S-Bahn-Skizzen (31) The colour of Music

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The Colour of Music, S-Bahn-Skizzen, S1 nach Oranienburg, 01.02.2018, Skizzenbuch Aqarellpapier, Tuschefüller, Feder, Pinsel, Tusche
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Stadt und Natur – Februarsonne

 

Nach dem dunkeln und viel zu warmen Januar nun plötzlich frische, aber sonnige Tage. Die Strahlen wärmen schon ein wenig die Haut und das Februarlicht ist besonders am Morgen und am Abend einfach unbeschreiblich. Am Sonntag besuchte ich eine Freundin in Potsdam und danach wollte ich einfach nur einen kleinen Spaziergang zur russischen Kolonie, Alexandrowka, machen, doch von dort aus zog mich die Sonne weiter und weiter und weiter; bis hin zur bekannten Glienicker Brücke hinüber zurück nach Berlin.

Die Natur ist durcheinander und hatte sich Ende Januar bereits angeschickt, den Frühling einzuläuten. Schneeglöckchen und Winterlinge finde ich ja auch für den Februar akzeptabel. Aber mein innerer Sensor ist sich nicht sicher, ob er angesichts der ersten Krokusse, Narzissen und Primeln Freude oder Alarm schlagen soll. Von den blühenden Ziermandelbäumchen schrieb ich bereits vergangene Woche. Und was ist mit der Rhododendronknospe?! Sieht sie nicht aus, als wolle sie bald aufgehen? Ob die versprochenen frostigen Tage den vorzeitigen Frühlingsbeginn aufhalten können?

 

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Für Myriade und andere Buchweltreisende

 

Myriade fragte vergangene Woche, ob wir ein paar Vorschläge für Literaturen aus den Ländern Kasachstan und/oder Armenien hätten, Buchempfehlungen aus benachbarten Ländern wären ihr aber auch recht.

Ich bin heute mal meine Buchregale durchgegangen und stelle kurz ein paar Titel vor, die ich unbedingt für lesenswert halte:

 

Kasachstan

Ein Roman eines kasachischen Autors ist mir leider nicht bekannt (ich hatte geglaubt, mir mal eine Notiz gemacht zu haben, aber wann und wo dieser Zettel jetzt sein könnte, weiß ich nicht). Aber wenn es auch ins Weltreisekonzept passt, dass die Autorin des Buches eine deutsche Journalistin und das Buch auch kein Roman ist, sondern die wirklich interessante russisch-deutsch-kasachische Geschichte einer sogenannten Spätaussiedlerfamilie, dann möchte ich unbedingt empfehlen:

Ulla Lauchauer, Ritas Leute. Eine russisch-deutsche Familiengeschichte, Rowohlt-Verlag, 431 Seiten

 

Kirgisistan

Südliches Nachbarland von Kasachstan ist Kirgisien. Zwar unterscheiden sich beide Länder hinsichtlich ihrer Landschaft (Kasachstan: weites weites Land, trockene Steppe, Kirgisien: Hochgebirge – Tien Shan und der Pamir und im Herzen des Landes der wunderschöne riesige Issyk Kul) sind beide Völker eng verwandt und lebten bis zur zwangsweisen Sesshaftmachung unter Stalin größtenteils als nomadische Hirten. Das Kasachische wie auch das Kirgisische sind Turksprachen und miteinander eng verwandt. Genug der Rechtfertigung, warum ich Euch Buchreisenden unbedingt einige Werke eines meiner Lieblingsautoren, von Tschingis Aitmatow, ans Herz legen will. Aitmatow hat so viele lesenswerte Erzählungen und Romane geschrieben, dass es mir schwer fällt, ein Werk speziell zu empfehlen.

Um mehr über das Land, die Geschichte und den Autoren zu erfahren, lohnt es vielleicht, zuerst seine Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in Kirgisien zu lesen und sich von da an bei Interesse durch sein Werk zu lesen.

Tschingis Aitmatow, Kindheit in Kirgisien, Übersetzung von Friedrich Hitzler, Unionsverlag Zürich, 158 Seiten

 

 

Georgien

Mit Armenien und armenischer Literatur kenne ich mich leider nicht aus, aber ich möchte Euch unbedingt Literatur aus dem Nachbarland Georgien ans Herz legen. Zum einen einen wirklich berührenden, fesselnden kurzen Roman über drei Tage im Leben zweier Mädchen im georgisch-abchasischen Krieg. Unbedingt lesen!

Tamta Melaschwili, Abzählen, übersetzt von Natia Mikeladse-Bachsoliani, Unionsverlag Zürich, 112 Seiten

 

 

Wer auch vor dicken Wälzern nicht zurückschreckt, dem sei noch das eindruckvolle Familienepos der in Deutschland lebenden Schriftstellerin Nino Haratischwili empfohlen, die zur Rekonstruktion der Ereignisse selbst in den Archiven forschte und Zeitzeugen befragte. Ich hatte nach der fesselnden Buchvorstellung mit der Autorin die darauf folgenden Monate ungeduldig gewartet, bis ich dieses Buch endlich selbst in den Händen halten und lesen durfte. Meine turmhohen viel zu überbordenden Erwartungen wurden dann zwar nicht ganz erfüllt – wobei ich nicht so ganz genau sagen kann, an welcher Stelle ich die Schwachstelle empfand -, trotzdem aber finde ich das Buch beeindruckend und höchst lesenswert.

Nino Haratischwili, Das achte Leben (Für Brilka), Frankfurter Verlagsanstalt, 1275 Seiten

 

 

Aserbaidschan

Eine Empfehlung gebe ich außerdem noch für einen erstmals 1937 veröffentlichten und kürzlich erst neu aufgelegten Roman über die Liebe über die Grenzen von Nationalität und Religion hinaus, der in Baku zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts spielt. Die Autorin oder der Autor schrieben unter Pseudonym und es ist auch heute noch nicht zweifelsfrei geklärt, wer das Buch wirklich verfasst hat.

Zugegebenermaßen ist es mehrere Jahre her, dass ich das Buch las und ich kann mich nicht an Einzelheiten der Handlung, wohl aber an meine Faszination beim Lesen erinnern.

Kurban Said, Ali und Nino, List Taschenbuch, 272 Seiten

 

 

 

 

 

 

 

Die Fremde im Spiegel

 

 

 

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Die fremde Dame. Selbst mit Samtmütze, A4 Aquarellpapier, Bleistift und Tusche, 01.02.2018

 

 

Im alten Kleiderkarton (siehe hier) fand ich auch meine alten Samtmützen. Wie so eine Kopfbedeckung verändern kann! Ich erkenne mich selbst im Spiegel nicht wieder. Noch ein bisschen Wimperntusche, Farbe auf die Lippen und vor mir steht eine Fremde.

Ich hole den Spiegel zum Tisch, setze mich in Position, nehme Papier und Bleistift. Später ziehe ich die Konturen mit Tusche nach und lösche die meisten Bleistiftlinien wieder aus. Wenn nur die Fremde mal still halten würde. Ständig bewegt sie den Kopf und ich kann einfach nicht mehr feststellen, in welchem Winkel sie in den Spiegel guckte. Beim nächsten mal markiere ich die Umrisse des Kopfes auf dem Spiegel, damit die Dame sich merkt, wie sie ihren Kopf halten muss.

Schreibe ich „beim nächsten mal“? Genau! Es werden weitere Bilder mit anderen Kopfbedeckungen folgen – schließlich bin ich die einzige, die immer Zeit für mich hat und mir geduldig Modell sitzt.