Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 12

 

 

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Schließt sich der Kreis?, 28.01.2018, © Agnes Podczeck

 

 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

Nach zwölf Monaten nun ist das Projekt offiziell abgeschlossen. Es ist ein Jahr vergangen, der Januar fast vorbei und der Jahreskreis hat sich geschlossen. Die Bäume sind kahl, der Boden matschig, der Himmel zumeist grau. Dennoch lugen in diesem warmen Winter bereits die ersten Sitzen der Frühblüher aus dem Boden.

Auch „meine Baustelle“ ist gewachsen. Wenn es mir vor einem Jahr noch undenkbar schien, sind heute doch die ersten Wohneinheiten bewohnt. Doch vollendet ist die Baustelle noch lange nicht und für mich steht außer Frage, dass ich die Baustelle auch in Zukunft begleiten und dokumentieren werde.

 

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Die Fotografin bei der Arbeit, 28.01.2018

 

Insofern gibt es heute keinen Rückblick und Vergleich der Zwölfmonatsbilder. Ich habe eine derartige Menge an Aufnahmen, es gibt so viele Häuser, die gewachsen sind, dass es mit einem kurzen Abriss nicht getan sein wird.

 

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Heute hatte ich beim Fotografieren Begleitung, die mir eher vorsichtigem Menschen Mut zusprach und wir betraten das Gebäude der sogenannten Studentenappartments (Ihr erinnert Euch an die sündhaft teuren Zimmer, die Kapitalanlegern als profitable Renditenquelle angepriesen wird) – schließlich stand die Eingangstür einladend offen. Hm, ja, alles neu, chic, kühl. Der Waschraum mit Kicker und Sprühkunst an den Briefkästen noch das coolste. Lange Flure, die eben für solche Behausungen typisch sind. Sicherlich nicht das schlimmste, hier wohnen zu müssen – wären da nicht die eher studentenunverträglichen Mietpreise. Die Zimmer im Erdgeschoss vom großen Hof gut einsehbar, aber so weit geht mein Voyeurismus nicht, dass ich von außen in bewohnte und gerade auch benutzte Zimmer hineinfotografiere. Aus der oberen Etage dann ein Blick über die Häuser der Stadt bis hin zum bekannten Fernsehturm. Aus dem anderen Fenster lässt sich der rege S-Bahn-Verkehr beobachten.

 

 

Der Gebäudekomplex im Süden, dessen Fundamente letztens noch den Füchsen ein Versteck bot, wie ich im vergangenen Beitrag zeigte, ist weiter gewachsen, aber noch können Tiere aller Art hier Unterschlupf finden. Füchse sind mir aber heute leider nicht noch einmal begegnet.

 

Der Kindergarten, der an der Grenze zum Hof der Häuser der Graunstraße entstand, ist fast fertig. Offensichtlich richtet er sich auch schon an Eltern, die schon unter Einjährige in die Kita geben wollen oder müssen, so lässt der Blick durch das Fenster auf die Schlafkörbe vermuten. Apropos Fenster – für eine Kita hätten die doch auch größer sein können, oder? Macht das Bauwerk einen gemütlichen Eindruck? Na, hoffentlich wirkt es wärmer, wenn die ersten Kinder hier eingezogen sind und den Bau in Besitz genommen haben.

 

 

Später wird es zu den einzelnen Gebäudekomplexen mehrere Zugänge aus allen Himmelsrichtungen geben. Verständlich, dass jene, die ganz im Norden wohnen, keine Lust haben, immer eine große Runde um die Baustelle zu machen und so gibt es eben auch auf der Nordseite ein Schlupflocher bzw. Überstieg für jene, die entsprechend sportlich sind. Dann geht es noch ein wenig durch den Baustellenmatsch und flugs ist er oder sie zu Hause.

 

 

 

Soviel für heute von mir.

Dem Link zum  zwölften und finalen Beitrag vom Zeilenende empfehle ich Euch unbedingt zu folgen – dort findet Ihr seine Monatsblicke sowie die jeweilige Verlinkung auf die vielen spannenden Beiträge der anderen. Dir liebes Zeilenende meinen herzlichen Dank für die Inspiration. Erhole Dich gut :-)!

 

Und meine bisherigen Beiträge gibt es hier:

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 11

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 10

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 9

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 8

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 7

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 6

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

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Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 11

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Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

Die zwölf Monate sind nun schon fast herum und mein Dezemberbeitrag zum Thema folgt aufgrund meiner Blogpause verspätet.

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Die neue Straße hinter dem Gleimtunnel ist bereits beschildert, 03. Dezember 2017

Das wäre nicht eigentlich ein Problem, wenn ich nicht doch auch zwischendurch immer wieder mit dem Fotoapparat auf Pirsch gewesen wäre und ich – der mir Entscheidungen zu treffen doch so schrecklich schwer fällt – aus den mehreren hundert Bildern jene auswählen musste, die ich Euch hier nun zeigen werde (ja, diese Anzahl hätte es zu Zeiten der analogen Fotografie, wo jeder Film und jedes Bild bares Geld kostete, nicht gegeben).

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Am Silvesternachmittag, noch vor der großen Knallerei

 

Als Fotokunst geben meine Bilder zwar wenig her, aber mich faszinieren die klitzekleinen und größeren Veränderungen, die sich da haben festhalten lassen. Und Veränderungen gab es einige: die Sozialwohnungen und die sogenannten Studentenappartements sind inzwischen bewohnt und so kann ich einen Teil der Baustelle inzwischen betreten.

Die neu zugängliche Straße verschafft mir eine ganz andere Sicht auf die neuen Fundamente, mit denen ich mich plötzlich auf Augenhöhe sehe. Fast fühle ich mich wie auf einer alten antiken Ausgrabungsstätte. Für mich absolut faszinierend, so durch wachsende Wände, Türen und Fenster hindurchzusehen.

 

Von einer etwas erhöhten Stelle wird sich dieser Baustellenteil auch gut beim Wachsen beobachten lassen:

 

Die Baustelle findet offensichtlich auch unter den Füchsen großen Gefallen. Auf meinem Spaziergang am 30.12. lag plötzlich ein Fuchs auf meinem Weg. Ich stoppte, wagte mich nicht zu rühren, um ihn nicht zu verscheuchen und er blieb liegen. Ihn störte auch nicht, dass ich später meinen Fotoapparat auf ihn richtete. Statt dessen tauchte sein Partner oder seine Partnerin auf.

 

 

Allein – sie hielten nicht still genug, dass sie ihn bei diesen dunklen Lichtverhältnissen gut fotografieren konnte. Die Filmfunktion leistete hier wesentlich bessere Dienste und so gibt es hier und auf Youtube ein kleines Fuchsfilmchen zu sehen. Ich bin ganz hingerissen mir wieder und wieder anzusehen, wie beide Tiere miteinander „sprechen“.

 

 

 

Und was gibt es sonst noch zu berichten?

Augenfällig ist: es stehen und arbeiten nur noch zwei Kräne statt der vier;

noch mehr Hausfassaden sind verputzt und Gerüste abgebaut. Die Nordseite der Baustelle sieht schon richtig „fertig“ aus. Nur die Natur wirkt inzwischen wieder genau so winterlich-grau wie im Februar vor einem Jahr.

 

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Unter dem  Beitrag vom Zeilenende aus dem November findet Ihr die vielen interessanten Links zu den Beiträgen der anderen.

Der aktuelle Post des Herrn Zeilenende ist >>HIER<< zu finden.

 

Und meine bisherigen Beiträge sind hier verlinkt:

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 10

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 9

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 8

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 7

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 6

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Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Bitte rufen Sie unsere kostenfreie Servicenummer an

 

Nun bin ich also wieder online. Seit letztem Donnerstag bis heute war mein häuslicher Internetanschluss lahmgelegt und so war es hier ein paar Tage still.

Ehrlich gesagt habe ich mich nicht einmal richtig darüber geärgert. Gemessen an allen anderen Widrigkeiten und Problemen, die es so zu bewältigen und verarbeiten gab und gibt, erschien und erscheint mir das Internetproblem als absolut nebensächlich.

Ich hatte eben einen langen Text getippt und dann wieder gelöscht, in dem ich über die Ignoranz meines Internetanbieters schrieb, der statt auf meine mehrmalige Bitte um schriftliche Klärung meiner Störungsmeldung immer wieder eine StandardE-Mail schickte, in der ich höflich gebeten wurde, die kostenfreie Servicenummer anzurufen. Bis ich aufgab und W bat, den Anruf für mich zu erledigen.

Wer schon länger hier mitliest weiß vielleicht noch, dass ich dem Telefonieren gegenüber äußerst … skeptisch … bin, was wohl als Teil meiner Soziophobie kategorisiert werden kann. Das mögen wenige Menschen verstehen und manche, die es ansatzweise verstehen, mahnen, dass ich mich meinen Ängsten stellen müsse, das Telefonieren üben und so weiter und so fort. Das mag an sich so falsch nicht sein, aber meine Weigerung zu Telefonieren ist nur ein winziges Symptom, ein kurzes Fädchen in einem ganzen Problemknäuel und mit einer Überwindung meiner tiefen Abneigung (inzwischen gar Hass?; Abwehr?; tiefempfundene Verachtung?) dem Telefon gegenüber wäre nicht wirklich viel gewonnen. Mit der Möglichkeit zu SMS- und E-Mail-Kontakt kann ich mich durchaus mit der Außenwelt in Verbindung setzen. Und, da seid versichert, in einem Notfall würde auch ich zum Telefon greifen – Angst schlägt Angst – das habe ich spätestens gemerkt, als es mal so schien, als würde es in unserem Haus brennen.

Übrigens bedauere ich manchmal, den kurzen taz-Artikel nicht ausgeschnitten und aufgehoben zu haben, der beweist, dass man auch Redakteur bei der taz werden kann, auch wenn man kilometerweise Umwege in Kauf nimmt, nur um seinen Zahnarzttermin persönlich ausmachen zu können und Telefonate weitestgehend vermeidet.

Übrigens habe keine Angst vor Spinnen, nur so nebenbei bemerkt 😉

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 10

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Groth-Baustelle am Mauerpark; das erste Balkongrün; Sonntag, 26. November 2017

 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

Thesen zum heutigen Beitrag:

Ich klopfe mir auf die Schulter, dass ich draußen war und die Aufnahmen gemacht habe. Die Überwindung hierzu war schon lange nicht mehr so groß.

 

Bäume und Sträucher sind nun fast nackt und erinnern uns, dass das Jahr dem Ende entgegen geht.

 

Im Novembergrau sieht die ganze Baustelle noch viel düsterer aus. Die heutigen Fotos sind vom dokumentarischen Standpunkt und für Baustellenfreaks aus möglicherweise interessant. Einen Augenschmaus stellen sie hingegen nicht dar.

 

Mehr Geld – mehr Licht. Je teurer der entstehende Wohnraum, desto größer die Fenster.

 

Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für untere Einkommensgruppen und  die Anpreisung von  Immobilienbesitz als rentitesichere Kapitalanlage sind ein Widerspruch in sich.

 

In Sachen „Loslassen können lernen“ habe ich eine ganz eigene Baustelle von überdimensionaler Größe. Gemerkt habe ich dies mal wieder, als ich für Euch nach alten Aufnahmen gesucht habe, wie die Gegend hier vor Baubeginn aussah. Fröhliche Bilder aus glücklicheren Zeiten, lächelnde Gesichter inzwischen Verstorbener stechen mir tief ins Herz. Ich suche nach Zeichen des sich ankündenden Unheils anstatt mich zu freuen an dem, was doch auch Gutes gewesen ist. Da wartet noch viel Arbeit auf mich.

 

Mehr Worte heute von mir nicht.

Wer Lust und Zeit für weitere Lektüre hat, dem empfehle ich heute einen Artikel der taz zum Thema Obdachlosigkeit und obdachlose Familien.

Hier zur taz

 

 

 

 

Unter dem Beitrag vom Zeilenende findet Ihr die vielen interessanten Links zu den Beiträgen der anderen.

 

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Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Die Schuldfrage

 

Es gibt ja Menschen, die immer sofort die Schuld bei den anderen sehen; was immer auch passiert – die Welt ist böse und sie selbst machen immer alles richtig.

Ich gehöre zum anderen Extrem, indem ich für alles immer die Schuld bei mir suche, sich richtig nur auf mich allein Wut empfinden kann. Für alle anderen Menschen finde ich tausend Ausreden. Egal ob vielleicht das Fehlverhalten ganz objektiv auf der Seite anderer Leute liegt, ich finde zielgenau das Schlupfloch, weswegen ich mich selbst kasteien darf.

Während viele Leute endlich mal lernen müssen, sich auch mal an die eigene Nase zu fassen, ist meine Nase also schon fast plattgedrückt. Aber die Behörden der sozialen (Un!)Sicherheit und ihre SachbearbeiterInnen haben sich schon seit langer langer Zeit entschlossen, mir ganz (un)eigennützig mit einer Schocktherapie zu helfen. Ich möchte ihnen hier an dieser Stelle meinen tiefempfundenen Dank aussprechen (muss ich die Ironiewarnung hinzufügen?). Ich finde zwar immer noch ausreichend Gründe, auf mich selbst zu fluchen, aber darüber hinaus wächst ein Pflänzchen der Wut, die sich nach außen richtet.

Bei der therapeutischen Bearbeitung des Themas helfen mir die Köpenicker Knorkator (jetzt Ironie Ende, die helfen wirklich!) und ich höre gerade in Schleife, wie der eine Stumpen sein zweites Ich so richtig fertig macht.

 

Was vom Leben übrig blieb

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Wohnen unter der Brücke. Es mag in der Herbstsonne bunt und romantisch aussehen. Die Realität ist weit davon entfernt. Prenzlauer Berg in Berlin, 06. November 2017

 

Wahrscheinlich habe ich heute eine gute Nachricht bekommen. Eine sehr gute. Eine ausgezeichnete. Eine, die die Schlinge, die ich die letzten Wochen um meinen Hals spürte und die sich enger und enger zog, die mich die inzwischen fast nicht mehr atmen ließ, gelockert hat. Ich befinde mich nun in einem Schwebezustand. Kann ich schon aufatmen? Wie viel kann noch passieren und das vorläufige Happy End in ein unsägliches Drama verwandeln?

Noch habe ich die rettende Information nicht schriftlich. Noch stehe ich unter Strom. Mein Körper ist im Stressmodus. Wann endlich kommt der Brief? Kommt der Brief?

Während ich nun heute wieder Hoffnung schöpfe, meine Wohnung halten zu können, wird wird diejenige des kranken Alkoholikers und Messies geräumt. Nach einem Wasserschaden vor ein paar Monaten habe ich nur ein paar Zentimeter des Wohnungseingangs erahnen können. Unter Müll und Zeitungsfetzen. Dort lebte ein Mensch. Lange. Im Sommer, wenn es draußen heiß war, sank der faulige Gestank aus dem vierten Stock bis ins Erdgeschoss. Die Kinder aus dem Kinderladen verzogen dann immer die Gesichter: Bei Euch stinkt es ganz eklig!

Heute riecht das ganze Haus riecht nach Desinfektionsmittel. Das Räumkommando, zierliche junge Männer, die kein Wort Deutsch verstehen, trägt zarte Handschuhe und einen dünnen Mundschutz. Wahrscheinlich setzen sie ihre Gesundheit aufs Spiel und bekommen sie für diese traurige Arbeit nicht einmal einen Appel und ein Ei.

Es rumst und poltert, dass ich fürchte, das Haus bricht zusammen. Der Müllberg im Hof wächst und wächst, ausgesetzt den neugierigen, abfälligen, angeekelten Blicken der Nachbarn, Eltern, Kinder. Die Matratze ist schimmlig schwarz und löchrig. Der Kühlschrank braun verklebt und rostig. Riesige ranzige Müllsäcke versperren den Weg. Was von einem Leben übrig blieb.

Ich versuche, nicht an diesen Menschen zu denken, den ich nicht gekannt, nicht einmal gesehen, sondern immer nur gerochen habe. Trotzdem frage ich mich, wie es ihm nun gehen mag. Hat er Hilfe bekommen? Ist er in einer Klinik? Gehört er nun zu den unzähligen Obdachlosen unserer Stadt? Ist er tot? Die traurigen Gedanken stechen mitten in mein Herz. Dabei will ich mich heute freuen. Darüber, dass mein Schicksal, mein menschengemachtes Schicksal, nun doch noch eine gute Wendung nehmen wird. Hoffentlich.

Nörgelheini, Rohrstocklehrer und der gute Wolf

 

Eine Kollegin in der Ergotherapiepraxis hat mich heute darin unterstützt, ein Anschreiben vorzubereiten, mit dem ich einen passenden Platz für mein großformatiges Bild vom Steppenwolf suche.

Widerstreitende Gefühle – einerseits denke ich, dass mein Bild nicht gut genug ist, dass es niemand haben will, dass ich mich damit blamiere (ja, entgegen anderslautender Kritik!; denn – wie es viele von Euch auch aus eigener Erfahrung kennen – ich vergleiche mich ausschließlich mit denen, die etwas viel besser können als ich, damit ich dann schön demütig das Haupt senken und mich klein fühlen kann. Es ist eben ein langer langer langer Prozess, den ich beschreite, aber es geht eben nur stufenweise und der gestrenge Lehrer mit dem Rohrstock feixt).

Der Anstoß, dass ich mich doch getraut habe, potentielle InteressentInnen anzuschreiben, lag letztenendes darin, dass mein Bild in der Praxis natürlich Platz wegnimmt, was mir wiederum ein schlechtes Gewissen macht (ich sollte mich schämen, so viel Raum einzunehmen!, greint der innere Nörgelheini).

Nörgelheini gegen Rohrstocklehrer – das war ein Gefecht, puh! Nun sind aber ein paar E-Mails verschickt und beide innere Kritiker sind erschöpft und halten mal die große Klappe.

 

Hier nochmal die Bilder vom Steppenwolf und auch vom Fliegen, für das ich auch ein Asyl suchen will. Für den Fall, dass Ihr Interesse habt bzw. wüsstet, wer es wollen könnte, dann am besten E-Mail an i_udelnow at hotmail . com . Das ist die Adresse, die ich am häufigsten abfrage.

 

 

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 9

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28.10.2017, Blick von Brücke Schwedter Steg/Schivelbeiner Straße aus nach Süden, zur Baustelle. 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

So!!! Nun endlich kann ich Euch hier wieder Bilder zeigen, die den Gefühlen der zahlreichen Menschen entspricht, die jahrelang engagiert gegen eine Bebauung dieses Areals am ehemaligen Mauerstreifen gekämpft haben. Es ist trüb, dunkel, die Wolken hängen schwarz und tief. Die Fotos stammen zwar von gestern, aber da war die Wolkenstimmung nicht heiterer als heute war.

Das schlagende Argument, mit dem die Bebauungsgenehmigung damals gegen jegliche Einwände durchgeprügelt wurde, war ja: wir brauchen dringend mehr Wohnungen in Berlin. In der Tat mehren sich die Berichte über Wohnungsmangel, rasend steigende Mieten und auch Obdachlosigkeit in der Hauptstadt. Ohne Neubau, und zwar in erheblichem Umfang, wird es nicht gehen, denn Berlin wächst weiter stetig. Aber ob Bauprojekte, wie das hier gezeigte, die Situation entspannen werden, wage ich weiter zu bezweifeln.

Mangel herrscht hauptsächlich an bezahlbarem Wohnraum. Je kaufkräftiger der oder die Suchende, umso größer ist das Angebot, vor allem in den beliebten Innenstadtbezirken. Wer hier allerdings heutzutage noch eine bezahlbare Wohnung sucht, braucht das Glück einer Lottogewinnerin. Am Mauerpark entstehen vor allen Dingen Wohnungen, die nicht mietpreisgebunden sind und somit für die Mehrzahl der Suchenden nicht infrage kommen. Die neu vermieteten teuren Wohnungen werden jedoch den Mietspiegel für die ganze Gegend weiter in die Höhe treiben und somit VermieterInnen der Umgebung ideale Handhabe zu weiteren Mieterhöhungen geben. Es sei denn es geschieht ein Wunder und die Wohnungspolitik wird eine soziale Wende nehmen. Aber angesichts der wahrscheinlichen Jamaikanisierung der künftigen Bundesregierung sollte man lieber auf einen Lottogewinn vertrauen.

Zur Erinnerung (ich schrieb es bereits in einem früheren Beitrag):

Die Groth-Gruppe baut am Mauerpark 227 Mietwohnungen, 42 „senjorengeeignete“ Mietwohnungen, 111 Eigentumswohnungen, 197 Studentenappartments sowie 122 öffentlich geförderte Wohnungen mit entsprechender Mietpreisbegrenzung

227 Mietwohnungen
42 „senjorengeeignete“ Mietwohnungen
111 Eigentumswohnungen
197 Studentenappartments
122 öffentlich geförderte Wohnungen
699 gesamt

 

Von gesamt 699 Wohneinheiten werden also nur insgesamt 122 Wohnungen halbwegs für mittlere bis untere Einkommen erschwinglich sein. Die Preise für die sogenannten Studentenapartments sind aus meiner Sicht eine Frechheit, denn die werden ab 569 Euro warm für 20,5 Quadratmeter vergeben. Für zehn Quadratmeter mehr sind dann schon an die eintausend Euro fällig. Derzeit übrigens beträgt der BAFöG-Höchstsatz (den nur die wenigsten Studierenden bekommen) 735 Euro. Die dürfen dann aber bloß nicht krank werden, weder während des Studiums, noch danach, wenn sie ihre Studienkredite abzahlen müssen. Entgegen vieler Vorurteile steigt zwar mit dem Studium die Wahrscheinlichkeit für ein höheres Einkommen nach Abschluss, ist aber längst kein Garant für ein überlebenssicherndes Einkommen. Trotzdem – bei der Zahl an Studierenden, die in diesem noch immer eine Unterkunft suchen, werden die Eigentümer wohl keine Probleme haben, ihre möblierten Luxusapartments zu vermieten.

 

Bevor ich immer weiter doziere (Sagenswertes gäbe es viel) zeige ich Euch nun endlich die Bilder. Ich bin dieses Mal wieder einmal im die Baustelle herumgegangen, und zwar in Richtung Norden, Westen, Süden, in wieder nach Osten. Zur Orientierung nochmals der Plan, den ich zu Projektbeginn gezeichnet hatte.

 

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Und jetzt geht es los. Die bebilderte Galerie öffnet sich beim Anklicken eines der Bilder.

 

 

 

 

Unter dem Beitrag vom Zeilenende findet Ihr die vielen interessanten Links zu den Beiträgen der anderen.

 

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 8

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 7

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 6

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 8

 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

 

Unverkennbar, es ist Herbst geworden. Die Tage sind wieder kürzer, die Bäume färben sich mehr und mehr. Die Äpfel der Bäume ostseits der Baustelle, auf der Wiese vor dem Moritzhof, leuchten weithin rot; Stare tun sich zwitschernd an dem gesunden Obst gütlich, während sich die Baustelle in der scheinbar ewigen Riesenpfütze vor dem Spielplatz neben dem Baugelände spiegelt.

An der Groth-Baustelle wird weiter gearbeitet und ich finde es immer noch kaum vorstellbar, wie schnell doch Häuser gebaut werden können. Heute, am Sonntag, ist es in Berlin dunkel, grau und feucht, doch für diesen Beitrag habe ich vorgearbeitet und die Bilder am Freitag erstellt. Es war schönes Wetter und ich hatte Lust, meinen Baustellenspaziergang vorzuziehen.

Freitag habe ich auch mal wieder von den Höfen der Graunstraße aus, auf Weddinger Seite, fotografiert.  Die Häuser sehen dort schon fast fertig aus, die GEWOBAU, die die entstehenden Sozialwohnungen verwaltet, hat bereits ihr Banner hängen, erste Straßenschilder stehen. Das alte Mäuerchen aus Uraltzeiten ist mittlerweile wieder völlig bekrakelt.  Ein Wachmann warnt höflich vor dem nachtüber freilaufenden Hund. Ich stelle nicht zum ersten Mal fest, wie hässlich, kalt und blutleer man doch auch 2017 noch zu bauen vermag.

 

 

Blickt man aus Süden und aus Osten von der Schwedter Straße aus, kann man den Häusern beim Wachsen zusehen. Da Freitag, also Arbeitstag, ist, sehe ich die Kräne ständig in Bewegung. Bauarbeiter wieseln über die Baustelle, Bagger fahren. Das Haus ganz im Norden zur S-Bahn hin, bekommt eine Dämmfassade.

 

 

 

Von Norden, vom Schwedter Steg aus, kann ich zunächst wegen der blendenden Lichtverhältnisse nicht fotografieren. Aber von der Brücke beim Bahnhof Gesundbrunnen habe ich eine sehr gute Sicht.

Am Abend gehe ich noch einmal auf den Schwedter Steg, wo ich nicht die einzige bin, die an diesem schönen ersten offiziellen Herbsttag den Sonnenuntergang beobachtet. Der Himmel ist jetzt völlig wolkenfrei und ich habe einen viel zu romantischen Blick auf die Berliner Kran-Skyline und die Baustelle.

 

 

Wie mag es hier in einem Monat aussehen?

 

 

Unter dem Beitrag vom Zeilenende findet Ihr die vielen interessanten Links zu den Beiträgen der anderen.

 

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 7

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 6

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Wider den Herbstblues

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Der Chor, August 2017, (c) Agnes Podczeck

 

Üblicherweise beginne ich bereits im August, wehmütig zu werden, das nahende Ende des Sommers zu betrauern und mich vor den dunklen, kalten und nassen Herbst- und Wintermonaten zu fürchten.

Natürlich weiß ich, dass das unnütz ist; der Sommer wird vergehen, wie jedes Jahr. Ändern kann ich daran nichts, solange ich in dieser Klimazone lebe und mit meinem Gram mache ich mir nur selbst das Leben schwer. Das ist mir alles klar, glasklar – vom Verstande her.  Aber einige von Euch werden selbst erfahren haben – das Wissen um Zusammenhänge ist das eine. Eine ganz andere Angelegenheit sind die tatsächlichen Emotionen, die Stimmen, die sich im Inneren regen und die jeglicher Vernunft zum Trotz die Gefühlswelt in einer Art und Weise beeinflussen, die rationalem Denken, Wissen und Verstand absolut nicht zugänglich sind.

Und so waren auch einige Tage im diesjährigen August geprägt von einem unbestimmten Gefühl der Gefahr, der Bedrohung, des nahenden Endes. Der kommenden Dunkelheit. Verbunden mit einem tragischen und mich selbst blockierenden Zusammenhang: je schöner und heller die Tage, desto trübsinniger die Stimmung, desto größer die Angst und desto stärker blockiert mich die drohende Wand der baldigen Dunkelheit.

Noch ist die Wand nicht dicht genug, dass mich mich nicht gegen sie wehren kann. Drum will ich nun genau das Gegenteil von dem tun, wonach mir zumute ist und hoffe – ja vertraue sogar – auf Selbstkonditionierung.

Den September begrüße ich hier mit diesem tierischen bunten Chor.

Ich mache mich auf die Pirsch nach den bunten Farben des eintreffenden Herbstes. Vermehrt wird wird es wieder Fotobeiträge von meinen Achtsamkeitsspaziergängen geben, bei denen ich Schönheit der neuen Jahreszeit entdecken und die allmählichen Veränderungen bewusst wahrnehmen werde.

Zudem habe ich eine neue Kraftquelle für mich entdeckt. Ich habe letzte Woche ein Gebiet Wald in der Schorfheide entdeckt, mit der Bahn bequem und kostengünstig erreichbar und dennoch menschenleer. Kilometerweit kann ich gehen, ohne eine Straße zu queren, ein Auto zu hören, auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Der Wald ist dicht und so abwechslungsreich, wie ich es so nahe bei Berlin niemals vermutet hätte. Die Kraft, die mir eine einzige einsame Waldwanderung dort gegeben hat, machte mir den nötigen Mut, dass ich die kommende Zeit nicht nur überstehen, sondern auch werde genießen können.

Für alle, die ähnlich mir mit dem Sommerende hadern: morgen soll es den ersten Die-Schönheit-des-Herbstes-Beitrag geben. Vielleicht habt Ihr ja Lust, Euch anzuschließen? Dann verlinke ich Euch gern.