Hüllen

 

Nachdem ich Karfreitag unangenehm Triggerndes aber dennoch unabwendbar zu Erledigendes hinter mich gebracht habe, gönnte ich mir das restliche Osterwochenende viel Ruhe und Allein-Sein. Mit dem Handarbeits-Skill habe ich ein drohendes Stimmungstief recht gut abwehren können.

Aus diesem Anlass zeige ich hier ein paar meiner selbstgehäkelten Taschen, an denen ich zu großem Teil in der Klinik und später in der Tagesklinik gearbeitet habe.

 

 

Die kleine blau-graue Tasche hatte ich im Winter schon einmal gezeigt, ich habe dieses Wochenende allerdings den Henkel gekürzt und wieder angebracht und kleine Häkelblümchen befestigt. Die Hülle für mein A5-Skizzenbuch samt einiger Stifte ist in der Nach-Klinikzeit entstanden und jetzt am Wochenende endlich fertig geworden. Ich habe es innen mit altem schwarzen Stoff gepolstert, um nicht mit den Buchecken in den Häkelmaschen hängenzubleiben, einen Klettverschluss und große Druckknöpfe angebracht. So werde ich fortan mein Skizzenbuch immer gut geschützt bei mir tragen können – in welcher Tasche auch immer.

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Für die, die nachlesen möchten, was Skills sind, habe ich die Rubrik Psychikon eingerichtet, die ich nach und nach weiter füllen möchte.

Psychikon

 

 

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Weiße Blüten und Genusstraining

 

Bereits vor einer Woche hat mich ein kleiner Strauch mit seinen fliederähnlich duftenden Blüten in den Bann gezogen. Ich habe noch nicht herausgefunden, wie er heißt; vielleicht ist das aber auch egal. Als wir in der Klinik beim Genusstraining immer sofort herausfinden wollten, was wir denn da rochen, sahen, hörten, als wir analysierten, werteten und kategorisierten, versuchte unsere Therapeutin immer wieder uns in unserem Eifer zu bremsen: Nehmen Sie doch „einfach nur wahr“, ohne gleich zu werten und zu hinterfragen. Einach im Moment leben.

Der rätselhafte Strauch steht im Humboldthain, neben dem erst kürzlich errichteten Gedenkstein für dessen Namensvater, der wohl in Vorbereitung auf die IGA Berlin, die diesjährige Internationale Gartenausstellung, errichtet wurde.

Falls Ihr übrigens Ideen habt, um welchen Strauch es sich handelt: über eine Lösung des Rätsels wäre ich nicht erbost 😉

 

 

 

 

Engel

 

Hier eine Zeichnung, die ich vor zwei oder drei Wochen in der Tagesklinik angefertigt hatte. Ich hatte (habe) zwar meinen Speckstein zur Bearbeitung – hier der Beitrag dazu, ein späterer Eintrag zum „Ergebnis“ wird noch folgen – hatte aber zwischendurch immer wieder das Bedürfnis zu zeichnen. Wie ich bereits mehrfach schrieb ist das etwas, was ich momentan offensichtlich lebensnotwendig brauche, um bei Verstand zu bleiben.

Manche der Kritzeleien habe ich bereits entsorgt. Die Zeichnung „Engel“ habe ich aufbewahrt. Sie ist vielleicht nicht meine zeichnerisch-handwerklich Beste, aber für mich hat sie Symbolcharakter und steht in einem gewissen Sinn für einen Schritt im Prozess meiner Heilung. Wie genau, das kann ich gar nicht erklären. Zum Glück bin ich keine Kunstwissenschaftlerin und überlasse die Interpretation des Bildes getrost den anderen. Mag jedeR sehen, was er sehen möchte, will und kann.

Ich habe ohne konkreten Vorsatz zu zeichnen begonnen, was mir in den Sinn kam. Die Engel entstanden quasi von allein. Ursprünglich zeichnete ich mit Kohle, bis mich die Pastellkreide im Regal hinter mir rief, um die Farbakzente zu setzen.

 

 

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Engel, Kohle und Pastellkreiden auf A3-Papier, Tagesklinik, Januar 2017

 

 

Klandern

Wenn ich morgens aufstehe, bin ich eigentlich noch ganz gut beisammen, aber je näher ich der Klinik komme, um so mehr übernimmt das unreife Kind in mir die Kontrolle. Das „unreife Kind“ ist ein Terminus, den meine Therapeutin vorgeschlagen hat, denn eigentlich hätte ich das Kind „böse“, „ungezogen“, „trotzig“ genannt.

Um das Kind in mir etwas zu besänftigen, habe ich , bevor ich die Klinik betreten habe, einen neuen Skill ausprobiert – einmal um den Weißensee und auf jeder der zugefrorenen Eisflächen nach Herzenslust hin und her klandern. Kennt Ihr den Begriff? Ihr würdet schlittern dazu sagen.

Ich musste tatsächlich lächeln; schöne Erinnerungen kamen in mir auf an meine Zeit in Moskau, wo der Februar ein schöner Monat für mich war, wo ich sonntags kilometerlange Spaziergänge auf der zugefrorenen Moskva gemacht habe und mit meiner Zimmergenossin D im als riesige Eislauffläche umgestalteten Gorkipark Schlittschuhlaufen war.

Trotzdem sitze ich jetzt hier, bisher erfolgreich allen Mitpatienten aus dem Weg gelaufen, allein im Aufenthaltsraum, während die anderen nebenan zusammen sitzen und frühstücken.

Wie kann man nur trotz Depression so fröhlich schwatzen und kichern?, frage ich mich in diesen besonders soziophoben (soziopathischen?) Momenten immer. Klar, manche lenkt das ab von ihren düsteren Gedanken (während es in mir solche erst entfacht). Für manche ist Reden das, was für mich Schweigen ist. Wir hatten hier eine Weile eine Mitpatientin, der ich mich innerlich auf eine gewisse Weise sehr nah gefühlt habe, die Schweigen entsetzlich unerträglich fand und die auch in Gruppengesprächen nahezu zwanghaft das Wort ergreifen musste. Insofern weiß ich, dass mein „Spleen“ auch nur eine Variante unter vielen ist. Nur erscheinen Einzelgänger der Gemeinschaft eher als gruselige und gefährliche potentielle Gefährder als die leutseligen sympathischen Kommunikationssüchtigen.

Jetzt warte ich darauf, dass meine Gruppe hinauf zur Ergotherapie gegangen ist, um hoffentlich allein und ungestört zu essen und mich dann nachträglich in den Raum zu schleichen, um an der Werkbank – den anderen den Rücken zugekehrt – an meinem Stein zu feilen.

Was gäbe ich nur für eine Tarnkappe und undurchlässige Ohrenstöpsel.

In der Tagesklinik

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Tagesklinik, Skizzenblock A5, Bleistift, 31.01.2017

Diese kleine Zeichnung ist im Aufenthaltsraum der Tagesklinik entstanden. Dort treffen wir uns morgens zur Morgenrunde, um gemeinsam den Tag zu beginnen und hier findet auch der Tagesabschluss statt. In den Pausen kann man hier oder im Esszimmer nebenan sitzen – wo es manchmal lauter als auf einem Bahnhof zugeht. Wir haben außerdem einen kleinen Ruheraum mit ein paar Liegen für die Mittagspause.

Die Liegen nutze ich selbst gerade wenig, da ich bereits nach dem Mittagessen nach Hause gehen kann. Die Therapien und das ständige Zusammensein mit anderen Menschen haben mich letzte und vorletzte Woche an meine Grenze gebracht; mit der verkürzten Therapiezeit komme ich besser zurecht.

Ich könnte jammern und mich selbst anklagen, dass ich mein gesetztes Ziel, von morgens bis zum Nachmittag in der Tagesklinik durchzuhalten – nein, nicht nur „durchzuhalten“, sondern auch von der Therapie zu profitieren – verfehlt habe. Statt dessen trainiere ich mir eine positive Sicht auf die Dinge an: ich habe meine Grenzen gespürt und habe es sogar geschafft, das Thema in der Oberarztvisite anzusprechen und um eine Verkürzung zu bitten. Das war wahrlich eine große Überwindung. Und obwohl es mir sehr schlecht ging, bin ich fast jeden Tag dennoch in die Klinik gefahren. Zu guter letzt: angesichts der Schwere meiner grimmigen „Verstimmung“, in der ich mich fast als soziopathisch beschreiben würde, habe ich mich innerhalb kürzester Zeit wieder aufrappeln können und rede nun wieder mit meinen „KollegInnen“ aus meiner Therapiegruppe.  Wenn das kein Grund ist, mich auch einmal selbst zu loben 😉

Tagesklinik – ich und ich und ich

Nein, ich hätte nicht gedacht, dass die Zeit in der Tagesklinik einfach würde. Es war mir von Beginn an bewusst, dass diese Therapiezeit harte, kräftezehrende Schwerstarbeit werden würde.

Der rationale Teil in mir, das theoretisch denkende, analysierende, abwägende und wissende Hirn, versteht das und wundert sich keineswegs, dass mich die Tagesklinik derart erschöpft, dass ich mir zum Ende dieser Woche wie eine leere Hülle vorkam. Freitag, nach Therapieende, war ich mir nicht einmal sicher, ob ich den Weg von der Straßenbahn nach Hause bewältigen würde.

Kaum schaffte ich es die letzten Tage, abends einige Zeilen zu lesen. Der Computer blieb aus: Selbst kürzeste Blogartikel zu lesen schienen mir intellektuelle Überforderung. Das Klicken mit der Computermaus, um einzelne Blogbeiträge bei WordPress zu öffnen, wäre mir ein nicht zu überwältigender Kraftakt gewesen. Nicht mal eine simple Buchverlängerung in der öffentlichen Bibliothek – drei Klicks im Internet – konnte ich bewerkstelligen. Die Mahnkosten drohten Tauben Ohren. 

Der rationale Teil in mir zuckt mit den Schultern. Na klar, sagt mein Hirn-Ich, Therapie ist Arbeit, sicher bist Du müde davon. Denke an die erste Zeit in der Klinik. Da war es auch besonders schwer, mit der Zeit wurde es immer leichter. Verwunderlich wäre einzig, wenn Dich die Tagesklinik nicht erschöpfen würde. Dann würde sich nämlich in Dir nichts bewegen. Halte durch, mach weiter, warte ab. In einigen Tagen oder Wochen wird es leichter.

Das depressive Ich, das sich gern selbst beschimpft und bestraft, hebt dagegen den Zeigefinger. Siehst Du, flüstert es, Du schaffst es nicht, Du bist zu schwach, Du wirst es niemals schaffen. Du wirst Dein Leben lang von Depressionswelle zu Depressionswelle wanken, was auch im Du tust. Das depressive Ich schreit nach seinem Schneckenhaus, im dem es sich bin zu seinem Lebensende fern von aller Welt verkriechen möchte.

Das optimistische Ich will an Besserung glauben, erinnert das depressive Ich an seine leutselige Zwillingsschwester, die bunte Farben mag und gerne lauthals lacht. Die hat sich dieser Tasge zurückgezogen, hat der schwachen Kranken stillen Schwester den Raum gegeben, den diese offensichtlich braucht.

Das ungeduldige Ich will sofort Erfolge sehen. Wozu denn die ganze Anstrengung, wenn nicht endlich Belognung folgt.

Doch das rationale Verstandes-Ich weiß: Geduld, Geduld, Geduld. Weitermachen. Wer nicht an den Erfolg glaubt, wird unweigerlich scheitern.
Diese Woche sprachen wir in der Klinik davon: nicht nur wir Betroffenen sind ungeduldig, warum sich die Heilung nicht endlich nach ein paar Wochen (Monaten) Therapie einstellt. Oft fühlen sie sich auch vor Verwandten, Freunden und Bekannten unter Erfolgsdruck, die nicht lange Geduld für Trüblesigkeit und grauen Pessimismus haben. Allerortens wird heutzutage über Depression gesprochen. Aber dass die Heilung lang, sehr lang dauert –  mindestens einige Monate, wenn nicht gar Jahre, wird seltener erwähnt.

Unsere Gruppentherapeutin erinnerte uns an ein schönes Gleichnis:

Wer abnehmen und Muskeln aufbauen will, erwartet auch nicht nach ein paar Tagen Training, dass nun alles gut ist. Anfangs ist der Erfolg vielleicht gar nicht sichtbar. Lang anhaltendes geduldiges regelmäßiges Training sind notwendig. Bei manchen Menschen geht es leichter, bei manchen aber stellen sich die positiven Effekte nur sehr zögerlich ein. Manche dürfen nie mit dem Training aufhören, wollen sie Figur und Gewicht halten.
Wohldenn, auf in eine neue Trainingswoche!

 

Wieder Dienstag – und doch so anders

Zwischen den Jahren habe ich einen neuen Pfad auf meinem Therapieweg eingeschlagen. Nach einiger Zeit als Tagespatientin auf meiner alten Station bin ich seit heute Patientin in der Tagesklinik auf demselben Klinikgelände. 

Räumlich habe ich mich definitiv verschlechtert – aus den Fenstern der alten Station hatte man so einen herrlich weiten Blick. Ich habe die letzten Wochen so viele wundervolle Sonnenaufgänge beobachtet, wie kaum zuvor in meinem Leben. Nun bin ich wieder in Räumen in einem Erdgeschoss untergebracht – aus den Fenstern Blick auf Mauern und … auf Station 1(!!!). Dort hatte ich ja meine ersten, sehr unangenehmen Kliniktage Ende September bis Anfang Oktober verbracht.   

Zur Tagesklinik, dem Ablauf dort und den Mitpatienten kann ich noch nicht viel sagen. Konzeptionell arbeitet sie ähnlich wie meine ehemalige Station.

Natürlich empfand ich den Tag heute als extrem anstrengend. Der Stationswechsel ist mit Sicherheit für jeden Menschen aufregend und schwierig, um so schlimmer natürlich für Leute wie mich, die ich mich ja in menschlicher Kommunikation und Interkation sehr schwertue und nun also wieder in eine vollkommen neue Gruppe einfügen muss. Für meine Verhältnisse habe ich mich aber – würde ich sagen – recht gut geschlagen.

Ergotherapie gibt es auf in der Tagesklinik auch und ich habe heute ein neues Projekt angefangen. Ich will eine Figur aus Speckstein formen und habe mir dafür einen wunderschönen, an manchen Stellen fast durchscheinenden Stein ausgesucht, der aber nicht sehr einfach zu bearbeiten ist. Ich habe heute eine Stunde lang gesägt und bin einigermaßen ins Schwitzen gekommen. Dass ich dabei nicht weit voran gekommen bin, hat mich nicht gestört, was ich zu einem gewissen Teil auch meiner in den letzten Wochen neu gelernten Geduld zu verdanken habe. Statt mich über vergeudete Minuten zu ärgern, habe ich zunächst in aller Seelenruhe Stein für Stein angesehen, angefasst und in Form, Größe und Farbe geprüft, bevor ich mich dann endlich für „meinen“ Stein entschieden habe. Da ich gern intuitiv arbeite und spontanen Impulsen nachgebe, bin ich schon ziemlich gespannt, worin genau sich der Stein am Ende wird verwandeln lassen.  

Rückblickend hinein in die Zukunft

Im der letzten Woche ist in mir und mit mir so unendlich viel vorgegangen, dass ich fast das Gefühl habe, ich sei heute ein anderer Mensch. Der Vorhang, der so lange um mich herum hing, ist gefallen und es gelingt mir immer besser, mit anderen Menschen zu sprechen – zumindest mit meinen Mitpatienten hier, die ich die letzten Wochen ja kennengelernt und vor denen ich die Angst verloren habe. Das ist nicht nur für mich, sondern auch für andere spürbar, die mir das die letzen Tage auch so gesagt haben. Manchmal bin ich geradezu leutselig …

Es ist nicht so, dass es mir nun leicht fällt, mit anderen zu sprechen – es bleibt eine Hürde und es gibt auch darüber hinaus noch viel zu tun. Schmerzen erinnern mich täglich daran, dass ich noch immer krank bin. Auch weiß ich, dass Rückschläge kommen können, ja dass sie kommen werden und sogar vollkommen normal sind. Wichtig ist, dass ich mir mein momentanes positives Gefühl „einpacke“ und die Erinnerung daran für schlechte Zeiten aufbewahre.

Ich wieder mit einem gewissen Optimismus in die Zukunft. Es ist schon allein eine riesige Erleichterung, dass ich weiß, dass ich immer noch „kommunikationsfähig“ bin. Das ist ja auch wichtig für eine Reintegration ins Arbeitsleben.

Rückblickend kann ich sagen, dass mir die Zeit hier in der Klinik sehr geholfen hat. Zwar war der Anfang sehr schwierig, da ich ja auf der falschen Station gelandet war, die mir eher sogar geschadet hat. Ich hatte ja damals – es kommt mir so viele Jahre her vor – darüber geschrieben. Aber davon abgesehen bereue ich meinen Entschluss, in die Klinik zu gehen, nicht und würde auch niemandem sonst davon abraten, sich in stationäre Therapie zu begeben, wenn eine ambulante Behandlung nicht anschlägt.

Für mich beginnt morgen der nächste Schritt in ein „neues Leben“. Ich werde mein Klinikbett verlassen und die Nächte zu Hause verbringen. Aber tagsüber werde ich weiterhin an den Therapien teilnehmen können und müssen. Das macht für mich den Übergang vom stationären Aufenthalt zum selbstständigen Leben leichter, da sich tagsüber für mich zunächst wenig ändert und auch die gewohnten Pflegekräfte und die vertrauten Mitpatienten bleiben. Außerdem behalte ich ein Sicherheitsnetz – falls es mir wieder schlechter gehen sollte, könnte ich jederzeit wieder für ein paar Tage ganz hier aufgenommen werden. Ich kann nach vorn sehen, weil ich weiß, dass ich abgesichert bin.

Kommunikation mit Krückstock

Bei uns in der Klinik grassiert ein hoch ansteckendes Virus – das Häkeln und Stricken. Dabei können wir Suchtelnden uns immerhin darauf berufen, dass wir mit unserer Handarbeit gleichzeitig auch an unserer Genesung basteln: Gerade beim Strickenlernen oder aber beim Erfinden oder Nachstricken verschiedener Muster trainieren wir unser Gehirn, die Koordination und die Konzentration.

Zudem fördert Stricken und Co die Kommunikation untereinander. Mir hilft es ungemein, mit einer Strick- oder Häkelarbeit im Gemeinschaftsraum zu sitzen. Dann habe ich etwas, woran ich mich „festhalten“ kann, muss mich an keiner Unterhaltung beteiligen, weil ich ja etwas „tue“ und nicht nutzlos herumsitze. Aber ich kann mich jederzeit an Gesprächen beteiligen, was mir immer besser gelingt. Die Wolle und die Stricknadeln sind dabei meine kommunikativen Krückstöcke. Sicher ist die Situation für mich noch lange nicht normal und entspannt, aber Patienten, die mich momentan im Gemeinschaftsraum erleben, ahnen nicht, wie unangenehm für mich die Situation nach wir vor ist.

Mein letztes Handarbeitsprojekt war eine kleine gehäkelte Umhängetasche. Die Technik dazu habe ich mir bei einer Mitpatientin abgeguckt – nämlich beim Farbwechsel immer den nicht benötigten Faden mitverhäkeln. Das Muster habe ich nach Laune ausgedacht. Dementsprechend sieht die Tasche lange nicht „perfekt“ aus, aber funktionstüchtig ist die trotzdem.

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Meiner jüngsten Zimmernachbarin haben meine andere Mitbewohnerin und ich das Stricken beigebracht. Sie strickt nun mit Begeisterung und Freude an einem ersten eigenen Schal und hat sich dankenswerterweise dabei von mir skizzieren lassen – wieder mit dem Kugelschreiber, ohne die Gewissheit, jederzeit zu radieren und korrigieren zu können. Besonders der Körperhaltung und der Hände wegen eine Herausforderung für mich, aber Übung ist nie schädlich. Ich habe das Bild dadurch ein wenig zu retten versucht, dass ich einige Stellen einfach schwarz überzeichnet habe.

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Junge Frau beim Stricken, Szizze, Kugelschreiber auf A4 Papier

Mein aktuelles Strickprojekt ist ein Poncho mit Muster. Ein Poncho deshalb, weil man in Runden Stricken kann und daher keine Rückreihen hat. Wer von Euch sich mit dem Stricken auskennt, weiß, dass das bei Farbwechsel ungemein erleichtert. An dem Poncho werde ich noch viele Strickstunden meine Freude haben.

 

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