünscht hätte – allein auch weil meine eigene Krankheit ein Energiefresser ist und mir mehr Ruhe- und Alleinseinzeiten abverlangt als ich es mir wünschen würde – und doch konnte ich mit ihr noch viele tiefe Gespräche führen und fühlte mich ihr nahe. Ja, dafür bin ich dankbar.

Ich bin auch dafür dankbar, dass sie in ihren letzten Stunden nicht allein sein musste. Nachdem sie Corona-verschuldet sieben Wochen allein im Krankenhaus liegen musste – mit Ausnahme von ein paar wenigen Terminen, an denen ihr Mann zu ihr durfte, erhielten mein Vater und ich vergangene Woche die Genehmigung zu ihr in die Klinik zu kommen und Abschied zu nehmen. Es zeigen wohl nicht alle Krankenhäuser solche Kulanz. Wir hatten Glück im großen Unglück.

Ich saß bei ihr, an ihrem Bett, hielt ihre Hand und durfte ihr in den letzten Stunden beistehen. Sie hatte nicht mehr die Kraft für lange Gespräche, aber sie nahm ihre Umgebung wahr und wusste, dass sie nicht allein war. Ich erzählte ihr von mir, meinen Kindern und Freunden und konnte ihr versichern, dass wir alle auf einem guten Wege sind und sie, die immer und von Herzen Anteil nahm, sich um niemanden mehr sorgen muss. Sie ist in Frieden gegangen, ohne Angst. Jetzt kann sie sich von Mühsal und Schmerzen ausruhen. Und es ist wohl es dieses Wissen, an dem ich mich trotz aller Trauer, allen Schmerzes, aller Wut und Ohnmacht, halbwegs aufrecht halten kann.

Meine Mutter hat hier im Blog gerne mitgelesen. Wahrscheinlich war sie sogar eine meiner aufmerksamsten Leser*innen und anhand meines täglichen Beitrags konnte sie oft und mit ziemlicher Treffsicherheit ahnen wie es mir ging – auch wenn ich nur ein Bild oder eine Fotografie zeigte. Sie hatte die Gabe, zwischen den Zeilen zu lesen und unausgesprochenes zu erspüren.

Es ist in ihrem Sinne, dass es hier bald wie gehabt weitergeht. Aber ein wenig Zeit nehme ich mir noch.

38 Kommentare zu „Trauer

    1. Trotz aller Trauer – ich bin immer wieder dankbar dafür, dass ich sie beim Sterben begleiten durfte. Und für das letzte Lächeln, dass sie mir, nur eine habe Stunde vor ihrem Tod geschenkt hat. Ich sehe dieser Tage ganz oft diese Augen ganz nah, diese Liebe, die daraus spricht …

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  1. Liebe Ines, mein herzliches Beileid! Deine Zeilen haben mich sehr berührt. Was für ein schwerer Abschied, der gleichzeitig auch schön sein konnte. Was für ein Glück im Unglück, daß ihr die letzten Tage bei ihr sein konntet und sie in Frieden gehen konnte! Wir freuen uns, wenn du wieder da bist und wir wissen, daß du dir deine Zeit nimmst, wenn wir nichts hören. Sei gedrückt und alles Gute und viel Kraft für die kommende Zeit. Alles Liebe von Almuth

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  2. Liebe Ines, ich möchte Dich einmal kurz drücken und Dir mein Mitgefühl übermitteln. Du hast eine schwere Zeit hinter Dich gebracht und auch noch vor Dir. Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft. Ein Glück, dass Du mit Deinem Vater noch Zeit mit Deiner Mutter verbringen konntest. Alles Gute Dir und liebe Grüße! Regine

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  3. Du schreibst das so herzlich. Zumindest konntet ihr euch verabschieden, das ist zwar traurig. Vielleicht aber auch gut, denn dann ist es nicht so plötzlich.
    Ich wünsche dir viel Kraft im verarbeiten. Sie wird ja immer immer ein Teil sein und du kannst Erinnerungen immer anrufen. Sprich mit deiner Familie darüber und lässt sie so weiterleben. Mir tut das sehr leid.

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  4. Mein tief empfundenes Beileid. Und ich danke dir, Ines, dass du dein eigenes Abschiednehmen von der Mutter, das schwerste vielleicht von allen Abschieden, so freundlich vor mich hingestellt hast, dass ich mitfühlen und meine eigene Trauer noch einmal berühren kann. Später wird die Freude des Andenkens überwiegen.

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  5. Liebe Ines, ich sende dir mein Mitgefühl. Ja, nimm dir die Zeit, die du brauchst. Trauer braucht eben auch ihren Raum und wir bleiben ja hier und freuen uns, wenn du wieder zurück bist.
    Ganz liebe Grüße
    Ulli

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  6. Mein Beileid und nimm dir die Zeit zum Trauern, die du brauchst. Wenigstens konntest du dich von deiner Mutter verabschieden… 7 Wochen fast ohne Besuch, das mag ich mir nicht vorstellen… 😟
    Liebe Grüße, Susanne

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  7. Dein Verlust tut mir sehr, sehr leid :cry:
    Dennoch war es gut, dass Du Abschied nehmen konntest, und Deine Mutter nicht alleine sterben mußte (wie so viele in letzter Zeit)
    Ich wünsche Dir viel Kraft für die kommende Zeit!

    Liebe Grüße,
    Bärlinerin

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  8. Mein herzliches Beileid. Wie schön, konntet ihr am Schluss doch bei ihr sein. Das ist so wichtig. Ich war vor gut zwei Jahren in der Situation, als ich meinen Vater über ein halbes Jahr hinweg eng auf seinem Weg mit dem Krebs begleitet habe. am 10. Mai 2018 nahmen ich und meine Mutter Abschied. Zurück blieb neben der Lücke ganz viel Dankbarkeit. Für alles, was wir mit und durch ihn hatten.

    Ich wünsche dir Menschen, die dir Halt und Kraft geben, ich wünsche dir, dass die Erinnerung bald mit mehr Freude als Trauer in dein Leben kommt. Und bis dahin wünsche ich dir alles Liebe und Gute und viel Kraft.

    Liebe Grüsse
    Sandra

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  9. Eine berührende Rückschau auf ein schönes Mutter-Tochter-Gefühl teilt sich durch deine Worte mit. Gut, dass es doch noch möglich wurde, bei ihr zu sein. Ganz gleich, ob du im Blog fortfährst, oder dir Zeit fern davon wohler tut: ich wünsche dir eine fruchtbare Zeit in der Trauer.

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  10. Mein Beileid. Glaub mir, du MUSST gar nichts. Der Verlust wird dich die nächsten Jahre sowieso begleiten, manchmal wird er leicht sein, manchmal kaum auszuhalten, und irgendwann wird es Normalität. Diese Dinge dauern, also lass dir die Zeit, die du brauchst.
    Liebe Grüße
    Christiane 😢🌦️❤️

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  11. Liebe Ines, ich drücke dich in Gedanken ganz fest und schicke dir stärkende und tröstende Gedanken. Ich habe ja zwei liebe Freundinnen und meinen liebsten Menschen an diese Krankheit verloren. Bei Heiko war es in den letzten beiden Wochen tatsächlich so, dass ich es ihm gewünscht habe, dass er gehen konnte – das Leid und die Schmerzen waren fast nicht mehr mit anzusehen.
    Deine Mutter bleibt – direkt und indirekt – ganz nah bei dir.
    Liebe Grüße von Clara

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  12. Liebe Ines, mein aufrichtiges Beileid sende ich dir. Ich wünsche dir viel Kraft und Stärke in dieser schwierigen Zeit. Es ist gut, dass du in den letzten Tagen und Stunden bei ihr sein durftest.
    Alles Liebe von Herzen Ariana

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