Die Fremde im Spiegel

 

 

 

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Die fremde Dame. Selbst mit Samtmütze, A4 Aquarellpapier, Bleistift und Tusche, 01.02.2018

 

 

Im alten Kleiderkarton (siehe hier) fand ich auch meine alten Samtmützen. Wie so eine Kopfbedeckung verändern kann! Ich erkenne mich selbst im Spiegel nicht wieder. Noch ein bisschen Wimperntusche, Farbe auf die Lippen und vor mir steht eine Fremde.

Ich hole den Spiegel zum Tisch, setze mich in Position, nehme Papier und Bleistift. Später ziehe ich die Konturen mit Tusche nach und lösche die meisten Bleistiftlinien wieder aus. Wenn nur die Fremde mal still halten würde. Ständig bewegt sie den Kopf und ich kann einfach nicht mehr feststellen, in welchem Winkel sie in den Spiegel guckte. Beim nächsten mal markiere ich die Umrisse des Kopfes auf dem Spiegel, damit die Dame sich merkt, wie sie ihren Kopf halten muss.

Schreibe ich „beim nächsten mal“? Genau! Es werden weitere Bilder mit anderen Kopfbedeckungen folgen – schließlich bin ich die einzige, die immer Zeit für mich hat und mir geduldig Modell sitzt.

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Agnes guckt in den Spiegel und hört menschenverachtende Untergrundmusik

 

Jener, „Der“ Tag, an dem ich in den Spiegel sah, endete in keiner Katastrophe, bedeutete vielmehr Stärkung und einen symbolischen Neuanfang, wollte aber aufgrund anderer Umstände so gar nicht gefeiert werden. Das Leben nimmt halt manchmal einen Lauf, der sich nur mit Fäkalsprache angemessen beschreiben ließe. Ein einfaches „Scheiße“ reicht da nicht.

 

Habt Ihr auch manchmal das Gefühl, zu lieb, zu nett, zu duldsam zu sein? Und das dies oft nur noch einen weiteren Tritt in den Allerwertesten einbringt? Nein, ich will kein böser Mensch werden, aber ich will in manchen Situationen aufstehen können und sagen (oder schreiben): So nicht! Ich fange jetzt damit an.

Ich werde wohl dennoch auf ewig das bleiben, was manche als Gutmensch verlachen und verachten: Die, die immer darauf hofft, dass sich das Gute im Menschen zeigt, was konträr zu ihrem pessimistischen Blick auf den katastrophalen Zustand unserer Gesellschaft steht. Aber wenn ich so abwäge, bin ich froh, dass Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit bei gleichzeitiger Lebensgier und Lust (auch das nur ein scheinbarer Widerspruch) in mir einen so großen Raum haben, dass die Verbitterung noch keinen Platz gefunden hat. Und ihr, der Verbitterung, werde ich auch nie nie niemals Zutritt zu meinem Herzen gewähren.

Das verspreche ich mir.

Was hilft?

Nun, Funny von Dannen hört „Menschenverachtende Untergrundmusik“. Hat durchaus was befreiendes. Wenn Ihr auch laut mitgrölen wollt, findet Ihr z.B. >>hier<< den Songtext.

 

 

 

Beitrag 500 – Ich im Spiegel

 

Das also ist mein Beitrag Nummer 500. Ich staune – und staune auch wieder nicht über diese Zahl. Immer noch fühle ich mich im Vergleich mit vielen von Euch als Neuling in Bloghausen. Und dennoch kann ich mir das Bloggen inzwischen nicht mehr aus meinem Leben wegdenken.

Ich könnte lange Loblieder singen – auf Euch, auf den gemeinsamen Austausch, Anregungen, kreative Impulse durch MitbloggerInnen und KommentatorInnen. Auf Denkanstöße. Auch auf eine gewisse solidarische Gemeinschaft, die ich wahrnehme, insbesondere auch unter Menschen, die mit psychischen Erkrankungen leben müssen oder auch jenen, die Depressionen überwinden konnten. Das Bloggen ist eben keine Einbahnstraße und ist ohne Feedback nicht vorstellbar, jedenfalls für mich.

 

Aus Anlass dies kleinen Jubiläums heute seit langem mal wieder ein Selbstportrait.

 

 

 

 

1-5-Minuten Skizzen

 

Weiter geht es mit den 1-5 Minuten Skizzen im Badezimmer, die Susanne Haun angeregt hat. Solange ich es noch nicht schaffe, mir andere Personen als Modell zu organisieren, muss eben weiter mein eigenes Gesicht zum Üben herhalten. Ich habe mit verschiedenen Zeichengeräten experimentiert und immer zwischen 1 bis 5 Minuten lang höchstens gezeichnet, was mein Perfektionsstreben drosseln sollte. Es gibt aber noch Luft nach oben.

Hier ein Zwischenstand mit einer Auswahl.

Eine Abwechslung tut allerdings not, eine Woche Woche lang Tag für Tag das gleiche Zeichenobjekt zu kritzeln auf Dauer wenig spannend (auch wenn die Ergebnisse nicht danach aussehen, als ob dieselbe Person Modell gestanden hätte) und so habe ich letzten Version spaßeshalber eine alte Brille aufgesetzt, die mein Gesicht sofort verändert hat. Ach, wenn sie mich auch in Natur so jung aussehen lassen würde, wie auf dieser Zeichnung geschehen …

Demnächst gibt es Mützen, Hüte, Sonnenbrillen und was meine Schubladen so hergeben. Und vielleicht findet sich auch mal wieder eine andere Person, die beim Zeichnen still hält.

 

Abgeguckt – Blind zeichnen

Susanne Haun hat sich gestern selbst gezeichnet. Blind. Also Augen zu und losgezeichnet. Wow!, dachte ich. Einige andere haben es ihr nachgemacht und selbst ausprobiert, hatten Spaß und durchaus sehenswerte Ergebnisse.

Wie könnte ich anders als da ebenfalls mitzumachen?!

Ganz ehrlich – ich finde meine Ergebnisse fast besser als so manche akribische genaue Zeichnung, die ich schon gemacht habe – und zwar wegen der großen Lockerheit, mit der ich an die Sache herangehen konnte.  Wenn man das Gute im absolut Schlechten sehen will, dann sind meine gleißenden Kopfschmerzen heute ebenfalls dafür hilfreich gewesen – sie blockieren nämlich mein Denkvermögen nahezu komplett, reduzieren meine Selbstkontrolle. Perfektionsstreben? Ach was, alles egal heute!

Meiner Stimmung entsprechend griff ich nach dem ersten Versuch mit einem weichen Grafitstift zu fetten Ölpastellkreiden, die sich schwungvoll über das Papier gleiten ließen.

 

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Agnes, blind gezeichnet, Grafitstift, 31.05.2017
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Agnes, blind gezeichnet, Ölpastell olivgrün, 31.05.2017
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Agnes, blind gezeichnet, Ölpastell blau, 31.05.2017
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Agnes, blind gezeichnet, Ölpastell rot, 31.05.2017

 

Danach zeichnete ich noch zwei flotte Badezimmerselbstportraits – mit dem Tag war heute sowieso nichts „Vernünftiges“ anzufangen. Diese Skizzen zeige ich dann aber erst später mit einer Auswahl der vielen anderen Selbst-Schnellskizzen, die ich die letzte Woche angefertigt habe.

Das Blindzeichnen war für mich eine sehr gute Erfahrung und ich habe es bestimmt nicht zum letzten Mal gemacht. Vielmehr scheint es mir eine gute Methode, um mich einzuzeichnen und dabei locker zu werden.

Ich, Agnes!

 

Die zurückgezogenen Tage um Ostern habe ich auch für eine Innenschau genutzt, bei der  mir das Zeichnen hilft. Wer bin ich? Wer blickt mir entgegen, wenn ich jeden Morgen in den Badezimmerspiegel blicke? Ich suche Zugang zu mir, Frieden mit mir. Zwiegespräch.  Ich bin weiter auf der Suche. Ich. Ich …

 

 

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Agnes, Selbstportrait. Ölkreide auf braunem Skizzenpapier A3, 15.04.2017

 

 

 

Selbstportrait

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Agnes am 5.10.2016, Graphitstift auf A4-Papier

Selbstportraits sind für mich eine Möglichkeit herauszufinden, wer und wie ich bin. Aus diesem Grund habe ich damals, vor zweieinhalb Jahren, überhaupt mit dem Zeichnen angefangen.

Sich selbst zu zeichnen oder zu malen ist ohnehin kein leichtes Unterfangen; vor dem Badezimmerspiegel in der Klinik aber eine noch größere Herausforderung. Insofern nehme ich es mir nicht übel, dass das Bildnis äußerlich nicht ganz gelungen ist.

Ich sehe in dem Bild eine ziemlich eigenwillige Frau, fast ein wenig angewidert schaut sie in eine unbekannte Ferne. Was sieht sie? Oder – was sehe ich, denn ich – Agnes – bin es ja. Ich weiß noch nicht, wohin mein – ihr Weg – mich führt.