1-5-Minuten Skizzen

 

Weiter geht es mit den 1-5 Minuten Skizzen im Badezimmer, die Susanne Haun angeregt hat. Solange ich es noch nicht schaffe, mir andere Personen als Modell zu organisieren, muss eben weiter mein eigenes Gesicht zum Üben herhalten. Ich habe mit verschiedenen Zeichengeräten experimentiert und immer zwischen 1 bis 5 Minuten lang höchstens gezeichnet, was mein Perfektionsstreben drosseln sollte. Es gibt aber noch Luft nach oben.

Hier ein Zwischenstand mit einer Auswahl.

Eine Abwechslung tut allerdings not, eine Woche Woche lang Tag für Tag das gleiche Zeichenobjekt zu kritzeln auf Dauer wenig spannend (auch wenn die Ergebnisse nicht danach aussehen, als ob dieselbe Person Modell gestanden hätte) und so habe ich letzten Version spaßeshalber eine alte Brille aufgesetzt, die mein Gesicht sofort verändert hat. Ach, wenn sie mich auch in Natur so jung aussehen lassen würde, wie auf dieser Zeichnung geschehen …

Demnächst gibt es Mützen, Hüte, Sonnenbrillen und was meine Schubladen so hergeben. Und vielleicht findet sich auch mal wieder eine andere Person, die beim Zeichnen still hält.

 

Abgeguckt – Blind zeichnen

Susanne Haun hat sich gestern selbst gezeichnet. Blind. Also Augen zu und losgezeichnet. Wow!, dachte ich. Einige andere haben es ihr nachgemacht und selbst ausprobiert, hatten Spaß und durchaus sehenswerte Ergebnisse.

Wie könnte ich anders als da ebenfalls mitzumachen?!

Ganz ehrlich – ich finde meine Ergebnisse fast besser als so manche akribische genaue Zeichnung, die ich schon gemacht habe – und zwar wegen der großen Lockerheit, mit der ich an die Sache herangehen konnte.  Wenn man das Gute im absolut Schlechten sehen will, dann sind meine gleißenden Kopfschmerzen heute ebenfalls dafür hilfreich gewesen – sie blockieren nämlich mein Denkvermögen nahezu komplett, reduzieren meine Selbstkontrolle. Perfektionsstreben? Ach was, alles egal heute!

Meiner Stimmung entsprechend griff ich nach dem ersten Versuch mit einem weichen Grafitstift zu fetten Ölpastellkreiden, die sich schwungvoll über das Papier gleiten ließen.

 

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Agnes, blind gezeichnet, Grafitstift, 31.05.2017

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Agnes, blind gezeichnet, Ölpastell olivgrün, 31.05.2017

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Agnes, blind gezeichnet, Ölpastell blau, 31.05.2017

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Agnes, blind gezeichnet, Ölpastell rot, 31.05.2017

 

Danach zeichnete ich noch zwei flotte Badezimmerselbstportraits – mit dem Tag war heute sowieso nichts „Vernünftiges“ anzufangen. Diese Skizzen zeige ich dann aber erst später mit einer Auswahl der vielen anderen Selbst-Schnellskizzen, die ich die letzte Woche angefertigt habe.

Das Blindzeichnen war für mich eine sehr gute Erfahrung und ich habe es bestimmt nicht zum letzten Mal gemacht. Vielmehr scheint es mir eine gute Methode, um mich einzuzeichnen und dabei locker zu werden.

Ich, Agnes!

 

Die zurückgezogenen Tage um Ostern habe ich auch für eine Innenschau genutzt, bei der  mir das Zeichnen hilft. Wer bin ich? Wer blickt mir entgegen, wenn ich jeden Morgen in den Badezimmerspiegel blicke? Ich suche Zugang zu mir, Frieden mit mir. Zwiegespräch.  Ich bin weiter auf der Suche. Ich. Ich …

 

 

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Agnes, Selbstportrait. Ölkreide auf braunem Skizzenpapier A3, 15.04.2017

 

 

 

Selbstportrait

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Agnes am 5.10.2016, Graphitstift auf A4-Papier

Selbstportraits sind für mich eine Möglichkeit herauszufinden, wer und wie ich bin. Aus diesem Grund habe ich damals, vor zweieinhalb Jahren, überhaupt mit dem Zeichnen angefangen.

Sich selbst zu zeichnen oder zu malen ist ohnehin kein leichtes Unterfangen; vor dem Badezimmerspiegel in der Klinik aber eine noch größere Herausforderung. Insofern nehme ich es mir nicht übel, dass das Bildnis äußerlich nicht ganz gelungen ist.

Ich sehe in dem Bild eine ziemlich eigenwillige Frau, fast ein wenig angewidert schaut sie in eine unbekannte Ferne. Was sieht sie? Oder – was sehe ich, denn ich – Agnes – bin es ja. Ich weiß noch nicht, wohin mein – ihr Weg – mich führt.