Die Schuldfrage

 

Es gibt ja Menschen, die immer sofort die Schuld bei den anderen sehen; was immer auch passiert – die Welt ist böse und sie selbst machen immer alles richtig.

Ich gehöre zum anderen Extrem, indem ich für alles immer die Schuld bei mir suche, sich richtig nur auf mich allein Wut empfinden kann. Für alle anderen Menschen finde ich tausend Ausreden. Egal ob vielleicht das Fehlverhalten ganz objektiv auf der Seite anderer Leute liegt, ich finde zielgenau das Schlupfloch, weswegen ich mich selbst kasteien darf.

Während viele Leute endlich mal lernen müssen, sich auch mal an die eigene Nase zu fassen, ist meine Nase also schon fast plattgedrückt. Aber die Behörden der sozialen (Un!)Sicherheit und ihre SachbearbeiterInnen haben sich schon seit langer langer Zeit entschlossen, mir ganz (un)eigennützig mit einer Schocktherapie zu helfen. Ich möchte ihnen hier an dieser Stelle meinen tiefempfundenen Dank aussprechen (muss ich die Ironiewarnung hinzufügen?). Ich finde zwar immer noch ausreichend Gründe, auf mich selbst zu fluchen, aber darüber hinaus wächst ein Pflänzchen der Wut, die sich nach außen richtet.

Bei der therapeutischen Bearbeitung des Themas helfen mir die Köpenicker Knorkator (jetzt Ironie Ende, die helfen wirklich!) und ich höre gerade in Schleife, wie der eine Stumpen sein zweites Ich so richtig fertig macht.

 

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Was vom Leben übrig blieb

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Wohnen unter der Brücke. Es mag in der Herbstsonne bunt und romantisch aussehen. Die Realität ist weit davon entfernt. Prenzlauer Berg in Berlin, 06. November 2017

 

Wahrscheinlich habe ich heute eine gute Nachricht bekommen. Eine sehr gute. Eine ausgezeichnete. Eine, die die Schlinge, die ich die letzten Wochen um meinen Hals spürte und die sich enger und enger zog, die mich die inzwischen fast nicht mehr atmen ließ, gelockert hat. Ich befinde mich nun in einem Schwebezustand. Kann ich schon aufatmen? Wie viel kann noch passieren und das vorläufige Happy End in ein unsägliches Drama verwandeln?

Noch habe ich die rettende Information nicht schriftlich. Noch stehe ich unter Strom. Mein Körper ist im Stressmodus. Wann endlich kommt der Brief? Kommt der Brief?

Während ich nun heute wieder Hoffnung schöpfe, meine Wohnung halten zu können, wird wird diejenige des kranken Alkoholikers und Messies geräumt. Nach einem Wasserschaden vor ein paar Monaten habe ich nur ein paar Zentimeter des Wohnungseingangs erahnen können. Unter Müll und Zeitungsfetzen. Dort lebte ein Mensch. Lange. Im Sommer, wenn es draußen heiß war, sank der faulige Gestank aus dem vierten Stock bis ins Erdgeschoss. Die Kinder aus dem Kinderladen verzogen dann immer die Gesichter: Bei Euch stinkt es ganz eklig!

Heute riecht das ganze Haus riecht nach Desinfektionsmittel. Das Räumkommando, zierliche junge Männer, die kein Wort Deutsch verstehen, trägt zarte Handschuhe und einen dünnen Mundschutz. Wahrscheinlich setzen sie ihre Gesundheit aufs Spiel und bekommen sie für diese traurige Arbeit nicht einmal einen Appel und ein Ei.

Es rumst und poltert, dass ich fürchte, das Haus bricht zusammen. Der Müllberg im Hof wächst und wächst, ausgesetzt den neugierigen, abfälligen, angeekelten Blicken der Nachbarn, Eltern, Kinder. Die Matratze ist schimmlig schwarz und löchrig. Der Kühlschrank braun verklebt und rostig. Riesige ranzige Müllsäcke versperren den Weg. Was von einem Leben übrig blieb.

Ich versuche, nicht an diesen Menschen zu denken, den ich nicht gekannt, nicht einmal gesehen, sondern immer nur gerochen habe. Trotzdem frage ich mich, wie es ihm nun gehen mag. Hat er Hilfe bekommen? Ist er in einer Klinik? Gehört er nun zu den unzähligen Obdachlosen unserer Stadt? Ist er tot? Die traurigen Gedanken stechen mitten in mein Herz. Dabei will ich mich heute freuen. Darüber, dass mein Schicksal, mein menschengemachtes Schicksal, nun doch noch eine gute Wendung nehmen wird. Hoffentlich.

Nörgelheini, Rohrstocklehrer und der gute Wolf

 

Eine Kollegin in der Ergotherapiepraxis hat mich heute darin unterstützt, ein Anschreiben vorzubereiten, mit dem ich einen passenden Platz für mein großformatiges Bild vom Steppenwolf suche.

Widerstreitende Gefühle – einerseits denke ich, dass mein Bild nicht gut genug ist, dass es niemand haben will, dass ich mich damit blamiere (ja, entgegen anderslautender Kritik!; denn – wie es viele von Euch auch aus eigener Erfahrung kennen – ich vergleiche mich ausschließlich mit denen, die etwas viel besser können als ich, damit ich dann schön demütig das Haupt senken und mich klein fühlen kann. Es ist eben ein langer langer langer Prozess, den ich beschreite, aber es geht eben nur stufenweise und der gestrenge Lehrer mit dem Rohrstock feixt).

Der Anstoß, dass ich mich doch getraut habe, potentielle InteressentInnen anzuschreiben, lag letztenendes darin, dass mein Bild in der Praxis natürlich Platz wegnimmt, was mir wiederum ein schlechtes Gewissen macht (ich sollte mich schämen, so viel Raum einzunehmen!, greint der innere Nörgelheini).

Nörgelheini gegen Rohrstocklehrer – das war ein Gefecht, puh! Nun sind aber ein paar E-Mails verschickt und beide innere Kritiker sind erschöpft und halten mal die große Klappe.

 

Hier nochmal die Bilder vom Steppenwolf und auch vom Fliegen, für das ich auch ein Asyl suchen will. Für den Fall, dass Ihr Interesse habt bzw. wüsstet, wer es wollen könnte, dann am besten E-Mail an i_udelnow at hotmail . com . Das ist die Adresse, die ich am häufigsten abfrage.

 

 

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 9

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28.10.2017, Blick von Brücke Schwedter Steg/Schivelbeiner Straße aus nach Süden, zur Baustelle. 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

So!!! Nun endlich kann ich Euch hier wieder Bilder zeigen, die den Gefühlen der zahlreichen Menschen entspricht, die jahrelang engagiert gegen eine Bebauung dieses Areals am ehemaligen Mauerstreifen gekämpft haben. Es ist trüb, dunkel, die Wolken hängen schwarz und tief. Die Fotos stammen zwar von gestern, aber da war die Wolkenstimmung nicht heiterer als heute war.

Das schlagende Argument, mit dem die Bebauungsgenehmigung damals gegen jegliche Einwände durchgeprügelt wurde, war ja: wir brauchen dringend mehr Wohnungen in Berlin. In der Tat mehren sich die Berichte über Wohnungsmangel, rasend steigende Mieten und auch Obdachlosigkeit in der Hauptstadt. Ohne Neubau, und zwar in erheblichem Umfang, wird es nicht gehen, denn Berlin wächst weiter stetig. Aber ob Bauprojekte, wie das hier gezeigte, die Situation entspannen werden, wage ich weiter zu bezweifeln.

Mangel herrscht hauptsächlich an bezahlbarem Wohnraum. Je kaufkräftiger der oder die Suchende, umso größer ist das Angebot, vor allem in den beliebten Innenstadtbezirken. Wer hier allerdings heutzutage noch eine bezahlbare Wohnung sucht, braucht das Glück einer Lottogewinnerin. Am Mauerpark entstehen vor allen Dingen Wohnungen, die nicht mietpreisgebunden sind und somit für die Mehrzahl der Suchenden nicht infrage kommen. Die neu vermieteten teuren Wohnungen werden jedoch den Mietspiegel für die ganze Gegend weiter in die Höhe treiben und somit VermieterInnen der Umgebung ideale Handhabe zu weiteren Mieterhöhungen geben. Es sei denn es geschieht ein Wunder und die Wohnungspolitik wird eine soziale Wende nehmen. Aber angesichts der wahrscheinlichen Jamaikanisierung der künftigen Bundesregierung sollte man lieber auf einen Lottogewinn vertrauen.

Zur Erinnerung (ich schrieb es bereits in einem früheren Beitrag):

Die Groth-Gruppe baut am Mauerpark 227 Mietwohnungen, 42 „senjorengeeignete“ Mietwohnungen, 111 Eigentumswohnungen, 197 Studentenappartments sowie 122 öffentlich geförderte Wohnungen mit entsprechender Mietpreisbegrenzung

227 Mietwohnungen
42 „senjorengeeignete“ Mietwohnungen
111 Eigentumswohnungen
197 Studentenappartments
122 öffentlich geförderte Wohnungen
699 gesamt

 

Von gesamt 699 Wohneinheiten werden also nur insgesamt 122 Wohnungen halbwegs für mittlere bis untere Einkommen erschwinglich sein. Die Preise für die sogenannten Studentenapartments sind aus meiner Sicht eine Frechheit, denn die werden ab 569 Euro warm für 20,5 Quadratmeter vergeben. Für zehn Quadratmeter mehr sind dann schon an die eintausend Euro fällig. Derzeit übrigens beträgt der BAFöG-Höchstsatz (den nur die wenigsten Studierenden bekommen) 735 Euro. Die dürfen dann aber bloß nicht krank werden, weder während des Studiums, noch danach, wenn sie ihre Studienkredite abzahlen müssen. Entgegen vieler Vorurteile steigt zwar mit dem Studium die Wahrscheinlichkeit für ein höheres Einkommen nach Abschluss, ist aber längst kein Garant für ein überlebenssicherndes Einkommen. Trotzdem – bei der Zahl an Studierenden, die in diesem noch immer eine Unterkunft suchen, werden die Eigentümer wohl keine Probleme haben, ihre möblierten Luxusapartments zu vermieten.

 

Bevor ich immer weiter doziere (Sagenswertes gäbe es viel) zeige ich Euch nun endlich die Bilder. Ich bin dieses Mal wieder einmal im die Baustelle herumgegangen, und zwar in Richtung Norden, Westen, Süden, in wieder nach Osten. Zur Orientierung nochmals der Plan, den ich zu Projektbeginn gezeichnet hatte.

 

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Und jetzt geht es los. Die bebilderte Galerie öffnet sich beim Anklicken eines der Bilder.

 

 

 

 

Unter dem Beitrag vom Zeilenende findet Ihr die vielen interessanten Links zu den Beiträgen der anderen.

 

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Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 8

 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

 

Unverkennbar, es ist Herbst geworden. Die Tage sind wieder kürzer, die Bäume färben sich mehr und mehr. Die Äpfel der Bäume ostseits der Baustelle, auf der Wiese vor dem Moritzhof, leuchten weithin rot; Stare tun sich zwitschernd an dem gesunden Obst gütlich, während sich die Baustelle in der scheinbar ewigen Riesenpfütze vor dem Spielplatz neben dem Baugelände spiegelt.

An der Groth-Baustelle wird weiter gearbeitet und ich finde es immer noch kaum vorstellbar, wie schnell doch Häuser gebaut werden können. Heute, am Sonntag, ist es in Berlin dunkel, grau und feucht, doch für diesen Beitrag habe ich vorgearbeitet und die Bilder am Freitag erstellt. Es war schönes Wetter und ich hatte Lust, meinen Baustellenspaziergang vorzuziehen.

Freitag habe ich auch mal wieder von den Höfen der Graunstraße aus, auf Weddinger Seite, fotografiert.  Die Häuser sehen dort schon fast fertig aus, die GEWOBAU, die die entstehenden Sozialwohnungen verwaltet, hat bereits ihr Banner hängen, erste Straßenschilder stehen. Das alte Mäuerchen aus Uraltzeiten ist mittlerweile wieder völlig bekrakelt.  Ein Wachmann warnt höflich vor dem nachtüber freilaufenden Hund. Ich stelle nicht zum ersten Mal fest, wie hässlich, kalt und blutleer man doch auch 2017 noch zu bauen vermag.

 

 

Blickt man aus Süden und aus Osten von der Schwedter Straße aus, kann man den Häusern beim Wachsen zusehen. Da Freitag, also Arbeitstag, ist, sehe ich die Kräne ständig in Bewegung. Bauarbeiter wieseln über die Baustelle, Bagger fahren. Das Haus ganz im Norden zur S-Bahn hin, bekommt eine Dämmfassade.

 

 

 

Von Norden, vom Schwedter Steg aus, kann ich zunächst wegen der blendenden Lichtverhältnisse nicht fotografieren. Aber von der Brücke beim Bahnhof Gesundbrunnen habe ich eine sehr gute Sicht.

Am Abend gehe ich noch einmal auf den Schwedter Steg, wo ich nicht die einzige bin, die an diesem schönen ersten offiziellen Herbsttag den Sonnenuntergang beobachtet. Der Himmel ist jetzt völlig wolkenfrei und ich habe einen viel zu romantischen Blick auf die Berliner Kran-Skyline und die Baustelle.

 

 

Wie mag es hier in einem Monat aussehen?

 

 

Unter dem Beitrag vom Zeilenende findet Ihr die vielen interessanten Links zu den Beiträgen der anderen.

 

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Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Wider den Herbstblues

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Der Chor, August 2017, (c) Agnes Podczeck

 

Üblicherweise beginne ich bereits im August, wehmütig zu werden, das nahende Ende des Sommers zu betrauern und mich vor den dunklen, kalten und nassen Herbst- und Wintermonaten zu fürchten.

Natürlich weiß ich, dass das unnütz ist; der Sommer wird vergehen, wie jedes Jahr. Ändern kann ich daran nichts, solange ich in dieser Klimazone lebe und mit meinem Gram mache ich mir nur selbst das Leben schwer. Das ist mir alles klar, glasklar – vom Verstande her.  Aber einige von Euch werden selbst erfahren haben – das Wissen um Zusammenhänge ist das eine. Eine ganz andere Angelegenheit sind die tatsächlichen Emotionen, die Stimmen, die sich im Inneren regen und die jeglicher Vernunft zum Trotz die Gefühlswelt in einer Art und Weise beeinflussen, die rationalem Denken, Wissen und Verstand absolut nicht zugänglich sind.

Und so waren auch einige Tage im diesjährigen August geprägt von einem unbestimmten Gefühl der Gefahr, der Bedrohung, des nahenden Endes. Der kommenden Dunkelheit. Verbunden mit einem tragischen und mich selbst blockierenden Zusammenhang: je schöner und heller die Tage, desto trübsinniger die Stimmung, desto größer die Angst und desto stärker blockiert mich die drohende Wand der baldigen Dunkelheit.

Noch ist die Wand nicht dicht genug, dass mich mich nicht gegen sie wehren kann. Drum will ich nun genau das Gegenteil von dem tun, wonach mir zumute ist und hoffe – ja vertraue sogar – auf Selbstkonditionierung.

Den September begrüße ich hier mit diesem tierischen bunten Chor.

Ich mache mich auf die Pirsch nach den bunten Farben des eintreffenden Herbstes. Vermehrt wird wird es wieder Fotobeiträge von meinen Achtsamkeitsspaziergängen geben, bei denen ich Schönheit der neuen Jahreszeit entdecken und die allmählichen Veränderungen bewusst wahrnehmen werde.

Zudem habe ich eine neue Kraftquelle für mich entdeckt. Ich habe letzte Woche ein Gebiet Wald in der Schorfheide entdeckt, mit der Bahn bequem und kostengünstig erreichbar und dennoch menschenleer. Kilometerweit kann ich gehen, ohne eine Straße zu queren, ein Auto zu hören, auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Der Wald ist dicht und so abwechslungsreich, wie ich es so nahe bei Berlin niemals vermutet hätte. Die Kraft, die mir eine einzige einsame Waldwanderung dort gegeben hat, machte mir den nötigen Mut, dass ich die kommende Zeit nicht nur überstehen, sondern auch werde genießen können.

Für alle, die ähnlich mir mit dem Sommerende hadern: morgen soll es den ersten Die-Schönheit-des-Herbstes-Beitrag geben. Vielleicht habt Ihr ja Lust, Euch anzuschließen? Dann verlinke ich Euch gern.

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Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

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Im durchwachsenen Berliner Sommer wuchs nicht nur das Gras auf den um diese Jahreszeit eher gelb-trockenen Wiesen. Inzwischen sind auch im mittleren Baustellenabschnitt  Gerüst und Fassade so hoch, dass sie weithin sichtbar sind.

 

Gras ist also nicht über die Baustelle gewachsen. Ebenso nicht über die Befürchtungen von AnwohnerInnen ost- und westseits der neuen Luxusbauten, dass die teure Nachbarschaft sich weder besänftigend auf Wohnungsknappheit noch auf Mietpreisentwicklung (Mietspiegel) auswirken wird. In meinem Mietshaus gab es übrigens diesen Sommer erst eine Anpassung der Miete an den Mietspiegel – selbstredend nach oben. Nur ich bin davon nicht betroffen gewesen, da meine Miete für meine unsanierte dunkel-kalte Hintterhaus-Erdgeschosswohnung ohnehin recht hoch angesetzt ist.

Da möchte man doch manchmal ausrufen, Hopfen und Malz sei verloren. Aber nein, so ist es gar nicht. Zumindest der Hopfen gedeiht hier wieder hervorragend und wuchert ungestört und munter. Wie jedes Jahr werden bald Kinder kommen, die Hopfenblüten abrupfen und von oben hinunter in den Senkgarten rieseln lassen. Einen Heidenspaß werden sie haben.

 

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Klettere ich auf die Bank, die unter diesem Hopfen steht, kann ich vielleicht ein letztes Mal hinüber zu den Häusern in der Graunstraße blicken.

 

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Derzeit einmalig ist der Blick, den ich von hier Richtung der Westseite des Gleimtunnels habe, wo die Groth-Gruppe derzeit ihr schickes Büro hat, dessen einst eingeworfene Scheiben übrigens längst ausgetauscht sind.

 

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Wenn man dann vor diesem Büro steht, hat man dieser Tage dementsprechend ebenso Sicht auf die Schwedter Straße. Lange wird auch das nicht währen.

 

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Blicke ich von Norden aus, von der Schwedter Brücke, nach Süden zur Baustelle, erkenne ich auf den ersten Blick kaum Unterschiede zum Vormonat.

 

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Sehe ich genauer hin, entdecke ich zarte Vorboten des Herbstes.

 

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Auch die Pappeln vor dem Moritzhof haben bereits gelbliche Blätter.

 

 

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Besonders herbstlich wirkt die Natur, wenn ich mich von Süden aus der Baustelle nähre.

 

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Ein zarter Vorgeschmack darauf, was uns die kommenden Monate bringen werden.

 

Beim Vormonatsbeitrag vom Zeilenende findet Ihr die vielen interessanten Links zu den Beiträgen der anderen. Ich will jetzt erst einmal dem Spätsommersonntag huldigen, statt Links zu sammeln, was Ihr, wie ich Euch kenne, gutheißen werdet. Die Links kommen dann später.

 

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Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

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Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Zweite Blüte

 

 

Als ich heute durch den Tiergarten fuhr, leuchteten mir vereinzelte weiße Rhododendrenblüten entgegen. Merkwürdig, dachte ich und fürchtete sofort, die Pflanzen seien durch den nassen Sommer durcheinander gekommen und würden nun ihre Blüten für den nächsten Mai bereits jetzt verpulvern.

Bei verschiedenen Online-Gartenratgebern fand ich Beruhigung. Eine Nachblüte komme bei manchen Arten gelegentlich vor und habe keinerlei Auswirkung auf die Blütenfülle im folgenden Jahr. Da kann ich also beruhigt die Schönheit der Blüten genießen.

***

Gab es auch vergangenes Jahr eine solche zweite Rhododendrenblüte? Ich kann mich nicht daran erinnern, würde mich aber nicht wundern, wenn ich die Blüten vor lauter früher Furcht vor dem baldigen Herbst gar nicht wahrgenommen hätte. Vor einem Jahr war ich voller Panik und fühlte mich unfähig, das Jetzt wahrzunehmen. Das Morgen schien riesig drohend vor mir zu lauern, alle Freude verursachte vielfachen Schmerz.

Diesem damaligen Weltuntergangsgefühl ist es aber auch zu verdanken, dass ich nun mein einjähriges Blogjubiläum feiern kann, denn in einer spontanen Sofortaktion legte ich eines Abends diesen WordPressaccount an und veröffentlichte das Gedicht, das mir am Nachmittag zuvor auf einer Bank im Tiergarten aus der Feder gesprungen war. Ich bin es noch immer, und doch bin ich eine andere, als die, die diese Zeilen schrieb.

https://agnesblogsite.wordpress.com/2016/08/09/first-blog-post/

Mein Dank gilt Euch, die Ihr hier lest und kommentiert und die Ihr selbst so spannende Beiträge schreibt, dass ich oft das Gefühl habe, dass sich mein Gedankenhorizont dank dieses Austausches Stück für Stück weitet.

 

 

 

 

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 6

 

Das Zeilenende hatte im Februar zu einem gemeinsamen Fotoprojekt aufgerufen – zwölf Monate lang soll jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Momentaufnahme eines selbstgewählten Motivs präsentiert werden.

Der Aufruf erzeugte ein überwältigendes Echo und auch ich bin von der Idee so begeistert, dass ich hier das Wachstum der zu recht umstrittenen Baustelle des ebenso umstrittenen Investors Groth Gruppe am Berliner Mauerpark dokumentiere.

 

Halbzeit; die erste Hälfte des Projektzeitraums ist nun vorbei!

Ich will nicht jammern, dass die Zeit so schnell vergeht. Aber … Und doch liegt es mir auf der Zunge. Schon allein deswegen, weil dies mein letzter Beitrag als Enddreißigerin ist. Fast ein ganzes Jahr lang hatte ich Angst vor dem morgigen Tag. Inzwischen bin ich etwas zuversichtlicher, was auch daran liegt, dass ich langsam das Gefühl habe, aus dem Psychotal herausblicken zu können und dabei nicht mehr nur schwarz sehe. Somit kann ich sagen, dass mein allergrößtes Geschenk ist, dass ich diesen Tag erleben kann, ohne Nebel vorm Gesicht, Abgrund vor den Füßen und der schwarzen Hand, die gern mein Herz zerdrückt. Zudem wird es nach den Regenmassen und der Kühle der letzten Tage (Wochen …) wohl ein warmer sonniger Tag werden und — ich werde meine Töchter um mich haben. Kann ich mir mehr wünschen?

Jetzt merke ich aber doch, wie ich gerade immer unruhiger und aufgeregter werde und das nicht in so positivem Sinne wie damals noch als Kind. Normalerweise mache ich überhaupt kein Gewese um meinen Geburtstag, aber die Vierzig, die mich morgen erwartet, fühlt sich bedrohlich an. Und das obwohl ich weiß, dass ich einige Leserinnen und Leser jenseits der Fünfzig habe, die jetzt milde und wissend in sich hineinlächeln.

 

Aus diesem Grunde gibt es hier auch einen relativ knapp kommentierten Monatsblick auf die Groth-Baustelle; und ich habe mir ebenfalls gespart, die auffällig gewachsene Baustelle von der Westseite aus abzulichten. Ich zeige statt dessen die Brücke, von der aus ich die nun fast fertige Fassade der Nordseite des Gebäudekomplexes fotografiere, und ebenso die Bank, auf die ich immer klettere, um einen Blick über die Hecke auf die neu entstehenden Häuser zu werden.

Außerdem habe ich der Fotodokumentation noch einige Bilder aus dem nahen Sonntags-Party-Mauerpark hinzugefügt, von dem aus man die inzwischen vier Kräne der Groth-Baustelle auch sehr gut sehen kann (wobei Kräne in einer Stadt wie Berlin ganz und gar kein Alleinstellungsmerkmal sind).

Zum Abschluss der Fotostrecke dann noch in Erinnerung an die Rhabarber-und Hyazinthe-Reihe aus dem Frühjahr ein Blick auf die grün wuchernden Straßenkübelbeete meiner Häusernachbarin in meiner Straße.

Jetzt geht es – husch – für mich zurück in die Küche, damit der Schokoladenkuchen für morgen endlich gebacken werden kann.

Ich gehe nicht davon aus, dass ich mich morgen in der Blogwelt blicken lasse, also wünsche ich Euch heute schon einmal: Kommt gut in den August!

 

 

Wenn ich richtig gut bin, dann werde ich an dieser Stelle zu späterer Zeit die Verlinkungen zu den anderen Teilnehmenden einfügen.

Der Link zum Beitrag des Initiators der Blogparade, zum Herrn Zeilenende ist aber obligatorisch. Die Links zu den Posts der anderen werdet Ihr dort finden können.

 

Meine eigenen bisherigen Paradenbeiträge:

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 5

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 4

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 3

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt 2

Groth statt Grün – Zeilenendes Fotoprojekt

Mut zur Veränderung

 

Gerda Kazakou (https://gerdakazakou.com) gab mir heute in ihrem Kommentar den letzten Stups, Layout und Headerbild meines Blogs anzupassen.

Ich hatte bereits länger schon darüber nachgedacht, dass das düstere Schwarz im Hintergrund und das traurige Gesicht im Headerbild, nicht mehr ganz zu mir passen und auch mit Clara (https://chh150845.wordpress.com) hatte ich vor Wochen schon einmal eine kurze Unterhaltung zu diesem Thema.

Ich schrieb Gerda heute als Antwort, dass ich auf meinen inneren Impuls warten würde, die Seite anzupassen. „Entscheidungen zu fällen, Loszulaufen oder auch Dinge loszulassen“ fiele mir eben noch immer schwer.

Sodann wollte ich mich wieder auf mein Sofa zurückziehen, denn heute habe ich das Gefühl, meinen Kopf nach so vielen Impulsen während der letzten Tage und Wochen dringend in den Sand stecken zu müssen.

Dann aber ratterten die Gedanken. Mein Homepagelayout hat mich schon mehrere Wochen lang gestört und doch hatte ich es bisher einfach nicht geschafft, dem Veränderungsdrang nachzugeben. Warum?

  1. Perfektionismus: Wenn schon Änderung, dann würde ich natürlich alles perfekt machen wollen. Die Seitenstruktur überprüfen, Korrektur lesen, ein neues Gravatar-Bild und und und. Keine halben Sachen ist mein Motto, was aber eben auch sehr hemmend sein kann. Denn was nicht perfekt zu werden verspricht, wird eben auch schwer angefasst.
  2. Entscheidungen fällen: welches neues Layout, Hintergrundfarbe, Schriftfarbe, Headerbild ja/nein und wenn, dann welches? Für mich eine meterhohe Hürde.
  3. Loslassen – Immerhin habe ich mich an das alte Layout gewöhnt. Es ist nun weg, vorbei, im Mülleimer der www. Aber das bedeutet ja – Trennung!, Verlust!, in gewissem Sinne ja auch Sterben! Irgendwie war der Blog eine gewisse Konstante, ein Pflock, ein Fels während der letzten Monate. Geht das nicht verloren mit dem neuen Äußeren? Natürlich weiß ich – der „verständige“ Teil in mir -, dass es hier nur um Äußerlichkeiten geht, Kinkerlitzchen. Absolut nicht der Rede wert. Dennoch – das Kindlein in mir jammert, klammert, ist betrübt.
  4. Der wichtigste Hinderungsgrund aber: Ich hatte / habe Furcht vor dem Versagen. Was ist, wenn ich auf meinem weiteren Weg scheitere? „Verdiene“ ich überhaupt ein fröhliches Layout oder bin ich eine Lügnerin, eine gemeine Betrügerin, die Euch nur einen angeblichen Fortschritt vorspielt? Jede Besserung, jeder kleine Schritt nach vorne, den ich tue, macht mir Angst, denn die Fallhöhe nimmt zu. Je besser es mir geht, desto tiefer kann der Absturz sein. Und wenn ich stürze, so behauptet mein depressives, kleines, krankes, angstdurchdrungenes Ich, dann bin ich selbst schuld, war ich nicht fleißig genug, nicht achtsam genug, habe nicht genug Sport gemacht, habe meine depressiven Gedanken nicht unter Kontrolle. Denn schließlich habe ich eine läppische Volkskrankheit, mit der Abertausende auch ihr Leben auf die Reihe kriegen, arbeiten gehen und sich um ihre Familie kümmern. (ja, „verrückt“, oder? Je öffentlicher das Thema Depression diskutiert wird, je mehr bekannt wird, dass so viele Menschen diese Krankheit haben und eben halbwegs damit zurechtkommen und nicht ewig unten auf dem Boden bleiben, um so größer wird der Druck, den ich verspüre. Denn ich muss auch so erfolgreich wie all die anderen DepressionsüberwinderInnen sein.)             …….Und was hat das jetzt mit dem Layout zu tun? Nun, ich habe einen ganz schrecklichen Hang zu Symbolik, symbolischen Akten. Ein hoffnungsvolleres Blogdesign steht symbolisch für meine Fortschritte im Kampf gegen die / mit der Krankheit. Eine Anpassung des Designs der Seite erhöht also auch den selbstgeschaffenen Leistungsdruck: „Dieses Niveau musst Du halten. Schaffst Du das nicht, bist Du eine Versagerin.“

Gedanke reihte sich an Gedanke, während ich auf dem Sofa lag – nur an Ruhe war nicht mehr zu denken. Also stand ich auf, setzte mich an den PC und — nahm Gerdas Impuls auf (Danke hier nochmal an Dich) und installierte ein neues Theme. Siehe da, da ist es nun.

Das reicht an Worten. Finde ich. Jetzt will ich mit meinem Kopf ganz schnell wieder tief zurück in den Sand stecken!