Die Weisheit der Wölfe

 

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Manchmal bietet das Leben auch wunderschöne Wendungen. Nachdem Belana Hermine letzte Woche „Die Weisheit der Wölfe“ von Elli H. Radinger vorgestellt hatte (zur ihrer Rezension geht es hier), bot sie an, es mir zu schenken. Ich war perplex, überrascht und glücklich. Und voller Vorfreude.

Gestern Vormittag brachte der Postbote dann wie wundervolle Sendung. Was für eine Freude! Natürlich habe ich bereits die ersten Kapitel gelesen, besser gesagt aufgesogen. Lieben Dank nochmal an Dich, Belana Hermine.

Meine Wolfsfaszination erhält neues Futter. Wie herrlich!

 

 

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Im Mondenschein

 

Am Montag in der S-Bahn habe ich eine junge Frau mit Kopfhörern skizziert. Sie stieg aus,  ich kitzelte weiter, frei nach Schnauze und frei vom Original, das ich nur noch wenig im Gedächtnis hatte. Am Dienstag, nach meiner erleichternden Nachricht, entschied ich plötzlich, dass diese Frau nicht blass und farblos bleiben dürfe, übertrug die Skizze auf Markerpapier und gestaltete die Flächen farbig. Die Zeichnung scannte ich ein und experimentierte mit einigen Fotografien, die neulich Abend mit bewegter Langzeitbelichtung entstanden. Die Ergebnisse finde ich gar nicht so übel.

 

Ursprüngliche S-Bahn-Skizze und Markerzeichnung:

 

 

Kreativitätsexplosion

 

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Daumen hoch dem Spiegelbild, Feder und Pinsel, Tusche, Acrylfarbe (Titanweiß), © Agnes Podczeck 08.11.2017

 

Federnden Schrittes flog ich heute zur Ergotherapie. Ja, einen Teil der Last habe ich wirklich zu Hause lassen können.

Im Offenen Atelier gesellte ich mich dann zur Morgenbesprechung der kleinen Zeichengruppe, der ich sonst immer fern geblieben war. Deutete dort erstmals etwas von den Ängsten der letzten Wochen, ach Monate, an! Das Teilen tat wohl. Sodann noch eine Überraschung. Vorige Woche hatte ich in der Praxis einen Zettel ausgehängt, ob jemand am gemeinsamen Portraitzeichnen Interesse hat. Mit Resonanz hatte ich nicht gerechnet, doch ich wurde vom Gegenteil überrascht.

Wir sind, bisher, zu zweit und ich musste mal wieder feststellen, was sich mir beim Musizieren auch schon immer bewiesen hat: Alleine rummosern ist gut und erfüllend; aber verschiedene Köpfe können sich gegenseitig zu einer Kreativitätsexplosion inspirieren, bei der ein Gedanke den nächsten beflügelt.

Wir basteln uns erst einmal Gipsabdrücke von unseren Händen und Köpfen, so haben wir vollkommen unbewegliche Modelle, die mit Mützen, Schals und Perücken frei variabel veränderlich sind und wir können gleichzeitig und am gleichen Motiv arbeiten. Später dann geht es an echte Menschen. Für mich heißt das: reden, sich absprechen, auf andere einstellen. Wahrscheinlich auch einiges erklären, weil ich ja nun schon ein wenig erfahren bin im Portraitzeichnen. Aber heute war das für mich gar nicht schlimm – vielleicht auch, weil mein Gegenüber psychisch ebenso wie ich sehr „angeschlagen“ ist und Kontaktängste und Redeschwierigkeiten sehr wohl selbst zu kennen scheint, nicht zu schnell und nicht zu laut spricht. Die Zusammenarbeit war nicht nur „nicht schlimm“, sondern sogar recht lustig, als wir die Kindergartenkinder mit dem Gips zu hantierten.

Zu Hause dann noch eine zeichnerische Spielerei, das Spiegelbild aufs Papier gebracht und doch nicht wirklich ein Selbstportrait.

 

 

Was vom Leben übrig blieb

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Wohnen unter der Brücke. Es mag in der Herbstsonne bunt und romantisch aussehen. Die Realität ist weit davon entfernt. Prenzlauer Berg in Berlin, 06. November 2017

 

Wahrscheinlich habe ich heute eine gute Nachricht bekommen. Eine sehr gute. Eine ausgezeichnete. Eine, die die Schlinge, die ich die letzten Wochen um meinen Hals spürte und die sich enger und enger zog, die mich die inzwischen fast nicht mehr atmen ließ, gelockert hat. Ich befinde mich nun in einem Schwebezustand. Kann ich schon aufatmen? Wie viel kann noch passieren und das vorläufige Happy End in ein unsägliches Drama verwandeln?

Noch habe ich die rettende Information nicht schriftlich. Noch stehe ich unter Strom. Mein Körper ist im Stressmodus. Wann endlich kommt der Brief? Kommt der Brief?

Während ich nun heute wieder Hoffnung schöpfe, meine Wohnung halten zu können, wird wird diejenige des kranken Alkoholikers und Messies geräumt. Nach einem Wasserschaden vor ein paar Monaten habe ich nur ein paar Zentimeter des Wohnungseingangs erahnen können. Unter Müll und Zeitungsfetzen. Dort lebte ein Mensch. Lange. Im Sommer, wenn es draußen heiß war, sank der faulige Gestank aus dem vierten Stock bis ins Erdgeschoss. Die Kinder aus dem Kinderladen verzogen dann immer die Gesichter: Bei Euch stinkt es ganz eklig!

Heute riecht das ganze Haus riecht nach Desinfektionsmittel. Das Räumkommando, zierliche junge Männer, die kein Wort Deutsch verstehen, trägt zarte Handschuhe und einen dünnen Mundschutz. Wahrscheinlich setzen sie ihre Gesundheit aufs Spiel und bekommen sie für diese traurige Arbeit nicht einmal einen Appel und ein Ei.

Es rumst und poltert, dass ich fürchte, das Haus bricht zusammen. Der Müllberg im Hof wächst und wächst, ausgesetzt den neugierigen, abfälligen, angeekelten Blicken der Nachbarn, Eltern, Kinder. Die Matratze ist schimmlig schwarz und löchrig. Der Kühlschrank braun verklebt und rostig. Riesige ranzige Müllsäcke versperren den Weg. Was von einem Leben übrig blieb.

Ich versuche, nicht an diesen Menschen zu denken, den ich nicht gekannt, nicht einmal gesehen, sondern immer nur gerochen habe. Trotzdem frage ich mich, wie es ihm nun gehen mag. Hat er Hilfe bekommen? Ist er in einer Klinik? Gehört er nun zu den unzähligen Obdachlosen unserer Stadt? Ist er tot? Die traurigen Gedanken stechen mitten in mein Herz. Dabei will ich mich heute freuen. Darüber, dass mein Schicksal, mein menschengemachtes Schicksal, nun doch noch eine gute Wendung nehmen wird. Hoffentlich.

Herbstleuchten (10) – Novembergrau

 

Gewohnheiten. Rituale. Routinen. Mancher verabscheut solche Regelmäßigkeiten. Aber es gibt Dinge, die helfen mir – gerade jetzt – , meinem Leben einen Rahmen zu geben, sind ein Krückstock. Egal wie gut oder schlecht es mir geht: sonntags gibt es einen Fotospaziergang. An den Herbstmontagen dann den Herbstleuchtenbeitrag hier. Aber heute ist mir ganz besonders wenig nach Leuchten und ich hatte darüber nachgedacht, den Beitrag einfach ausfallen zu lassen. So ein Blog ist doch kein Muss, sondern soll Spaß machen. Auch mir. Aber genau das weiß ich doch, dass das Durchsehen der Fotos und das Schreiben des Beitrags mir gut tut. Freude bringt. Also frisch ans Werk!

Gestern war es überwiegend bewölkt und dunkel. Heute hingegen strahlte die Sonne geradezu höhnisch. Der Himmel war vor solchem Azurblau, dass ich noch einmal den Fotoapparat nehmen musste und die sonnenbeschienene Farbenpracht auf Festplatte brachte.

Ich zeige dennoch jetzt die „grauen“ Bilder von gestern, denn gehört nicht gerade auch das Dunkle und Trübe zu dieser Jahreszeit? Auch scheinbar triste Tage sollen hier ihr Recht bekommen, die Schüchternen und die Introvertierten, die genauso ihre tollen Seiten haben, aber im Vergleich mit den knalligen lauten Rampensauundsonnentagen immer im Schatten stehen. Denn wer genau hinsieht …

 

 

 

Dr. rer. nat., leider depressiv!

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Dr. rer. nat., leider depressiv, Entwurf, Bleistift, Skizzenbuch A5, 02.11.2017

 

Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde, in einem Sozialstaat, und wer in soziale Bedrängnis gerät, erfährt selbstredend Hilfe. So sollte es sein. Und viele von uns glauben auch daran, dass dem so ist. Niemand müsse auf der Straße schlafen, niemand müsse hungern in unserem reichen Lande. Als ein schwankender Obdachloser von zwei Polizisten aus der Bahn geführt wird (sehr höflich wohlgemerkt), doziert eines der jungen ausgehfein herausgeputzten Mädchen verächtlich vor ihren Freundinnen: „Der muss hier nicht so sitzen. Der soll sich Hilfe suchen. Es gibt Stellen, an die der sich wenden kann, da wird ihm geholfen.“

Ich bin unschlüssig. Soll ich mich ärgern über diese dumme Ignoranz der grauen Realität gegenüber? Oder soll ich mich freuen für das junge Ding, sie beneiden um ihre Naivität und Blauäugigkeit? Schließlich bedeutet es doch ein Gefühl von Sicherheit und Wärme zu wissen, dass man in Notsituationen Unterstützung erfahren würde.

Ich selbst habe immer geahnt, gewusst, dass es genug traurige Gründe gibt, warum Menschen ihre Wohnung verlieren.  Auch und sogar in unserem reichen Land. Aber dass das soziale Netz derartig löchrig ist und alle jene hindurchgleiten, die aus dem Schema fallen, nach welchem das Sozialgesetzbuch gestrickt ist, hätte ich nicht im Traum geahnt. Die Würde des Menschen ist dehnbar. Ich möchte gerne schreien, laut aufschreien über die Ungerechtigkeit. Unwürdigkeit. Erniedrigung. Und morgen aufwachen in einer wärmeren Welt.