Beitrag 500 – Ich im Spiegel

 

Das also ist mein Beitrag Nummer 500. Ich staune – und staune auch wieder nicht über diese Zahl. Immer noch fühle ich mich im Vergleich mit vielen von Euch als Neuling in Bloghausen. Und dennoch kann ich mir das Bloggen inzwischen nicht mehr aus meinem Leben wegdenken.

Ich könnte lange Loblieder singen – auf Euch, auf den gemeinsamen Austausch, Anregungen, kreative Impulse durch MitbloggerInnen und KommentatorInnen. Auf Denkanstöße. Auch auf eine gewisse solidarische Gemeinschaft, die ich wahrnehme, insbesondere auch unter Menschen, die mit psychischen Erkrankungen leben müssen oder auch jenen, die Depressionen überwinden konnten. Das Bloggen ist eben keine Einbahnstraße und ist ohne Feedback nicht vorstellbar, jedenfalls für mich.

 

Aus Anlass dies kleinen Jubiläums heute seit langem mal wieder ein Selbstportrait.

 

 

 

 

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Der graue Wolf

 

Dieses Bild liegt mir besonders am Herzen und ich habe es einem mir sehr liebem und wunderbaren Menschen geschenkt. Passend zum Motiv ist das Bild eine Übermalung, die ebenfalls eine Übermittlung war – das Bild „Hoffnung“ hatte ich Euch vor einigen Monaten bereits gezeigt. Es mit dem Antlitz eines grauen Wolfes zu übermalen, erschein mir die mir einzig angemessene Weiterbearbeitung.

Im Mondenschein

 

Am Montag in der S-Bahn habe ich eine junge Frau mit Kopfhörern skizziert. Sie stieg aus,  ich kitzelte weiter, frei nach Schnauze und frei vom Original, das ich nur noch wenig im Gedächtnis hatte. Am Dienstag, nach meiner erleichternden Nachricht, entschied ich plötzlich, dass diese Frau nicht blass und farblos bleiben dürfe, übertrug die Skizze auf Markerpapier und gestaltete die Flächen farbig. Die Zeichnung scannte ich ein und experimentierte mit einigen Fotografien, die neulich Abend mit bewegter Langzeitbelichtung entstanden. Die Ergebnisse finde ich gar nicht so übel.

 

Ursprüngliche S-Bahn-Skizze und Markerzeichnung:

 

 

Kreativitätsexplosion

 

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Daumen hoch dem Spiegelbild, Feder und Pinsel, Tusche, Acrylfarbe (Titanweiß), © Agnes Podczeck 08.11.2017

 

Federnden Schrittes flog ich heute zur Ergotherapie. Ja, einen Teil der Last habe ich wirklich zu Hause lassen können.

Im Offenen Atelier gesellte ich mich dann zur Morgenbesprechung der kleinen Zeichengruppe, der ich sonst immer fern geblieben war. Deutete dort erstmals etwas von den Ängsten der letzten Wochen, ach Monate, an! Das Teilen tat wohl. Sodann noch eine Überraschung. Vorige Woche hatte ich in der Praxis einen Zettel ausgehängt, ob jemand am gemeinsamen Portraitzeichnen Interesse hat. Mit Resonanz hatte ich nicht gerechnet, doch ich wurde vom Gegenteil überrascht.

Wir sind, bisher, zu zweit und ich musste mal wieder feststellen, was sich mir beim Musizieren auch schon immer bewiesen hat: Alleine rummosern ist gut und erfüllend; aber verschiedene Köpfe können sich gegenseitig zu einer Kreativitätsexplosion inspirieren, bei der ein Gedanke den nächsten beflügelt.

Wir basteln uns erst einmal Gipsabdrücke von unseren Händen und Köpfen, so haben wir vollkommen unbewegliche Modelle, die mit Mützen, Schals und Perücken frei variabel veränderlich sind und wir können gleichzeitig und am gleichen Motiv arbeiten. Später dann geht es an echte Menschen. Für mich heißt das: reden, sich absprechen, auf andere einstellen. Wahrscheinlich auch einiges erklären, weil ich ja nun schon ein wenig erfahren bin im Portraitzeichnen. Aber heute war das für mich gar nicht schlimm – vielleicht auch, weil mein Gegenüber psychisch ebenso wie ich sehr „angeschlagen“ ist und Kontaktängste und Redeschwierigkeiten sehr wohl selbst zu kennen scheint, nicht zu schnell und nicht zu laut spricht. Die Zusammenarbeit war nicht nur „nicht schlimm“, sondern sogar recht lustig, als wir die Kindergartenkinder mit dem Gips zu hantierten.

Zu Hause dann noch eine zeichnerische Spielerei, das Spiegelbild aufs Papier gebracht und doch nicht wirklich ein Selbstportrait.

 

 

Nörgelheini, Rohrstocklehrer und der gute Wolf

 

Eine Kollegin in der Ergotherapiepraxis hat mich heute darin unterstützt, ein Anschreiben vorzubereiten, mit dem ich einen passenden Platz für mein großformatiges Bild vom Steppenwolf suche.

Widerstreitende Gefühle – einerseits denke ich, dass mein Bild nicht gut genug ist, dass es niemand haben will, dass ich mich damit blamiere (ja, entgegen anderslautender Kritik!; denn – wie es viele von Euch auch aus eigener Erfahrung kennen – ich vergleiche mich ausschließlich mit denen, die etwas viel besser können als ich, damit ich dann schön demütig das Haupt senken und mich klein fühlen kann. Es ist eben ein langer langer langer Prozess, den ich beschreite, aber es geht eben nur stufenweise und der gestrenge Lehrer mit dem Rohrstock feixt).

Der Anstoß, dass ich mich doch getraut habe, potentielle InteressentInnen anzuschreiben, lag letztenendes darin, dass mein Bild in der Praxis natürlich Platz wegnimmt, was mir wiederum ein schlechtes Gewissen macht (ich sollte mich schämen, so viel Raum einzunehmen!, greint der innere Nörgelheini).

Nörgelheini gegen Rohrstocklehrer – das war ein Gefecht, puh! Nun sind aber ein paar E-Mails verschickt und beide innere Kritiker sind erschöpft und halten mal die große Klappe.

 

Hier nochmal die Bilder vom Steppenwolf und auch vom Fliegen, für das ich auch ein Asyl suchen will. Für den Fall, dass Ihr Interesse habt bzw. wüsstet, wer es wollen könnte, dann am besten E-Mail an i_udelnow at hotmail . com . Das ist die Adresse, die ich am häufigsten abfrage.