Zwei Raben

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Zwei Raben, Öl auf Leinwand, 50*70 cm, Juli/August 2017

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Bilder der Ausstellung

Bilder der Ausstellung

 

Kurz war ich gestern tatsächlich zum Tag der Offenen Tür, bei dem ja auch meine Bilder gezeigt wurden. Allerdings war die Stippvisite kurz über meiner Belastungsgrenze: die Veranstaltung war brechend voll. Viele auch mir bekannte Gesichter – PatientInnen und TherapeutInnen – waren da, die meisten ein Gespräch führend oder suchend, was mir ja besonders unangenehm war, weil ich so nicht anonym durch die Veranstaltung gehen konnte.

Die TherapeutInnen der Praxis und viele der KlientInnen hatten sich enorme Mühe gegeben und viel Arbeit in die Veranstaltung gesteckt; nur war ich eben vor Ort psychisch überhaupt nicht fähig, das auch nur ansatzweise würdigen zu können.

Im unteren Kelleratelier war die Ausstellung von künstlerischen Werken der PatientInnen. Neben meinen Bildern wurden auch eindrucksvolle und wirklich gelungene Werke anderer Patientinnen und Patienten gezeigt und gerne würde ich Euch etwas darüber schreiben oder zeigen. Aber ich fühlte mich außerstande, innerlich etwas davon aufzunehmen, noch gar mit den KünstlerInnen zu sprechen, die teils ja auch vor Ort waren. Ein Maler, dessen Gesicht ich aus den Therapiestunden kenne, suchte das Gespräch mit jedem, der oder die seine Bilder genauer betrachtete und erklärte etwas zu Motiv und Technik. Ich hingegen hätte einen Teufel getan als mich auch nur einer einzigen Person gegenüber als selbst Ausstellende erkennen zu geben. W hat dankenswerterweise ein paar Fotos gemacht, allerdings nur von meinen Bildern – ich selbst war nicht dazu in der Lage und mein dringendster Gedanke den gesamten Aufenthalt dort über war der, so schnell wie möglich die Flucht anzutreten.

Nun könnte ich mich selbst dafür schelten, wie viel ich da gestern wohl verpasst habe und wie dumm diese ganze Angsthaberei und das zum Eisblockwerden meinerseits war. Aber ich will es anders sehen: mich freuen über den würdigen Rahmen, in dem meine Bilder gezeigt; glücklich darüber sein, welch tolle Ergotherapiepraxis mit so wahnsinnig engagierten TherapeutInnen und kreativen MitpatientInnen ich gefunden habe; zufrieden mit mir, dass überhaupt dort war und dass ich rechtzeitig festgestellt habe, dass meine Schmerzgrenze erreicht war ich die Veranstaltung zum richtigen Zeitpunkt verlassen habe.

Wenn das kein Grund zur Freude ist?

 

 

 

 

 

Fernweh – Die Blauen Berge

 

Die Blauen Berge

Die Blauen Berge, Öl auf Leinwand, 70*50 cm, 2016/2017

 

 

Ich sehne mich nach hohen kargen schroffen Bergen, Felsen und Gestein.

Kein Mensch, nirgends.

Im echten Leben so weit zu reisen ist momentan nicht möglich. Aber in meinen Träumen und mit dem Pinsel in der Hand hält mich hier nichts fest.

Ich will ganz nach oben auf die Bergkuppe und in die Ferne blicken. Berge sollen um mich sein, Berge und Schnee. Sonst: nichts.

 

 

Fliegen

Fliegen

 

Inzwischen ist es so, dass es für mich nicht mehr ganz so anstrengend ist, in den Räumen der Ergotherapiepraxis zu sein. Ich bin zweimal wöchentlich dort, jeweils zur selben Zeit und meist in Anwesenheit eines mir inzwischen bekannten (wenn auch nicht vertrauten) PatientInnen- und TherapeutInnenkreises.

 

Ich komme zur festgelegten Zeit, weiß inzwischen, wo die Materialien sind und ich bekomme meist ungefragt Hilfe beim Aufbau von Staffelei und Leinwand angeboten. Gelegenheit zum Training von Kommunikation ist dennoch. Psychische Krankheit geht ja nicht bei allen PatientInnen mit Schweigsamkeit einher. Ich wundere mich manchmal, welches Redebedürfnis die anderen KlientInnen der Praxis haben. Das ist auch eine Strategie in der Krankheitsbewältigung. Auf Smalltalk kann ich mich nicht einlassen und ich erzähle auch nichts von mir, aber meine Bilder laden MitpatientInnen zu regelmäßigen Fragen ein: warum dieses Motiv, warum die Farbe, ist das ein Selbstporträt, ein Spiegel, ein Wunschtraum? Inzwischen bringt mich das immerhin nicht mehr so ins Schleudern und ich ducke mich nicht mehr vor Angst, angesprochen werden zu können.

 

Das erste große Bild ist fertig. Ich habe es nicht abgemessen, aber es dürfte vielleicht zwei Meter breit sein. Damit ist es entschieden zu groß, um bei mir zu Hause Platz zu finden. Für mich schmeichelhafterweise freuen sich die Mitarbeiter der Praxis, mein Bild als Dauerleihgabe zu behalten und an prominenter Stelle – im regelmäßig frequentierten Durchgang und Raucherraum – aufzuhängen.

Für einen richtigen, endgültigen Titel konnte ich mich noch nicht entscheiden, „Fliegen“ ist die vorläufige Version.

 

 

 

Nun arbeite ich an einem weiteren großen Bild und ich bin so ergriffen vom Thema Wolf, dass für mich kein anderes Motiv in Frage kommt als ein einsamer Wolf in den Weiten der Steppe – – – was zugegebenermaßen reichlich Gelegenheit für Projektionen und Deutungen gibt.

Die Rohversion zeige ich hier schon einmal.

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Was das angesprochene Thema der „Ausstellung“ betrifft – ich setze das Wort bewusst in Gänsefüßchen, denn es ist nicht so hochtrabend „wichtig“, wie es klingt (fast komme ich mir vor wie eine Hochstaplerin):

Am 18. August wird das zweijährige Jubiläum der Praxis mit einem Tag der Offenen Tür gefeiert. In diesem Rahmen werden öffentlich Arbeiten gezeigt, die in der Ergotherapiepraxis entstanden sind. Ich darf und werde meine beiden großen Bilder zeigen, aber auch zu Hause entstandene Ölbilder und einige der Zeichnungen, die ich in der Klinik als Überlebensstrategie gezeichnet habe.

Ich kann Euch auch die vielen interessanten Werke der anderen ans Herz legen. In der Praxis tummeln sich hoch kreative und ausdrucksstarke Menschen. Falls jemand von den Ortsansässigen Interesse hat, beschreibe ich noch einmal, wann und wo genau Fest und „Ausstellung“ stattfinden werden.

Ein paar der Bilder hängen seit Freitag:

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Ölgemälde: Weggefährten

Meine zeichnerische Auseinandersetzung mit dem Thema Raben (siehe gestriger Beitrag) mündete heute darin, dass ich dieses Ölgemälde um diese fliegenden schwarzen Vögel ergänzte. Nun ist es – vorerst – fertig und trocknet.

Vielleicht ist es im August mal für einige Stunden öffentlich zu sehen. Aber darüber schreibe ich eines anderen Abends.

 

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Weggefährten, Öl auf Leinwand, 40*50 cm, Juli 2017

Stillleben

Orangen, Stillleben, Öl auf Acryl, 30*24 cm  Leinwand auf Keilrahmen

Orangen, Stillleben, Öl auf Acryl, 30*24 cm Leinwand auf Keilrahmen

Als ich meine zwei allerbesten Busenfreundinnen im April fragte, ob und welches Bild von mir sie sich jeweils wünschen würden, zeigten beide auf zwei kleine Stillleben, Ölfarbe auf Leinwand. Naturgemäß wollten sie aber natürlich nicht diese, sondern zwei eigens für sie angefertigte Bilder. Sie sei gespannt, was ich mir für sie überlegen würde, meinte A, was meinen eigenen Antreiber und Leistungspeitscher nicht unbedingt besänftigte.

Nun hatte ich ja während meiner Klinikzeit und noch lange danach keine Gelegenheit und auch nicht die Kraft für die Ölmalerei – abgesehen davon, dass ich ja noch nicht so lange male und meine Erfahrungen mit diesen Farben sowieso recht spärlich waren. So hatte ich entsprechend große Hemmungen, diese Farben wieder zu benutzen. Aber vor ein paar Wochen ist der Knoten geplatzt und so stehe ich immer wieder an der Staffelei und probiere mich an Stilleben aus.

Das hier gezeigte Bild war das erste Nachklinikölstillleben. Die Früchte gefallen mir gut, aber der Teller war eine Herausforderung . Das liegt auch an der besonderen Schwierigkeit, die die Lichtverhältnisse der Wohnung und die Verderblichkeit des Obstes bei gleichzeitiger langer Arbeitsdauer an einem Bild mit sich bringen. Die Beleuchtung so zu arrangieren, dass die Schatten annähernd ähnlich fallen, erschien mir unmöglich, nochzumal ich die Orangen ständig aß und durch neue, etwas anders geformte, ersetzte, damit sie nicht schimmelten (was mir tatsächlich einmal passiert war).

Ein erstes Bild, von dem ich denke, dass es auf die eine der beiden passt, ist bereits fertig und da ich denke, dass es schade ist, dass ich es bald hergeben muss, ist es wohl ganz ansehnlich, wenn auch nicht „perfekt“ geworden. Ich zeige es hier jetzt aber noch nicht, um bei den beiden die Vorfreude und die Spannung nicht zu verderben.