Teaser

20170709_WolfskindBG

Wolfskind im Windpark Schorfheide, Lamyfüller auf A4 Aquarellskizzenpapier, (c) Agnes Podczeck

 

Diese kleine Skizze soll als Teaser den hoffentlich beachtlichen Output nach meinem großartigen Erlebnis gestern im Wildpark Schorfheide samt der einen oder anderen Hintergrundinformationen einleiten.

Ohne viele Worte zu machen, kann ich hier schon einmal meine allerwärmste Empfehlung für den Besuch geben.

https://www.wildpark-schorfheide.de/de/

Wegwarte

Wegwarte

Die Wegwarte ist eine der Pflanzen, die sich in meinem Kopf unlöslich mit der Erinnerung an meine Oma verknüpft haben.

Ich weiß noch nicht einmal genau, warum. Nie bin ich mit ihr durch die Straßen gegangen, über Feldwege getänzelt und schon gar nicht war ich mit ihr auf dem Rummelplatz, wie ein berühmter Schlager jener Jahre verhieß. Ich habe meine Oma, die von Jahr zu Jahr schlechter laufen konnte und in ihrem Stolz entschieden zurückwies, die Straße mit einer Gehhilfe zu betreten, immer nur in ihrem Haus erlebt und später dann im Pflegeheim.

Es wird wohl so gewesen sein, dass ich an jenem Tag mit meinem Opa unterwegs war und wir von der Endhaltestelle der Straßenbahn nach Hause liefen, wo ich unterwegs ein paar Feldblumen für meine Oma pflückte. Bestimmt hat sie mir, als ich ihr stolz den Strauß überbrachte, erklärt, dass ich keine Kornblumen, sondern Wegwarten gefunden hatte. Vielleicht hat sie mir dann auch wieder eine ihrer Erzählungen aus ihrer Kindheit und Jugend erzählt, die so liebte und die ich immer und immer wieder hören konnte. Wenn ich die Augen schließe, kann ich noch ihre Stimme vernehmen.

Unter Lindenblüten

 

Ein wenig schäme ich mich es zuzugeben, doch fürchte ich, mit meinem Unwissen nicht allein gewesen zu sein: Ich wusste, dass Linden wunderschöne Bäume sind, ein beachtliches Alter erreichen können, dass Lindenblütentee gut gegen Erkältungen helfen soll und hatte irgendwie auch eine Ahnung, dass diese Bäume in der Geschichte und Kultur unserer Region eine gewisse Rolle spielen – sonst würde es nicht so zahlreiche Gedichte geben, in denen Linden verehrt werden. Aber ich war mir unsicher, ob ich eine Linde in der freien Natur auch erkennen würde.

Ab Anfang Juni wurde ich unruhig. Sollten jetzt nicht endlich auch die Linden blühen? Aber ich konnte nirgendwo einen Baum entdecken, der sich zweifelsfrei als Linde identifizieren ließ. Hatte ich sie einfach nicht gesehen? War ich nicht aufmerksam genug gewesen? Fast hatte ich mich damit abgefunden, dass ich die Lindenblütenzeit in diesem Jahr verpasst hätte und nahm mir vor, demnächst mal auf der Straße „Unter den Linden“ zu flanieren, um mir das Aussehen dieser Bäume ganz genau einzuprägen –  obwohl das für mich eine Überwindung wäre: Was für Touristen in Berlin eine Attraktion ist, bedeutet für mich Autolärm, Krach, Abgasgestank und lauter Menschen, die in meinem Weg herumstehen.

Eines Nachmittags, etwa vor zwei Wochen, auf meinem Heimweg mit dem Fahrrad im Tiergarten, machte ich eine kurze Trinkpause und sah nach oben. Fast hätte ich gejuchzt, denn was entdeckte ich: eine Linde, die gerade ihre Blüten öffnete. Beschwingt fuhr ich weiter und plötzlich sah ich sie überall auf meinem Weg: blühende Lindenbäume.

Die Linde blüht bescheiden:  im Vergleich zu Kirschbaum, Kastanie und Holunder, die mit ihrer Blüte protzen und in ein jedes Auge springen, wartet sie ab, bis alle anderen ihre Pracht wieder abgelegt haben und teil sogar die erste Früchte tragen. Dann legt sie ihr gelbliches Gewand an und sorgt für Nahrungsnachschub für Insekten. Der durchschnittliche gestresste Stadtbewohner, so behaupte ich, bemerkt ihre Blütenpracht fast nie. Nur wer auch hinsieht, der entdeckt die Blüten, die nur um weniges heller sind als die grünen festen Lindenblätter.

Für mich ist die Linde eine der „Entdeckungen“ durch meine neue Achtsamkeit. Welch ein Glück.

 

 

 

Augenblicke: Lebensgier

Augenblicke: Lebensgier

Gestern.

Radelnd.

Von Schöneberg aus heimwärts.

Gedanken fahren Kettenkarussell.

Ich verzichte auf meinen gewohnten Halt im Tiergarten: Der Himmel hat sich zugezogen. Es dunkelt – hell am Tage. Die Wolken türmen sich.

Im Wedding dann gewinnt die Finsternis und Blitze zacken über Kränen. Ich fahre schneller, doch im nächsten Park packt mich die Panik: Der Wind nimmt Anlauf, färbt die Luft zu dickem gelben Nebel. Pollen färben die noch trock’ne Luft. Dann, ganz plötzlich, stürmt – orkant – es los und rüttelt an den Bäumen. Was morsch ist, hält nicht stand. Zweige fliegen durch die Luft, ein dicker Ast kracht gewaltig auf den Weg. Vor dem hätte mich auch mein Fahrradhelm nicht wirklich schützen können. Doch umkehren kann ich nicht, denn es knackt und knirscht auch hinter mir verdächtig. Vorwärts also, schnell, weiter durch den Park und bis zur sichren Straße.

Sekunden nur die Todesangst, doch die löst augenblicklich auch ein hohes Glücksgefühl aus:

LebensLUST,

ja, LebensGIER!

Ja, LEBEN möchte ich!

Nicht nur für die anderen, wie ich in dunklen Zeiten meine, mich durch Dasein quäle, nur um ihnen den Verlust, die Trauer und die immer off’ne Wunde zu ersparen.

Nein, mein Leben leben will ich auch für mich.

 

 

Rosenblüten

 

heute Abend als als Fotografien.