Wegwarte

Wegwarte

Die Wegwarte ist eine der Pflanzen, die sich in meinem Kopf unlöslich mit der Erinnerung an meine Oma verknüpft haben.

Ich weiß noch nicht einmal genau, warum. Nie bin ich mit ihr durch die Straßen gegangen, über Feldwege getänzelt und schon gar nicht war ich mit ihr auf dem Rummelplatz, wie ein berühmter Schlager jener Jahre verhieß. Ich habe meine Oma, die von Jahr zu Jahr schlechter laufen konnte und in ihrem Stolz entschieden zurückwies, die Straße mit einer Gehhilfe zu betreten, immer nur in ihrem Haus erlebt und später dann im Pflegeheim.

Es wird wohl so gewesen sein, dass ich an jenem Tag mit meinem Opa unterwegs war und wir von der Endhaltestelle der Straßenbahn nach Hause liefen, wo ich unterwegs ein paar Feldblumen für meine Oma pflückte. Bestimmt hat sie mir, als ich ihr stolz den Strauß überbrachte, erklärt, dass ich keine Kornblumen, sondern Wegwarten gefunden hatte. Vielleicht hat sie mir dann auch wieder eine ihrer Erzählungen aus ihrer Kindheit und Jugend erzählt, die so liebte und die ich immer und immer wieder hören konnte. Wenn ich die Augen schließe, kann ich noch ihre Stimme vernehmen.

Unter Lindenblüten

 

Ein wenig schäme ich mich es zuzugeben, doch fürchte ich, mit meinem Unwissen nicht allein gewesen zu sein: Ich wusste, dass Linden wunderschöne Bäume sind, ein beachtliches Alter erreichen können, dass Lindenblütentee gut gegen Erkältungen helfen soll und hatte irgendwie auch eine Ahnung, dass diese Bäume in der Geschichte und Kultur unserer Region eine gewisse Rolle spielen – sonst würde es nicht so zahlreiche Gedichte geben, in denen Linden verehrt werden. Aber ich war mir unsicher, ob ich eine Linde in der freien Natur auch erkennen würde.

Ab Anfang Juni wurde ich unruhig. Sollten jetzt nicht endlich auch die Linden blühen? Aber ich konnte nirgendwo einen Baum entdecken, der sich zweifelsfrei als Linde identifizieren ließ. Hatte ich sie einfach nicht gesehen? War ich nicht aufmerksam genug gewesen? Fast hatte ich mich damit abgefunden, dass ich die Lindenblütenzeit in diesem Jahr verpasst hätte und nahm mir vor, demnächst mal auf der Straße „Unter den Linden“ zu flanieren, um mir das Aussehen dieser Bäume ganz genau einzuprägen –  obwohl das für mich eine Überwindung wäre: Was für Touristen in Berlin eine Attraktion ist, bedeutet für mich Autolärm, Krach, Abgasgestank und lauter Menschen, die in meinem Weg herumstehen.

Eines Nachmittags, etwa vor zwei Wochen, auf meinem Heimweg mit dem Fahrrad im Tiergarten, machte ich eine kurze Trinkpause und sah nach oben. Fast hätte ich gejuchzt, denn was entdeckte ich: eine Linde, die gerade ihre Blüten öffnete. Beschwingt fuhr ich weiter und plötzlich sah ich sie überall auf meinem Weg: blühende Lindenbäume.

Die Linde blüht bescheiden:  im Vergleich zu Kirschbaum, Kastanie und Holunder, die mit ihrer Blüte protzen und in ein jedes Auge springen, wartet sie ab, bis alle anderen ihre Pracht wieder abgelegt haben und teil sogar die erste Früchte tragen. Dann legt sie ihr gelbliches Gewand an und sorgt für Nahrungsnachschub für Insekten. Der durchschnittliche gestresste Stadtbewohner, so behaupte ich, bemerkt ihre Blütenpracht fast nie. Nur wer auch hinsieht, der entdeckt die Blüten, die nur um weniges heller sind als die grünen festen Lindenblätter.

Für mich ist die Linde eine der „Entdeckungen“ durch meine neue Achtsamkeit. Welch ein Glück.

 

 

 

Rosenblüten

 

heute Abend als als Fotografien.

 

 

 

 

 

Zwei kleine Draußenskizzen

 

Heute zwei kleine Skizzen mit dem Fineliner, die unterwegs im Tiergarten entstanden sind. Eine abgeblühte Rhododendronblüte und ein junger Trieb – Vergänglichkeit und Neubeginn, sowie ein Fächer des schönen urtümlichen Farns.

Ich wünsche Euch einen guten Start ins Wochenende!

 

Rosen – drei Skizzen

Es ist die Zeit der Rosenblüte. Die wilden Rosen haben bereits vor zwei Wochen den Anfang gemacht und sind teils schon verblüht.

Nun übertrumpfen sich die Zierrosen allerortens in der Stadt mit ihren leuchtenden Farben und ich muss beim Fahrradfahren arg zusammenreißen, immer geradeaus auf die Straße zu gucken.

Heute führte mich mein Fahrtweg wieder durch den Tiergarten, wo ich selbstredend bei Tilda eine Rast einlegte. Sie war diesmal nicht allein – am Ufer graste noch die Einkind-Gänsefamilie, die mich neulich zu der kleinen Zeichnung hier inspirierte. Das kleine Gänselein ist seitdem schon ziemlich gewachsen, sieht aber immer noch so flauschig weich aus.

Danach fuhr ich noch im Rosengarten des Tiergartens vorbei und war gefesselt und fasziniert. Was für eine Augenpracht! So viele verschiedene Rosensorten stehen hier in Blüte – manche ungefüllt,  andere dezent gefüllt, aber mit noch gut erkennbaren Staubblättern. Es gibt aber auch Sorten, bei denen ein Gewirr aus scheinbar unendlich vielen Rosenblättern aus der Blüte quillt.

Noch mehr beeindruckt als meine Augen war meine Nase, denn einige Sorten verströmten einen beinahe atemberaubend schönen Duft.

Ich habe unzählige Fotos der faszinierenden Blüten gemacht, die ich Euch heute schuldig bleibe (genau wie ich Euch noch immer die Bilder des inzwischen abgeblühten Rhododendrenparadieses und vieles anderes noch immer nicht gezeigt habe); die vielen Bilder wollen erst noch in Ruhe gesichtet werden.

Stattdessen zeige ich drei kleine Rosenskizzen, die ich mit Fineliner in mein A5-Skizzenbuch gezeichnet habe. Ich will es demnächst doch mal mit Feder und Tusche versuchen, was draußen wohl aber schwierig wird.

 

 

Passend zur Jahreszeit hat heute auch Martina Wald eine neue Rosenzeichnung gezeigt und bei Susanne Haun (möge mein Autokorrektor nicht wieder wie neulich Deinen Namen verulken!) habe ich als Leseempfehlung unter ihrem aktuellen Beitrag ebenfalls ganz wunderbare Rosenzeichnungen gefunden.