dunkle lyrik

august

 

august hat begonnen,

verdammt und verflucht sei die zeit!

der sommer ist durch mich hindurchgeronnen;

ich war doch noch nicht mal zum frühling bereit.

noch ist es angeblich schön.

die sonne scheint wohlig und warm

ein lauer wind rauscht durch die blätter

und pärchen flanier’ n arm in arm.

der tiergarten strahlt saftig, grün,

motorenlärm stört nur von fern.

die eitle sonne, gespiegelt im wasser –

ich sah das doch früher so gern.

familie graureiher sitzt traut am ufer

die kleinen noch flauschig und süß

doch bald sind verlassen die alten,

weil das leben doch fortschreiten muss.

die anderen menschen, die fernab von mir

und meiner dunkelheit leben,

erstrahlen vor glück über den tag.

ich aber sitze und grolle hier,

auch weil ich die schönheit des lebens

nicht zu spüren vermag.

halt!, will ich rufen, zeit, halte still,

weil ich für immer hier sitzen will

und blicken aufs wasser

und lieben und leben.

doch hohn und spott sind nur übrig für mich.

suhlen im selbstmitleid? fürchterlich!

wie verachte ich mich doch dafür,

doch liegt mir das in der natur.

die schönheit des lebens

ist folter für mich.

die stiche der rostigen nadeln geh ‘n mitten ins herz.

nicht, dass ich nichts fühle,

denn ich fühle den schmerz

und die wehmut.

ich fühle, nichts wird mehr gut.

noch ist es warm, doch bald ist ’s vorbei:

die blätter verkünden mir das mit schrillem geschrei

– bald kommt das ende.

ich war noch nicht mal zum frühling bereit,

da ist schon der sommer durch mich hindurchgeronnen.

bald hat der herbst begonnen.

verdammt und verflucht sei die zeit!

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2 Kommentare zu „dunkle lyrik

  1. So ehrlich, Dein Anfang, und so warm, wie Du beobachtest in der Folge. Wenn man so will, sind wir ja alles, über was wir schreiben. Du bist nicht nur der rostige Nagel, sondern auch das Pärchen oder die Graureiherküken, der laue Wind und der Tierpark.
    Sonst fändest Du nicht die Worte dafür.
    Ich glaube, dass Gefühl kennt jeder, dass er sich den Knopf wünscht, der ihn nicht nur aus diesem Leben, sondern aus dem Leben überhaupt katapultiert. Ich war ganz erstaunt, dass mein alter Arzt – er ist einiges über 70 – mir sagte, als ich ihm von diesem Gefühl erzählte, das habe er über Jahrzehnte gehabt.

    Vergehen ist ein Segen.

    Und vielleicht ist der Strahl des Glücks, von dem Du schreibst, außerhalb der Zeit. Irgendetwas in uns weiß das.

    Trotz allem wünsch ich Dir wärmende Plätzchen für den Winter.

    Gefällt 1 Person

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