Hüllen

 

Nachdem ich Karfreitag unangenehm Triggerndes aber dennoch unabwendbar zu Erledigendes hinter mich gebracht habe, gönnte ich mir das restliche Osterwochenende viel Ruhe und Allein-Sein. Mit dem Handarbeits-Skill habe ich ein drohendes Stimmungstief recht gut abwehren können.

Aus diesem Anlass zeige ich hier ein paar meiner selbstgehäkelten Taschen, an denen ich zu großem Teil in der Klinik und später in der Tagesklinik gearbeitet habe.

 

 

Die kleine blau-graue Tasche hatte ich im Winter schon einmal gezeigt, ich habe dieses Wochenende allerdings den Henkel gekürzt und wieder angebracht und kleine Häkelblümchen befestigt. Die Hülle für mein A5-Skizzenbuch samt einiger Stifte ist in der Nach-Klinikzeit entstanden und jetzt am Wochenende endlich fertig geworden. Ich habe es innen mit altem schwarzen Stoff gepolstert, um nicht mit den Buchecken in den Häkelmaschen hängenzubleiben, einen Klettverschluss und große Druckknöpfe angebracht. So werde ich fortan mein Skizzenbuch immer gut geschützt bei mir tragen können – in welcher Tasche auch immer.

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Für die, die nachlesen möchten, was Skills sind, habe ich die Rubrik Psychikon eingerichtet, die ich nach und nach weiter füllen möchte.

Psychikon

 

 

Sonja

Sonja ist Therapiekatze in mehrfachen Sinne. Ich habe sie in der Ergotherpie angefertigt: entworfen, Stoff gekauft, zugeschnitten, genäht und verziert. Dabei habe ich meine Ungeduld besiegt, bedächtiges Arbeiten und planvolles Vorgehen geübt sowie den Umgang mit der Nähmaschine (wieder) gelernt. Vor allem aber weiteres Zutrauen in mein Können gewonnen.

Zudem freue ich mich richtig, dass Sonja endlich fertig ist, bin gerade richtig zufrieden und stolz. Ich freue mich auch schon darauf, Sonja zusammen mit meinen anderen Handpuppen zu spielen und in mein Puppentheaterkollektiv einzuführen.

Schüsseln

Heute endlich waren die Schüseln fertig gebrannt, die ich in der Ergotherapie geformt und bemalt habe und ich konnte sie mit nach Hause nehmen. Zur Feier des Abends gab es leckeren Gemüseeintopf, der aus den bunten Schalen herrlich schmeckte.

Frau Perfektionismus in mir hat an den Schüsseln natürlich das eine oder andere zu mäkeln, aber dafür, dass ich so etwas noch nie zuvor gemacht habe und das Zeichnen mit Engobenfarben auf Ton ganz etwas anderes ist als auf Papier oder Leinwand, sind sie doch gar nicht so schlecht geworden. Eines ist sicher: sie sind gar nicht so schlecht geworden und auf ihre Art einmalig.

Demütige Freude

Nachrichten zu sehen, zu hören oder zu lesen, versuche ich immer noch auf ein Minimum zu reduzieren; ich schaffe es nicht, mich genügend davon abzugrenzen. Wie geht es Euch damit?

Trotz Krankheit, Leid, aller schlechter Erfahrungen, die ich hinter mir habe und trotz Stress und Ärger, der mir noch bevorsteht, will ich für ein paar Augenblicke innehalten, um in Dankbarkeit und Demut einmal auf die positiven Dinge zu blicken, die mir  zuteil werden:

darauf, dass ich in einer eigenen Wohnung in Wärme sitze,

dass ich ein einem Land lebe, in dem – trotz aller kritikwürdigen Löcher – , ein soziales Netz besteht und ein Gesundheitssystem, in dem ich Hilfe bekommen habe und weiter erhalte,

dass mein Magen gefüllt ist und

dass ich in einem Land ohne Krieg und Verfolgungen leben darf.

 

Ich bin auch dafür dankbar, dass ich mich jetzt auf ein kreatives Wochenende freuen kann.

 

Nachdem ich in der Ergotherapie in der Klinik Frieden mit Nähmaschinen schließen konnte, habe ich gestern meine eigene alte Nähmaschine wieder hervorgekramt. Ich hatte mir vor vielen Jahren mal ein richtig gutes Gerät gekauft, dann aber ziemlich arg mit ihm zerstritten.

Wie kann man mit einer Nähmaschine in Streit geraten? Nun, wenn der Mensch, der mit der Maschine arbeitet, ungeduldig ist, immer alles sofort anfangen und im gleichen Atemzug fertigstellen will, flink und rasch, dabei aber gern auch spontan und flexibel sein will, die Maschine aber eine Diva ist, die Geduld erwartet beim Faden einfädeln, Spulen einlegen und Fäden spannen, dann sind gewisse Dissonanzen vorprogrammiert. Mehrere Jahre hatte ich die Maschine dann meiner lieben Freundin A. geborgt, die sie mir aber zurückgab, als sie aus Berlin wegzog.

Nun also bin ich älter geworden, geduldiger, übe mich in langsamem Arbeiten ohne Hektik und Eile. Meine gute alte Nähmaschine und ich starten einen neuen Versuch der Zusammenarbeit. Ich habe Stoff gekauft und einige Ideen für Basteleien. Neben mir eine Kanne mit gutem schwarzen Tee, den ich mit Garam Masala gewürzt, Zitronensaft einem Hauch Apfelsüße abgeschmeckt habe. Das duftet, wärmt und schmeckt ganz wunderbar.

 

 

 

brennender ehrgeiz

brennender ehrgeiz

mit dem malen und zeichnen habe ich vor drei jahren angefangen, als ich vor schwäche und schmerzen nichts anderes tun konnte, als strich neben strich zu krakeln.

 

früher, in der schule, fand ich den kunstunterricht schrecklich. wahrscheinlich lag es am lehrprogramm, an den lehrerinnen und lehrern. viel besser wird es heutzutage an den schulen oft nicht sein.

 

heute aber, in den zeiten der dunkelheit und isolation, hilft mir das malen. manchmal möchte ich tagelang gar nichts anderes tun, empfinde meine sowieso schon nutzlosen tage als vergeudet, wenn ich nicht wenigstens eine kleinigkeit gekritzelt habe.

 

ich habe geübt und geübt, um immer besser zu werden,

um meine gefühle und gedanken in bilder fassen zu können;

um meine seele abzubilden;

die depression zu versinnbildlichen,

und die angst. mal als wolke, mal als schwarze hand. das bild des schwarzen hundes aus dem roman von kohlmeier gefällt mir auch sehr gut.

 

noch fällt es mir schwer, die bilder, die ich im kopf habe, auf papier oder leinwand zu bringen.

 

noch schlimmer aber: ehrgeiz, leistungswahn und perfektionismus haben meinen schönen zeitvertreib eingeholt. ich vergleiche mich mit anderen, natürlich nur mit jenen, die viel besser sind als ich; hadere mit mir, dass ich niemals perfekt sein werde; zweifele – ja, verzweifele – an mir und denke, ich solle die finger von der malerei lassen – weil ich ja doch nie die perfekte meisterin der kunst sein kann, die ich sein will.

 

natürlich weiß ich – theoretisch – schon sehr lange, dass es nicht darauf ankommt, immer die beste zu sein, alles besonders gut und hervorragend zu machen; dass es manchmal wichtiger ist, einfach nur zu machen, mit herz und seele dabei zu sein.

 

aber bis diese erkenntnis auch im inneren, tief in der seele, angekommen ist, wird es noch ein weiter weg sein.

 

schwarzes zimmer

kinderzimmer

kinderzimmer