I told you how to change the world

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Streetart am Berliner Mauerpark, gefunden am 2. Juli 2017, Artist: marycula

 

BewohnerInnen von Städten werden das Phänomen der als-Flaschenammelnde-meist-ältere-Menschen-sichtbaren Armut zur Genüge kennen und ich habe auf diesem Blog mehrfach erzählt, dass ich aus meinem Fenster direkt auf die Mülltonnen blicken kann und somit fast täglich mit diesem traurigen Anblick konfrontiert werde.

Ob nun Marx damals DIE richtige Antwort auf die auch damals schon heiß lodernde soziale Frage wusste, kann und soll in diesem Rahmen nicht beurteilt werden. Mit dem festen Vorhaben, es Kapitel für Kapitel gewissenhaft durchzuarbeiten, habe ich mir vor vielen Jahren „Das Kapital“ gekauft, muss aber zugeben, dass es neben anderen un- oder halb gelesenen Büchern noch immer im Regal auf meine ungeteilte Aufmerksamkeit wartet.

Immerhin, das Kommunistische Manifest las ich erstmals vor knapp dreißig Jahren:  als Siebentklässlerin habe ich im Nachwendejahr einen gewiss naiven Schulvortrag (frei gewählt) gehalten, in dem ich mich – hochernst! – mit der Frage beschäftigte, warum wohl der Sozialismus gescheitert sei. Ein Thema, das vielleicht nicht unbedingt typisch für ein Mädchen meines Alters ist, mich aber damals arg umtrieb. Als mein großer, kluger, belesener und von mir immer geschätzter, bewunderter und verehrter großer Bruder von dem Thema hörte, drückte er mir wortlos jenes kleine Büchlein in die Hand. Ich habe es gelesen, ernsthaft, mehrfach, und daraus zitiert – schon allein meines Bruders wegen, um ihm zu gleichen, ihm zu gefallen. Was mir schon allein ob des Altersunterschieds und der dementsprechend fremden Welten, in denen wir lebten (und leben) nicht gelingen konnte; und ob ich das Manifest damals wirklich verstand, möchte ich bezweifeln. Aber später trug ich lange Jahre dieses kleine rote Büchlein in meiner Schultasche – zusammen mit Maxi Wanders „Guten Morgen Du Schöne“, das ich leider eines Tages auf unserem Schulhof liegen ließ.

 

 

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Streetart am Berliner Mauerpark, gefunden am 2. Juli 2017, Artist: marycula

Andrea und der graue Westen

 

oder

Ein Wortschwall an Erinnerung

 

 

Als mich auf meinem sonntäglichen Fotospaziergang eine kurze Regenhusche überraschte, fand ich Zuflucht im Hausdurchgang eines dieser Häuser, die in den achtziger Jahren als Sozialbauten direkt der Grenze zum damaligen Ostberlin gebaut wurden.

 

Als ich aufsehe, erblicke ich ein Schild, das mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt. Erinnerungen schießen in mir hoch und tanzen Salto. Sie sind gekommen, um zu bleiben, wollen aufgeschrieben werden. Ich beuge mich jetzt; vielleicht auch deshalb, weil ich heute besonders rührselig bin, denn mein heißgeliebter Opa Schorsch wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Nun aber zurück zum Schild:

 

BALLSPIELEN VERBOTEN, Schild in einem Berliner Hausdurchgang

Ballspielen verboten. Schild an einer Hauswand im Berliner Wedding

 

Nein, es ist nicht so, dass ich selbst als Kind derartigen Beschränkungen unterlegen wäre – Ballspielen verboten. Im Gegenteil: vom vierten bis zum elften Lebensjahr – dem Spielplatzalter also – lebte ich in einem der früher allseits attraktiven und beliebten Plattenbauten in Halle Silberhöhe (in den Nachwendejahrzehnten als Silberhölle dann recht zügig in Verruf geraten). Die damalige Bewohnerschaft war jung, viele hatten Kinder. Spielen konnten wir überall. In meiner Erinnerung habe ich, meist unbehelligt von Erwachsenen, immerzu nach Herzenslust getobt, gekreischt und gelacht.

 

Zumindest in unserem Haus kannten sich die Bewohner und ich sehe mich immer noch wie selbstverständlich bei diesen oder jenen Nachbarn klingeln. Mein Kindheitsblick war ungetrübt und im Kindergarten hatte ich gelernt, wie schön sie ist, die DDR, wie kinderfreundlich, dass Brot so billig ist, dass wir alles haben, was wir brauchen, weil eben ‚bei uns der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt steht‘. Ich sah ‚unsere Soldaten‘ als Friedensengel und hoffte sehnlichst, dass sehr bald endlich auch im Westen der Fortschritt, der Sozialismus also, Einzug halten würde.

 

Nein, meine Eltern waren nicht besonders systemhörig, auch nicht oppositionell. Abends liefen ganz selbstverständlich zunächst die Nachrichten auf DDR 1 und dann die Tagesschau. Meiner Erinnerung nach wurde über Politik in meinem Beisein nicht gesprochen – erst 1989, als ich (inzwischen nahe der Mauer in einem Berliner Altbau lebend) zwölf war und mein politisches Interesse mit einem Paukenschlag erwachte.

 

Meine stramm rote Bildung und Erziehung bis zu jenem Wendejahr erfolgte in Kinderkrippe und Kindergarten, wo ich wie fast alle Kinder der DDR viel Zeit verbrachte, und später in der Schule. Als ich lesen konnte, kam neben der mündlichen Propaganda noch ein Buch hinzu, das meinen Blick auf den Westen langfristig prägte: „Andrea“ war der Titel und handelte von einem Mädchen in Österreich und von ihrem Alltag. Ich habe mir nur jenes gemerkt: sie durfte nicht auf ihrem Hof spielen; der Hausmeister hatte ein Schild aufgestellt: „Ballspielen verboten“. Sämtliche Fotos in diesem Buch waren schwarz-weiß und so hatte ich – ja, schmunzelt nur, ihr LeserInnen mit Westhintergrund – die Vorstellung, der Alltag im Westen sei grau, trist und nur die Werbung bunt; aber die beworbenen Produkte könnte sich die Arbeiterklasse sowieso nicht leisten. Ich hatte Mitleid mit dem österreichischen Mädchen und allen Kindern im westlichen Ausland und war froh in einem Land zu leben, in dem ich überall spielen durfte. Dass Ballspielen auch in der DDR nicht überall erlaubt und so manches andere auch verboten war, kam mir zu jenem Zeitpunkt überhaupt nicht in den Sinn.

 

Dieses trübe Kapitalismusbild wurde nur noch durch eines gesteigert: durch einen Artikel in der Pionierzeitung „Trommel“, den ich in der dritten oder vierten Klasse las; über ein Mädchen in den USA, dass unnötigerweise sterben musste, weil ihr Vater für sie keine Krankenversicherung hatte und sie deshalb kein Krankenhaus aufnehmen wollte. Das machte mich damals unheimlich traurig und mir zugleich eine riesige Angst vor dem Kapitalismus und Amerika.

 

Von hier aus könnte ich noch einen sehr sehr langen Bogen schlagen – über Gesellschaft, Weltpolitik, Sozialpolitik im Allgemeinen, Löcher und breite Spalten im Sozialen Netz auch dieses unseres doch sehr reichen bunten Landes, durch die zu fallen leider eine Menge Menschen die Erfahrung machen müssen. Aber dieser Beitrag ist schon länger als geplant geworden, wollte ich doch eigentlich nur die Anekdote meines Kinderbilds vom Westen erzählen, wie sie mir am Sonntag, im tristen Hof der Exsozialbaus, wieder in den Sinn kam.

 

Zur bildlichen Untermalung drei Fotos, die ich bei einer Stippvisite zusammen mit meiner Mutter in meiner alten Heimatstadt im April 2012 machte. Wie immer öffnet sich die Bildergalerie, wenn Ihr eines der Bilder anklickt.

 

 

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Meine Kindheitsstraße gibt es noch. Nicht selbstverständlich, denn in diesem Viertel wurden im Zuge des StadtUMbaus Ost eine ganze Menge Häuser RÜCKgebaut. Diese Aufnahme machte ich bei einer Stippvisite in meiner alten Heimatstadt im April 2012.

 

Die Schule, die ich die ersten zwei Jahre lebte, gibt es inzwischen nicht mehr. Angesichts der riesigen Abwanderung aus der Region mangelte es einfach an Bedarf.

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentieren werde.

 

 

Die letzten drei Fotosonntage strahlte die Sonne hell am tiefblauen Himmel. Heute ist es wolkig. Zwischendurch lugt die Sonne hervor, manchmal huscht ein kurzer Regenguss hernieder. Das Farbenspiel am Himmel und die Wolkentürme faszinieren mich. Ich könnte den ganzen Tag auch nur das blau-weiß-grau und blaue Wechselspiel beobachten.

Die Kräne der Baustelle sind schon von weitem zu sehen. Inzwischen ist auch eines der Häuser so hoch, dass man es vom Mauerpark aus sehen kann. Entdeckt Ihr es?

 

Sonntags im Mauerpark, Blick Richtung Norden zur Groth-Baustelle

Sonntags im Mauerpark, Blick Richtung Norden zur Groth-Baustelle

 

Die Baustelle wächst und wächst. Von der Swinemünder Brücke aus sind teils Gerüste, teils auch fertige Fassaden zu erkennen. Mangels Sonnenschein am Abend hier keine Kranlandschaft im Abendrot, aber die heutigen Lichtverhältnisse haben mich zu einem anderen Schattenspiel inspiriert.

 

 

Die Baufahrzeuge, Kräne, Bagger, Raupen und Betonmischer, fressen sich immer weiter Richtung Süden. Neue Fundamente für weitere Gebäude wurden gelegt, weitere Betonwände sind errichtet. Die hintere Gebäudereihe sieht von außen teilweise fast fertig aus. Das Immobilienbüro, dass mit der Verscherbelung der teuren Wohnfilets beauftragt ist, lässt seine Flaggen und Banner wehen. Heute ist „Open house event“ und eine Maklerin lädt Interessierte zur Besichtigung ein. Zum Schutz der Beteiligten fotografiere ich nur von weiten, so dass keine Gesichter erkennbar sind.

 

 

 

 

Abgesehen von einem Graffito an der Hauswand ruht die Baustelle in Sonntagsruhe und Frieden. Auf der Weddinger Seite, am Büro der Groth-Gruppe, stellt sich ein ganz anderes Bild dar. War vor vier Wochen die Scheibe des repräsentativen Büros nur durch einen Steinwurf demoliert, springen mir heute gleich mehrere Einschläge ins Auge. Die Groth-Investmentgruppe hat sich wahrlich wenig Freunde gemacht. Aber wer damit wirbt, eine Stadt „erobern“ zu wollen, darf sich wohl nicht wundern, auf Widerstand zu treffen. „So Berlin“ ist das also.

 

 

 

Und hier, zum Abschluss, der Link zum Beitrag des Initiators der Blogparade, zum Herrn Zeilenende. Die Beiträge der anderen sind dort verlinkt.

 

Meine früheren Beiträge zu diesem Thema:

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Sternfahrt

 

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Wasserspiele (c) Agnes Podczeck 2017

 

Nun, es gab bisher wenige Tage in meinem Leben, an denen es mir zu heiß war.

Noch seltener waren die Tage, an denen ich zugegeben hätte, dass es ruhig ein paar Grad kälter sein dürfte.

Vielleicht werde ich mich morgen aber nach ein paar kühlen Wassertropfen sehnen, denn ich möchte bei der Fahrradsternfahrt mitmachen. Was für ein großer Traum: einmal ohne Autolärm und Gestank durch Berlin radeln und über die Autobahn düsen – – – das noch für einen guten Zweck, als Statement und Aufruf zum Umdenken in der Verkehrspolitik.

Hier der Link zu Aufruf und Streckenplan des ADFC.

 

 

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentieren werde.

Groth_PlanIUD26.3.2017BG

Einmal rund um die Baustelle, Standorte der Fotoaufnahmen

Vier Monate sind seit Projektbeginn bereits vergangen und es hat sich einiges verändert. Unverändert jedoch der blaue Himmel, der heute wie auch vor vier Wochen strahlte. Da ich die große Baustelle aber von allen vier Himmelsrichtungen aus zeigen will und vermeiden wollte, wegen Gegenlichtes wieder Schwierigkeiten bei den Aufnahmen zu haben, machte ich die erste Bild zu Station 1, von der Behmbrücke aus Richtung Baustelle, Mauerpark und Fernsehturm, bereits gestern im Abendlicht.

Station 1 / Blick vom Schwedter Steg/Behmbrücke am 27.5./am 30.4./am 26.3./am 28.2.2017

An Station 4 traue ich mich heute morgen wieder, auf ein kleines Mäuerchen zu steigen und einen unmittelbaren Blick auf die Baustelle zu erhaschen. Auf Höhe des Gleimtunnels (Station 5) ergibt sich ebenfalls noch einmal ein freier Blick auf die Baustelle.

An Station 6 prangt immer noch die Werbung der Groth-Gruppe, auch wenn die Baustellenverwaltung vor einigen Wochen ausgezogen ist, um den Bauarbeiten Platz zu machen.

Die augenfälligsten Veränderungen werden aber von Station 7, also beim Blick in Ost-West-Richtung, sichtbar. Die Baustelle frisst sich immer weiter Richtung Süden und weitere Fundamente für neue Häuser wurden ausgehoben.

So sah es vor einem Monat aus:

Immernoch strahlt das Werbeplakat, das mit Renditen auf Wohneigentum wirbt, hell und unversehrt. Inzwischen denke ich fast, dass es doch zwischendurch bestimmt wenigstens beschmiert, wenn nicht gar mit einem kritischen Spruch versehen wurde, aber bestimmt so schnell durch ein blendend neues Plakat ausgetauscht wurde, dass mir die Schmierereien entgangen sind. Ich werde es wohl nicht erfahren.

Dass die Baustelle unbeliebt ist, zeigt sich an einem anderen Ort, den ich bisher noch gar nicht auf meinem Plan hatte, sehr deutlich. Auf auf der Gleimstraße, jenseits des Gleimtunnels Weddinger Seite, hat die Groth Gruppe ihr neues schickes Büro, das auch potentielle Einleger und Käufer locken soll. Wenig lockend ist die eingeschlagene Fensterscheibe, die von Frust und Aggressionen zeugt.

Zum Beitragsende hier noch eine Skizze, die ich gestern Abend während meines Fotoausfluges auf der Behmstraße anfertigte.

20170527_Panorama

Die Verlinkungen zu den anderen Beiträgen reiche ich nach. Der Link zum hoffentlich genesenden Zeilenende hier noch einmal.

Meine alten Beiträge verlinken jeweils zu den Beiträgen der vielen anderen Teilnehmenden. Heute habe ich nicht die Muße, die Links zu aktualisieren. Das werde ich zu gegebener Zeit nachholen.

Für Euch einen guten Start in den Juni.

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Ziegenaugen

 

An die Groth-Baustelle, über die ich im Rahmen von Zeilenendes Foto-Jahresprojekt berichte – grenzt der Kinderbauernhof Moritzhof mit seinen Hühnern, Schweinen, Ziegen, Schafen, Kaninchen und zwei Ponys. Diese Tiere sind, so fürchte ich, gerade diejenigen, die von den Bauarbeiten am härtesten betroffen sind, müssen sie doch, an Ort und Stelle im Stall ausharren und können nicht, wie die Anwohner, einfach die Fenster schließen oder tagsüber im Büro vom Lärm eine Auszeit haben.

Der Moritzhof wird auch im Kiez mit neuer Nachbarschaft bleiben dürfen. Möge – wer oder was auch immer behüten – dass sich die wohlbetuchten neuen Anwohner nicht über krähende Hähne beschweren und es dem Bauernhof besser ergeht als manchen traditionsreichen Clubs, die weichen mussten, nachdem in deren Nachbarschaft Wohneigentum entstanden war.

***

Früher war ich mit meinen Kindern öfter auf dem Moritzhof, habe Ziegen auch schon zuvor  mehrmals aus der Nähe gesehen. Und dennoch ist mir neulich erst aufgefallen, dass die Pupille einer Ziege waagerecht ist. Das macht natürlich Sinn, schließlich muss sie als Fluchttier stets einen guten Rundumblick haben.

Die Gärten der Nachbarn

 

Am Dienstag zeigte ich Euch, was mir meine Wohnstraße so liebenswert macht und nahm Euch mit auf einen kleinen blumigen Nachbarschaftspaziergang.

Noch viel schöner fast ist meine Nachbarstraße, die breiter und damit viel heller, aber als Sackgasse genauso ruhig ist. Der Anblick der vielen Blumenkübel, die von den Bewohnerinnen und Bewohnern aufgestellt und bepflanzt werden, lässt mich vergessen, dass ich Stadt eigentlich gar nicht mag. Sogar die abgeblühten Pflanzen und die Wildkräuter sehen reizend aus.

 

Idyllisch, oder?

Das finden leider nicht nur wir Bewohner, sondern auch so mancher auch berüchtigter Investor wittert und findet ein gutes Geschäft. Drastische Mieterhöhungen, Umwandlung von Miet- in Wohneigentum und Verdrängung der alten Mieter (die natürlich längst nicht mehr jene sind, die hier im ehemaligen Grenz- und Sperrgebiet bis zu Wende lebten, aber das ist noch ein ganz anderes Thema) bleiben auch hier nicht aus. Wenn die Bebauung der eigentlich als Mauerparkerweiterung vorgesehenen Großbaustelle des Investors Groth Gruppe abgeschlossen ist, wird das kaum zu einer Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes führen, sondern wohl vielmehr zu einer Anpassung der Mieten weiter nach oben.

Nicht alle nehmen die gewollte Verdrängung und Privatisierung wortlos hin. Jene von Euch, die es interessiert, kann ich die Unterstützung eines Langzeitfilmprojektes sehr ans Herz legen, das den (manchmal leider auch erfolglosen) Widerstand von Menschen im Berliner Prenzlauer Berg gegen Verdrängung, Privatisierung und Luxusbebauung dokumentiert. Es geht unter anderem auch um die Initiative 100 % Mauerpark, die sich sehr engagiert aber leider vergeblich gegen das Großbauprojekt der Groth Gruppe einsetzte, aber auch um den Kampf David gegen Goliath einer inzwischen ehemaligen Hausgemeinschaft gegen einen mit allen Wassern gewaschenen geschäftstüchtigen Investor in meiner direkten Nachbarschaft.

Zur Homepage des Filmprojektes geht es hier.

Es gibt dort bereits einen Filmausschnitt zu sehen. Leider fehlen, wie dort auch zu lesen ist,  für die Weiterführung des Projektes gerade die finanziellen Mittel. Vielleicht hat ja die eine oder der andere von Euch Interesse und Möglichkeit zur sicher lohnenswerten Unterstützung.

 

Den unaufhaltsamen Fortschritt der Bauarbeiten der Groth Gruppe am Mauerpark dokumentiere ich jeweils am letzten Sonntag im Monat im Rahmen von Zeilenendes Foto-Jahresprojekt.