Stadt und Natur – Februarsonne. Endlich auch im Herzen

 

Die Februarsonne wärmt bereits kräftig, auch wenn die Temperaturen im Schatten noch frostig sind. Doch vor so manchem Straßencafé, Bistro und auch auf sonnigen Parkbänken lassen sich die Städter die Mittagssonne in die Gesichter strahlen. Der Senkgarten an der Schwedter Straße ist windgeschützt, aber leider dringt der Krach der Groth-Baustelle am Mauerpark hinunter und treibt mich weiter. Ich gehe den Mauerweg entlang bis zu den Kleingärten an der Bornholmer Straße. Hier freue ich mich an den ersten Frühblühern und staune über den kleinen Teich mit Quell und dicker Eisschicht.

 

 

Zum sonnigen Wetter passt, dass ich die schlimmste Angst- und Durststrecke überstanden habe. Die erste Behörde hat ihr Säcklein über mit ausgeschüttet und ich bin seit gestern Mietschuldenfrei; die schwarz-bedrohliche Wohnungslosigkeit ist abgewendet. Ich fühle mich leicht und frei. Ich muss niemanden mehr anpumpen, sondern kann sogar beginnen, erste Schulden zu begleichen. In der U-Bahn gebe ich den Sängern ein paar Münzen und ein Lächeln.

Gleichzeitig wetze ich die Messer und rüste zum Kampf. Eine neue fähige Anwältin ist gefunden, dem alten Bevollmächtigten wird mit der Kammer gedroht. Die Sache ist verwickelt, verquickt und kompliziert, aber jetzt, wo ich nicht mehr zu ertrinken fürchten muss, habe ich genug Elan für die letzte Strecke, die zu gehen ist.

Bald werde ich auch die Worte gefunden haben, um hier mehr davon zu schreiben. Zunächst noch Sprachlähmung: Ohnmacht, Wut, Entsetzen und auch einfach Ungläubigkeit, wie groß die sozialstaatlichen Gesetzeslücken sind und Menschen tatsächlich durchs Raster fallen gelassen werden, wenn sie nicht diesen oder jenen Kriterien entsprechen.

Erst aber werde ich ein paar Tage offline gehen und ein verlängertes Wochenende im Grünen mit meiner Mutter verbringen. Wir haben uns eine Auszeit redlich verdient.

Habt auch Ihr es wohl!

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Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 12

 

 

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Schließt sich der Kreis?, 28.01.2018, © Agnes Podczeck

 

 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

Nach zwölf Monaten nun ist das Projekt offiziell abgeschlossen. Es ist ein Jahr vergangen, der Januar fast vorbei und der Jahreskreis hat sich geschlossen. Die Bäume sind kahl, der Boden matschig, der Himmel zumeist grau. Dennoch lugen in diesem warmen Winter bereits die ersten Sitzen der Frühblüher aus dem Boden.

Auch „meine Baustelle“ ist gewachsen. Wenn es mir vor einem Jahr noch undenkbar schien, sind heute doch die ersten Wohneinheiten bewohnt. Doch vollendet ist die Baustelle noch lange nicht und für mich steht außer Frage, dass ich die Baustelle auch in Zukunft begleiten und dokumentieren werde.

 

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Die Fotografin bei der Arbeit, 28.01.2018

 

Insofern gibt es heute keinen Rückblick und Vergleich der Zwölfmonatsbilder. Ich habe eine derartige Menge an Aufnahmen, es gibt so viele Häuser, die gewachsen sind, dass es mit einem kurzen Abriss nicht getan sein wird.

 

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Heute hatte ich beim Fotografieren Begleitung, die mir eher vorsichtigem Menschen Mut zusprach und wir betraten das Gebäude der sogenannten Studentenappartments (Ihr erinnert Euch an die sündhaft teuren Zimmer, die Kapitalanlegern als profitable Renditenquelle angepriesen wird) – schließlich stand die Eingangstür einladend offen. Hm, ja, alles neu, chic, kühl. Der Waschraum mit Kicker und Sprühkunst an den Briefkästen noch das coolste. Lange Flure, die eben für solche Behausungen typisch sind. Sicherlich nicht das schlimmste, hier wohnen zu müssen – wären da nicht die eher studentenunverträglichen Mietpreise. Die Zimmer im Erdgeschoss vom großen Hof gut einsehbar, aber so weit geht mein Voyeurismus nicht, dass ich von außen in bewohnte und gerade auch benutzte Zimmer hineinfotografiere. Aus der oberen Etage dann ein Blick über die Häuser der Stadt bis hin zum bekannten Fernsehturm. Aus dem anderen Fenster lässt sich der rege S-Bahn-Verkehr beobachten.

 

 

Der Gebäudekomplex im Süden, dessen Fundamente letztens noch den Füchsen ein Versteck bot, wie ich im vergangenen Beitrag zeigte, ist weiter gewachsen, aber noch können Tiere aller Art hier Unterschlupf finden. Füchse sind mir aber heute leider nicht noch einmal begegnet.

 

Der Kindergarten, der an der Grenze zum Hof der Häuser der Graunstraße entstand, ist fast fertig. Offensichtlich richtet er sich auch schon an Eltern, die schon unter Einjährige in die Kita geben wollen oder müssen, so lässt der Blick durch das Fenster auf die Schlafkörbe vermuten. Apropos Fenster – für eine Kita hätten die doch auch größer sein können, oder? Macht das Bauwerk einen gemütlichen Eindruck? Na, hoffentlich wirkt es wärmer, wenn die ersten Kinder hier eingezogen sind und den Bau in Besitz genommen haben.

 

 

Später wird es zu den einzelnen Gebäudekomplexen mehrere Zugänge aus allen Himmelsrichtungen geben. Verständlich, dass jene, die ganz im Norden wohnen, keine Lust haben, immer eine große Runde um die Baustelle zu machen und so gibt es eben auch auf der Nordseite ein Schlupflocher bzw. Überstieg für jene, die entsprechend sportlich sind. Dann geht es noch ein wenig durch den Baustellenmatsch und flugs ist er oder sie zu Hause.

 

 

 

Soviel für heute von mir.

Dem Link zum  zwölften und finalen Beitrag vom Zeilenende empfehle ich Euch unbedingt zu folgen – dort findet Ihr seine Monatsblicke sowie die jeweilige Verlinkung auf die vielen spannenden Beiträge der anderen. Dir liebes Zeilenende meinen herzlichen Dank für die Inspiration. Erhole Dich gut :-)!

 

Und meine bisherigen Beiträge gibt es hier:

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 11

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 10

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 9

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 8

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 7

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 6

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Großmütterchen erzählt : die Legende vom veganen Pfeffersack, der den Regenwald schändete

 

Manche Diskussionen sind aufreibend mühsam und dennoch fruchtlos. Argumente werden zusammengetragen und ausgetauscht. Wir denken, wenigstens irgend ein Same der Erkenntnis hätte nun endlich in den Köpfen der beharrenden “Das War Schon Immer So”-Erklärenden festgesetzt. Aber manche falschen Glaubenssätze sind zäh und rollen wie der Stein des Sisyphos immer wieder zurück in die Hirne der Glaubenden. Ärgerlicher finde ich es noch, wenn die Beharrenden den Schuldspieß umdrehen und zeternd auf jene zeigen, die es anders als sie machen und wiederholt die gleichen unsachlichen Behauptungen aufstellen – aus welchen Gründen auch immer.

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Hat Sisyphos resigniert den Stein in die Ecke gekickt, der Welt den Stinkefinger gezeigt und die Sintflut um schnelle Erlösung angefleht?

Wohl nicht;

daher heute:

 

Aus der Mottenkiste:  drei vorsintflutliche “Argumente” gegen den Verzicht auf Fleisch und Milch – nur beispielhaft aus dem dem unendlichen Reigen an Vorurteilen gegen Veganerinnen und Veganer – aus aktuellem Anlass, weil gestern mal wieder Sgehört:

Veganer sind Regenwaldschänder

Nein, die Regenwälder werden nicht für uns Veganerinnen und Veganer abgeholzt, weil wir angeblich so viel Tofu in uns hineinstopfen. Vielmehr wird das Gros des angebauten Soja an Nutztiere verfüttert. Ohne Soja keine Massentierhaltung, denn ohne sojabasiertes Kraftfutter könnte unser Vieh gar nicht so billig und effektiv gemästet werden. Das Gegenteil dieser fest in den Köpfen sitzenden Behauptung ist also wahr.

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Bananen sind sowieso nie Bio

Bananen aus Übersee werden zwar nicht eingeflogen, kommen aber mit dem Frachtschiff, was natürlich trotzdem fraglos eine enorme Belastung für die Umwelt ist. Regionales Obst zu kaufen ist hier definitiv von Vorteil. Also sind Bananen sowieso nicht Bio, oder!? Dann kann man doch gleich die billigen konventionellen Früchte kaufen? Besser nicht, denn es geht hier auch und vor allem um die Chemikalien und die teils katastrophalen Bedingungen, denen die Arbeitskräfte auf den Großplantagen ausgesetzt werden. Warum wohl werden die weitgereisten Bananen teil für nur ein Drittel des Preises eines vor Ort gepflückten Apfels verkauft?

Ähnliches gilt übrigens auch für Schokolade, Kaffee usw.

Veganismus – ein Hype für Wohlstandsbürger

Ja, Bioprodukte kosten mehr als konventionell angebautes Gemüse und die können sich manche tatsächlich nicht leisten. Diese Menschen gibt es durchaus in unserer Gesellschaft und ich spreche hier nicht von der KlischeeHartzVI-Mutter, die sich ihr Haushaltsgeld nicht einteilen kann. Obwohl ich lange darüber sinnieren könnte, dass viele Arme in unserem Wohlstandsland nur deswegen nicht hungern und frieren müssen, weil anderswo Menschen noch viel schlechter behandelt werden (Arbeitsbedingungen – billige Klamotten, Billiggemüse aus Spanien – guten Appetit!)) bzw. auf Kosten der nachfolgenden Generationen Raubbau an Natur und Umwelt betrieben wird.

Auch ich kann derzeit meinen Lebensmittelbedarf nicht aus dem Bioladen decken (was mich weniger um meinetwillen stört, sondern vor allem weil ich regionalen biologischen Anbau gern mehr unterstützen würde (Schlagworte Glyphosat, Bienensterben, Arbeitsbedingungen der Landarbeiterinnen und Bauern, nachhaltige Bodennutzung, Vermeidung von Verpackungsmüll und und und). Viel diskutiert auch die Frage, wie viel uns unsere Ernährung wert ist und wert sein sollte.

Was ist das übrigens für ein fadenscheiniges Argument, dass man den ChinesInnen und InderInnen nicht vorschreiben kann, dass sie nicht unsere fatalen Ernährungsgewohnheiten übernehmen sollen, wenn doch es darum geht, sein eigenes Handeln zu hinterfragen. Warum wird mir vorgehalten, dass so viele Menschen auf der Erde hungern müssen und ich mir den Luxus erlaube, nicht alles essen zu wollen. Kurz gefragt: Soll ich mich aus Solidarität mit den Millionen Hungernden der Welt mit Billigfleisch vollstopfen, wo doch ein Teil des weltweiten Ernährungsproblems gerade auf einem zu hohen Fleischkonsum der relativ gesehen Wohlhabenden besteht?!?

Schlussendlich noch der Hinweis: nein, nein und nochmals nein – eine vegane Ernährung ist mitnichten teurer als eine Fleisch- und Milchbasierte (im Gegenteil – so behaupte ich!) – es sei denn man oder frau kauft diese ganzen Fleischersatzprodukte, die für eine gesunde und sättigende Ernährung absolut unnötig sind. Dass Veganer massenhaft Sojaschnitzel und Tofuburger konsumieren gehört wohl in die Kategorie der Mythen und Märchen.

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 11

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Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

Die zwölf Monate sind nun schon fast herum und mein Dezemberbeitrag zum Thema folgt aufgrund meiner Blogpause verspätet.

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Die neue Straße hinter dem Gleimtunnel ist bereits beschildert, 03. Dezember 2017

Das wäre nicht eigentlich ein Problem, wenn ich nicht doch auch zwischendurch immer wieder mit dem Fotoapparat auf Pirsch gewesen wäre und ich – der mir Entscheidungen zu treffen doch so schrecklich schwer fällt – aus den mehreren hundert Bildern jene auswählen musste, die ich Euch hier nun zeigen werde (ja, diese Anzahl hätte es zu Zeiten der analogen Fotografie, wo jeder Film und jedes Bild bares Geld kostete, nicht gegeben).

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Am Silvesternachmittag, noch vor der großen Knallerei

 

Als Fotokunst geben meine Bilder zwar wenig her, aber mich faszinieren die klitzekleinen und größeren Veränderungen, die sich da haben festhalten lassen. Und Veränderungen gab es einige: die Sozialwohnungen und die sogenannten Studentenappartements sind inzwischen bewohnt und so kann ich einen Teil der Baustelle inzwischen betreten.

Die neu zugängliche Straße verschafft mir eine ganz andere Sicht auf die neuen Fundamente, mit denen ich mich plötzlich auf Augenhöhe sehe. Fast fühle ich mich wie auf einer alten antiken Ausgrabungsstätte. Für mich absolut faszinierend, so durch wachsende Wände, Türen und Fenster hindurchzusehen.

 

Von einer etwas erhöhten Stelle wird sich dieser Baustellenteil auch gut beim Wachsen beobachten lassen:

 

Die Baustelle findet offensichtlich auch unter den Füchsen großen Gefallen. Auf meinem Spaziergang am 30.12. lag plötzlich ein Fuchs auf meinem Weg. Ich stoppte, wagte mich nicht zu rühren, um ihn nicht zu verscheuchen und er blieb liegen. Ihn störte auch nicht, dass ich später meinen Fotoapparat auf ihn richtete. Statt dessen tauchte sein Partner oder seine Partnerin auf.

 

 

Allein – sie hielten nicht still genug, dass sie ihn bei diesen dunklen Lichtverhältnissen gut fotografieren konnte. Die Filmfunktion leistete hier wesentlich bessere Dienste und so gibt es hier und auf Youtube ein kleines Fuchsfilmchen zu sehen. Ich bin ganz hingerissen mir wieder und wieder anzusehen, wie beide Tiere miteinander „sprechen“.

 

 

 

Und was gibt es sonst noch zu berichten?

Augenfällig ist: es stehen und arbeiten nur noch zwei Kräne statt der vier;

noch mehr Hausfassaden sind verputzt und Gerüste abgebaut. Die Nordseite der Baustelle sieht schon richtig „fertig“ aus. Nur die Natur wirkt inzwischen wieder genau so winterlich-grau wie im Februar vor einem Jahr.

 

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Unter dem  Beitrag vom Zeilenende aus dem November findet Ihr die vielen interessanten Links zu den Beiträgen der anderen.

Der aktuelle Post des Herrn Zeilenende ist >>HIER<< zu finden.

 

Und meine bisherigen Beiträge sind hier verlinkt:

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 10

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 9

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 8

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 7

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 6

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Bitte Aufladen!

20171212_Fensterkatzen

 

Dass mein Akku kurz vor Jahresende alle ist, finde ich nicht allzu erstaunlich. Deshalb genehmige ich mir bis zum nächsten Jahr eine Blogpause. Es geht kaum noch Input in mich hinein und auch das Schreiben ist mühselig.

Für einen Rückblick auf das Jahr 2017 brauche ich noch ein paar Monate Abstand. Es ist in mancherlei Hinsicht zu viel, in anderer aber zu wenig passiert; aber da ich nicht zerbrochen bin, will ich annehmen, dass ich daran weiter wachse und erstarke. Ein Triumph allein schon nur das eine – ich bin ohne erneuten Klinikaufenthalt durch dieses Jahr gekommen.

Bei manchen von Euch konnte ich  lesen, wie Ihr Euch auf das Weihnachtsfest freut und vorbereitet. Aber ich bin mir sicher, dass für viele andere die kommenden Feiertage mit Schmerz, Angst, Einsamkeit, Trauer und Verlustgefühl verbunden sind. Ich wünsche gerade Euch viel Kraft für die nächsten Tage. Bitte haltet durch!

Für mich hat sich in diesem Jahr die Vorweihnachtszeit endgültig mit negativen Gefühlen verknüpft – höre ich Weihnachten, denke ich an Armut, Ausgrenzung, Obdachlosigkeit. Vorbote war vielleicht, dass ich bereits in meiner Kindheit lang und heftig weinen musste, wenn ich das Märchen vom Mädchen mit den Schwefelhölzern las. Dieses beklemmende Gefühl ergriff mich auch die letzten Tage viel zu häufig.

 

 

Aber ich möchte die Bloggerei für dieses Jahr mit etwas Positivem abschließen und Euch auf Gerdas Kazakous aktuelle Legearbeiten hinweisen – wenn Ihr sie nicht selbst schon kennt (>>HIER<< und >>HIER<< geht es lang, wenn Ihr sie sehen wollt). Für mich sind diese Arbeiten überaus symbolhaft und ich wünsche mir, das kommende Jahr 2018 wird unter jenem Stern der Auferstehung stehen – für mich, aber auch für Euch, mit denen ich mich hier in der Blogwelt inzwischen vertraut und verbunden fühle. Und am liebsten für die ganze Welt, aber vielleicht sollte ich noch nicht nach allen Sternen greifen.

 

 

Jetzt ist dieser letzte Post des Jahres 2017 doch arg rührselig geworden. Wollte ich mich nicht kurz und knapp fassen und Euch einfach nur ein gesundes Wiedersehen im Neuen Jahr wünschen?

Von Herzen alles Gute

Agnes

Agnes guckt in den Spiegel und hört menschenverachtende Untergrundmusik

 

Jener, „Der“ Tag, an dem ich in den Spiegel sah, endete in keiner Katastrophe, bedeutete vielmehr Stärkung und einen symbolischen Neuanfang, wollte aber aufgrund anderer Umstände so gar nicht gefeiert werden. Das Leben nimmt halt manchmal einen Lauf, der sich nur mit Fäkalsprache angemessen beschreiben ließe. Ein einfaches „Scheiße“ reicht da nicht.

 

Habt Ihr auch manchmal das Gefühl, zu lieb, zu nett, zu duldsam zu sein? Und das dies oft nur noch einen weiteren Tritt in den Allerwertesten einbringt? Nein, ich will kein böser Mensch werden, aber ich will in manchen Situationen aufstehen können und sagen (oder schreiben): So nicht! Ich fange jetzt damit an.

Ich werde wohl dennoch auf ewig das bleiben, was manche als Gutmensch verlachen und verachten: Die, die immer darauf hofft, dass sich das Gute im Menschen zeigt, was konträr zu ihrem pessimistischen Blick auf den katastrophalen Zustand unserer Gesellschaft steht. Aber wenn ich so abwäge, bin ich froh, dass Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit bei gleichzeitiger Lebensgier und Lust (auch das nur ein scheinbarer Widerspruch) in mir einen so großen Raum haben, dass die Verbitterung noch keinen Platz gefunden hat. Und ihr, der Verbitterung, werde ich auch nie nie niemals Zutritt zu meinem Herzen gewähren.

Das verspreche ich mir.

Was hilft?

Nun, Funny von Dannen hört „Menschenverachtende Untergrundmusik“. Hat durchaus was befreiendes. Wenn Ihr auch laut mitgrölen wollt, findet Ihr z.B. >>hier<< den Songtext.

 

 

 

S-Bahn-Skizzen (14)

 

Viele Gedanken kreisen in meinem Kopf. Doch hier, vor dem PC, die Hände startklar über der Tastatur, wollen sie sich nicht in klare Sätze fassen lassen. Ich sitze. Regungslos. Schreibe, lösche aus. Sitze.

Wahrscheinlich sind der Gedanken schlicht zu viele; sie verweigern sich dem Korsett aus Textstruktur, Grammatik, Logik, Reihenfolge.

So zeige ich Euch hier nur meine S-Bahn-Skizzen von Montag. Passend zum Thema Armut und Wohnungsnot, das ja auch hier in der Blogwelt mancherorten diskutiert wird. Noch habe ich nicht alle Texte mit der gebotenen Aufmerksamkeit gelesen. Ich weiß zu diesem Thema auch und viel zuviel zu sagen. Bleibe stumm. Vorerst. Bis zur Eruption, die kommen wird.

 

Passend dazu auch der Post von Reiner über Kalkuliertes Ableben und den dazugehörigen Bericht über den Todesalgorithmus der Tagesschau-Seite.

Schauderhaft? Ja! Wundere ich mich? Mitnichten, denn ganz genau so scheint wohl unsre Welt zu funktionieren. Kostennutzen. Leistungseffizienz.

Kalkulieren, kalkulieren – doch nichts dabei kapieren.

Von Tagesschau.de hoppe ich zu anderen Berichten, die mich nicht fröhlicher machen. Bleibe bei einem Panorama-Beitrag aus dem Frühjahr hängen, der mir bestätigt, was ich längst ahne: Wer wenig hat, ist früher tot. Die Schere wächst weiter.

Das macht mich auch nicht fröhlicher als ich ohnehin nicht bin. Dann kann ich mir auch gleich ganz die Kante geben, und gucke in einen Panorama-Bericht über die Schöne neue Arbeitswelt. Wie gut, dass ich ohnehin seit Jahren nicht mehr Amazon-Kundin hin. Wenn ich Euch nur einen Rat geben darf:

Kunden lasst das Kaufen sein! Haltet selbst Euch dadurch klein.